Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 7 Feb.

1-A Düsseldorf: Uraan

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Nach 13 Jahren eine neue Platte von 1-A Düsseldorf, ihre sechste insgesamt. Möglich wurde das durch einen Irrtum. Eine CD, die 2014 versehentlich Thomas Dinger zugeschrieben und deshalb wieder vom Markt genommen wurde, brachte das japanische Label Suezan Studio dazu, statt dessen jetzt Uraan zu veröffentlichen. Und der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki gab nach etlichen Jahren sein Okay zur Veröffentlichung einiger Sessionaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 1994 und ist jetzt hier auf zwei Titeln zu hören („Schwermental“ und das etwas lang geratene „Brainshake“). Klar, man erkennt seine Stimme, irgendwelche vokalistischen Sensationen liefert er aber nicht.

1-A Düsseldorf, ursprünglich mal von Thomas Dinger ins Leben gerufen, um unabhängig von seinem sehr dominanten Bruder Klaus eigene Ideen verwirklichen zu können, sind nach seinem Tod im Kern der ehemalige Beuys-Student Nils Kristiansen (Gitarre, Vocals), Thomas‘ Cousin Dirk Flader (Gitarre und Bass; er war auch in Klaus‘ Projekt La!Neu? involviert) und Steffen Domnisch (Drums, Keyboards). Dazu die Gäste Viktoria Wehrmeister (Gesang), der Inder Attila Mihci (Gesang, Gitarre), der Chilene Francisco Cabañas Gac (Gesang), Jule Rössler (Gesang) und der Iraner Schoeleh Djannessari (Gesang).

Neun Titel verzeichnet das Cover, zehn sind es tatsächlich, wobei der hidden track mit dem Titel „The Tyson Finish“ einer der besten des Albums ist — er könnte glatt als Parodie auf die Eurodisco-Welle der 90er durchgehen, ist aber doch um einiges raffinierter zubereitet. Meine anderen Anspieltipps sind das recht kompakte „1941 WLDR“ und der 13-Minuten-Trip „Herr Khan“.

Das Ganze ist ziemlich vielseitig, hat einen Sound, den man sofort mit Düsseldorf assoziiert und ist sehr hörenswert. 1-A Düsseldorf versuchen an keiner Stelle, irgendwelchen Trends zu folgen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen, sondern sie machen das, was sie wollen. Das funktioniert nicht in allen Stücken gleichermaßen gut, aber wirkliche Durchhänger gibt es nicht. Die Band kann sich das leisten, da das Album ohnehin auf nur 150 Exemplare limitiert ist und insofern keiner damit Geld verdienen kann. Diese Unabhängigkeit zahlt sich musikalisch aus.
 
 
1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Zu beziehen derzeit nur beim Label direkt.

2017 1 Feb.

Wirklich allerliebst,

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morgens aufzuwachen, und der erste Gedanke, der einem in den Kopf kommt, ist: „Was mag er wohl jetzt schon wieder angestellt haben?“

 
 

2017 29 Jan.

Wiesengrund

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Hanna Werbezirk hört als Jugendliche heimlich, unter der Bettdecke, sehr leise, damit Papa im Nebenzimmer nichts hört, die Nachtstudio-Beiträge eines Herrn Wiesengrund im Radio — und ist zunehmend fasziniert von der Stimme und dem, was die Stimme sagt.

Damit beginnt die Geschichte. Eine Geschichte, die zumindest zum Teil auch die der Autorin Gisela von Wysocki ist, die in der Tat bei Theodor Wiesengrund Adorno studiert hat. Wiesengrund schildert Hannas Weg von den nächtlichen Radiosendungen, dem Vater, der Astronom ist und seine Tochter gern als seine Assistentin einsetzen würde, bis zu ihrem Studium in Frankfurt und den Begegnungen mit dem Besitzer der Stimme. Am Ende muss sie eine Entscheidung treffen, die ich hier nicht vorwegnehmen will.

Die Geschichte einer Annäherung an ein Faszinosum. Sie führt über etliche Stationen, durch Hörsäle, Fahrstühle, das Frankfurter Institut für Sozialforschung, die Treppe und die Ampel davor, Wiesengrunds Sprechstunden, das Wohnen „auf Zimmer“ mit sehr seltsamen Wirtsleuten. Einige dieser Episoden sind von einer hinreißend mollgetönten Komik, insbesondere die Schilderungen der studentischen Szene der 60er Jahre und einiger nervender Adepten Adornos, die gerne mal päpstlicher sein möchten als der Papst. Aber auch Hanna selbst gerät zunehmend in einen Konflikt mit sich selbst, der darauf beruht, dass ihre Vorstellung, die sie durch die Stimme der Radiovorträge gewonnen hat, nicht mit dem Mann in Übereinstimmung zu bringen ist, der dann wirklich im Hörsaal, der Sprechstunde und bei anderen Gelegenheiten vor ihr steht: „Der Gedanke ist mir niemals gekommen, dass der Zauberer auch schlechte Tage haben kann.“

Die Geschichte krankt für mein Gefühl lediglich ein wenig daran, dass die Autorin sich immer wieder in ellenlangen Schilderungen und Überlegungen verliert, was sie hätte sagen, entgegnen, in die Diskussion einbringen oder tun sollen, es letztlich aber nicht tut. Das führt dazu, dass die Geschichte merkwürdig theoretisch und die Person Wiesengrund, über die man doch gern Näheres erfahren würde, eine recht nebulöse Erscheinung bleibt. Auch Hannas Konflikt mit sich selbst bleibt bestehen, er wird nicht aufgelöst. Aber vielleicht ist das ja genau das Fazit, das zu ziehen ist: Wiesengrund widerspruchsfrei ist nicht zu haben.
 
 
Gisela von Wysocki:
Wiesengrund
265 Seiten
Suhrkamp, Berlin 2016

2017 24 Jan.

case / lang / veirs

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Sie lese nie, sagt sie gern in Interviews. Gleichzeitig ist die Kleinschreibung ihres Namens ein freundlicher Gruß an e.e. cummings. Mit solchen Gedankenkurven muss rechnen, wer sich mit k.d. lang (= Kathryn Dawn Lang) beschäftigt. Unvergessen, wie sie in ihren Anfangszeiten in den frühen 80ern in kanadischen Country- und Westernkneipen und bei ersten Fernsehauftritten sich als trampelhafte Landpomeranze in unmöglichen Klamotten („Cow Punk“) inszenierte, manchmal auch als absurd aufgerüschte Wiedergeburt von Patsy Cline, um dann das Publikum damit zu verblüffen, dass sie nicht nur über eine umwerfende Stimme verfügt, sondern auch das gesamte Vokabular der Country-Intonation draufhat bis in die feinste Tonbiegung.

Sie kann aber auch anders, wie spätere Alben beweisen. Meine Empfehlungen nach wie vor: Shadowland (1988), Ingénue (1992) und Invincible Summer (2000).

Nachdem k.d. langs letztes Album, Sing it loud von 2011, ihr irgendwie missglückt war, ohne dass man so recht mit dem Finger auf den Fehler zeigen könnte, hat sie offenbar darüber nachgedacht, was als nächstes zu tun sei und scheint bei dieser Gelegenheit die beiden Trio-Alben ihrer Kolleginnen Emmylou Harris, Linda Ronstadt und Dolly Parton wiederentdeckt zu haben – und das muss die Grundidee zu case/lang/veirs gewesen sein. Was jetzt nicht soo überraschend ist, denn k.d. hat es immer Spaß gemacht, sich selbst aus dem Mittelpunkt zu nehmen und in die zweite Reihe zu treten. So hat sie ein wunderschönes Duo-Album mit Tony Bennett gemacht, eine Coverversion des alten Songs „Moonglow“ mit ihm findet sich als Bonustrack auf ihrem Best-of Recollection. Ebenso sei auf ihre Mitwirkung als Backup-Sängerin an Roy Orbisons Black and White Night-Auftritt hingewiesen – dessen „Crying“ sie auch schon vorher mit Orbison im Duett gesungen hatte. Herzzerreißend, torch at its best. Und nicht zu vergessen Leonard Cohen, der k.d.s Live-Version seines Songs „Hallelujah“ (zu hören auf der Deluxe-Version ihres Albums Watershed von 2008) mal als „die definitive“ bezeichnet hat.

Aus dem Mittelpunkt nimmt sich k.d. lang auch hier. Mit ihren Kolleginnen Neko Case und Laura Veirs — von denen ich, um ehrlich zu sein, nie gehört hatte, obwohl beide keine Anfängerinnen mehr sind — hat k.d. lang nun ein Trioalbum mit 14 Songs vorgelegt, das es nicht ganz in meine Jahres-Top Ten 2016 geschafft hat, das aber allemal hörenswert ist. Es ist kein Album, mit dem man beim ersten Hören sofort warm wird. Es braucht ein bisschen Geduld. Auch die Texte sind manchmal recht kantig. Und auch nach dem dritten, vierten Hören kristallisieren sich kaum Augenblicke heraus, die wirklich im Kopf hängen bleiben würden. Die drei Sängerinnen spielen alle denkbaren Kombinationen des Solo-, Duo- und Triogesangs durch und liefern auch gleich noch noch einen wunderbaren Hintergrundchor dazu. Ein Streichtrio, ein Streichquartett, gelegentlich heftig durch die Fuzzbox gejagt, sowie Gitarren, Standbass, Pedal Steel und Percussion runden das Ganze ab. Meine Anspieltipps: „Delirium“ und „Blue Fires“.

Was hängenbleibt, sind nicht so sehr markante Melodien, obwohl durchaus vorhanden. Was von case/lang/veirs in Erinnerung bleibt, ist vor allem der Zusammenklang dieser drei Stimmen. Sie erzeugen einen latent schwebenden Teppich, von dem man sich gern davontragen lässt.

 
 
 

 

2017 22 Jan.

Jaki Liebezeit

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Dammit.
 

 


 
 
 
Dies ist eine Unvollendete. Dieter Moebius war eingeladen, eine Musik für Fritz Langs Stummfilm Metropolis zu entwerfen, die live zum Film aufgeführt werden sollte. Leider ist ihm Freund Hein dazwischengekommen. Einige „finishing touches“ sind nun von Irene Moebius, Tim Story, Jon Leidecker und Jonas Förster ergänzt worden.

Was man jetzt hört, sind vier jeweils etwa zehnminütige vorbereitete Backing-Tracks mit den Titeln „Schicht“, „Moloch“, „Tiefenbahnen“ und „Mittler“ (wer den Film kennt, wird wissen, auf welche Szenen sich die Titel beziehen), zu denen live improvisiert werden sollte. Viele rhythmisierte Störgeräusche klingen collagenartig zusammen, darauf tanzen gefärbtes Rauschen, viel Metallklirren und Glöckchengeklingel, auch ein Sample aus dem Album Cluster II ist zu hören. Die Stücke lassen ahnen, was dem guten Moebius wohl vorgeschwebt haben mag.

Ich bin nicht sicher, ob das Ganze wirklich eine gute Filmmusik für Metropolis abgegeben hätte. Eher scheint mir der Film als Inspirationsquelle für die Stücke gedient zu haben. Der Film zeigt nicht nur utopische Architektur und Technologie, sondern hat eine mindestens ebenso starke romantische Seite. Die orchestrale Originalmusik von Gottfried Huppertz umfasst beide Aspekte, der Moebius-Musik fehlt klar der letztere. Aber das ist kein Fehler. Man höre Musik für Metropolis einfach als Album, dann ist es Moebius „at his best“. Er macht hier genau das, was er immer am besten konnte: irritierende Klanglandschaften zu designen, in denen man sich trotzdem nach kurzer Orientierungsphase zu Hause fühlen kann.

Die ersten 100 Besteller bei Bureau B erhalten mit der CD einen numerierten Druck des Coverbildes.

 

Dieter Moebius:
Musik für Metropolis
Bureau B, BB248

2017 7 Jan.

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2016 28 Dez.

Phrasen 2016

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Die abgedroschensten Dauerphrasen und schiefsten Bilder des vergangenen Jahres in den Medien.

 

  • biodeutsch
  • Bestsellerautor
  • Alpha-Journalist
  • der ein oder andere
  • Wahldebakel
  • Kostenexplosion
  • unschuldige Frauen und Kinder
  • abstrafen
  • befüllen
  • Angriff auf die Lachmuskeln
  • unter den Teppich kehren
  • Der Wettergott zeigte sich gnädig
  • Fachexperten
  • konkrete Einzelfälle
  • am Ende des Tages
  • Hausaufgaben (nicht) gemacht haben
  • Urnengang
  • Wahlschlappe
  • sektorielle Bereiche
  • Da bin ich ganz bei Ihnen.
  • zeitnah
  • nachbessern
  • kein Einzelfall
  • steht unter Beschuss
  • mit Hochdruck
  • Nerven liegen blank
  • die Eliten
  • die Kuh vom Eis holen
  • erdrutschartiger Sieg
  • knallharte Dokumentation
  • freilich
  • selbsternannt
  • Thank you for being a valued customer
  • unsäglich
  • ein Stück weit
  • Wahl zwischen Pest und Cholera
  • Rock-Röhre
  • Star-Architekt
  • Blutbad
  • was das anbetrifft
  • lichtdurchflutet
  • wertig
  • ungekrönter König
  • fröhliche Urständ
  • die Märkte
  • Weltraumbahnhof
  • der Fisch stinkt vom Kopf her
  • Blaupause
  • einpreisen
  • Nebelkerze
  • wenn Sie mögen

 

Die nächsten Medienphrasen lesen Sie mit ziemlicher Sicherheit Ende 2017 wieder hier. Das können Sie schon mal einpreisen — wenn Sie mögen.

2016 6 Dez.

Alben 2016

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Dieses Jahr fällt mir die Auswahl schwer. Drei überragende Alben, die ich nicht auf Plätze verteilen möchte, bei den restlichen einiges, was in wirklich starken Jahren wohl nicht unter meinen Top-Alben gelandet wäre. Und die neue von Kate Bush kommt erst Anfang nächster Woche und muss daher bis nächstes Jahr warten. (1.12.2016)

 
 

01 David Bowie: Blackstar
02 Leonard Cohen: You Want It Darker
03 Daniel Lanois & Rocco Deluca: Goodbye To Language

04 Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset, Jan Bang: Atmosphères
05 Carla Bley, Steve Swallow, Andy Sheppard: Andando El Tiempo
06 Daevid Allen Weird Quartet: Elevenses
07 PJ Harvey: The Hope Six Demolition Project
08 The Low Anthem: Eyeland
09 William Tyler: Modern Country
10 Various: Aufabwegen 50 – Ausgewählte Geräusche

 
 
Ein paar Alben hatte ich noch in der engeren Wahl (Eno, Balke, Qluster), aber ich lasse es jetzt so stehen und hänge keine weiteren dran. Richtig glücklich bin ich nicht damit.

2016 30 Nov.

Soundbreaking

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Der Untertitel verspricht viel. Wenn man die Liste der mitwirkenden Stars, Sterne und Sternchen sieht, verstärkt sich der Eindruck noch. Und spätestens der Trailer macht neugierig. Soundbreaking besteht aus acht jeweils 55-minütigen Folgen:

 

  1. The Art of Recording. Hier geht es um die alte Frage: Was macht eigentlich ein Musikproduzent?
  2. Painting with Sound. Die Möglichkeiten früherer und heutiger Tonstudios, bis hin zu dem Punkt, da das Studio selbst zum Instrument wird.
  3. The Human Instrument. Unerschöpflich: Die Gesangsstimme.
  4. Going Electric. Die Entwicklung der Musikelektronik, von der elektrischen Gitarre über Effektgeräte bis zum modernen Synthesizer. Die Folge erweckt den Eindruck, die wahren Pioniere seien Beaver & Krause, The Who, Tonto’s Expanding Head Band und Stevie Wonder gewesen. Namen wie Klaus Schulze, Kraftwerk, Tangerine Dream werden nicht mal im Vorbeigehen erwähnt; wenigstens darf Giorgio Moroder kurz ein paar Worte über „Love To Love You Baby“ verlieren, auch Hans Zimmer taucht kurz auf. In einer Folge mit solcher Themenstellung Benny Goodman oder Muddy Waters unterzubringen ist ein Kunststück für sich.
  5. Four on the Floor. Hier geht es um den Beat, ganz klar. Sehr viel James Brown, Little Richard, Madonna und Bee Gees. Und nochmal Giorgio Moroder mit Donna Summer, bis die Folge dann  schließlich bei EDM ankommt, vertreten hier durch Moby.
  6. The World is Yours. Das Thema ist Sampling, als Technologie wie als Stil. Hier allerdings wird Sampling in erster Linie als die Geburtsstunde des Hip-Hop gesehen und so gut wie ausschließlich durch diese Brille betrachtet. Kraftwerk wird kurz erwähnt („Trans Europa Express“), aber lediglich als Trigger für Afrika Bambaataas „Planet Rock“ dargestellt. (Dass dessen Stück nicht mal gesampelt, sondern eine simple Coverversion ist, fällt den Autoren nicht auf.)
  7. Sound and Vision. Der Start von MTV und die Entwicklung des Musikvideos.
  8. I Am My Music. Hier geht es um alte und neue Hörgewohnheiten und Formen der Musikpräsentation, von der Single bis zum Langformat-Konzeptalbum (dessen Erfindung hier seltsamerweise Frank Sinatra zugeschrieben wird (In The Wee Small Hours von 1955, einer seiner größten Flops und eines der wenigen Sinatra-Alben, die ich mag)).

Soundbreaking ist eine Produktion des (weitgehend spendenfinanzierten) Public Broadcasting System. Das heißt: Die Filme haben das typische „Flavour“, das aus irgendwelchen Gründen allen PBS-Dokumentationen eigen ist. Weil man dort immer davon ausgeht, dass das zahlende Publikum ausschließlich an den USA interessiert ist, sind alle Folgen fast vollständig US-zentriert — in diesem Fall mit ein paar kleinen Abstechern nach England, die vor allem wohl George Martin zu verdanken sind, der Co-Produzent der Serie war.

Die Folgen halten sich konsequent an die derzeitige Dokumentarfilm-Mode, auf jeden erklärenden Off-Kommentar zu verzichten und ausschließlich sehr dynamisch geschnittene (und bebilderte) O-Töne aneinanderzuhängen und mit Musik zu unterlegen. Das kann man so machen, es setzt aber voraus, dass man vorher genauestens überlegt, was der Film rüberbringen soll, um dann entsprechend erklärende Schnipsel als O-Ton zusammenzutragen. Hier jedoch sind die Filmemacher offenbar mit der Idee losgezogen, erst einmal so viele Statements wie möglich einzufangen, um dann auszuwählen, welche verwendet werden können. Die Folgen beginnen in der Regel bei ihrem jeweiligen Thema, fasern aber alsbald in ein nichtendenwollendes und sich vom ursprünglichen Thema immer weiter entfernendes Geschwalle aus. Tatsächlich kompetente Gesprächspartner sind ohnehin eher selten, und selbst deren Beiträge sind meist so gekappt, dass kaum Substanzielles übrigbleibt — wohl, weil man fürchtet, mehr als zwei zusammenhängende Sätze würden das Tempo rausnehmen oder die Zuschauer intellektuell überfordern. Wirklichen Hintergrund gibt es folglich so gut wie gar nicht. Statt dessen erleben wir in jeder Folge mindestens dreimal das Statement, Künstler X, Y oder Z habe die Welt der Musik „für immer“ verändert — wodurch aber, das bleibt stets das Geheimnis der Filmemacher.

Das alles schließt nicht aus, dass jede Folge ein paar interessante Aussagen und Musikschnipsel hat, die das Zuschauen letztlich doch wert sind. Irgendwelche fundamentalen Neuigkeiten hat mir die Serie aber nicht vermittelt.

Soundbreaking gibt es im US-Netflix, vielleicht ja auch bald in Deutschland. Ansonsten kann man die DVDs vielleicht bald gebraucht kaufen oder sie in der Bibliothek ausleihen. Viel Geld ausgeben jedenfalls würde ich dafür nicht.


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