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2011 15 Okt

Two Fabulous Bikers

von: Jochen Siemer Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , , , 9 Kommentare

 

 
 
 

David Byrne ist nicht nur ein begnadeter Musiker und ein kreativer Kopf, sondern auch ein leidenschaftlicher Radfahrer, der sich für fahrradfreundliche Städte engagiert – zudem einer, der das Handwerk des Schreibens beherrscht. Dies zeigt sich nicht nur in seinen poetischen, teils subversiven, Songtexten. Sein Buch Bicycle Diaries, das im November auch in deutscher Übersetzung erscheint, lese ich gerade mit Vergnügen und Erstaunen. Byrne erzählt, analysiert, recherchiert, strukturiert und philosophiert da, als wären auch die Geisteswissenschaften sein Metier. Unter anderem beschreibt er, was alle Radler wohl schon erfahren haben: Radfahren, egal ob man es sportlich betreibt oder gemütlich – die Landschaft erkundend, mit kontemplativen Pausen zwischendurch – ist generell eine ideale Möglichkeit, den Horizont zu erweitern; sich leibphilosophisch-phänomenologisch gesprochen „auszuweiten“ (Hermann Schmitz); sich auf eine gelenkschonende Weise fit zu halten; bei Besorgungen, das Auto stehen lassend, die Umwelt zu schonen; alles in allem Stress abzubauen.

 
 

Peter Sloterdijk habe ich stets bewundert ob seiner Fabulierkunst (sic!) – in einem wähnte ich mich ihm voraus: denn ich war einst topfitter Radsportler. Einen ganzen Sommer lang dann ließ ich das Sportgerät im Keller, fühlte mich schlapp. Da las ich ein Interview mit Sloterdijk im Spiegel, es ging um Profisport und Doping (die Tour de France lief gerade) und der Befragte erwähnte nebenbei, dass auch er seit Jahren ausgiebig diesen Sport betreibe, im Sommer mehrere Tausend Kilometer zurücklege und mit einem Trainer in Begleitung selbst den Mount Ventoux emporgeradelt sei. Ich war verdutzt: sitze in meiner Stube, mehr als zehn Jahre jünger als der Philosoph, vermutlich mehr als zehn Kilo leichter und Sloterdijk fährt mir nicht nur geistig davon. So wurde aus dem Philosophen dann also auch ein Motivationstrainer – und er hat ja mit einem therapeutischen Imperativ in Buchform („Du Musst Dein Leben Ändern!“) und Hochform ein phantastisches Regelwerk der Trainings- und Motivationskunst nachgeliefert. Askesis heißt übrigens „Übung“ – und wer nicht mehr übt, kann den Karren, in diesem Fall das Fahrrad, eigentlich gleich hinschmeißen.

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 15. Oktober 2011 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

9 Kommentare

  1. Jochen Siemer:

    „Der Waver als Radweg-Lobbyist“, so heißt ein aktueller, lesenswerter Spiegelonline-Artikel über den bikenden Popstar. Byrne fährt verschiedene Fahrräder, ua ein Dahon-Klappfahrrad, sehr schnell, hochwertig – und zusammenklappbar als Gepäckstück mitzuführen. See also this: David Byrne´s Bike Racks (YouTube)

    Peter Sloterdijk fuhr seinerzeit in gelbem Trikot auf einem Rennrad durch die Provence, ist aber, so las ich, inzwischen auch auf ein Heimtrainer-Bike im Wohnzimmer umgestiegen (Zahn und Zeit).

  2. Poschlost:

    Auf und Dahon, sag‘ ich nur. Ich krieg meins nächste Woche! Heute aber nutze ich das Oktobergold für eine (letzte) Fahrt auf dem schwarzen Blitz.

    Karsten

  3. Michael Engelbrecht:

    Ich fahre gerne Rad auf Langeoog und Borkum. sogenannte Kindheitsinseln. Hinter jeder Kurve Dejavues. Man fährt also durch das Hier und Jetzt (wind on my skin) und durch die eigenen Erinnerungen (wind in my heart; s. LISTENING WIND von den Talking Heads).

    Da dieser Blog lebensverändernde Qualität hat, kaufe ich mir aufgrund dieses Artikels in Kürze ein Granatenrad, einen Ruhrgebietsflitzer, einen Langsamkeitszauberer.

  4. Poschlost:

    Zwei schöne Bonmots:

    1. „Zahn und Zeit“ (Jochen Siemer)

    2. „We are almost … somewhere“ (David Byrne)

    Gibt es Granatenrad, Ruhrgebietsflitzer und Langsamkeitszauberer in einem – oder ist das ein Drahtesel-Trio?

    Karsten

  5. Michael Engelbrecht:

    Ich denke, mit einem Stevens vereine ich alle drei Qualitäten, einen e-Bike lasse ich als kleinen Motor zusätzlich installieren, dann ist auch der Langsamkeitszauberer perfekt.

    Hier meine Auswahl, nach den Empfehlungen unseres
    FahrradGURUS:

    http://www.maxcycles.net/modelln.php?xn=1
    (sehr attraktiv, für den sportlichen Bereich, High tech, sehr leicht, da Carbon)
    http://www.stevensbikes.de/2012/index.php?bik_id=77&cou=DE&lang=de_DE
    (Stevens baut sehr gute Räder – City Flight: pflegeleicht + schnell)
    http://www.dahon-faltrad.de/20-speed-tr.html
    (Byrnes + Poschlosts Bike – wenn man es auf Reisen mitnehmen will: ideal)
    http://www.fahrradmanufaktur.de/?page_id=3384
    (Alltagssrad, auch für Touren geeignet. Fahrradmanufaktur baut gute, hochwertige Räder)

  6. Jochen Siemer:

    Das Stevens City Flight ist ein Traum, kultverdächtig – und es läßt sich bei Bedarf problemlos aufrüsten mit Gepäckträger, Schutzblechen, Lichtanlage etc

  7. Michael Engelbrecht:

    Ich glaube, die Nits haben einst ihren Song Bike In Head für den radelnden Jochen geschrieben.

  8. Gregs:

    Jetzt ist es an mir, noch eins hinzuzufügen: Eigentlich bin ich schon immer ein begeisterter Radfahrer. Kann eigentlich auch nicht anders sein, wenn man in Hannover, der fahrradfreundlichsten Stadt in Deutschland aufwächst (Fahrradwege, wo man nur hinschaut und das schon in den fünfziger Jahren).

    Vor sieben Jahren hatte ich dann mit einer Abart der Menièr´schen Erkrankung zu tun (Ohrgeräusche aller Art und Lautstärke ohne Ende). Während einer Reha in Bad Grönenbach bekam ich dann den Tipp, mich mit einem ordentlichem Fahrrad von den Qualen abzulenken.

    Wie es der Zufall will, in Bad Grönenbach existiert einer der besten Fahrradhändler Süddeutschlands, Zweirad Lämmle. Herr Lämmle hat mir körpergerecht ein Stevensrad zusammengeschraubt, von dem ich heute noch genauso begeistert bin wie vor sieben Jahren.

    Das Rad wurde mir derart gut angepasst, dass ich manchmal denke, es wäre ein Körperteil von mir. Und der Tinnitus? Für mich jedenfalls gibt es keine bessere Therapie gegen Ohrgeräusche als das Fahrradfahren.

  9. Anonymous:

    Was für Geschichten! Bei soviel kostenloser Promotion und „Segnung“ des Fahrrads als „Kulturgut“ warten jetzt alle Manafonistas auf gesponserte Fahrräder!

    Ich bin jetzt schon so wild auf meinen Besuch in einem superguten Dortmunder Fahrradladen – wie auf das nun anstehende erste Hören der neuen CDs von Bonny Prince Billy, Alog und Keith Jarrett :)


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