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Archiv: Pirsig

2018 25 Aug

Pirsig reloaded

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Die Dinge, die wir am besten kennen, sind jene, mit denen wir uns in beständiger Praxis auseinandersetzen. Von Heidegger stammt die berühmte Feststellung, dass wir einen Hammer nicht begreifen, indem wir ihn anstarren, sondern indem wir ihn in die Hand nehmen und mit ihm hämmern.

(Matthew B. Crawford)

 

Dass man den Robert M. Pirsig nun endlich ruhen lassen möge mitsamt allem Zen und der Kunst, ein Motorrad zu warten, hörte ich desöfteren von intelligenten Zeitgenossen. Aber der Wille trotzt: das Ich ist nicht Herr im Haus des Cogito und so wünscht der reflexive Verstand, der immer wieder gerne auf richtungsweisende Einflussnahmen der Vergangenheit zurückgreift, dass jenes geniale Buch über Philosophie, Selbstsuche und die phänomenologische Definition von Qualität regelmässig auferstehe im Geiste. Es ist nämlich so, dass jene aufgezeigte Dichotonomie von romantischer und klassischer Weltanschauung immer noch brandaktuell ist, beispielsweise hinsichtlich eines denkwürdigen Wechselspiels von Betrachtung und Operation. In dem Moment, wo man zu handeln beginnt („Handwerk“), ändert sich nämlich jene Sichtweise, die etwas als absolut, gegeben, unverrückbar und unantastbar annimmt. Ich kann einen störenden Fleck auf der Tapete ewiglang ehrfurchtsvoll anschauen, doch eines fernen Tages dann im Jahre 2084 putze ich ihn einfach weg.

 

2014 29 Apr

Besenreine Besessenheit

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Struwelpeter und der stets in die Luft guckende Hans, ferner die böse endenden Abenteuer von Max und Moritz: das jagte manchem Kind gehörigen Schrecken ein. Und dann dieses Lied von einem Eimer mit Loch, den der dumme Karlhenry nicht flicken konnte. Geschichten am Rande des Traumas. Später, in weit humorvollerer Zeit, kam mal wieder ein R4 nicht durch den TÜV und man bekam den Tipp: „Gut putzen und dann ab zum Schrott!“

Es gibt Dinge, die ich gerne tue, obwohl sie Anderen schwerfallen. Das Gehen über Brücken zählt dazu – es sind schon weit mehr als sieben – und das Aufräumen auch. Zur Hippiezeit wäre man nicht en vogue gewesen ob seiner Aufräumleidenschaft. Unvergesslich ist die Szene, als Tom Sawyer von seiner Tante dazu verdonnert wird, den Zaun zu streichen, und es ihm gelingt, Passanten diese vermeintlich unangenehme Sache so schmackhaft zu machen, dass sie das beglückt für ihn übernehmen.

So wundert es nicht, wenn eine Philosophieprofessorin namens Nicole Karafyllis, die dazu noch Biologin ist, ein Buch schreibt über das Putzen als Passion. Wie Nietzsche das Chaos, so scheint sie den Dreck zu lieben, kennt seine Zusammensetzung bis ins Mikroorganische hinein, kennt ferner die chemischen Wirkkräfte aller Putzmittel und weiss doch: am Anfang war die reine Kraft, das Schrubben, das Sichmühegeben – denn nur der Laie kompensiert mangelnde Ausdauer durch ein Zuviel an Chemikalien.

Das Putzen ist dem Pflegen (engl. maintainance) und dem Reparieren verwandt: will man beispielsweise seinen Toaster von der angesammelten Krümelmasse befreien, aus der sich ein ganzes Brot backen liesse, dann schraubt man ihn bei der Gelegenheit gleich mal auf und inspiziert das Innenleben. Kauft man ein gebrauchtes Fahrrad, will man es sogleich saubermachen. Doch dabei bleibt es nicht: es folgen die Einstellung der Gangschaltung, der Umbau des Vorbaus, das Wechseln der Reifen und Verlegen neuer Bremszüge …

Hier kommt noch einmal Robert M. Pirsig zum Zuge: In Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten beschreibt er den Gegensatz zwischen romantischer und klassischer Anschauung und dessen Auflösung im Begriff Qualität. Was kann es Sinnvolleres geben als die mittels Mechanik kalkulierende Bodenständigkeit des Homo Faber verbunden mit den ästhetischen Ekstasen des Schwärmers?

2012 7 Mai

Pirsig, Zen und Perfektion

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In Robert M. Pirsigs Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten – dieser Mischung aus Selbstfindungsstory, Roadmovie mit Hippieflair, Vater-Sohn-Geschichte, Thriller, Tragödie, vor allem aber dieser genialen Vermittlung von Philosophie, zu der man nicht gelangt, indem man, einem Sloterdijk-Bonmot gemäß, sich in jungen Jahren schon zu Schanden liest, sondern Fragen stellt, die einem unterm Nagel brennen – stellte der Autor diese Frage: „Was ist Qualität?“ Pirsig war Wissenschaftler, sein mitreisender Kompanion Schlagzeuger. Als dessen Lenker wackelt, schneidet Pirsig kurzerhand aus einer Coladose einen Blechstreifen, unterfüttert damit das defekte Teil, macht es wieder funktionstüchtig. Doch sein Freund ist entsetzt: „Wie kann man ein Motorrad optisch so verschandeln? Da kommt nur das Original von Firma Harley dran!“ Aus diesem Disput entwickelte der Autor dann das Gegensatzpaar klassische und romantische Weltanschauung – die Klassiker als Konstruktivisten und die Romantiker als ästhetische Idealisten. Was aber wollten beide? Qualitität. Vielleicht hätte die Jazzpianistin Carla Bley, wäre sie damals mitgereist, den Disput der Motorradfahrer auf dritte Weise geschlichtet: sie erzählte einmal in einem Filmporträt von einem Tarot-Kartenspiel. Ihre Tochter Karen war noch ein Kleinkind und hatte eine Spielkarte zerissen. Die Mutter sah bestürzt, dass ihr schönes Kartenset nun nicht mehr ganz war. Sie klebte die kaputte Karte. Dann aber wurde es zu ihrem Lieblingskartenspiel: veredelt durch den reparierten Riss hatte es eine besondere Identität, ja geradezu Kultstatus erlangt. Was die Werbung uns verschweigt: Produkte brauchen Gebrauchsspuren, durch die das Licht einfällt. Und nicht alles von Wert lässt sich kaufen.


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