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2021 19 März

Chemtrails

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Seit ungefähr zehn Jahren rätselt die Popwelt, was sie ist: eine Kunstfigur oder ein real existierendes Wesen. Wenn jemand sein Pseudonym aus einem amerikanischen Autoklassiker (Ford Del Rey) ableitet und von einer Schauspielerin (Lana Turner), von der niemand so genau sagen könnte, ob sie mehr Schauspielerin oder mehr Pin-Up-Model war — kann so jemand real sein? Um so schwieriger wird die Angelegenheit, wenn man liest, dass dieses halb irreale Wesen sehr konkrete Meinungen hat und — noch schlimmer — sie auch vertritt.

Sicher ist, dass dieses Wesen Tonträger besingt. Und wer sich einen Albumtitel wie Chemtrails Over the Country Club einfallen lässt, hat meine Sympathie sicher. Das Album ist erstaunlich zurückgenommen — kaum Schlagzeug, sparsame Instrumentierung, knarzende Gitarrensaiten, schwere Klavierakkorde, einige seltsame Klangeffekte, dazu empfängt einen gleich im ersten Stück ein eigenwillig gequetschter Kopfstimmengesang. Ich habe die Platte erstmals gestern spätnachts im Kopfhörer gehört, und ich war sofort drin. Lana Del Rey ist in dem, was sie macht, sicherer als jemals vorher, ihre Melodien haben eine sofort erkennbare Handschrift, und selbst, wenn sie einen Song covert — hier Joni Mitchells „For Free“ vom Album Ladies Of the Canyon –, macht sie ihn sofort zu ihrem eigenen. Als würde sie selbst im Laurel Canyon wohnen.

Yosemite“ ist mein Favorit, aber alles auf diesem Album ist relativ.

Was also nun, Kunst oder real? Das Rätsel bleibt ungelöst. Gut so.

2021 18 März

Zwei Serien

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Wenn es zwei Serien gibt, die mich in den letzten Monaten wie wenig andere berührt und getroffen haben, dann sind das zum einen die Dokumentation über ein ungeklärtes Verbrechen („Höllental“), welche auch einen Standard in der Inszenierung setzt (z.B. beim „Soundtrack“, meilenweit entfernt von den nervenden, immer auf Thriller gepolten „Spannungsmusiken“ vieler „true-crime“-Dokus) – und zum andern die acht Staffeln der französischen Kriminalserie „Spiral“, die hinsichtlich Regie, Kamera, Dialog und Schauspielerei, gar nicht aufhören, unter die Haut zu gehen. Die Kunst, den Zuschauer auf die andere Seite der Leinwand zu transportieren, ist in diesen zwei Serien  meisterhaft ungesetzt. In einem Fall durch fiebrigen Realismus, in dem andern durch eine fast gespenstische Ruhe des Erzähltons. Beide Serien wurden von Frauen gestaltet. Und, nebenbei, Caroline Proust ist in dem Kreis meiner Lieblingsschauspielerinnen angekommen.

 

2021 16 März

„Further down the Jurassic coast in Dorset“

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March 22, 2012

 

Hello Michael – lovely to hear from you. Your wish is my command.

Here’s the story of  „west bay“ and this piece of music.

 

I have never had a home town, and I was a very restless young man – still am to a degree – who made friends very easily but also walked away very easily. Buried deep in me was a sadness that became severe in my early twenties, a detachment rooted in my very young experience that was playing itself out in destructive ways as I charged around London and between people without being able to verbalise my pain.

 

My only confidante in those days was writing, and I used to search for moments of significance like a junky for a fix. This rootlessness and searching would only ever really stop in inebriation, temporarily, or when confronted with the sea. The beach that led me to write this poem is actually not called ‚West Bay‘ but ‚West Bay‘ sounded better than it’s real name, and is a beach further down the Jurassic coast in Dorset from the one about which this was written.

 

I hope the joy of communing with the sea and with birds – I become fascinated by birds more and more – overrides the melancholy that is undoubtedly underneath the writing. I imagine germinating thoughts wriggling out to join a greater scheme when I read it now, typing it out, and the regal looking gull is still the same power that it was then, while I do not feel the pain of the young man anymore. I would hope listening to it is an oasis of sorts.

 

We recorded this track initially with Brian reading, the sequence he had written was so heartbreaking and with his reading, the piece was just too sad. We recruited Bronagh and she took the feeling to a different place.

 

Best wishes 

Rick

 

west bay

 

west bay
a home without the memories
where waves replace nostalgia
and welcome back the thinker
with every shift in shingle.
imagine. alone on this island
with only the stones
their timpani
and shoots of thoughts
just germinated, free to die
or swim away to grey horizon.
except you are not alone
near a troop of watching seabirds
resting in the day.

 

Brian Eno and the words of Rick Holland: West Bay, from: Panic of Looking, WARP Records, 2011. Hier zur Vertonung.

 

2021 16 März

Telefonat mit einem Presseagenten (memory mix)

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Agent: Und die lassen sie über den Hindenburgdamm drüber? Michael: Das ist kein Problem. Beim ersten Shutdown musste ich mich bei der Landesregierung akkreditieren lassen, mittlerweile reicht eine Auftragsbescheinigung für die Chefin meiner Pension. Agent: Es ist dort ja total einsam, und da wollen sie ausgerechnet dieses Buch lesen? Da kommt was auf sie zu. Michael: Ich hoffe es, und ich liebe gute Western. Wenn ich nur  an Cormac McCarthys „All die schönen Pferde“ denke, grossartiger Roman, keine gute Verfilmung. Und ja, im Mai werde ich dann, in meiner Radionacht den Roman vorstellen, aber nur, wenn er mich mit auf eine Reise nimmt. Und dann unterlege ich ihn wohl mit jenen spröden Wüstengitarren, mit denen Warren Ellis und Nick Cave schon manchen Western bestückt haben. Agent: Vielversprechend. Michael: Ich hoffe es. Ich nehme das Buch überall mit hin, selbst nachts, wenn eine  meiner „Inselquellen“ mir eine Sauna am Meer öffnet. Agent: Was machen sie denn nachts in einer Sauna? Michael: Saunen. Oder heisst es saunieren? Agent (lacht): Extrem. Michael: Es ist Teil einer weiteren Nachtwanderung. Sie müssten mich mal im Neoprenanzug hinterm Roten Kliff sehen, sie würden an einen Alien denken! Ein Alien mit Taschenlampe. Agent: Sylt kann ich mir nur schwer als Abenteuerinsel vorstellen. Michael: Ich bisher auch nicht. Aber im Shutdown, und nachts, das hat schon was von realen Gespenstergeschichten. Zumal ich im letzten Jahr viel Material gesammelt habe, aus Zeitungen, von Insulanern, über den Suizid des Schauspielers Ulrich Wildgruber an der Küste von Westerland. Agent: Ganz ehrlich, wenn ich die Insel in diesem Zustand erleben dürfte, ich würde mir sicher auch eine spannende Lektüre mitnehmen, aber, ähem, nicht so eine extrem dichte Einsamkeitserforschung. Da lassen sie sich auf was ein. Michael: Das will ich ja. Ich bin nicht als Tourist unterwegs. Und für mich sind die nord- und ostfriesischen Inseln immer auch Teil meiner Kindheitsgeschichte. Das erdet, auch wenn ich meistens alleine rumstreune. Agent: Erstatten sie mir hinterher Bericht, bitte. Michael: Gerne doch.

Die dritte Welle steigt, drastisch, mit zu vielen  schlecht durchdachten Öffnungen, der Inzidenzwert klettert (der kein politisches Konstrukt ist, sondern eine empirische Grösse mit existenziellen Auswerkungen), und das Murphy-Gesetz regiert. Oder Berlin? Die Intensivmediziner fordern sofortige Rückkehr zum Lockdown, sie lesen die Zahlen und wissen nur zu gut, warum. Die regierenden Zirkel scheuen die Wahrheit der Zahlen und reden über das Leiden dahinter, in einer alten Sprache, welche nur Hohlwörter hat für Einsamkeit, Trauer, Verlust. Im Stotterrhythmus von einer zur nächsten und übernächsten „vorübergehenden Schliessung“: das klingt so, als sei der Chef eines Tante Emma-Ladens mal kurz zum Zahnarzt gegangen, um dann nie wieder aufzutauchen. Für den Alltag braucht man langsam ein Narkotikum: allein die immergleichen Diskussionsrunden betäuben nicht wirklich, diese medialen Möbiusschleifen. Ein Dauerflimmern. Die Pandemie ist mit der dritten Welle nicht einfach vorüber. Die Ausschläge zu hart, und was hinten, Menschen nämlich, runterfällt. Optimisten wittern die Umarmung Fremder im Herbst. Prognosentaumel. Manchmal sind Wiederholungen wie ein Schlag ins Gesicht, der erst beim zweiten, dritten Mal Wirkungstreffer zeigt, Wahrheitsgewinn: 78000 Kinder und Jugendliche leiden an teilweise schweren physischen Folgeerscheinungen der abgeklungenen Hauptinfektion, in England, Long Covid genannt,  wo das mutierte Virus die Zahlen beherrscht. Suizidraten, Depressionen, Existenznot, alles steigt mit den Wellen, mit miserablem Management. Ding, Dong, You’re Dead. Einen Ausweg, ZeroCovid, hat man ein uns andere Mal versäumt, anders als in Neuseeland oder Australien, wo Rockkonzerte wieder vor 30000 Zuschauern stattfinden. Hier gibt es den Vandalismus geheimer Corona-Parties, in Wäldern, Flusstälern, Naherholungsgebieten. Stadtrandzonen. Wo es gemeldet wird, rücken die Ordnungskräfte an. Der soziale Friede ist längst gefährdet. Und dieser ganze Scheiss ist, bitteschön, kein Stephen King-Roman. Bitten wir zum Maskentanz, safe and sound and forever. Meditation hilft. Yoga. Grüner Tee. Bewegung. Bewegung wirkt antidepressiv. Liebe. Gute Freunde. Ein Hund. Gute Musik*. Guter Sex auch. Unter Fremden bitte nur mit vorgezogenem Schnelltest. Und zwischen bald und irgendwann, die Impfung, ein ganz besonderes Desaster in deutschen Landen. Einigen wir uns auf eine Schlussblende: 2022. Stellen wir uns einen Kanzler namens Laschet vor, und die korrupteste WM der Fussballhistorie. Katar. Und Boris Johnson rüstet Grossbritannien atomar auf, der Irre, so sein Ansinnen. Gottogott. Am Glück müssen wir wohl, wie sonst auch, selber werkeln. Das ist der frohe Teil der Botschaft.

 

*Die Ressourcen der Freude lassen sich für manche möglicherweise mit Daniel Lanois‘ neuem, am 3. April erscheinenden Album Heavy Sun aufstocken. James McNair schreibt in der Mai-Ausgabe von Mojo, ein wenig frei übersetzt und gekürzt: „Heavy Sun, in Lanois‘ buddhistischem Tempel in Toronto entstanden, den er in ein Studio verwandelt hat, ist eine Medizin gegen den pandemischen Blues; ein frohsinniges Gospel-Album, das nicht zuletzt  auf der Hammond von Johnny Shepherd, basiert. Es ist ein kühnes Werk mit hellichten und horizonterweiternden Texturen. Wenn die Stimmung an die Aretha Franklin Live-Doku „Amazing Grace“ erinnert, bringt Lanois‘ nuancierte Produktion den Gospel in andere, manchmal dubbigere Gefilde. Der Afrobeat von Every Nation and Angels Watching zementiert das Gefühl, dass hier ein Meister der Atmosphären am Werk ist, während Tree Of Tule einen 1.000 Jahre alten Ort der Meditation unter den Ästen in Oaxaca, Mexiko, feiert.“

 

2021 15 März

Blaudunkel

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Ich habe vor 5 Jahren sehr gerne zwei Songs von Masha Qrella gehört: In einem geht es um einen (oder eine?) DJ, der fast nur „On The Beach“ auflegt, in dem anderen darum, nicht die Schlüssel zur Wohnung des Partners zu bekommen, damit man die später nicht zurückgeben muss. Die restlichen Songs des Albums gefielen mir auch, so dass „Keys“ im Sommer 2016 sehr oft lief – und danach kaum noch. (Nebenbei: 2016, in dem Jahr der Brexit Abstimmung, der Wahl der AfD in den Bundestag und der Trump Wahl, dachte ich, dass es nicht viel schlimmer kommen könne, nun ja). Die Ankündigung des neuen Albums „Woanders“ hat mich erst nicht großartig interessiert. Gedichte, die vertont werden?! Ach ne, da kaufe ich mir lieber einen Gedichtband von Thomas Brasch und gut ist. Der Song „Geister“ gefiel mir mit seinen bollernden Beat dann doch ganz gut … und „Das Meer“ im Duo mit Dirk von Lotzow ließ mich nicht mehr los, so dass ich die Schallplatte bestellt habe. Ich mag alle Stücke, mal gehen die mehr in Richtung späte Roxy Music, dann klingt es nach Indie Pop, gelegentlich treten elektronische Einflüsse in den Vordergrund. Als Doppelalbum mit 17 Songs vielleicht etwas wenig abwechslungsreich. In Zukunft höre ich das Album wahrscheinlich nicht so oft am Stück, lege zwischendurch was anderes auf. Aber: Die Texte sind toll und wirken wie für die Musik gemacht. Keine Ahnung, ob es unter meine 16 Lieblingsalben des Jahres kommt, da muss ich noch etwas länger hören, ob und wie sich die Musik in meinen Alltag einnistet.

2021 15 März

Mogwai: As The Love Continues

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Wie bei jedem Mogwai-Album teilt sich das Meinungsbild auch hier wieder zwischen den Fraktionen „ein weiteres Album im qualitativen Mittelfeld, das keine besonderen neuen Ideen zu bieten hat“ und „ihr bestes Album seit…“ – in jedem Fall ist festzuhalten, dass As the Love Continues schon jetzt das (in den Charts) erfolgreichste Album der 25-jährigen Karriere der schottischen Rockband ist.

Ich halte mich für keinen sorgfältigen Fachmann aller Mogwai-Alben, doch wenn ich darüber nachdenke, merke ich, dass ich doch fast alles mehr oder weniger gut kenne, was die Band gemacht hat. In gewisser Weise genügt es vollkommen, die preisgünstige Kollektion Central Belters zu haben, die auf 3 CDs einen hervorragenden Querschnitt aller Alben, Soundtrack-Arbeiten und Nebenstränge der ersten 20 Schaffensjahre bietet. Doch As the Love Continues, das erste neue (Studio-)Album seit dem verhalten aufgenommenen Every Country’s Sun 2017, hat mehr auf dem Kasten, als dass es über eine gute Stunde nur die alten Ideen wieder hochköcheln würde.

Der Humor der Schotten zeigt sich bereits wieder einmal in den Songtiteln; „Ritchie Sacramento“ beispielsweise, einer der sehr seltenen Songs mit Gesang, beruht angeblich auf der missverstandenen Nennung des Namens Ryuichi Sakamoto (wie vor zehn Jahren „You’re Lionel Richie“ die zufällige Begegnung des Mogwai-Frontmanns mit Herrn Richie im Wartebereich eines Flughafens aufgriff), aber klar, auch Gags würden keine mittelprächtige Platte hörbarer machen, und „Ritchie Sacramento“ ist für Mogwai-Verhältnisse ein wunderbarer Pop-Hit, der aus dem Gesamtkontext nur scheinbar durch seine Andersartigkeit herausfällt. Denn viele Stücke sind einladend bis mitreißend, auch wenn das nicht immer gleich offensichtlich ist – und, ja, emotional eingängig, ohne plump zu sein, wie das bei solchen „Post-Rock“-Scheiben schnell passiert. Auch „Fuck off Money“ beginnt mit Gesang, allerdings mittels Vocoder bis zur Unverständlichkeit verfremdet (erinnert damit anfangs an das famose „Hunted By a Freak“ vor über 20 Jahren), bevor sich leidenschaftliche Gitarrenberge auftürmen, die die ganze bestechende Kraft dieser Band zusammenfassen, wie das auch im schroffen „Drive the Nail“ der Fall ist.

Bei „Ceiling Granny“ denken nicht wenige Hörer an den Alternative Rock der (früheren) 1990er, doch der Gesang, den man hier tatsächlich erwarten würde, er kommt nicht. Und trotzdem ist es ein Song, ein eingängiger, auf sympathische Weise womöglich altmodischer zudem. Das folgende „Midnight Flit“ wird durch mehr und mehr wirr aufgetürmte und zum Ende hin wieder versickernde Streicher von Atticus Ross zum Spektakel, bevor mit „Pat Stains“ (mit Saxofonist Colin Stetson als Gast) eine angenehme Entspanntheit Einzug hält.

Flaming-Lips-Hausproduzent Dave Fridmann, der in den Neunzigerjahren beim Album Come On Die Young im Boot war, scheint eine einnehmende Melodiefreudigkeit herausgekitzelt zu haben, vielleicht hatte die Band aber auch nach den vielen Soundtrack-Projekten mal wieder so richtig Lust auf eine recht geradlinige, bodenständige Platte. Wie auch immer: Mit As the Love Continues sind Mogwai nun erstmals auf Platz 1 der britischen Charts gelandet. Und ich sage: ihr bestes Album seit … 25 Jahren.

Ich mag diese Platte total gerne. Ursprünglich als Soloalbum eines nicht ganz unbekannten Musikers gedacht (der einst in den 80ern die Sahne auf die Torte eines Hits einer singenden Schmalzlocke zauberte), wird sie bei denen, die diesen Meister seines Instruments kennen, wahlweise für Irritation / Faszination sorgen. Es ist zurecht ein Duo-Album geworden, ausgestattet mit einer raffinierten Portion Jazz. Rein instrumental, fragmentiert, in Sekunden höllisch funky & dann wieder seltsam verloren. Das Gebräu weigert sich strikt, einem steten Groove zu folgen, wechselt nahtlos von einem halluzinatorischen Halbstil zum anderen. Das Spiel der Akteure ist sowohl abenteuerlich als auch strukturiert, und das überraschende, wohltuende Resultat hätte auch eine Veröffentlichung verdient gehabt auf Enos Obscure-Label aus den 70ern. Es wäre Obscure No. 11 gewesen. Nur ist eben eine Neuheit, und das Cover setzt genauso auf Unauffälligkeit wie der Titel dieser Langspielplatte. Die Frage ist: um welches Opus handelt es sich hier? Die Antwort wird nicht wirklich weiterhelfen, denn die Musik bleibt ein Rätsel. Wie Lana Del Ray.

2021 15 März

Valerie

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Gestern hatte ich in aller Ruhe das neue Album von Valerie June gehört. Und ein interessantes Phänomen erlebt. Auf den ersten Eindruck schien es überproduziert. Zudem musste ich mich an die hohe Stimme gewöhnen. Das gelang mir beim vorigen Album, und jetzt auch wieder. Als ich mich dann durch die Lieder bewegte, von Raum zu Raum, in einem weitreichenden Sammelsurium der Stile – geriet erstmal alles in Schwingung zwischen den Ohren, es zirpte, trommelte leicht, sprühte Pastell mit lauter zart besaiteten Instrumenten – selbst sich rar machende Blasinstrumente (so kommt es mir in der Erinnerung vor) schienen bevorzugt im Hintergrund zu tänzeln. Zusätzlich waren die offiziellen Videos einzelner Songs gar nicht mein Fall, so edel designt. Sollte ich mir erste Krokosse ins Haar flechten? Doch dann kippte alles, was frühe Wahrnehmungen suggerierten: ich konnte mich hineinfallen lassen in den Strom feinziselierter Melodien, die Stimme entwickelt einen anderen Soul, von Song zu Song, es packte mich dermassen, dass die Zeit nur so dahinflog beim zweiten Hören. Zum Beispiel dieser Song: “Two Roads” begins as a soul pastiche but quickly morphs into a gorgeous country song, drenched in honey-sweet pedal steel. The song is about grappling with the consequences of past decisions, with June—like her soft, upper-register vocal hook— sounding lost in the clouds. Auf den Punkt gebracht: All that deepness in the lightness. All those spaces in between. Erstaunlich gute Platte.

 


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