Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2023 20 Juni

Floh des Tages

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Gestern stiess ich per Zufall (unbewusste Wahl) auf ein Gespräch mit Hans-Peter Hempel, dessen im Reclam-Verlag erschienene Bücher über Yoga und Zen ich einst gerne las: es war wohl die Verbindung mit Gesellschaftskritik, denn der Autor war auch Professor für Politologie. Hempel, geboren 1934, sprach zunächst über seine Kindheit in Berlin – etwas ungeduldig spulte ich vor und sah plötzlich meine eigenen Gedanken gespiegelt: er wunderte sich, dass es so wenig Bücher über das Altwerden gäbe, klar, da sei der Essay von Jean Amery, doch der sei sehr gestelzt geschrieben (ich stimmte zu, wundere mich ja in aller Regelmässigkeit über so manchen gestelzten Jargon vergangener Epochen). Dann erinnerte Hempel an Heidegger, über den er ja ein Buch geschrieben hatte: der Tod sei ein Existential. Und angesichts dessen würde alles Vergangene noch einmal durchgekaut, Szenen vergangener Tage. Alte Bücher würden wieder gelesen, manches unvergänglich aktuell, anderes dagegen: was für’n Quatsch, mit dem man sich da einst beschäftigt hatte! Dass die Ehefrau im hohen Alter zur eigenen Mutter werden könne, die dafür sorge, dass man seine Medikamente richtig einnehme, stimmte ihn bedenklich. Heute nahm ich seine Reclam-Bücher aus dem Regal, mein Flow des Tages. Abends dann wohl erneut ein Julian-Lage-Konzert, im Breitbildformat auf grossem Schirm – und in High End, versteht sich: wir sehen uns!

 

2023 16 Juni

„looping eastward“

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a u d i o

 
 

2023 9 Juni

Ein Buch mit Kraft

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„Man kann jedoch seine Gedanken nicht aufmerksam und ohne jede Wertung dabei beobachten, wie sie auftauchen und wieder verschwinden, wenn man nicht bereit ist, sich dann auch auf radikal ehrliche Weise dem zuzuwenden, was man schrittweise zu sehen beginnen wird: die leidvolle Ruhelosigkeit des eigenen Geistes; die eigenen Gewaltfantasien; den Neid und das Bedürfnis nach Vergeltung; die Langeweile und die Gekränktheit; die subtilen Grundgefühle von existenzieller Einsamkeit, innerer Leere und Verzweiflung.“

Thomas Metzinger, Bewusstseinskultur

 

Der Philosoph und Kognitionsforscher Thomas Metzinger ist ein interessanter Autor, der viel Erfahrung hat mit meditativen Praktiken und dem sachgemäßen Ausprobieren einer Vielzahl von bewusstseinserweiternden Substanzen, die er einer kritischen und letztlich Abstand nehmenden Betrachtung unterzieht. Er verbindet innere Schau mit politischem Engagement, indem er beispielsweise „intellektuelle Redlichkeit“ einfordert hinsichtlich der durch unseren Lebenstil verursachten drohenden Klimakatastrophe: die Zeit des Optimismus sei vorbei. Ich musste schmunzeln, als er in einem Gespräch auf die provokante Frage (angesichts seiner offensichtlich agnostischen Grundhaltung), ob er Hoffnung habe, Krishnamurti zitierte mit den Worten, Hoffnung sei ihre eigene Hölle. Ich erinnere mich an eine tiefere Meditationserfahrung auf einem Sufi-Camp Mitte der Achtziger Jahre. Mir fiel damals auf, dass mein Geist sich störend an Dinge und Projekte heftete, die aus einer gefühlt unvollkommenen Gegenwart hinaus in einer projizierten Zukunft Identität, Verwirklichung und Erfüllung bringen sollten. Nach dem Motto: „Ja, wenn ich erst den neuen Fitness-Tracker habe, dann fange ich an zu laufen“.

 

2023 28 Mai

Listen, Listen

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TV Events in 2023

 

  1. Succession – Season Four (wow) 10/10
  2. 1883 – Limited Series (paramount+) 9/10
  3. 1923 – Limited Series (paramount+) 9/10
  4. Weissensee – All Four Seasons (netflix / ard+) 9/10
  5. Ted Lasso – Season Three (apple tv+) 8/10
  6. Beef – Season One (netflix) 8/10
  7. The Marvelous Mrs. Maisel – Final Season Five (amazon prime) 8/10
  8. The Americans – Season Two (amazon prime) 8/10
  9. The White Lotus – Season Two (wow) 7/10
  10. Transatlantic – Miniserie (netflix) 7/10
  11. Last Exit Schinkenstrasse (amazon prime) 7/10
  12. Luden – Miniserie (amazon prime) 7/10
  13. Tulsa King – Season One (paramount+) 7/10
  14. Tage, die es nicht gab – Limited Series (ard) 7/10
  15. Slow Horses – Season Two (apple+) 7/10
  16. Shrinking – Season One (apple tv+) 6/10
  17. The Last of Us – Season One Ep 1-7 (wow) 6/10
  18. Justified – Season Three (freevee) 6/10
  19. Yellowjackets -Season One Ep 1-8 (wow) 5/10
  20. Poker Face – Season One Ep 1-6 (wow) 5/10
  21. Babylon Berlin – Season Four Ep 1-3 (wow) 4/10

 

 

 

Album Listenings in May

 

Daniel Humair –Drum Thing
Louis Sclavis – Asian Fields Variations
Vincent Courtois – Finis Terrae
Borderlands Trio – Asteroidea
Thomas Strønen – Bayou
Tyshawn Sorey Trio – The Off-Off Broadway Guide …
Berne / Roberts / Nealand – Oceans And
Tom Rainey Obbligato – Untucked in Hannover
Young / Eilertsen / Kleive – Eventually
Trio Cellin Celea Humair – New Stories

 

2023 24 Mai

„simply spread“

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a u d i o

 

2023 13 Mai

Traumhafter Stoff

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[in östlichen weisheitslehren und vielen meditativen praktiken geht es darum, sein „ich“ aufzulösen und mit dem „ganzen“ zu verschmelzen. das kann auch beim musikhören geschehen. normalerweise bleibt ja eine kritische distanz in der rezeption. gestern dieser überraschungsmoment, als ich in ein mir bis dato unbekanntes album eintauchte, auswählt als objekt einer allabendlichen „albumstunde“, um es kennenzulernen. zunächst dies: ein brilliantes sopransaxophon und ein piano, dazu kraftvolle perkussive geräusche (ich dachte an oregon). „hey, was ist das denn jetzt?“ kurz ins internet geschaut (ich muss immer wissen, wer und was da spielt). es stellte sich als ein cello heraus. zurück am ort des geschehens, zog es mich dann vollends weg, wie im traum. eine zarte, intime frauenstimme gesellte sich bald hinzu, singend, flüsternd, rezitativ. ich dachte nur halbtrunken und verschmolzen: „diese musik, das bin ich selbst“ und auch so etwas wie „album des jahres“]

 

bandcamp.com / l’étoffe des rêves

2023 11 Mai

early morning haiku

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Über den Wohnblocks
kreisen die Wucher-Geier
und fordern Mietzins.

 
 

[man nehme sich ein blatt papier und ziehe mittig vertikal einen trennstrich: der erste schritt zur dialektik hin. jung und alt, hip and square, links und rechts: weil ich arm bin, bist du reich. am nächsten sonntag wird in der türkei gewählt: liberal oder reaktionär. der paternale erdogan schiesst sich auf die queer-szene ein. norbert bolz bricht eine lanze für den alten weissen mann. die gentrifizierung schreitet voran. in frankreich brennt es auf den strassen. der deutsche michel fügt sich geduldig]

 

2023 30 Apr.

april listenings

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Vagabound – Dominic Miller 6/10
At First Light – Ralph Towner 8/10
And I Love Her – Marc Copland 8/10
The Elements: Water – Dave Liebman 8/10
Voices – Marc Copland 8/10
Got the Keys to the Kingdom – Chris Potter 7/10
Another Place – Marc Copland 8/10
Once Around The Room – Jakob Bro 7/10
New Standards Vol. 1 – Terri Lyne Carrington 8/10
Open Land – John Abercrombie 9/10
Carnival Celestial – Alexander Hawkins 7/10

 
 

Seit Längerem schon verspürte ich Lust und Neugier, mal wieder in der Landschaft der Alben und Elfen ausgiebig rumzuströmern. Dank allgegenwärtiger Verfügbarkeit von Datenstrom-Zuflüssen – wir leben ja im medialen Paradies! – blieb nur die Frage, wie eine akzeptable Streaming-Qualität in der heimischen Klanghöhle herzustellen sei. Ein zündender Einfall brachte die Lösung: kein Schnickschnack und kein sündhaft teurer Receiver musste extra her – nein, mittels kurzen Geistesblitzes wurde zwischen Laptop und höherwertigen headphones ein aus MP3-Zeiten vorhandener mobiler Kopfhörerverstärker geschaltet und dynamisch kraftvoll ging die Post ab. Das Ritual: am frühen Abend ein Album zur Gänze konzentriert hören, aus dem Bauch heraus intuitiv ausgewählt, ohne lange zu überlegen. Denn merke: genau das, was interessiert, ist von Interesse! Die skizzierten obigen Ziffern sind keine Bewertung, lediglich ein subjektiver Hinweis auf die Wirkung (impact) während der Rezeption. Alle genannten Alben sind durchweg hörenswert. John Abercrombies Open Land mit klasse Besetzung kannte ich noch nicht. Hat mich umgehauen, Samadhi-Faktor Nine of Ten.

 

2023 15 Apr.

invited by nature art

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[das sonnenlicht garantiert starke kontraste, wenn man mit dem smartphone fotos macht, aber für das abbilden strukturierter oberflächen ist mitunter fahles oder diesiges licht besser geeignet, so scheint es mir. schon immer war ich fasziniert von farbschichten, die beiläufig entstehen, und denen der prozess von entwurf und korrektur eingeschrieben ist, in der zeit und zufall eine ganz eigene freiheit formen, die nichts will, vielleicht auch deshalb entspannend wirkt auf geist und seele. ist das nicht paul klee, der mich hier zum verweil aufruft und zum kurzen kunst-trip einlädt mitten in der pampa? nun gut, miro hat auch seine hand im spiel, und loplop-maxe sowieso]

 

 
 

[wenn ich durch die stadt radle und kamera beziehungsweise smartphone dabei habe, was (bislang) eher selten der fall ist, nehme ich die umgebung anders wahr. das hat auch was von obsession: nicht auf der flucht, vielmehr auf der jagd nach guten bildern. so entsteht ein subtiler zwang, aber auch eine weise, die welt anders zu betrachten, nämlich im ästhetischen modus gelungener komposition. kürzlich las ich von einer frau, die arm war und als alleinerziehende gestresst: ihr glücksbringender ausgleich (von „trost“ spreche ich ungern, denn aller trost ist trübe) bestand in täglichen fototouren und der abendlichen betrachtung dessen, was sie da eingefangen hatte. so kann man sich als laie seine eigenen „filme“ schaffen und eine alltags-transzendenz]

 


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