Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2012 1 Juli

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (21)

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2007 erhielt Schorsch Kamerun für sein Hörspiel Ein Menschenbild, das in seiner Summe Null ergibt den renommiertesten Hörspielpreis, den Deutschland zu vergeben hat, den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Warum? „Kamerun zeichnet das bestürzende Porträt einer Generation, die zwischen Mediengeschwätz, Lifestylemode und Kaufwelt, zwischen verordneter Wahlfreiheit und allgemeiner Beliebigkeit keine Chance auf ein originales Leben, auf authentische Wünsche hat …“ (aus der Begründung der Jury). In diesem Hörspiel geht es unter anderem um Lonesome George, eine Riesenschildkröte, die letzte ihrer Art, die vor einer Woche gestorben ist. Über dieses Hörspiel habe ich überhaupt erst von Lonesome George erfahren. George hatte kein leichtes Leben. Als man 1972 das Tier entdeckte, war es mit seiner Ruhe vorbei. Zwangsgespielinnen wurden dem sexuell nicht sehr interessierten Tier zugeführt, Biologen ließen nichts unversucht, das Tier zur Fortpflanzung zu bewegen. Alles vergeblich! Nun das Ende! Im Hörspiel kommt ein junger Mann nach Südamerika und begegnet Lonesome George: „Ich stand vor diesem Tier und das war ein ganz berührender Augenblick … ich hab´ diesem Tier in die Augen geschaut und gedacht, der will natürlich der letzte seiner Art sein, der will sich gar nicht fortpflanzen und … Lonesome George hat etwas begriffen, dieses Tier will nämlich nicht schwimmen gehen, dieses Tier will nicht – wie nennt man das – die Freizeitangebote wahrnehmen, dieses Tier will nicht in irgendeiner gewählten Parkanlage spazieren gehen, dieses Tier hat etwas verstanden, dieses Tier will nämlich nicht mitmachen! Jetzt könnte man sagen, dass ein Tier nicht denkt, wenn man aber vor diesem Tier steht und weiß, dieses Tier isst im Schnitt fünf Kilo Salat am Tag und bewegt sich etwa fünf Meter fort und das seit über 100 Jahren – man kann sich einfach nicht vorstellen, dass ein Tier über 100 Jahre jeden Tag fünf Kilo Salat isst und sich fünf Meter fortbewegt und nichts denkt. Vielleicht ist es ja auch so, dass Lonesome George seit über 100 Jahren nicht nichts denkt, sondern einen Gedankengang anfängt zu denken und – aber nicht zum Ende kommt. Also wie so eine Welle, die sich aufbaut, aber niemals bricht. Ich hab´ mich gefragt … vielleicht könnte ja Lonesome George für uns ja sogar so etwas wie ein Vorbild sein … weil besonders in der Politik sich die Leute immer hinstellen und sagen „So! Wir wissen wie es geht, wir haben den Gedanken zu Ende gedacht, wir werden jetzt das und das tun“ – … aber vielleicht wäre es ja viel schöner zuzugeben, dass man einen Gedanken gar nicht zu Ende denken kann und vielleicht auch nicht soll.“

 
Und hier kommen – wie ich finde – die 23 besten CDs des zweiten Vierteljahres 2012. Die Reihenfolge ist rein zufällig, außer der ersten Nennung, diese CD ist in der Tat mein Platz eins, sogar in der Jahreswertung, so far, wer weiß, was noch kommt …
 
 
 

 
 
 
Astrid: High Blues
Arianna Savall und Petter Udland Johansen: Hirundo Maris
Lois Sclavis Atlas Trio: Sources
Patti Smith: Banga
John Surman: Saltash Bells
Thomas Köner: Novaya Zemlya
Damon Albarn: Dr Dee
Hilary Hahn, Hauschka: Silfra
Bonie Raitt: Slipstream
Mirroring: Foeign Body
Nick Howard: When the Lights Go Up
Alabama Shakes: Boys & Girls
Regina Spektor: We saw from the Cheap Seats
Spiritualized: Sweet Heart Sweet Light
Heiner Goebbels: Stifters Dinge
Fiona Apple: The Idler Wheel Is Wiser Than The Driver Of The Screw
Glen Hansard: Rhythm and Repose
Patrick Watson: Adventures in Your Own Back Yard
M.Ward: A Wasteland Companion
Neneh Cherry & the Thing: The Cherry Thing
Paul Buchanan: Mid Air
Masabumi Kikuchi Trio: Sunrise
Ryan Teague: Field Drawings
 

2012 26 Juni

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (20)

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Das Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher ist für mich das beste, das ich kenne. Seit 1982, also seit 30 Jahren spielen sie nun zusammen. In der letzten Woche waren die beiden wieder einmal in Stuttgart zu sehen und zu hören, sie spielten Peter Eötvös´Konzert für zwei Klaviere und Orchester von 2007. Das war ein Fest für die Ohren, ein unglaubliches Stück, das Eötvös im Stuttgarter Beethovensaal sogar selbst dirigierte.

Ein Anlass natürlich, meinen Plattenschrank nach herausragenden CDs der beiden zu durchforsten und das eine oder andere Stück einmal wieder anzuhören. Wer sich genauer über die Diskographie der beiden informieren möchte, möge die Internetseite www.grau-schumacher.de besuchen.
 
 

 
 
Für heute wähle ich meine Lieblings-CD der beiden aus: Bach – Kurtág – Busoni
György Kurtág: Bach Transcriptions / J.S. Bach: from „The art of fugue“, Contrapunctus 18 Ferruccio Busoni: Fantasia contrappuntistica . An Kurtàgs Bach Transcriptionen kann ich mich nicht satt hören, wunderbare Musik.

Das Klavierduo hat auch Olivier Messiaen eingespielt und zwar auf der CD Visions de l’Amen Schütz/Kurtág: The seven last words / Olivier Messiaen: Visions de l’Amen.
 


 
 
Schließlich wähle ich noch die CD Le Sacre aus, auf der Debussy: En blanc et noir; Six épigraphes antiques und Stravinsky: Sonata for two pianos; Le Sacre du Printemps zu finden sind. Und natürlich höre ich einmal mehr mit Hochgenuss Debussy: En blanc et noir;6 Epigraphes antiques
 
 

 

Und noch eine Platte letztes Jahr verpasst, sie wäre garantiert in meinen persönlichen Top 30 gelandet: Matana Roberts – Coin Coin Chapter One erschienen am 13.05.2011. Ein sehr informativer Artikel findet sich auf spex.de – hier kann man auch Kostproben hören.

 
 

 
 

Noch nicht erschienen ist die neuste CD von Neneh Cherry And The Thing: The Cherry Thing – allerdings kann man sich diese herausragende CD auf dem Sender unseres Vertrauens npr.org im Moment in voller Länge anhören.

 
 

 
 

Ja, und jetzt muss ich einmal mehr den Bücherschrank öffnen. Charles Yu hat seinen ersten Roman geschrieben, das Handbuch für Zeitreisende. Zunächst war ich mir gar nicht sicher, ob ich dieses Buch überhaupt lesen sollte. Der Protagonist ist Reparateur von Zeitmaschinen im Kleinuniversum 31. Sein Hund Ed existiert ontologisch, aber nicht real usw. Muss ich mir das geben? Zwar mag ich jede Art skurriler Literatur, das schien mir aber denn doch zu viel zu sein. Dann aber: Durch den ganzen Roman zieht sich der Wunsch des Ich-Erzählers, seinen Vater wiederzusehen. Und: Es geht immer wieder um die Frage, wie wir unser Leben zu leben gedenken. Nicht gerade eine unwichtige Frage. Deshalb blieb ich bis zur letzten Seite dem Buch treu und habe es nicht bereut. Hier ein paar Kostproben:

 
 

 
 

„Wie oft habe ich diese Schleife schon absolviert, weil ich mich nicht vorwärtsbewegen wollte? Wie viel Zeit meines Lebens habe ich damit verbracht, den immergleichen Zyklus von Ereignissen zu durchlaufen, habe aus ihnen zu lernen versucht … Warum lerne ich nie dazu? Warum mache ich nie etwas anders? … Es läuft auf drei Wahlmöglichkeiten hinaus. Nummer eins: Ich könnte hier drin (in der Zeitmaschine) bleiben, könnte die Vergangenheit ändern … ich könnte meinem Leben entfliehen. Aber das würde bedeuten, dass ich mich nicht vorwärtsbewege. Das würde bedeuten, dass ich meinen Vater aufgebe, ihn in seinem Gefängnis sitzen lasse, wo immer er sein mag. Nummer zwei: Ich kann so weitermachen wie bisher, kann mich vom Sog der narrativen Schwerkraft, der Kreisbahn meines torusförmigen Vektorfeldes weiterziehen lassen. Nichts wäre leichter, als diesen Kurs beizubehalten, den Kurs minimaler Aktion, den Weg des geringsten Widerstandes. Wäre das so schlimm? Und dann ist da noch die dritte Option. Ich könnte aus der Maschine steigen und mich dem stellen, was auf mich zukommt. Statt einfach nur zuzulassen, dass mir die Ereignisse meines Lebens weiterhin widerfahren, könnte ich herausfinden, wie es wäre der Protagonist meiner eigenen Geschichte zu sein … Ich kann weiterhin meinem vorgezeichneten Weg folgen und dabei die Verantwortung für meine Handlungen dem Schicksal übertragen, dem, was mich geprägt hat, und dem, was ohnehin geschehen wird, wie ich weiß … Das sind also meine Möglichkeiten: Ich kann zulassen, dass mir die Ereignisse meines Lebens widerfahren. Oder ich kann mir eben diese Handlungen zu eigen machen. Ich kann in meiner Gegenwart leben, mit dem Risiko zu scheitern …

Und welche Musik legen wir zum Lesen auf? Na, klar: Einmal mehr Brian Eno: Apollo

 
 

 

2012 23 Mai

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (18)

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Vor neun Jahren erschien in Stockholm ein Buch mit dem Titel jukebox, ein Jahr später war es auch in Deutschland zu haben, unter dem Titel Der Jukebox-Mann. Erzählt wird die Geschichte von Johnny Bergmann, dem Jukebox-Mann. Dieser Johnny hat wirklich einen Traumberuf, er betreut den lieben langen Tag Wurlitzer-, Seeburg- und Rock-Ola-Boxen, fährt mit seinem Wagen die verschiedenen Cafès und Milchbars an, repariert, wechselt Platten aus, entnimmt Geld, ja, und schmuggelt die eine oder andere seiner Lieblingsplatten in die nach kommerziellen Gesichtspunkten gefüllten Musikboxen. Eines Tages besuchte Johnny das PHOENIX, die Frau hinter dem Tresen der Bar kannte Bergmann nicht …

„Ich komme wegen der Jukebox“, sagte er.
„Du wechselst die Platten aus?“, fragte sie.
„Ja.“ Er hielt ihr seine geöffnete Tasche hin. 
„Wer entscheidet, welche Platten reinkommen?“
„Das mach ich. Es ist meine Box.“
„Möchtest du was Bestimmtes hören?“, fragte er.
„Ich weiß nicht“, sagte sie wieder mit diesem schüchternen Ausdruck.
Das war kein Desinteresse.
„Denk mal drüber nach, …“

Die Box war eine Rock-Ola Tempo I, das Modell, dem die Amerikaner „car styling“ nachsagten. Die Schwanzflossen an den Seiten sahen aus wie bei vielen Automobilen der fünfziger Jahre. Es war einer seiner wenigen Rock-Olas.
Neben der Box stand Eskil Skörd: „Hast du die neue Rolling Stones mitgebracht?“
Johnny nickte. „It´s all over now war Samstag auf dem zehnten Platz gelandet.“

 

 

Åke Edwardson, der Autor dieses Buches (das übrigens immer noch in einer Taschenbuchausgabe zu kaufen ist), hat einen Roman über eine Übergangs-Zeit geschrieben, eine Zeit in der der Jukebox-Mann noch allerhand zu tun hat, aber sich zugleich der Untergang der Musikbox-Ära abzeichnet. Die Jukebox ist heute praktisch in öffentlichen Gaststätten oder Bars nicht mehr anzutreffen. Peter Handke musste schon Ende der achtziger Jahre in die entlegensten Winkel Spaniens fahren, um noch alltäglich laufende Musikboxen anzutreffen (aus diesen Erfahrungen entstand später das Büchlein Versuch über die Jukebox).

Ich bin nun mein eigener Jukebox-Mann, habe eine ordentliche NSM-City, die sich mit hundert Single-Platten bestücken lässt und die bei mir ausschließlich dann läuft, wenn Gäste anwesend sind. (Kann man sich trostloseres vorstellen als allein vor einer Musikbox zu sitzen?) Meine Box ist keine Wurlitzer und auch keine Seeburg, aber sie ist eine zuverlässige Jukebox, die treu ihren Dienst tut und sogar per Knopfdruck die zehn meist gedrückten Platten bekannt gibt. Einmal im Jahr wechsele ich etwa 20% der Platten aus. Dann kommen Flohmarkt-Einkäufe zu ihrem Recht, manchmal wird aber auch die eine oder andere fast vergessene Single aus meinem Plattenschrank ausgewählt und in den Plattenkranz gestellt.

In den nächsten Tagen ist es wieder soweit, dann heißt es Abschied zu nehmen von lieb gewordenen Platten und Tasten zu drücken, unter denen die Neuen zu finden sind. Folgende Single-Platten werden dieses Mal aufgenommen: Jose Feliciano: Light my fire // Neil Diamond: I am…I said // Mikis Theodorakis: Alexis Sorbas // Leonard Cohen: Lover lover lover // The Beach Boys: Wild Honey // Opus: Live is life // Gilbert O´Sullivan: Get down //Hildegard Knef: Von nun an ging´s bergab (eine ganz besondere Platte, eine EP, hier findet sich auch noch Eins und eins, das macht zwei, Tapetenwechsel und Aber schön war es doch) //Jacques Brel: Vesoul und Edith Piaf: Non, je ne regrette rien.

Ein Gang zum Plattenschrank, Buchstabe `W´, dann einfach mal alle CDs und Platten von Robert Wyatt herausgenommen, auf den Tisch gelegt, eine Flasche `Domaine des Thermes 2004 rot Cuvée spéciale Dothi´ geöffnet, ein Glas eingegossen und der Abend kann beginnen, der Abend mit Robert Wyatt.
Der am 28. Januar 1945 in Bristol geborene Wyatt hatte vor seinem furchtbaren Fenstersturz, in dessen Folge er querschnittsgelähmt neu mit dem Leben zurecht kommen musste, bereits eine beachtliche Karriere hinter sich, aber, was der Musiker ab 1974 an Musik schuf, das ließ ihn zu einem meiner am meisten geschätzten Musiker werden.
Und natürlich eröffne ich den Abend mit der Platte, die nach seinem Unglück die erste war, die er veröffentlichte: Rock Bottom, inzwischen ein Klassiker und für mich immer noch seine beste Platte. Das Stück Little Red Riding Hit The Road reißt uns mit in schwindelnde Höhen, stellenweise weiß man nicht, läuft die Platte nun vorwärts oder rückwärts.
1974, am 8.September, gab Wyatt ein Konzert mit Freunden, Fred Frith war dabei, Mike Oldfield, Julie Tippets und viele andere. 2005 erschienen Teile des Konzerts auf CD, die Qualität der Aufnahme lässt allerdings alle Wünsche unerfüllt, deshalb greife gleich zur nächsten Veröffentlichung Wyatts und das war Ruth is stranger than Richard aus dem Jahre 1975. Kein anderes Stück als das wunderschöne Solar Flares wird aufgelegt.
Sieben Jahre mussten seine Fans auf ein weiteres Lebenszeichen des Meisters warten und dann erschienen gleich zwei Werke im Jahre 1982, nämlich der Soundtrack zu The Animals Film und Nothing can stop us. Letztere Schallplatte wird aufgelegt, eine Sammlung hochpolitischer Lieder, eine weitere Besonderheit: fast nur Fremdkompositionen. Ich höre Red Flag und natürlich die bewegende Version von Strange Fruit.
 
 
 

 
 
 
Weitere vier Jahre sollte es dauern bis galt, ein neues Meisterwerk zu feiern: Old Rottenhat! Drei Stücke wähle ich aus, das umwerfende Instrumentalstück Speechless, dann The Age Of Self und das Schlaflied für Alfie P.C.A.
Dondestan wurde dann 1991 veröffentlicht – ich lege das Stück Costa auf – , meine letzte SCHALLPLATTE, die ich von Robert Wyatt kaufen konnte, danach war der schmerzhafte Wechsel auf CD durch die Industrie perfekt vollendet worden, das nächste Wyatt-Werk sollte nur noch als CD erscheinen, es war die Mini-CD A Short Break, von der ich Unmasked höre.
 
 

 
 
Mit der 1997 veröffentlichten CD Shleep arbeitet Wyatt wieder vermehrt mit befreundeten Musikern zusammen. Im beiliegenden Text zur CD schreibt Wyatt: „ Also, I was really lucky that a few really classy musicians were able to come along and blow some fresh wind into my sails: old friends like Annie Whitehead, Evan Parker, Brian Eno an Plil Manzanera himself, and new friends like Gary Azukx, Chucho Merchan and Paul Weller. I already had Chikako Sato on tape with Philip Catherine for a project that Jo Bogaert began in Belgium….“ Ein weiteres überragendes Meisterwerk! Ich muss natürlich zunächst das Philip Catherine-Stück Maryan hören. Ursprünglich lautet der Titel Nayram und erschien auf einer meiner Lieblingsplatten von Catherine, die er 1974 mit Palle Mikkelborg, Jasper van´t Hof, John Lee, Gerry Brown und Charlie Mariano aufgenommen hatte: September Man. Auch von dieser CD mag man sich nicht trennen, ein Stück sei noch erlaubt: Blues in Bob minor, diese Musik erinnert denn doch sehr an Rock Bottom.
Weitere fünf Jahre mussten wir auf Cuckooland (2003) warten. Wieder waren Brian Eno und Annie Whitehead dabei, erstmals auch  Carla Bleys Tochter Karen Mantler. Von dieser ziemlich jazzigen Platte höre ich Forest und Lullaby for Hamza.
2007 wurden Roberts Fans mit COMICOPERA überrascht, eine Oper in drei Teilen: Act one: Lost in noise / Act two: The here and the now / Act three: Away the fairies. Alte und neue Freunde sind wieder dabei, zu den neuen zählt Anja Gabarek, mit deren wunderschönen Stay Tuned Wyatt die CD eröffnet (Stay tuned erschien 2001 auf Smiling and Waving und auf dieser Platte wirkte wiederum Robert Wyatt mit und übrigens auch Mark Hollis). 2010 vöffentlichte Robert Wyatt sein bisher letztes Werk For the Ghosts Within, aber das ist eine andere Geschichte, die Weinflasche ist ohnehin leer.

Nachdem auf diesen Seiten immer wieder von Borussia Dortmund die Rede ist, ist es an der Zeit, auch mal von Hannover 96 zu schreiben.
Zehn Jahre alt war ich, als Horst Podlasly seinen Platz im Tor von Hannover 96 bezog, das er 203 Spiele lang hüten sollte (1963 bis 1971). Damals, in den sechziger Jahren, spielten noch Hans-Josef Hellingrath, Jürgen Bandura, Klaus Bohnsack,Otto Laszig, Werner Gräber, Walter Rodekamp, Udo Nix und viele andere bei Hannover 96. Natürlich hatte ich schon bald von allen Spielern mein Foto für das Fußball-Sammelbild-Album aus dem Bergmann-Verlag Unna der Saison 1966/67.
 
Hier zwei Beispielbilder aus dieser Zeit – Horst Podlasly und Jürgen Bandura:
 
 

 
 
Die Saison 2011/12 war und ist für alle 96-Fans, auch wenn sie so manchen Frust einstecken mussten, ein einziges Fußball-Fest. Was konnten wir nicht für wunderbare und vor allem spannende Spiele ansehen. Und natürlich: es durfte auf keinen Fall eines verpasst werden und vor allem nicht das entscheidende Spiel Atletico Madrid – Hannover 96! Doch genau das Schauen dieses Spiel sollte mir große Probleme bereiten. Dies ist meine Geschichte:
 
Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal ist eine katholische Ordensgemeinschaft in der Diözese Rottenburg – Stuttgart. Dort in Untermarchtal auf der Schwäbischen Alb betreiben die Barmherzigen Schwestern unter anderem ein Tagungshaus. Vom 28.03. bis zum 30.03.12 hatte ich dort an einer Tagung teilzunehmen. Natürlich war mein erster Gedanke „…und, was ist mit Fußball?“ Atletico Madrid – Hannover 96 , das große Europa League Spiel war für den 29.03. 21.00Uhr angesetzt, Übertragung durch Kabel 1. Es gab im Tagungshaus einen betagten Fernsehapparat, der allerdings nur Sat 1 und damit lediglich in der Lage war, das Schalke-Spiel zu übertragen. Und nun nahm ich allen Mut zusammen und fragte die Barmherzigen Schwestern, ob sie mir in einer zutiefst weltlichen Angelegenheit weiterhelfen könnten. Mit einer nie erlebten Hilfsbereitschaft wurde versucht, mir in irgendeiner Weise – und sei es nur über PC – das Schauen des Spieles zu ermöglichen. Doch leider, nach Stunden der vergeblichen Mühen, das Ende: keine Übertragungsmöglichkeit! Mir war natürlich klar: dieses Spiel musste miterlebt werden, koste es, was es wolle. In Begleitung eines Freundes klapperten wir die umliegenden Dörfer ab. In Munderkingen fanden wir schließlich das WALK IN, eine Kneipe, vor der die Vereinsfahne von Bayern München wehte. Sei´s drum! In der Dorfgaststätte dann das Wunder: In einem riesigen Hinterzimmer hatte der Wirt richtige Ränge aufgebaut, mit Beamer und Leinwand konnten die Spiele hervorragend angeschaut werden. Da wir die ersten Gäste waren, die an diesem Abend Fußball schauen wollten, bekamen wir mit Kabel 1 und der Übertragung des 96er-Spiels natürlich den Zuschlag. Und was für ein Spiel das war!

2012 6 Apr.

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (16)

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Nachdem nun die anderen Manafonisten, Michael und Jochen, bereits am 17.03 und 21.03. die Vierteljahrsliste ihrer Lieblingsplatten verraten haben, möchte ich nun auch kundtun, welche Schallplatten in meinen Plattenschrank im ersten Quartal dieses Jahres eingeordnet und für sehr gut befunden wurden. Vierzehn neue CDs möchte ich vorstellen, die Reihenfolge stellt keine Hitliste dar, sie ist rein zufällig:
 
 
Vijay Iyer: Accelerando
Hank Jones & Charlie Haden: Come Sunday
Tindersticks: The something rain
Dario Castello / Giovanni Battista Fontana: Sonate concertate in stil moderno
Garth Knox: Saltarello
Peter Boderick: https://www.itstartshear.com
Nils Okland / Sigbjorn Apeland: 1982 Pintura
Michael Chapman: Trainsong: Compositions 1967-2010
Tord Gustavsen Quartet: The Well
Bonnie Raitt: Slipstream
Mark Lanegan Band: Blues Funeral
Dan Michaelson: Breaking Falls
Krzysztof Penderecki And Jonny Greenwood: Threnody for the Victims of Hiroshima /
Popcorn /Superhet Receiver / Polymorphia / 48 Responses to Polymorphia.
John Zorn: Mount Analogue
 
 
 

 

2012 22 März

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (15)

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Vor ein paar Tagen, am 09.03.2012 ist John Cale 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bleibt mein Plattenschrank geschlossen, es wird keine Cale-Platte herausgesucht, keine Velvet-Underground Langspielplatte auf den Teller gelegt, nein, stattdessen möchte ich auf eine sehr interessante Seite im world-wide-web hinweisen. Vor ein paar Tagen entdeckte ich eine Internetseite, auf die Henry Kozok in seinem radiohoerer.blogger.de kürzlich hingewiesen hat. „John Cale fans from all over the world came together to celebrate the Maestro’s 70th birthday.“ Und das tun sie auf johncaletribute.com/. Bis heute habe ich auf dieser Seite 35 Musikstücke unterschiedlichster Musiker, meist handelt es sich um Cover-Versionen von John Cale Kompositionen, entdeckt. Alle Songs kann man sich vollständig anhören. Wir erleben also eine grandiose Geburtstagsfeier im Netz anläßlich des Siebzigsten von Meister John Cale. Schätze kann man hier heben. Ein Besuch lohnt dringend! Folgende Musikstücke kann man dort hören (Stand 15.03.12)
 
 
 

 
 
 
Shadwel Price: Fish outta Water
Khoral: Captain Hook
Stereo Surrealist: Gun
John Guiller H.Abarcar: A Man in a Velvet
Hans Schumacher: Sunday Morning
Christopher James: The biggist, the loudest, hairest Group of all
Secret Screwdriver Revival: Little Rhythmic Midnight Snacks
deerfrance & Extra Virgin Mary: Only Time Will Tell
Robert Torbica: Turn the Lights on
Jay Jay Walton: Endless Plain of Fortune
Frédéric Somers: The Hunt
Siadwel Price: Fish out of Water
(Five piano snippets inspired by John Cale )
Andre Perkowski: Barracuda
Jane Gilday: Paris 1919
Arnold Kasar: Big White Cloud
Garden With Lips: Dying on the Vine
Electric Angels with Dan Zedek: Gun
R. P. Inverarity: Sanities
Jacques Mees: I Keep A Close Watch
Rhys Chatham: Guitar Trio
Jonathan Kade: Leaving it up to you
Siadwel Price: Set Me Free
Niteflights: Paris 1919
Sheer Weight of Traffic: Ski Patrol
Louis F. Schürmann: Big White Cloud
Elisa Medeiros: Ghost Story
A.ndrea L.ange: Dying on the Vine
Tom Siler & Joan Vorderbruggen: Fear is a Man’s Best Friend
Iñaki García Galera: Andalucia
Mike Shoun: Big White Cloud
Hans Schumacher: You Know More Than I Know
Liz Ireland: Chorale
Robert Torbica: Satisfied
Siadwel Price: Suo Gan

2012 11 März

Plattentipp

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Unbedingt hören: Krzysztof Penderecki And Jonny Greenwood (Radiohead) Threnody for the Victims of Hiroshima / Popcorn Superhet Receiver / Polymorphia / 48 Responses to Polymorphia.
 
 

 
Was für eine Musik!

Man glaubt es ja nicht, aber es stimmt, es gab einmal eine Zusammenarbeit von Wolfgang Dauner, Volker Kriegel und Robert Wyatt, auch der damals noch sehr junge Terje Rypdal war dabei und der neuseeländische Bassist Neville Whitehead. Diese fünf Musiker bildeten die Begleitband für Don „Sugar Cane“ Harris. Das Ereignis, das diese sechs Herren miteinander musizieren ließ, waren die Berliner Jazztage 1971. Nur für dieses Ereignis hatte man diese Gruppe zusammengestellt. Kein Geringerer als Joachim E.Berendt hat, mit Hilfe seines damaligen Assistenten und späteren Nachfolger Berendts beim SWF bzw. SWR Achim Hebgen, diese damals in den Medien überaus hochgelobte Band zusammengeführt.

 
 
 

 
 
 

MPS brachte eine Live-Aufnahme dieses Konzerts auf Platte heraus. Dieses Schallplatte einmal aus dem Plattenschrank geholt, aufgelegt, „Liz Pineapple Wonderful“ gehört und man ist wieder einmal überzeugt von dieser fantastischen Gruppe, auch nach 41 Jahren. 2008 kam diese Platte als Original Recording Remastered CD wieder heraus und ist heute noch zu haben. | Ebenso im Jahre 2008 kam eine Schallplatte als Original Recording Remastered CD auf den Markt, die ein Jahr früher als „Sugar Cane`s Got the Blues“ im Orginal in die Plattenläden kam, nämlich 1970. Die Rede ist von der Gruppe IF und ihrem herausragendem Stück „What Did I Say About The Box Jack“. Auf einer preisgünstigen Anthology 1970 bis 1972 kann man diesem wunderbaren Stück Musik wieder begegnen.

 
 

 
 

IF, das waren Terry Smith, John Mealing, J.W. Hodkinson, Jim Richardson, Dick Morrissey, Dave Quincy, Dennis Elliot. Die Gruppe existierte bis 1975. Im BEAT-Club war die Band am 25.09.1971 neben Birth Control, Canned Heat, Curved Air , Deep Purple, und Family zu hören und zu sehen … Das waren Zeiten!


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