Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: August 2014

In einer Szene des Films Reality Bites wird Lelaina Pierce (Winona Rider) in einem Vorstellungsgespräch nach der Definition von Ironie gefragt. Sie legt den für sie typischen, verwirrten Gesichtsausdruck auf, sagt erstmal „Ähem“ und dann: „Ich könnte es jetzt nicht definieren.“ Und nach einer kurzen Pause, als ihre Gesprächspartnerin sich schon abwendet. „Aber ich würde es erkennen, wenn etwas ironisch ist.“ Als sie frustriert in ihre WG zurückkehrt, sitzt Troy Dyer (Ethan Hawke), den Anforderungen der Welt trotzend, auf einem Sessel, vertieft in ein Buch. Lelaina berichtet ihm empört von ihrem Erlebnis. Troy sagt nur: „Abweichung der wirklichen von der wörtlichen Bedeutung.“ „Was?“ fragt Lelaina. „Ironie, die Definition.“ entgegnet Troy trocken.

Woran liegt es nur, dass die Amerikaner uns auf diesem Bereich so voraus sind? Immer wieder äußern Linguisten auf verschiedenen Weltkongressen in ihrer Abschlusskundgebung den Wunsch, in der deutschen Sprache ein Zeichen für Ironie einzuführen. Denn dieses Stilmittel wird hierzulande regelmäßig nur dann erkannt, wenn der Verwender nachträglich darauf hinweist.

Aber wie steht es mit Songtexten? Nehmen wir diesen, „After Work“ von Turner:
 

I´m looking forward to
A house, a wife and several children.
I wont let any of these
(unfortunately didn´t understand that, M.W.) cross my way.

I know money ist anything,
that´s why I made a plan
for my life after work
where I can recover.

The telephone is ringing.
The telephone is ringing.

I meet my friends from the office.
And we swim, play soccer or golf.
Or I just stay home
and enjoy my family life.

And yes, I care about nature,
that´s why I write on recycled paper.
And I seperate my trash,
one for food and one for the rest.

The telephone is ringing.
The telephone is ringing.

And I know about war and stuff.
I watch it on CNN.
But I truly believe
that the good ones will win at last.

What could I do about it anyway?
I concentrate on myself instead.
And I work as hard as I can
make the world be a better place.

The telephone is ringing.
The telephone ist ringing.
 

Ironie oder nicht? Ich spielte den Song gestern A vor. Er meinte, es hinge vom Hintergrund der Band ab. Der Text könnte auch ernst gemeint sein. Eine andere Auslegungsmethode ist der Kontext. Ich fand den Song vor Jahren auf der Doppel-CD zu dem großartigen Film Die fetten Jahre sind vorbei (englisch: The Educators). Da liegt Ironie nah. Oder doch nicht?

2014 4 Aug.

azzzzz it is

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Minimal music is often maximal music. Free Jazz? All jazz is free or it is not, isn’t it!

LESTER BOWIE – Fast Last! (very rare record!)

After Don Cherry’s fade out, now Lester Bowie’s mighty fade in …
 
 
 

 
 
VIDEO

2014 4 Aug.

Trem Azul

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TREM AZUL
 
 
 

 
 
 
For all who still have planned to visit one of the most unique record shops in Europe
 
For all who thought it would go on forever
 
For all who are sad that it’s gone now
 
 
 

 
 
 
TREM AZUL, Rua do Alecrim, 21-A, the famous place in Lisbon has closed after more than 10 great years. Happy to have been there … many times … happy to have all those memories!
 
 
 

 
 
 
Começam hoje os nossos saldos num regime de liquidação total.
Têm a partir de agora uma semana para comprar grandes discos por uma verdadeira pechincha.
 
SALDOS – LIQUIDAÇÃO TOTAL – 50% EM TODOS OS PRODUTOS
 
A vida é assim e já diz o ditado, „por vezes há que que dar um passo atrás para depois dar dois em frente“. Postas as coisas assim será fácil a todos compreenderem que a Trem Azul vai mudar as suas instalações de forma a poder continuar com aquelas que são as suas principais actividades desde o inicio, a edição (através das suas editoras Clean Feed, Shhpuma e Trem Azul) e consequente distribuição dos seus catálogos próprios, e a organização de concertos. Vamos a partir de agora focar-nos no que é importante de forma a não só sobreviver mas principalmente para fortalecer as nossas principais actividades.
 
Deixamos um sonho que durou 10 anos, a Trem Azul Jazz Shop, e partimos para uma nova fase das nossas vidas prosseguindo com outro sonho: o de tornar a Clean Feed ainda maior e melhor. Durante 10 anos tivemos o prazer de servir os nossos clientes/amigos a quem muito agradecemos, e um orgulho enorme em apresentar concertos na loja com músicos como Otomo Yoshihide, Evan Parker, Gabriel Ferrandini, Scott Fields, Mats Gustafsson, Paal Nilssen-Love, Rodrigo Pinheiro, Hernâni Faustino, Bernardo Sassetti, Paul Dunmal, John Edwards, Dennis González, Zé Eduardo, Carlos Barretto, Tiago Sousa, Filipe Felizardo, Luís Lopes, Samuel James, Guy Davis, Chris Corsano, Rob Mazurek, Jeff Parker, Ken Vandermark, Susana Santos Silva, Gonçalo Almeida, João Paulo Esteves da Silva, André Matos, Sara Serpa, Ran Blake, Alexandre Frazão, Bruno Pedroso, Pedro Sousa, Rodrigo Amado, Blaise Siwula, Anders Hanna, Ivo Perelman, Torbjörn Zetterberg, Daniel Levin, Mark Dresser, Audun Kleive, Sei Miguel, Elliott Sharp, Júlio Resende, Sabir Mateen, Ingebrigt Haker-Flaten, Ernesto Rodrigues, Black Bombaim, Sunflare e centenas de outros.
 
Com o encerramento da loja no dia 1 de Agosto, liquidamos o nosso stock a preços irresistíveis a partir de hoje.
 
Apareçam para aproveitar as pechinchas mas também para se despedirem deste espaço que foi o nosso e vosso durante 10 anos.
 
TREM AZUL, Rua do Alecrim, 21-A, the famous place in Lisbon has closed after more than 10 great years. Happy to have been there … many times … happy to have all those memories! The nightly concerts,
 
 
 

 
 
 
here the great Jeff Parker
 
 
 

 
 
 

 
 
 
the chats, browsing the great record collection, all the moments of discoveries and decision making (what to buy).
 
 
 

 
 
 
It was something to experience all the activities going on at this place, the record shop, the Clean Feed label, the concerts (and in the last period, the bar). THANK YOU
 
Even the president of the republic, Cavaco Silva, visited the place not so long ago … imagine!
 
 
 

 
 
 

 
 
 
Carlos Barretto playing …
 
Trem Azul will concentrate on core-activities in the future, the Clean Feed Label, organizing concerts, selling records at concerts
 
An element, a piece of culture gone … left behind …

2014 3 Aug.

Slow down feeding

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Eins der frühen erstaunlichen Albums von Rune Grammofon mit zersaustem Country u.ä. war COMMUTER ANTHEM von OPSVIK&JENNINGS, damals ein Ohröffner.
 
 
 

 
 
 
OPSVIK&JENNINGS gibt’s noch. Sie bringen ihr neues Album häppchenweise raus. Der Hörer kann mitwachsen. De Pause zwischen den Tracks ist nicht 4 Sekunden, nicht 4 Minuten, sondern 4 Wochen. Auf Vinyl ginge das nicht, aber digital lässt sich das machen.
 
 
 

 

Es war einmal, in den Siebzigern, da trat die Band von Gary Burton im Sauerland auf, in der Balver Höhle, im Rahmen des dortigen Jazzfestivals. Für ihn muss es ein sehr ungewöhnliches Erlebnis gewesen sein, denn er wusste erstmal nicht, dass dieses Event in einer Höhle stattfand. Das ist ja irgendwie etwas Anderes, Seltsames, Archaisches. Man denkt an Höhlenmalerei, an Steinzeitmenschen und Affen (versäumen Sie nicht, jetzt auch in hiesigen Kinos, den neuen Affenfilm „Dawn of the Planet of the Apes“, der das Prädikat „hintersinnig“ verdient, wertvoll ist er sowieso, aber ich schweife ab.) Da landete also der filigrane Vibraphonist (der meiner Meinung nach einige der besten Alben seiner Karriere bei ECM veröffentlichte, die meisten in den frühen Jahren, und das ist auch eine Story, die in jenem alten Jahrzehnt begann) an einem solchen Kristallisationspunkt der Menschheitsgeschichte. Gary Burton spielte am Ende des Tages, das Publikum war enthusiastisch, teilweise betrunken, teilweise bekifft, und teilweise bei klarem Verstand. Die Band gab mehrere Zugaben. Nach der ungefähr fünften Zugabe war man der Meinung, das sei nun genug und zog sich zurück, obwohl das Publikum mittlerweile in ein rhythmisches Klatschen verfallen war. Man ging auf die Bühne, packte die Instrumente zusammen, doch das Publikum hörte nicht mehr auf mit dem Klatschen, schien sich selbst in eine Klatschtrance versetzt zu haben – das Echo des Klatschens wurde durch die Höhle getragen, sprang von den Wänden zurück. Der Höhlenraum war sehr eng, und so musste die Band etliche Male von der Bühne, an den Klatschenden vorbei, zum Bühneneingang, zum Tourwagen, und zurück. Nachdem alles verstaut war, setzte sich Gary Burton noch mit dem Veranstalter zusammen, regelte den Papierverkehr und nahm das Honorar entegegen. Und selbst dann noch, als man sich anschickte loszufahren, war das kollektive Klatschen aus der Höhle zu vernehmen.

Der schwedische Saxophonist Mats Gustafsson und der amerikanische Zeichner und (ab und zu) Musiker Robert Crumb sind beide leidenschaftliche Vinylos mit einer eindrucksvollen Sammlung. Gustafsson schickte Crumb Musik zu. Darunter auch die Musik seines neuesten Album, das kurz vor der Fertigstellung für den Vertrieb stand. Gustafsson erhielt von Crumb nach einer Weile folgende Reaktion (Gustafsson hat die übrigens selbst öffentlich zugänglich gemacht).
 
 
I finally gave a listen to those LPs and the CD you sent me, of your own saxophone playing and some Swedish modern jazz. I gotta tell you, on the cover of the CD of your sax playing, which is black and has no text on it, I wrote in large block letters, in silver ink „Torturing The saxophone—Mats Gustafsson.“ I just totally fail to find anything enjoyable about this, or to see what this has to do with music as I understand it, or what in God´s name is going on in your head that you want to make such noises on a musical instrument. Quite frankly, I was kind of shocked at what a negative, unpleasant experience it was, listening to it. I had to take it off long before it reached the end. I just don´t get it. I don’t understand what it is about.

You actually go on TOUR with that stuff. WOW. People actually … sit … and … LISTEN … to that. I mean, they voluntarily go to the place, maybe even PAY … PAY to hear that stuff. And then they sit there, quietly, politely … and LISTEN. Unbelievable. I should go myself sometime and see this. Witness it with my own eyes.

I don´t say these things with the intention to insult you. You seem to be a perfectly nice, civilized guy with a good sense of humor. I am speaking the plain truth of my reaction to the records and CD you sent. That this noise could give anyone any aesthetic pleasure is beyond my comprehension, truly. Is this the logical end of improvisational music? Is this where it ends up? Where does it go from this point? Is there any audience for this „free jazz“ besides other guys who play it and maybe their wives who must patiently endure it?

I just don´t get it. Am I too un-hip? Am I a square from Delaware? A thick Battle Crick? A shmuck from Keokuck?

2014 2 Aug.

Liste lückenhaft

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jeder kann eigene Reihenfolge machen, ergänzen, entfernen oder irgendwelche relevanten Indices hinzufügen
 
Bengasi
Djuba
Donetsk
Freetown
Gaza
Homs
Kabul
Lofoten
Mogadishu
Monrovia
Mosul

2014 2 Aug.

kurz&bündig #5 Herr Reinfrei preist sich

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Anzupreisen: rein gar nichts
 
 
© FoBo_HenningBolte

Meine literarischen Kinks waren in Freiburger Studentenzeiten: Peter Handke, Botho Strauss und Nicolas Born.

Heute empfehle ich – Ehrenwort, es kommen keine Pilze!! drin vor – einen Sommerdialog von Peter Handke: „Der Mann – Erzaehl. Die Frau – Ich habe oft solche Lust zu erzaehlen, vor allem diese Erfahrung – diese Geschichte. Aber sowie ich bedraengt werde mit: ‚Erzaehl!‘ Vorbei der Schwung.“

DIE SCHOENEN TAGE VON ARANJUEZ von Peter Handke [Suhrkamp]

In Montpellier gibt es ein Kulturzentrum ‚La Panacee‘, in dem mit alter Kunst und neuer Technik gespielt wird. Dort lagen auf einem Tisch Briefumschlaege, die im Briefinnenfutter vielfach das gedruckte Wort ‚Drones‘ zeigten. Die Kuenstlerin heisst Louise Lawler/Bronxville. Sie war vor kurzem auch im Ludwig Museum/Koeln zu sehen.

Heute empfehle ich ein Buch, das ueber die asymetrische Kriegsform berichtet. (Aktuell z.B. die Hamas gegen Israel.) Nach der Lektuere war klar, dass die Frauen in Kriegsgebieten bewaffnet werden muessen.

DIE NEUEN KRIEGE von Herfried MUENKLER [rororo]

‚Heast as nit/wia die Zeit vergeht‘ ist von Hubert von Goisern und den Alpinkatzen. Jedes Konzert ist eine sinnliche Jausen.

Heute empfehle ich ein sinnenschaerfendes philosophisches Werk zum Thema ‚Musik‘. Was passiert, wenn wir Musik hoeren mit unserem gestalterischen Sinn? Was kann ich durch Musik hoeren entdecken, das ich noch nicht kenne? Keine Strandlektuere, aber in den Ferien hat man ja Zeit …

WACHES HOEREN von Hans Zender [Edition Akzente Hanser]

„In some ways ‚OHIO‘ expressed the impotence of rock better than any other record before or since …

„What if you knew her/
And found her dead on the ground/
How can you run when you know?“
Young asked THE question.

A DREAMER OF PICTURES NEIL YOUNG empfehle ich immer THE MAN AND HIS MUSIC von David Downing [Bloomsbury]

Und auch nicht nur fuer heute und ganz unten in meinem summerbasket etwas zum Lutschen und Hoeren: VANILLA FUDGES und bei diesen Temperaturen besonders Vanilla Toffee Fudge.

2014 1 Aug.

Ferien

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In Tokyo gibt es ein Reisebüro, mit dem man seine Stofftiere auf Reisen schicken kann. Derzeit sind vier Komplettpakete im Angebot: Die Kamakura-Tour mit Besuch der Großen Buddha-Statue (dort klatscht der Reiseleiter persönlich mit einer Hand), die Onsen-Tour führt zu heißen Quellen (inklusive Eintauchen, ein Erlebnis, das keine Waschmaschine bieten kann), bei der Mystery-Tour erfährt der Liebling erst am Tag vor der Abreise, wohin es geht, und zum Abschluss der Tokyo-Tour nimmt das Stofftier an einer echten Tee-Zeremonie teil. Zum Nachweis, dass das alles wirklich passiert, erhält man jeden Tag per E-Mail ein Foto seines Stofftieres an dem betreffenden Platz.

 
 
 

 
 
 
Seit mein Teddy das gelesen hat, ist er überhaupt nicht mehr zu beruhigen.


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