Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Ich stiess auf Blitz und Donner, als ich vor Wochen und Wochen „Possible Musics“ hörte, von Jon Hassell und Brian Eno. Das war auf meiner vorletzten Sylt-Reise, und ich habe immer noch nicht die gefühlten 25 Seiten meiner Kurzgeschichte von der Nachtwanderung am Morsumer Kliff heschrieben und hier aufgeblättert: ich war so dick eingemummelt, an meinem privaten „Power Spot“ am Nachtmeer, dass weder der Regen von oben noch der leise Donner aus dem sonos speaker mich frösteln liessen – und ja,  meine Damen und Herren, Gänsehaut und Schauer der wohligsten Sorte erfüllten mich.

Und so erinnerte ich mich neulich, als das unglaubliche Album „Life Metal“ von „Sunno)))“ in meiner elektrischen Höhle ertönte, an jenen Donner, der heftig losknallte, als ich einmal bei Herrn Gregor in der Stube sass, und ihm eine lange Seite von einem anderen Album der „Spezialisten für Drone und Bordunpsychedelik“ vorspielte. Kam der Donner von draussen, oder von der Schallplatte? Nun, ich glaube, er mischte sich von draussen in die Musik hinein, ein Geschenk des Augenblicks, während eines Tracks, bei dem übrigens an anderer Stelle, wie aus dem Nichts, der Posaunist Julian Priester ins Horn blies – „Monoliths and Dimensions“ ist so kühn wie Julian Priesters „Love, Love“ (ECM) – beide Alben schulen unser Gespür für riesige Weite.

Und nicht von ungefähr könnte man ein kleines Buch schreiben über „Donnertöne in der Musik“ – was kommt euch da in den Sinn: vielleicht diese eine Platte aus einem Projekt von Herrn Parsons, auf der er sich an eine Kurzgeschichte  von Edgar Allan Poe ranmacht, oder rare  „field recordings“, oder eben „Chemistry“ von Jon Hassell. So ein Donner kann natürlich leicht zu billigem Effekt werden, und will klug platziert sein, um nicht rasch an Wirkung einzubüssen. In meiner Erinnerung ist diese Alan Parsons-Scheibe zu sehr auf Show getrimmt, aber egal (der Produzent hat mal ein allerfeinstes psychedelisches Frühstück serviert, auf der Pink Floyd-Platte mit der Kuh auf dem Cover).

 

 

 

Unvergesslich ist der Donner, der sich, daheim oder in der Ferne, dem Hören einer Musik beimischt, als unverhoffter Gast, als „Live-Remix“. Unser Leben ist sowieso voller Donnerwetter-Momente, in denen realer Blitz und Donner ins Spiel kommen. Ich war einmal bei Herrn Manzanera zuhause, und wir sprachen über ein damals kurz vor der Veröffentlichung stehendes Album, „6pm“, ein Werk voller Vibrationen und  Geister der Siebziger Jahre,  und mit einem Mal krachte es am Himmel, und Manzaneras Geschichte über einen Song,  der von einem „Power Spot“ im Süden Englands handelt (siehe Foto), wurde bereichert durch ein Londoner Donnerwetter, das ich später nur zu gerne den Hörern meiner Nachtsendung  servierte – Phils Story, der Donner, der Regen, ein besonderer Interview-Augenblick.

Da möchte ich doch sofort dieses Album raussuchen und spielen, das, nüchtern betrachtet, wohl recht altmodisch ist, nicht umwerfend, aber doch seine Momente hat, und seine Geschichten. (Und mit diesem Hintergrund im Kopf möchte ich „6pm“ nun unbedingt hören, später, nach dem Abendessen, hier im „Jammertal-Resort“. Vielleicht geiwnnt es jetzt noch einem Extra-Zauber hinzu.)

Ganz dunkel erinnere ich mich, wie mir Herr Manzanera erzählte, sein alter Freund Robert habe ihm während der „recording sessions“ mal gesagt,  in fröhlicher Runde spät abends, dieses Album würde, unter der Oberfläche, von Freundschaft handeln. Herr Wyatt mochte das Studio sowieso,  das ihm Phil mehrfach für Äpfel und Birnen überliess, für die Arbeit an „Shleep“ oder „Cuckooland“. Da kamen dann Brian Eno vorbei, Herr Gilmour, und einmal auch der unermüdliche Herr Weller. Von einem grossen Fenster aus hatte Robert  einen freien Blick auf einen kleinen Bahnhof, und diesen Blick liebte er ganz besonders. Obwohl das alles eine Zeit betrifft, lange nach dem Ende der Dampflokomotiven, fällt mir just ein Klassiker aus dem Genre der „field recordings“ ein: „Trains In The Night“.

2021 7 Dez.

Sieben Zwölf Einundzwanzig

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Auf Gleis 6 abfahrbereit: der ICE. Es steigt wer ein, es steigt wer aus. Wann sehen wir uns denn wieder? Kinderfragen, unausgesprochen. Das Gefühl von Sehnsucht ist stärker geworden in diesen Tagen. „Solange noch Züge gehen“ …, so wird es sein.

 

 
 

Meine etwas andere Hitliste stammt aus dem Jahrhundertroman von Dietmar Dath, an dem er 10 Jahre geschrieben hat und ich sehr lange darin gelesen habe. Dietmar Dath schreibt mit Unterbrechungen für die FAZ. Dort habe ich ihn auch vor langer Zeit entdeckt. In seinem dicken Sciencefictionroman geht es um die Suche nach einer neuen Gesellschaft, die auf der Verbindungsbasis von Literatur (Goethe‘s Faust) Philosophie (Hegel), dem Mathematikgenie (Gentzen) zu entwerfen möglich wäre.

 

Ich bin im Laufe der Lektüre auch den von ihm erwähnten Musiktiteln nachgegangen. Das war sehr spannend für mich.

 
Hier die Titel der Songs und ihre Interpreten:
 
 

The Clash: This is England auf Cut the Crap 1985
The Clash: White Riots auf The Clash 1977
The Clash: Somebody got murdered auf Sandinistal 1980
Sudan Archives: Iceland Moss auf Athena 2019
Rhihanna: Desperado auf Anti 2016
Laurie Anderson: Ramon auf Angels 1989
Björk: Stonemilker auf Vulnicura  2011
Janelle Monāe: Cybertronic Purgatory auf Metropolis 2008
Sex Pistols: Holiday in the sun auf Never mind the Bullocks 1977
Luigi Nono: Post-Prae Ludium per Donau 1987
Miley Cyrus: Can‘t be Tamed 2010

 

2021 6 Dez.

Nikolaus am Meer

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7.30 Uhr. Wir sind zweistellig. Ich habe eine Wellensteyn-Jacke an, die mich wärmt wie ein Kamin. Bernd, der Freund von Susanne, hatte zwei Sonos Speaker mitgebracht. Die BluTooth-Variante einer Performance am Meer. Höchste Düne, Max Frischs Naturmediationen ganz in der Nähe, in Kupfer graviert. Es beginnt mit einer Begrüssung und dem Herumreichen von heissem Tee mit Zitrone. Alle geimpft, die Hälfte geboostert, alle getestet.

 

 

Herzliche Umarmungen mit den Mädels von dem Harmonia-Cluster-Weekend in Forst, ist auch schon Jahre her. Leider kein Manafonist dabei. Das „C-60-Tape“ (die playlist vom Ipad) beginnt mit dem Stück „Nimbus“, aus Ralph Towners ECM-Platte „Solstice“. Und meiner Story dazu. „Once upon a time in Wangerrooge, I heard a radio show with Michael Naura. With Elke Marie tom Dieck, hand in hand, and a transistor radio on our way to the shore, the rain came tumbling down and suddenly, „Nimbus“ was in the air. Goose skin minutes. First encounter. We listened and looked to the clouds.“ Hier, im Morgendunkel, schauten wir auch zu den Wolken, die Blicke kamen nicht weit, am Fernrohr machte sich niemand zu schaffen. Und dann der Rest des Mix-Tapes von Todd Barton bis Alison Krauss (siehe unten), und ein paar Stories, über die Fantasiesprache von Ursula K. Le Guin, und akustische Halluzinationen mit „Discreet Music“. Susanne liest zwei kleine Texte von Richard Brautigan.


Und noch ein Zeitsprung. Zwei Morgen zuvor. Flashback und Flashforward. 5.40 Uhr in der Nacht, men kleines Sendestudio im Kölner Funkhaus, der Pressespiegel ist vorüber, ich trinke einen Schluck grünen Tee, und auf geht‘s zu den letzten zwanzig Minuten. Das spielt man automatisch in der Fantasie durch, immer auf einem Zettel, die Sequenz der letzten Tracks. Bis  vor zwei Tagen sah das so aus:

 

Ursula K. Le Guin & Todd Barton: Music and Poetry from The Kesh (1985) / Brian Eno: Discreet Music (from: Discreet Music, 1975) / talking ten / Brian Eno: Discreet Music (cont. & fade out) / Robert Plant & Alison Krauss: Quattro (World Drifts In) (Raise The Roof, 2021)

 

Aber dann lag ich nachts wach, das Kopfkino arbeitete. Ich dachte über die letzte Moderation nach, das Farewell, und in Minuten ordneten sich die Tracks neu, andere verschwanden, wieder andere tauchten aus dem Halbbewussten auf. Man könnte ja auch eine Nacht lang lauter letzte Songs spielen, eine Ladung Jukeboxmusik. Das Album von Robert Plant und Alison Krauss ist meine unsichtbare Nummer 21.

 

Aber leider hat die Hörnumer Kneiper dicht gemacht, und allein S. bringt mich auf Ideen, wenn er abends am Bösendorfer (wieviele Bösendorfer gibt es wohl auf der Insel?) sitzt, und „Misty“ spielt, mit ein paar Verzierungen a la Errol Garner. Und so ist nun der Job erledigt, die letzten Stücke ganz andere, und wenn ich auf die Jahresrückblicke der Manafonisten schaue – allein Jan aus Pittsburgh hat mit Sicherheit jenes letzte Lied schon gehört in diesem Jahr – „the last cut is the deepest“. See you on December 18.

 

Aber heute ist Nikolaus, und wir sind alle in der Brederuper Heide verabredet, um 14 Uhr. Auf zur Kupferkanne. Love and peace! 

Neuerscheinungen

 

1. Portico Quartet: Terrain (Terrain lief in diesem Jahr am Häufigsten, in allen möglichen Lebenslagen und mir ist noch nicht langweilig dabei geworden. Außerdem: beeindruckendes Live-Erlebnis.) 2. Floating Points w/ Pharoah Sanders & LSO: Promises (Ladies and Gentlemen, we are floating through Time and Space.) 3. Sons Of Kemet: Black To The Future (Im dritten Jahr hintereinander viel Shabaka Hutchings auf den Ohren. Jetzt würde ich gerne mal ein ruhiges Album von ihm hören. Fire Music!) 4. Little Simz: Sometimes I Might Be Introvert (Beats, Rhymes & Life.) 5. Nik Bärtsch: Entendre (Diese Musik endet nicht.) 6. Jeb Loy Nichols: Jeb Loy (Summer Nights, Rainy Days.) 7. Timo Lassy: Trio 8. Linda Frederiksson: Juniper (Zwei sehr gute Wejazz Veröffentlichungen, zweimal Saxophon: einmal zerbrechlich, einfühlsam, off the beaten track, einmal energetisch, flirrend, fast schon Riff-lastig.)  9. Shai Maestro: Human (Soul Food.) 10. Fleet Foxes: Shore (In diesem Album bin ich häufig verschwunden, gegen Ende werden die Songs immer besser – und rätselhafter.) 11. The Notwist: Vertigo Days (Vertigo indeed. Into The Ice Age. Vor allem die zweite Seite ist großartig.) 12. Damon Albarn: The Nearer The Fountain… (Ich bin gespannt, ob dieses Album mit der Zeit eher gewinnen wird, oder einfach im Regal verschwindet.) 13. Nova Materia: Xpujil (Another Bush Of Ghosts.) 14. Masha Qrella: Woanders (‚In einem Saal aus Stille. Hier treiben Geister ihren Tanz gegen die Uhr.‘ Kurz nach dem Album habe ich mir endlich ein Buch mit Gedichten von Thomas Brasch gekauft.) 15. Kari Ilkonen: Impressions, Improvisations And Compositions (Piano-Jazz-Exotica from Helsinki.) 16. Portico Quartet. Monument. (Symmetry.)

 

Potentiell dabei, aber nicht oder kaum gehört, wären noch Alben von Nick Cave & Warren Ellis, Sleaford Mods, Low, Mathias Eick, Lambchop, William Doyle … und dann wäre da mindestens noch das Album Forfolks von Jeff Parker, das erst nächste Woche erscheint.

 

Wiederveröffentlichtes

 

Radiohead: Kid A Mnesiac. (You Want It Darker? Timeless.) Ian Carr‘s Nucleus: Roots. (Groovemonster.) Tortoise: Millions Now Living Will Never Die / TNT (Stoned Constructionist Soundscapes from Chicago). Lewis Taylor: Lewis Taylor (Verlorenes Puzzlestück zwischen Massive Attack und D‘Angelo, dazu ein unverschämt gutes Gitarrenalbum. Lewis Taylor hat mich ausserdem zu Be With Records und damit zu Ian Carr (auf Platz 2) geführt.)

 

Hier fehlen Don Cherry, Alice Coltrane, Leslie Winer, Sun Ra … aber ich hatte mich bei dieser Patience ja auf 16 & 4 Karten festgelegt.

Außerdem fehlen noch zahlreiche Songs, Bücher und sonstige Entdeckungen – da kommt dann zwischen den Jahren noch etwas.

2021 5 Dez.

Meine Tops 2021

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Albums:
 

 

 
 
1. Steely Dan: Northeast Corridor / Donald Fagen: The Nightfly Live
2. Lana Del Rey: Chemtrails Over The Country Club / Blue Banisters
3. Nick Cave & Warren Ellis: Carnage
4. Marc Johnson: Overpass
5. Mathias Eick: When We Leave
6. Can: Live in Stuttgart 1975
7. Floating Points, Pharoah Sanders & London Symphony Orchestra: Promises
8. Pittsburgh Symphony Orchestra, Ltg. Manfred Honeck: Brahms: Symphony No. 4; MacMillan: Larghetto for Orchestra
9. Asmus Tietchens (Hematic Sunsets): Aroma Club Adieu
10. Daniel Lanois: Heavy Sun
11. András Schiff, Orchestra of the Age of Enlightenment: Brahms: Piano Concertos 1 & 2
12. Konstantin Semilakovs: Scriabin: Couleurs Sonores
 
Potenzielle Kandidaten wären noch gewesen:
 
Balmorhea: The Wind
Bryan Ferry: Live At The Royal Albert Hall 2020
Moby: Reprise
Neil Young & Crazy Horse: Way Down In The Rust Bucket

 

Re-Issues:

 

 
 
1. Dave Pike Set: At Studio 2, March 11, 1971
2. Pet Shop Boys: Discovery — Live In Rio 1994
3. Klaus Doldinger: The First 50 Years Of Passport
4. Gentle Fire: Explorations (1970-1973)

(Ziemlich geringe Ausbeute, dieses Jahr. Dafür war es ein Jahr der Wiederentdeckungen:)
 
Wiederentdeckt:
 
Januar: 801 Live (1976)
Februar: Cat Mother & The All Night Newsboys: The Street Giveth … And The Street Taketh Away (1969)
März: Albert Mangelsdorff: Three Originals (The Wide Point, 1975; Trilogue, 1977; Montreux, 1980)
April: David Shea: Tower of Mirrors (1995)
Mai: Hans Zimmer: The British Years (My Beautiful Laundrette, A World Apart u.a.) (2005)
Juni: Miles Davis: Big Fun (1974)
Juli: Hot Tuna: Hoppkorv (1976)
August: Ketil Bjørnstad, Bjorn Kjellemyr, Jon Christensen, Per Hillestad, Terje Rypdal: Water Stories (1993)
September: Hanns Dieter Hüsch: Abendlieder (1976)
Oktober: Kraan: Live (1975)
November: Ougenweide: Herzsprung (2010)
Dezember: The United States Of America: s/t (1968)

2021 4 Dez.

My 20 favourite albums 2021

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1. Lambchop: Showtunes

Ein Wunderwerk, und wenn ich die gute halbe Stunde höre, etwa auf weissem Vinyl mit 45 Umdrehungen pro Minute, gibt es keinen überflüssigen Moment – all diese Samples, akustischen Vignetten, dunklen Winkel, Midi-Verwandlungen, Murmelmelodien etc. fesseln und entfesseln ohne Ende. Von den lyrics und dem Hund auf dem Cover ganz zu schweigen. Verwegen, wie Kurt Wagner Motive des Erhabenen (Oper, Broadway, Sinatra)  in eine erfüllte Leere laufen lässt. „Maybe I’ll break into the movies / Become a star upon the screen / And blow a kiss to a song.“

Flüchtig gehört, könnte „Showtunes“ arg fragmentiert wirken (ein wildes Puzzle verlorener Momente aus verlorener Zeit), dabei ist es formvollendet. Man stelle es ins Plattentegal neben „Mark Hollis“, „Trio Tapestry“ (das erste Album), „The Marble Index“,  „Open, to Love“, „Nerve Net“, „I Trawl The Megahertz“, „Music For A New Society“, „You Want It Darker“, und Jacques Brels letztem Studioalbum, das mit den Wolken und dem blauen Himmel. In genau diesen Regionen bewegt es sich, und bleibt doch ganz bei sich. „It‘s so hard / the air has second thoughts.“ 

 

2. Floating Points w/ Pharoah Sanders and The LSO: Promises
3. Portico Quartet: Terrain
4. Pino Palladino & Blake Mills: Notes with Attachments

5. The Coral: Coral Island
6. Nik Bärtsch: Entendre
7. The Mountain Goats: Dark In Here
8. Low: Hey What

9. Jon Hopkins: Music for Psychedelic Therapy*

 

*“Long after I finished playing ‘Music For Psychedelic Therapy’ I was still trying to work it out. So much so that I played it straight away to try and delve deeper into it. The album isn’t ambient, chillout, downtempo, classical, drone, or bio-music but what, like all of Hopkins best work, it distils those into something breath-taking.“ (Nick Rosenblade, Clash)

 

10. Damon Albarn: The Purer The Fountain…
11. Lana del Ray: Chemtrails over the Country Club
12. Marc Johnson: Overpass
13. Anthony Joseph: The Rich Are Only Defeated When…
14. Richard Dawson and Circle: Henki**
15. Trio Tapestry: Garden of Expression
16. Allison Russell: Outside Child
17. Sons of Kemet: Black To Africa
18. Nova Materia: Xpujil
19. Andrew Cyrille Quartet: The  News
20. Marianne Faithfull with Warren Ellis: She Walks In Beauty

 

**There’s often a paradox in Dawson’s songs that if you read them off a sheet of paper they’d be as depressing as hell, yet on record they sound absolutely triumphant. It resonates with Voltaire’s grappling with existential scaled misfortune. In Candide, the French writer depicts a world which always seems determined to heartlessly throw up a new obstacle to happiness, yet somehow the story never feels melancholic. Dawson and Circle don’t have the French satirist’s cynicism; none of the characters in Henki naïvely believes they’re living in „the best of all possible worlds.“ Most of them seem to know they’re having a terrible time of it, yet their stories are flipped into strange fables of the triumph of the human spirit.“ (Daryl Worthington, The Quietus)

 

 
 

Hörzu ist älter als Brian Eno, meine Güte. Und viel älter als mein neuer alter VW Golf 4, Baujahr 1998. Ich habe mir gleich die Jubiläumsausgabe gekauft und werde, wie in Kinderzeiten, „Original und Fälschung“ spielen. Medienpädagogisch wertvoll, wurde da der scharfe Blick geschult. Die drei Film- und Serienerlebnisse, die mir aus diesem Jahr, made in Germany, in Erinnerung bleiben werden, sind eine True Crime-Doku, deren Namen ich gerade vergessen habe (die mit dem mysteriösen roten Auto), „Ein Hauch von Amerika“ (eine Art deutscher „Spielberg“, fast märchenhaft ausdekoriert, etwas vorhersehbar, und doch auf altmodische Art einnehmend, mit einem neuen Star am „Fernsehhimmel“, Elsa Schott), „Sörensen hat Angst“, und „Die Toten von Marnow“.

2021 4 Dez.

Vier Zwölf Einundzwanzig

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Im Rückblick ist es tröstlich, dass in all den Vorabendserien, die man in Kindertagen und in der Jugend schaute, alles immer ein gutes Ende nahm. In jeder Folge allerlei Verwicklungen, mitunter dramatische Musik und ebensolche Ereignisse: und doch ein Happy End und eine leicht geknickte „Happy Ever After“-Karte. Später erst, durch die Jahre, verstanden, wie grotesk es ist, dass die Prinzessin den Frosch tatsächlich erhört. Once upon a long ago.

2021 3 Dez.

Wundersphären

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Thomas Strønen – Bayou. Portico Quartet – Terrain. Big Red Machine – How Long Do You Think It’s Gonna Last? Monder / Malaby / Rainey – Live at the 55 Bar. John Mayer – Sob Rock. Kristjan Randalu & Ben Monder – Equilibrium. James Mainwaring – Mycorrhiza. Linda Frederiksson – Juniper. Crump / Davis / McPherson – Wandersphere. Vijay Iyer – Uneasy. Dave Holland – Another Land. Jakob Bro – Uma Elmo. Sting – The Bridge. Shae Maestro – Human. Chris Potter – Sunrise Reprise. Grete Skarpeid – Beyond other Stories. Alex Sipiagin – Upstream. 

 

Aus guten Gründen habe ich in diesem Jahr viel mehr Musikalben gehört als in den Jahren zuvor. „Deep Listening Sessions“ waren oft Teil einer Übung zur Entspannung einer cervikalen Malaise, die auch einen leichten Tinnitus übertönen sollte: auf dem Rücken liegend, den Kopf auf eine weiche Unterlage ruhend, von meinen Lieblingskopfhörern umschmeichelt. Eine Art Yoga mit einem Kuss von Koss. Die Musik entfaltete sich voluminös und intim, in einem körperlichen und sehr materiellen Sinn. Gemäß dem Titel des Albums Wandersphere des Borderline Trios – mit der New Yorker Pianistin Kris Davis (höre ich in ihrem Spiel Reminiszenzen an Alexander von Schlippenbach?) – begannen Reisen in akustisch unbegangene Landschaften, oft gewürzt durch überraschende Wendungen. Der neue Sting klingt übrigens auch erstaunlich gut und Gitarrist Dominic Miller, sein stets treuer Weggefährte, ist bekanntermassen ein Juwel. Abmischung und Aufnahme der ausgereiften Songs sind feinsinnig und transparent. The Bridge verbindet kunstvoll die Ufer des Rock, Jazz, Fusion, Irish & British Folk. Jedoch benötigen solche mitunter kurzlebigen sweets immer auch ein komplexeres Gegenstück, und sei es alleine deshalb, um die Ohrwürmer wieder loszuwerden, die sich einschleichen könnten mit dem Komfortablen und Gefälligen: den Swifts und Mayers stehen dann ausgleichend die Monders, Zorns, Torns, Bernes und andere Mitstreiter freierer Formen der Musik hilfreich zur Verfügung. Von den rough roots bis über erhabene Baumwipfel hinaus gibt es noch ein spezielle Genre, zu dem auch die junge japanische Pianistin Ayumi Tanaka gehört: LehrmeisterInnen in der Kunst der Stille. Zusammen mit dem Schlagzeuger Thomas Strønen, zudem der Klarinettistin, Sängerin und Perkussionistin Marthe Lea hat sie ein dichtes und intensives Werk geschaffen: feinste Improvisationen umrahmt von einem norwegischen Volkslied. Bayou, mein Album des Jahres.

 


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