Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Juni 2014

 
 

 
 

Which song would you choose to test your new loudspeakers? I decided to try it with “Bécs” by Fennesz. Not only because I love this record so much, its rough and in a way difficult sound presents a challenge. Well, this exam is passed with an A.
 
 
 

 
 
 
They are placed like this only for the sake of the picture. Of course I know about the importance of distance.

Many thanks to Karsten and Michael for the advice!

Their colleagues on the shelf also seem to be by Abacus, aren´t they?
 
 
 

 

2014 3 Juni

Zimmer mit Ausblick (Lugano)

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2014 2 Juni

„p5“

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Der Deal: du verzichtest auf fünf sterbliche Gedichte,
die in hundert Jahren von fremden Augen heimgesucht,
ferngefunden werden, schulbuchdingfest –
und hast diesen einen Wunsch frei, der natürlich nur
ein lustvolles Verschwinden sein kann, wir verhandeln
keine Ewigkeiten. Ja, dann bleibt nur eins: ich gehe
(Schlussblende, rund) auf diesem Feldweg, wie einst
Chaplin, Staub und Staub und „Moon River“ im Ohr!

Die Trompete von Arve Henriksen klingt zuweilen wie eine Flöte. Einen sanften Strahl wirft sie in den Raum. Die elektrische Gitarre von Helge Sten gibt ein gelegentliches Grummen von sich, und Stale Storlokken entlockt dem Klavier karge, abstrakte Töne – so beginnt Supersilent 10: raumgreifend! Damit ist nicht die gern ins Feld geführte Fjord- und Bergwelt gemeint, sondern eine tief reichende Empfindungszone, die zu betreten, ein wenig Mut erfordert. In seinem Spiel am Flügel offenbart Storlokken mehr Einflüsse von Messiaen und Scelsi als von Paul Bley – eine jazzkammermusikalische Vertrautheit will sich nicht einstellen. Helge Sten erzählte mir den Entstehungsprozess der Musik:

„Die Musik wurde geradezu dokumentarisch aufgezeichnet; vier Spuren für die Stücke mit Piano, Gitarre und Trompete, ich hatte nur die richtige Balance zu finden, gelegentlich kam etwas Hall hinzu; es ging darum, zum Kern vorzudringen, zu dem Realismus, den wir praktizierten. Die größte Herausforderung, dachte ich mir, würde wohl sein, war die Stücke zu finden, die letztlich erscheinen sollten. Ich kann mich nicht erinnern, wie viele Stunden wir im Rainbow Studio aufgenommen haben, aber es waren sehr viele, und das machte die Sache etwas schwierig; zwei Tage lang nahmen wir unentwegt auf, und da verlierst du schon ein wenig aus den Augen und Ohren, was gut war, und was im einzelnen wirklich abgelaufen ist. Und bei unserem akustischen Set-Up (und das meinte ich gerade mit Realismus), sind die Töne klar definiert. Die Trompete klingt wie eine Trompete und das Klavier wie ein Klavier. Und das ist eine andere Vorgehensweise für uns, weil wir sonst oft daran arbeiten, Sounds zu transformieren, bis sie sich ganz unbekannt anhören. Das war der harte Teil der Geschichte: unsere Musik zu spielen, aber mit diesen konkreten, historischen Klängen! Als ich das gesamte Material sichtete, war das viel leichter als ich mir das vorgestellt hatte. Die gelungenen, schönen Stücke zeigten sich auf Anhieb. Und sie liessen sich leicht verbinden mit den elektronischen Stücken, die zwischen den akustischen auftauchen.“

Diese elektronischen Szenarien von Supersilent 10 schaffen keine künstliche Gegenwelt zur Klangreinheit von Trompete und Piano – sie öffnen schlicht einen weiteren Raum. Hier könnte man dann doch nördliche Klimazonen ins Spiel bringen, unwirtliche Erdzonen; schließlich ist Helge Sten in seinen Solo-Ambient-Werken als Deathprod inspiriert vom Soundforscher Thomas Köner und teilt dessen Faszination für die Polarregionen. Die Arbeit im legendären Rainbow-Studio befeuerte die Abenteuerlust zusätzlich. Dieses Miteinanders elektronischer und akustischer Texturen gelingt, weil beide Klangsphären eine durchaus vergleichbare archaische Ausstrahlung besitzen. So lösen sich vermeintliche Polaritäten auf – zwischen feinem Kammerton und elektronischer Schattenwelt. Vielschichtigkeit entsteht. Das Unheimliche hat zwei Facetten in der Musik von Supersilent 10, zum einen die trügerische Idylle, den gespenstischen Wohlklang, zum andern die unverhohlenen Abgründe, den abseitigen Raum, der in keine vertraute Erinnerung verwandelt werden kann. Das Ergebnis ist eine unerschöpfliche, nie formelhafte Verbindung von elektronischer und akustischer Musik im Geiste der freien Improvisation. Den Jazz gibt es hier natürlich auch: er liefert essentielle Spurenelemente!

2014 1 Juni

„p4“

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Die anfallenden Dinge (aus dem Nichts,
dem Schuhschrank, der Requisitenkammer),
dazu noch die Verplanungen des flugtüchtigen,
schwindelfreien Egos, einfach mal mit einem
einzigen falschen, richtigen Ton löschen, in der
Sonne auf einer Hängematte liegen (mit Hawaihemd),
und  „Laughing Stock“ von Talk Talk hören:
so, genau so, geht Himmel!

2014 1 Juni

Die Empfehlungen für den Monat Juni

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Dass einige unserer Lieblingsschauspieler auch helle Köpfe sind, ist mit Freude festzustellen: nicht, dass Hollywood allzu zahlreich von Scientologen, Zombies und Aliens besiedelt wird. Jeff Bridges ist so ein Wachsamer, und es ist eine gewinnbringende Angelegenheit, seinen Gesprächen mit einem Freund und Zen-Lehrer zu folgen. Der deutsche Untertitel suggeriert eine „Don’t Worry, Be Happy“-Mentalität, mit der man sich verlagstechnisch an chronische Lebenshilferatgebersuchende ranschmeisst – das Buch ist allerdings von einem ganz anderen Kaliber, und passt im Bücherschrank gut neben Ruth Ozekis „Geschichte für einen Augenblick“. Jon Hassell ist nun auch schon in die Jahre gekommen – nach seinem genialen Duowerk „Possible Musics“ mit Brian Eno enstanden noch viele exzellente Alben, eines von ihnen, „City – Works of Fiction“, erscheint jetzt in einer fantastsichen Edition, angereichert mit einem Live-Konzert aus den späten 80er Jahren, und diversen Remixes. Ich habe damals, im Sommer 1990, in London ein langes Interview mit dem Fourth World-Master geführt, das in einer alten Jazzthetikausgabe noch zu finden sein dürfte. Wer leichte Ermüdungserscheinungen zeigt angesichts einer aus Recycling und Repeating und Repattering gebastelten, modernen Pop-Kultur, dürfte sich über ein kleines Meisterwerk wie Owen Palletts „In Conflict“ freuen: früher, in den wilden Zeiten, sind Rockgruppen reihenweise daran gescheitert (und trotzdem reich damit geworden), Elemente der Klassik mit der Sprache des Rock zu verbandeln. Das nackte Grauen herrschte, wenn ein Rick Wakeman zu den übelsten Geschmacksverirrungen der Hippie-Ära beitrug, aber da soll hier kein Fass aufgemacht werden. Der kanadische Violinist und Sänger Owen Pallett (ich hörte ihn erstmals als Final Fantasy in der Dortmunder Pauluskirche, Brian Eno holte ihn Jahre später, begeistert von Palletts Album „Heartland“, zum Punktfestival nach Kristiansand) nimmt ohnehin eher ein paar Inspirationen aus der Neuen Klassischen Musik des späten 20. Jahrhunderts auf, und verwandelt solche Anspielungen in etwas Ureigenes: In Conflict belegt auch, wie man ausgefeilte Pop-Kammermusik mit dunkelsten existenziellen Themen kurzschliessen kann (Tod, Sex, Einsamkeit, Drogen etc.), ohne in tristen, von Schubert aus dem Grab beklatschten Klagegesängen, zu stranden. Eine etwas ältere, nie vesiegende Quelle zapft der Schriftsteller Joe R. Lansdale in seinem neuen Roman (und nicht nur in diesem) an – Mark Twain. Aber er erfindet die alten Muster völlig neu, fabuliert Elemente von „Southern Gothic“ und zeitgenössischem Thriller hinzu. A propos Twain: besorgen Sie sich doch bitte die gerade auch in deutscher Synchronisation erschienene BluRay / DVD des hinreissenden Kinofilms „Mud“ – Freunde von Tom Sawyer und Huck Finn werden es nicht bereuen! Es kann einfach nicht sein, dass ein Leser dieses Blogs noch keinen Lansdale verschlungen hat, aber da es hilffreich ist, sich immer mal wieder unglaubliche Dinge vorzustellen, hier vier ins Deutsche übersetzte Lansdale-Schmöker, die ich nur wärmstens empfehlen kann: „Dunkle Gewässer“, „Ein feiner dunkler Riss“, „Kahlschlag“ und „Gluthitze“. Und wenn eines dieser Bücher mal verfilmt wird, sollte man beim Casting an Jeff Bridges denken – er hätte grosse Freude daran, besonders, wenn die „Koan-Brüder“ wieder mitmischen.

Für Grace, nach einer Party
 
 
Du weißt nicht immer, was ich fühle.
Gestern nacht, in der warmen Frühlungsluft, während
ich eine blitzende Tirade gegen jemand losließ, der mich
nicht interessiert,
war es Liebe für dich, die mich
entflammte,
und ist das nicht seltsam? denn in Räumen voller
Fremder winden sich meine zartesten Gefühle
und tragen
die Früchte des Geschreis. Streck die Hand aus,
ist da nicht
ein Aschenbecher, ganz plötzlich? da neben
dem Bett? Und jemand, den du liebst, betritt den Raum
und sagt, hättest du
die Eier heute nicht lieber mal
etwas anders?
Und wenn sie dann ankommen, sind es
ganz normale Rühreier, und das warme Wetter
hält an.
 
 
„For Grace, after a Party“


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