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Archiv: k.d. lang

 

 
 
 

Sie lese nie, sagt sie gern in Interviews. Gleichzeitig ist die Kleinschreibung ihres Namens ein freundlicher Gruß an e.e. cummings. Mit solchen Gedankenkurven muss rechnen, wer sich mit k.d. lang (= Kathryn Dawn Lang) beschäftigt. Unvergessen, wie sie in ihren Anfangszeiten in den frühen 80ern in kanadischen Country- und Westernkneipen und bei ersten Fernsehauftritten sich als trampelhafte Landpomeranze in unmöglichen Klamotten („Cow Punk“) inszenierte, manchmal auch als absurd aufgerüschte Wiedergeburt von Patsy Cline, um dann das Publikum damit zu verblüffen, dass sie nicht nur über eine umwerfende Stimme verfügt, sondern auch das gesamte Vokabular der Country-Intonation draufhat bis in die feinste Tonbiegung.

Sie kann aber auch anders, wie spätere Alben beweisen. Meine Empfehlungen nach wie vor: Shadowland (1988), Ingénue (1992) und Invincible Summer (2000).

Nachdem k.d. langs letztes Album, Sing it loud von 2011, ihr irgendwie missglückt war, ohne dass man so recht mit dem Finger auf den Fehler zeigen könnte, hat sie offenbar darüber nachgedacht, was als nächstes zu tun sei und scheint bei dieser Gelegenheit die beiden Trio-Alben ihrer Kolleginnen Emmylou Harris, Linda Ronstadt und Dolly Parton wiederentdeckt zu haben – und das muss die Grundidee zu case/lang/veirs gewesen sein. Was jetzt nicht soo überraschend ist, denn k.d. hat es immer Spaß gemacht, sich selbst aus dem Mittelpunkt zu nehmen und in die zweite Reihe zu treten. So hat sie ein wunderschönes Duo-Album mit Tony Bennett gemacht, eine Coverversion des alten Songs „Moonglow“ mit ihm findet sich als Bonustrack auf ihrem Best-of Recollection. Ebenso sei auf ihre Mitwirkung als Backup-Sängerin an Roy Orbisons Black and White Night-Auftritt hingewiesen – dessen „Crying“ sie auch schon vorher mit Orbison im Duett gesungen hatte. Herzzerreißend, torch at its best. Und nicht zu vergessen Leonard Cohen, der k.d.s Live-Version seines Songs „Hallelujah“ (zu hören auf der Deluxe-Version ihres Albums Watershed von 2008) mal als „die definitive“ bezeichnet hat.

Aus dem Mittelpunkt nimmt sich k.d. lang auch hier. Mit ihren Kolleginnen Neko Case und Laura Veirs — von denen ich, um ehrlich zu sein, nie gehört hatte, obwohl beide keine Anfängerinnen mehr sind — hat k.d. lang nun ein Trioalbum mit 14 Songs vorgelegt, das es nicht ganz in meine Jahres-Top Ten 2016 geschafft hat, das aber allemal hörenswert ist. Es ist kein Album, mit dem man beim ersten Hören sofort warm wird. Es braucht ein bisschen Geduld. Auch die Texte sind manchmal recht kantig. Und auch nach dem dritten, vierten Hören kristallisieren sich kaum Augenblicke heraus, die wirklich im Kopf hängen bleiben würden. Die drei Sängerinnen spielen alle denkbaren Kombinationen des Solo-, Duo- und Triogesangs durch und liefern auch gleich noch noch einen wunderbaren Hintergrundchor dazu. Ein Streichtrio, ein Streichquartett, gelegentlich heftig durch die Fuzzbox gejagt, sowie Gitarren, Standbass, Pedal Steel und Percussion runden das Ganze ab. Meine Anspieltipps: „Delirium“ und „Blue Fires“.

Was hängenbleibt, sind nicht so sehr markante Melodien, obwohl durchaus vorhanden. Was von case/lang/veirs in Erinnerung bleibt, ist vor allem der Zusammenklang dieser drei Stimmen. Sie erzeugen einen latent schwebenden Teppich, von dem man sich gern davontragen lässt.

 
 
 

 

2017 22 Jan

case / lang / veirs – „Atomic Number“

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