Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Juni 2018

 

Das MHQ musste eigentlich schneller handeln, aber es dauerte Monate, bis das Team aus dem Elfenbeinturm reagierte. Man wollte es kaum glauben, man sichtete und sondierte, und es wurde immer klarer: die ganz und gar grossartigen TV-Serien der letzten Jahre haben Standards gesetzt, denen die Gegenwart hinterherhinkt. Natürlich wird es auch weiterhin immer wieder mal erstklassige Serien geben, aber kaum in der power spot-Häufung vergangener Jahre – sie werden wie „Ausreisser“ daherkommen. Keine einzige 5-Sterne anno 2018. Die letzten überragenden Serienabenteuer waren Little Big Lies, dann dieser unfassbar gute, siebteilige Western, dem John Ford aus dem grossen Jenseits salutieren würde, gewiss auch die bittere Abrechnung mit US-amerikanischer Klassenjustiz, und einem Detective Fish, der die grosse Ahnenreihe der Marlowes und Spades bereicherte – sowie, kleiner Kalauer, das Beste kommt am Schluss. Auch Stranger Things 2 war noch richtig gut, aber weiterhin und dauerhaft über „Zweitbestes“ berichten zu wollen, ist nicht so prickelnd. Darum verschwindet die Rubrik „TV Series of the Month“ ab August von unserer Empfehlungsliste, und singuläre Begeisterungen werden entpannter Teil des „Blogtagebuches“ sein. Sons of Anarchy, Mad Men, Game of Thrones, Lost, The Leftovers, Justified, Halt And Catch Fire etc etc – those were the days. Es gibt eine Ironie in dieser Geschichte. Die Revolution begann (um dann eine Zeitlang kreativ zu verschnaufen), mit Twin Peaks und The X Files – und sie endete, im Grunde, mit David Lynchs tollkühner Zumutung und Hammerserie Twin Peaks – The Return.

 

2018 29 Jun

„Songs You Make At Night“

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Donnerstagabend, die abendliche Fahrt im Sammeltaxi nach der Arbeit nach Hause. Im Fahrzeug auf der Rückbank hinter mir ein älterer Herr. Das allgegenwärtige Thema „WM“. Die immer wieder vorgebrachte These, dass, wer die Nationalhymne nicht mitsingt in diesem Land, in dieser Mannschaft keinen Platz habe, keinen Platz haben darf. Die auf meine Gegenfrage, ob denn, wer in der Kirche am Lautesten mitsingen würde, dann auch der Gläubigste im Kirchenschiff sei, und ob nicht seine Generation sich mit der lautstark von allen mitgesungenen, unseren Nationalhymne auskennen würde, einsetzende Stille im Fahrzeug: unbezahlbar. #justsayin‘

 
 

 
 

2018 28 Jun

The end of football (as we know it)

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„So endet die Welt also: Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Es gibt Ereignisse, die so apokalyptisch sind, dass man meint, dass sie nicht einfach passieren werden. Man denkt, sie werden durch ein Donnergrollen angekündigt, durch Eulen, die Falken fangen, durch Pferde, die sich selbst essen. Zumindest sollte da ein bisschen Wut sein, ein vereitelter Versuch, während die Energie schwindet. Und doch ist Deutschland ohne den Hauch des Widerstands erstmals in 80 Jahren in der Vorrunde ausgeschieden. Es gab keinen Sturm, es gab keinen Drang.“

 

(The Guardian)

 
 

2018 28 Jun

American Utopia

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American Utopia is not the fantastic album I had hoped it would be (even though Eno had some influence on it, and even though I find it mostly entertaining and enjoyable), but as I was way too young to go to rock concerts when the Talking Heads existed as a band, I decided to see David Byrne’s current, and highly praised, world tour stopping in Berlin, less than ten minutes from where I live.

It is impressive to see how contemporary these songs, which were written and recorded 35 to 40 years ago (I Zimbra, The Great CurveBorn under Punches, Slippery People etc.), sound more contemporary today than songs by many bands of the last 20/25 years – even though they are being performed very true to their original Talking Heads versions – though with very different, and mostly much younger [younger than me], musicians, like guitarist Angie Snow and bassist Bobby Wooten and lots of percussionists.

The new songs sound better in their live versions than they do on the album, in particular Doing the Right Thing, which they turned into a heavy rock number with metal-like guitar sections, and also the weird opening song I Dance Like This with its funny noisy sections. Still, most of the more recent Byrne songs come across a lot more conventional than the old Talking Heads hits, which the audience greeted and danced to enthusiastically. They must have appeared experimental and out-of-this-world in 1979/1980, but they still sound more modern than rather nice pop tunes like Every Day is a MiracleBullet and Like Humans Do. Even Blind from Talking Heads‘ final album (1988) sounded more energized (and energizing).

Excellent show with a minimal stage design and 12 musicians moving across the whole stage for the duration of the performance. If one wasn’t able to experience the Talking Heads live (apart from the remastered Stop Making Sense re-release in movie theaters some years ago), these performances of Remain In Light and Fear of Music songs must be as close as one can get in the 21st century. Looking forward to the live recording.

2018 27 Jun

Vier Bebilderungen

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Jeder, der sich für Jazz / Musik interessiert, kommt in diesen Wochen an dem Cover der neuen Platte von Kamasi Washington nicht vorbei. Wir werden uns hüten, es hier nochmals aufzutischen. Offensichtlich sind da beträchtliche Werbegelder im Spiel, und die Musikkritik zeigt sich überschwänglich. Wer so blöd ist, da gleich den neuen Coltrane wahrzunehmen, wie des öfteren passiert, anlässlich des kräftig gehypten Debuts, nimmt sich selbst aus dem Feld. Was ich über die Musik lese, ihren Mut zum Pathos, zum grossen Klangtheater, etc., lässt mich eher zaudern, sie anzuhören. Das Schlimmste ist das Cover von „Heaven and Earth“: als könnte der aufgebrezelte Kamasi über Wasser gehen. Ein Götterbote, mindestens. Pseudomystischer Overload. Wie sehr mag ich dagegen ein ähnliche Motiv ohne posierendes Ego: die vier Luftballons auf dem Cover von Keith Jarretts „Belonging“.  Und wie sehr schätze ich, im Kontrast zu Kamasis Kitsch, das Cover der neuen CD von Graham Nash (Gregor öffnete seinen Plattenschrank dazu, vor Tagen): ein Junge schaut mit seinem Fernrohr auf ein riesiges Naturpanorama. Beide Bilder inszenieren Natur, aber bei dem Cover der übrigens betörend schönen Arbeit („Over The Years“), Demo-Versionen bekannter und weniger bekannter Lieder des alten Barden, spielen Staunen und Nostalgie auf durchweg sympathische Art mit, und die Lieder zahlen diese Mixtur aus Einfachem und Profundem mit Mehrwert zurück, und vollkommen reduziert. Was für eine Zeitreise, ohne Prätention und Zirkusgehabe. (Und wie ich die Musik von K.W. wohl empfinde, nach dieser Vor-Urteilsbildung, sollte ich sie wirklich einmal hören!?). Und wenn diese zwei Cover auf so unterschiedliche Art mit dem Motiv „grandioser Natur“ umgehen, wie umschattet wirkt da die Bebilderung des Soloalbums von Stuart Staples – auch da taucht der Himmel auf, in einem Bild von Suzanne Osborne. Ursprünglich wollte Claire Denis Suzannes Serie von 365 Ölgemälden, mit dem Himmel als durchgehendem Raum, in einen Film verwandeln. Als Langzeitlauscher der Tindersticks wartet „Arrhythmia“ daheim auf mich, ich kenne keine einzige Komposition, ahne aber, dass die Musik bestens passen wird in die Klanghorizonte im August, vor oder nach zwei, drei Stücken der kommenden CD von Tord Gustavsen. Von der ich gleichfalls noch keinen Ton gehört habe.

 

 
 
 

Ten years ago today around midnight I arrived in the United States. Without return ticket.

Yay!

 

 

 

 

Thomas Strønen is an imaginative drummer, arranger and composer and it’s clear that his artistic intentions are very serious. Even the name of the band is serious: it comes from the first line of the poetic novel, Fugitive Pieces by Ann Michaels. Like the novel, the band too can sometimes be a difficult but rewarding “read.”

With so little European jazz coming to San Francisco (SF Jazz is not going to stage their ECM festival this year), I wasn’t going to miss out on Time is a Blind Guide’s surprising visit to the intimate Red Poppy Art House in San Francisco last night. I really liked their eponymous album a lot. I was hoping they would play some of that material, but alas, (for this listener anyway,) almost the entire show was culled from the new album Lucas. I had listened to Lucus a few times, some of which really spoke to me and some of which was perhaps a tad too loose for my tastes – at times I found myself growing impatient, waiting for something to happen during some of the free sections. But then, that might say more about me than the music.

Seeing these great players live however, was a different story. The band started out with a long, free piece that had character and gravitas-and was quite the opposite of treading musical waters: lots of droning strings, no-pulse drumming and virtuoso bass bowing by Mats Ellertson, who I had seen perform in Tord Gustavsen’s quartet (with Tore Brunborg), as well as admired on Mathias Eick’s last album Ravensburg.

Although I’m not as familiar with the new material, It appears the balance of improvised music in relation to composed music is more equal on this release, making the live performance very compelling, as the group is given a lot more freedom to explore.

The violinist, Håkon Aase, was also familiar to me from his performances on both Mathias Eick’s Midwest as well as Ravensburg (one of my picks for 2018’s best releases). He’s a very eclectic player who obviously has the classical training but sounds very folky at times, using drone strings whilst playing melodies above them. One can also detect a middle eastern interest. He was no slouch in the more avant garde pieces, whether playing ensemble parts or improvising freely. At times he played arpeggios on both violin and hardanger at once. He also doubled occasionally as a hand drummer.

The cellist is not the one on the album and I didn’t catch his name. He was more than up to the task, but didn’t stand out as much as Hakon did. Pianist Ayuma Tanaka played a somewhat austere role in the proceedings to the point of being somewhat underutilized, and was only given one solo spot in which she played exceedingly sparingly – nothing like the stretching out she did on the first album. Also, there were times when the Pleyel upright wasn’t up to the task and was  nearly  drowned out by the rest of the band.

One of the most enticing aspects of this group is that they are all obviously virtuosos, but rarely show off their prodigious chops. I suspect this is an aesthetic choice on the part of Strønen and it pays off  – there was a muted, suspended feeling most of the performance, the music rarely rising above a quiet whisper.

It’s no small thing to play drums with unmiked strings and piano and still allow everything to be heard. Strønen’s performance was a perfect balancing act that few drummers could pull off. Occasionally, he put down the brushes and picked up his sticks to let loose the raw power that he kept contained most of the evening. In those moments, the  band rose to a polite roar and the room filled with the clamor of wild, albeit somewhat restrained freedom.

It was a small room and the group played it well. The audience of around 30 people were very appreciative, and afterwards, many lingered to talk with the musicians who happily signed Lps and cds. An evening of quiet rapture.

2018 25 Jun

Ruprechts Attacke

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Neulich bezog ich heftige verbale Prügel von Knecht Ruprecht, der offenbar nicht nur an Nikolaus unterwegs ist, nachdem ich in meiner nächtlichen Radiosendung „Across The Universe“ von den Beatles spielte. Kurz nach der Lektüre und anfangs ungläubiger Verwunderung (wollte Gregor mir einen Streich spielen?) wurde ich von einem herzhaften Lachanfall heimgesucht. (m.e.)

 
 
 
Sehr geehrter Herr Engelbrecht,
 

darf man als Musikredakteur eigentlich jeden dummen Gedanken ins Mikrofon reden? Ich war so begeistert von der Musikauswahl, die ich morgens von 4:00 bis 6:00 Uhr hören konnte, wenn ich mir nicht t diesen mir vollkommen unverständlichen Kommentar, von Ihnen, zu dem kurzen Song von John Lennon hätte anhören müssen. Warum setzt bei den meisten Musikredakteuren, leider auch bei Ihnen, die reale Wahrnehmung aus, wenn sie eine vermeintliche Wesensverwandschaft, Urheberschaft, Wurzel mit der Musik ihrer Götter zu erkennen glauben. Das von Ihnen gewählte Stück von Lennon ist sowohl von der lyrischen Qualität des Textes, noch seines Inhalts und der musikalischen Qualität nichts, aber auch gar nichts, dass auch nur ansatzweise etwas von einer Musc for Installations hat. Das sind infantile Finger- und Textübungen die schon zu der Zeit in der sie veröffentlicht wurden überschätzt wurden. Ich sitze hier vor dem Radio und bin mal so richtig enttäuscht. Da macht einer etwas Schönes und Interessantes und auf einmal verwirren sich seine Gedanken und in seiner Einfalt glaubt er den Säulenheiligen seiner musikalischen Erweckung müsste er seine Ehre erweisen. Der ganze schöne Eindruck des bis daher und von dem danach Gehörten, ist dahin. Wissen Sie überhaupt, welches Glück sie haben, dass Sie ihr liebstes Hobby zu ihrem Beruf machen konnten? Warum glauben Sie, uns dann so etwas unterschieben zu müssen? Ich hoffe auf Besserung. 

 
Mit freundlichen Grüßen, 

K. R.


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