Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Author Archive:

 

Es war damals digitales Neuland und die Grenzen waren strikt gesteckt: nicht mehr als maximal zwei Stunden täglich erlaubte man sich anfangs an diesem Ungetüm genannt personal computer, nach einer Zeit des Widerstands als Suppenkasper trotziger Digital-Verweigerung: „Nein, nein, nein …!“ Ende der Neunziger brachen dann die Dämme. Ein Freund drückte mir eine Maus in die Hand, die einen Heiden-Respekt einflösste: „Nun aber mal ran!“ Unbeholfen druckste ich nun an seinem Schreibtisch sitzend rum, während seine Kinder mir auf Schoss und Rücken rumkrabbelten. Ich hatte Angst, etwas kaputt zu machen im Inneren der Blackbox durch einen falschen Klick. Lang ist’s her und gegen manche Neuerung kämpft man vergebens an. Später dann entwarf ich mal spielerisch eine Phantasie-Webseite, geboren aus der Lust an gestalterischer Selbstspiegelung, in die ich auch das erworbene Wissen eines Computerkurses einfliessen liess. Ich sammelte verschiedene Zitate aus Literatur, Philosophie und Psychologie, die etwas für mich Bedeutendes auf den Punkt brachten. Bis heute hat sich diese Vorliebe erhalten, die sich darin zeigt, dass ich auch gute Sätze von Freunden und Bekannten auf ewig im Gedächtnis bewahre. Von Lajla beispielsweise das bonmot beim morgendlichen Frühstück eines Mana-Treffens in Leinfelden-Echterdingen: „Was soll man sich denn anschauen, wenn nicht die Welt?“. Eines Sommers kam ich auf einer Bank am Kanal mit einem rüstigen Rentner ins Gespräch, der sich gerade ein E-Bike zugelegt hatte. In der Unterhaltung fiel sein Satz für die Ewigkeit: „Hannover hat raue Radwege.“ Die Slicks am Stadtfahrrad waren schnell und wendig, ich schätzte sie dafür. Sie bereiteten aber stets ein Unbehagen, hinsichtlich holpriger Strecken nicht angemessen gerüstet zu sein. Aufgrund eines platten Reifens und dem damit verbundenen Ungemach zog ich kürzlich eine profiliertere Gummimischung auf. Bei der Fahrt durch Matsch oder über spitze Steine nun endlich das Gefühl von wohliger Stimmigkeit (ganz ähnlich einer Winterjacke, wenn es friert).

 

2023 21 März

mehr märzloops

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 3 Comments

 

„oriental drift“

 

„headlong ahead“ (added march 21th)

 

„heartbeat“ (added march 23rd)

 

 

2023 7 März

märz-loops

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: , | 2 Comments

 

„pulsation“

 

[curious about jon hassell’s psychogeography (zones of feeling) I listened to the first track of the album and immediately felt the strong need to create a somehow asymmetrical, pulsative floating loop with occasional bass dabs]

 

„snowflake“

 

„bass jumps“ (added march 15th)

 

2023 6 März

mixed pickles

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 6 Comments

 

Ziemlich in der Mitte zwischen Weihnachten und Sommer liegt die saure Gurkenzeit – zumindest, was Serien betrifft, so scheint’s. Da freut man sich, dass es noch kleine Köstlichkeiten gibt wie der grossartige Western 1883 und die humorvoll-erotischen Urlaubsepisoden an der sizilianischen Küste in The White Lotus. So können dann auch ARD-Programme glänzen und hätte ich jemals behauptet, im deutschsprachigen Milieu gäbe es nichts Gutes, so nähme ich alles zurück: die an Big Little Lies angelehnte heiter-dramatische Krimigeschichte wurde aus Kalifornien ins Östereichische transponiert und besitzt ein ganz eigenes Kolorit. Vier Freundinnen und der ungeklärte Todesfall eines sadistischen Gymnasialdirektors machten grossen Spass. Unvergesslich der dröge Wortwitz einer Kommissarin, die ununterbrochen Kuchen isst. Slow Horses nennt sich das gediegene, gut gereifte Handwerk des subtilen englischen Schwarzhumors, verpackt in der Geschichte einer von der Regierung aufs Abstellgleis gestellten „Versagertruppe“ britischer Geheimdienst-Agenten, die sich aber dann doch allesamt als ziemlich gewieft und professionell zeigen. Hallelujah ut di wat nix? Denkste wat – das vermeintlich dümmste Huhn findet oft die dicksten Körner und das auf Nebenwegen. Überraschend war The Last of Us: ein aggressiver Parasiten-Pilz befiel die Erde und machte Befallene zu tötenden Zombies. In einer dystopischen Nachwelt kämpfen nun ein Mycel-immunes, aufgewecktes Teenie-Girl und ein älterer erprobter Kämpfer ums Durchkommen: menschlich warm und sehenswert, in atemberaubenden Bildern. So schön kann Weltuntergang sein. Ich wollte ihr eine Chance geben, stieg deshalb quer ein bei Staffel Vier, aber letztlich enttäuscht und deshalb nicht am Ball geblieben bin ich bei Babylon Berlin. Klar, kann man gucken, aber muss nicht: filmhandwerklich und schauspielerisch solide (Meret Becker ist ’ne Show), leider etwas überfrachtet und angestrengt, auch deshalb knapp unterhalb des Binge-Faktors.

 

2023 2 März

Zaubern können

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 7 Comments

 

In den Träumen, die ich erinnerte, gab es zwei Sequenzen, die sich häufig wiederholten: zum Einen die Panik, kurz vor dem Abitur völlig unvorbereitet zu sein und der schockierenden Tatsache gegenüberzustehen, nicht ein einziges Mal in all den Jahren meinen Hausaufgaben selbst gemacht zu haben und nun gnadenlos geprüft zu werden. So muss Odysseus sich gefühlt haben in so mancher Meeresenge. Meistens war der folgende Tag die deadline, es gab also nichts aufzuholen. Ähnlichkeiten mit realen Vorkommnissen sind nicht rein zufällig: ein Prüfer meinte mal, da habe wohl der „liebe Gott“ mitgeholfen. Summa summarum fand man sich so manche Nacht senkrecht, schweissnass und hellwach im eigenen Bettgemach, sortierte sich dann aber recht schnell: „Huiuiui, nochmal gutgegangen!“. Ganz das Gegenteil dies: mittels Autosuggestion konnte man fliegen, konnte jeder Bedrohung flugs entweichen und das mit grosser Lust. Man hob ab, nur bei nachlassender Gedankenkraft verlor man an Höhe. Der Wunsch zu fliegen ist ja ein menschlicher Archetyp. Ich hatte den Traum jetzt lange nicht mehr, nicht nur diese Potenz schien sich abzuschwächen, irgendwann aus irgendwelchen Gründen. Was aber bis heute bleibt, ist eine Verwandtschaft zu jenem Erleben, dass in den flow von Wahrnehmungen führt. Man muss den Sprung vollziehen, weg vom begrenzten Tellerrand. Dann stellt man mit Erstaunen fest: das Leben wird trotz kurzzeitiger Perspektiv-Verengungen plötzlich wieder zum reizvollen Parcours. Es ist wie auf dem Jahrmarkt: „Schau mal dort, und hier will ich noch rein!“ Dabei verliert und gewinnt man sich zugleich. Es ist so einfach, wie die Simple Minds es singen: „First you jump, then get wings.“ Der Soziologe Dietmar Kamper schrieb dazu: „Das Leben lebt nicht. Man muss zaubern können.“ Und der unvermeidliche Martin Heidegger sprach vom Rettenden, das bei Gefahr stets mitwächst.

 

2023 23 Feb.

Zur Gitarre

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags:  | 4 Comments

 

„leaning back“

 

„pushing forward“

 
 

Zum Gehör heisst das kleine Büchlein des Philosophen Jean-Luc Nancy, über das Lajla kürzlich schrieb und das sie mir netterweise mit Grüssen aus Spanien schickte. Wie nähere ich mich ihm an? Nun, ich werde es sicherlich eine Weile mit mir herumtragen, mich dem (spröden?) Text vorsichtig nähern. Was hilft, ist eine noch nicht erloschene Liebe für den „Text an sich“, in dem Inhalt nicht unbedingt transportiert werden muss, sondern die Buchstaben tanzen. Eine alte Gewohnheit schlief nie ein: nachdem ich eine Weile mit Dingen wie Lesen, Filme sehen und dergleichen beschäftigt bin, zieht es mich fast zwanghaft in die Klangwelt. Früher legte ich eine Platte auf den Teller, schob eine CD ein oder griff zur Konzertgitarre. Heute ist es die Fenderwelt. Es ist ein Sog: kein Markus Lanz, kein Mummenschanz ohne den Gegenpol, den Kosmos im Gehör. Nur so gehört man sich. Es ist wie Kämmen. Oben zwei Proben aus dieser Woche.

 

2023 16 Feb.

Schwarz und Schwarzer

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments

Die Vorstellung der Autorinnen und Autoren, man könne Frieden herstellen, indem man „Frieden!“ ruft, ist mir zuwider.

(Herfried Münkler, Hannoversche Allgemeine Zeitung)

 

Vor Zeiten las ich mal, Faschismus sei ein Kurzschluss von Philosophie und Politik, aus dem heraus der Weisungsauftrag einer imperialistischen Landnahme und die Unterwerfung fremder Völker aufgrund einer philosophisch oder idealistisch konstruierten „nationalen Identität“ entsteht. Ein Vergleich mit Nazi-Deutschland mag hinken, aber genau dies ist der Fall: Putin und seine Schergen führen einen Angriffskrieg aus der von ihnen selbst ernannten Legitimation einer „russischen Identität“ heraus. Und ebenso wie im Dritten Reich spielen auch Ressentiments mit, als ein Volk von anderen ungerecht behandelt worden zu sein und nun beleidigt Rache zu nehmen. „Wir feiern hier ’ne Party und du bist nicht dabei!“ sang Herbert Grönemeier. Als die Menschen auf dem Maidan für Freiheit und Demokratie tanzten, da konnte das den reaktionären und verklemmten Humpelbeinen um Putin, gestützt natürlich durch die katholisch orthodoxe Kirche, nicht recht sein: „Wo schwarze Pädagogik war, soll schwarze Politik sein, immerdar!“ Mir scheint, bei den Publicity-Profis Wagenknecht und Schwarzer ist der Groschen hier noch nicht gefallen, besser: sie haben den Schuss nicht gehört! Es geht nicht um verhandelbare Ausbalancierungen von Blöcken zum Zwecke der Friedenssicherung wie einst zu Breschnevs und Brandts Zeiten, sondern schlichtweg um russischen Faschismus. Wer hätte denn mit Hitler verhandelt?

 

2023 14 Feb.

white wall

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments

 


 

 

audio

 

2023 30 Jan.

January Listenings

| Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 4 Comments

 

Taylor Swift – „This Love“
Sarah Jarosz – „Johnny“
David Crosby – „Secret Dancer“
Carlinhos Brown – „Seo Zé“
Sting -„Harmony Road“
Taylor Swift – „Anti-Hero“
Joni Mitchell – „Sex Kills“
John Martyn – „Lookin‘ On“
Carlinhos Brown – „Crendice“
Ruben Blades – „Paula C“
Tori Amos – „Caught a Light Sneeze“
Taylor Swift – „Snow on the Beach“
Udo Lindenberg feat. Clueso – „Cello“
The National – „Tropic Morning News“
Celia Cruz – „Por Si Acaso No Regreso“

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz