Manafonistas

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2021 14 Okt.

„Wind Catcher“

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Bei manchen Büchern, von denen ich mich direkt angesprochen und mitgenommen fühle (und jede Seite ohne Übertreibung ihre Trance bereithält), ist es so, dass sie zwei gegensätzliche Tempi des Lesens vertragen, das Verschlingen (Durchrauschen), und die Zeitlupe. So ergeht es mir bei „The Hurdy Gurdy Man“ von Donovan: ich habe die langsame Variante gewählt, das Lesen von Kapitel zu Kapitel (und manches Kapitel über Tage nachwirken lassen, bis zur nächsten gut dosierten Reise).

Der alte Schotte kommt mir vor wie ein deutlich älterer Bruder, der mir von einem parallel verlaufenden Leben erzählt. Ohne jede blödsinnige Verehrungsgeste meinerseits, einfach so. Für Gänsehaut pur sorgten die letzten zwei Absätze des Kapitels vom „Windfänger“, und ich dachte hinterher an mein kurzes grosses Verliebtsein in Inge Urban, nein, Bertram (so hiess sie damals, ggf. auch Ingrid, Ingrid Bertram): ein Lagerfeuer im Süden von Dortmund, akustische Gitarrenklänge (vielleicht Moustaki),  und wie ich mich, mehr als einen Hauch unerfüllt in meiner Sehnsucht, noch stumm, ohne Geständnis meines Gefühls, zudem ein wenig trunken vom billigen Lambrusco, in die warme Asche neben die Glut gleiten liess, hinein in einen süssen Schmerz auf warmem Waldboden.

Immer mehr geriet Don in den Bann von Alice, die zwei Jahre älter war als der Rest der „beats“ (Hippies nannten sie sich scheinbar noch nicht, Inge war auch zwei Jahre älter als ich, mit siebzehn ein himmelweiter Unterschied), die einen Sommer lang (1963) an der Küste von Devon vagabundierten. Es war wohl gegenseitig, an diesem Abend ging es mit dem kleinen Boot hinaus aufs Meer, blind für die Strömung, die ihnen die Rückkehr verwehrte. Seltsam furchtlos planten sie, ans Land zurück zu schwimmen, Alice erzählte von ihrer dünnen Haut, die es unmöglich mache zu ertrinken. Schliesslich wurden sie von einem Kutter an Bord genommen.

Donovan lässt an bestimmten Stellen seiner Lebensgeschichte Songzeilen (meist eigene) aufscheinen, die den jeweiligen Moment illuminieren (und tanzen lassen) – hier rutscht ihm, als er und Alice in der Nacht zum ersten Mal miteinander schlafen, ein Satz raus, der nicht eingerückt wird, vielmehr Teil des natürlichen Erzählflusses bleibt (also anscheinend, trotz eines Reimes, aus keinem Song stammt – ich las den Satz sofort wieder, und noch einmal, und sang ihn leise vor mich hin).

Ich habe das Buch gerade nicht zur Hand, weshalb dieser letztlich schlichte (mich so berührende) Satz nicht herbeigezaubert werden kann. Auf jeden Fall unterdrückte ich den Wunsch, zu den zwei Fotoblöcken des Buches vorzublättern, denn ich war mir sicher, dass diese Liebe Jahre dauern, und ein, zwei Bilder mindestens hinterliesse.

Alice und Don zogen dann wirklich los, ins Unbekannte (jetzt wohl trampend), und wurden Tage später von der Polizei ausfindig gemacht. Die Granny von Alice hatte eine Vermisstenanzeige auf den Weg gebracht, es ging alles sehr schnell. Ein weiteres Auto hielt am Strassenrand, in dem ein sogenannter „Onkel“  von Alice war, der sich nun aber (kein Scheiss, offensichtlich ein junger Onkel, und faktisch überhaupt kein Onkel) als ihr Verlobter entpuppte. Fast wäre es noch zu einem Handgemenge gekommen, und Donovan verprügelt worden. Er sollte sie nie wiedersehen. (Tage nach dem Lagerfeuer, und nach dem Zusammenraffen von genug Mut, erklärte Inge mir, in ihrem kleinen Zimmer, nahe dem „Bunker“, dass sie meine Gefühle nicht erwidere. Fair enough.)

Es wird die Stelle kommen, in dieser  allerfeinsten Autobiographie, in der erstmals ein Lied aus „Wear Your Love Like Heaven“ auftauchen wird, die vor ein paar Jahren zu meiner Donovan-Lieblingsplatte wurde: ich werde sie auflegen – ein Fest, eine erstklassige Tiefentrance. Mit 33 Umdrehungen pro Minute in eine andere, eigene Welt. Brimming with life. (Nachtrag: der angesprochene Satz findet sich auf Seite 69 der Taschenbuchausgabe: „That night love came easy and love came slow, as only lovers know.“) 

2021 13 Okt.

Weber

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Lieber Michael,

ich war nun endlich in der Ausstellung „Colours of Jazz- Eberhard Weber“ im Stadtmuseum Esslingen. Eine wirklich toll gemachte Austellung, die sein gesamtes Schaffen darstellt und auch noch nach links und rechts schaut. Mit vielen alten ausgestellten Originalschallplatten, seinen Instrumenten, Originalzeichnungen aus Webers Privatbesitz und Touchscreens mit kurzen Filmausschnitten (z.B.: Manfred Eicher und Eberhard Weber sprechen über Eichers Produzententätigkeit, während im Hintergrund Tonband und Plattenspieler zu sehen sind – also schon etwas älter).

Da ich zu dem Zeitpunkt der einzige Besucher war, war es sehr schön, sich alles in Ruhe, und ohne den gebührenden Abstand zu anderen Besuchern einhalten zu wollen, anzuschauen. In einem Raum sind E-drum, Keyboard, eine E-Gitarre und ein E-Bass aufgebaut und angeschlossen. Mit einem Knopf könnte man ein Video einer Live-Aufnahme vom „Colours Quartett“ des Stücks „Sand-Glas“ aus  „Yellow Fields“ starten und irgendetwas dazu spielen (Desinfektionsstationen stehen überall bereit).

Die Ausstellung läuft noch bis 24.10.2021. 

Der Eintritt beträgt sage und schreibe 2,- € für Erwachsene, 1,-€ für 6-18 Jährige. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14-18 Uhr, Sonn- und Feiertag 11-18 Uhr.

viele Grüße,
Lorenz aus Leinfelden!

2021 12 Okt.

october sights & sounds

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<span style="color: #a19381;">"Fahrn Fahrn Fahrn" © JS / Oktober 2021</span>

 

„Fahrn Fahrn Fahrn“

pre-tape

session

Karsten: ss, final cymbals
Jochen: g, pre-tape

 

<span style="color: #a8957b;">„Bodenhaftung“ © JS / Oktober 2021</span>

 

„Wir könn‘ ja mal …“

session

Karsten: ts
Jochen: bass loop, g

 

 

„Long As You Know, You’re Living Yours“. Das wäre mal ein Anfang. Ob es so kommt, ist etwas anderes, aber der Plan für meine letzten Klanghorizonte ever, am 18. 12., ist: jede Stunde nur zwei Moderationen. So der Versuchung widerstehen, noch mal ganz viel „Bedeutendes“ von sich zu geben. Also einfach basteln an perfekten Mixtapes für jede einzelne Stunde. Die Struktur „Neuland“, „Nahaufnahme“, „Zeitreise“ gilt nicht mehr, alles wird  Zeitreise sein. Ich ertappe mich bei kleinen Notizen, Namen, die, ich spielen will, unbedingt: Donovan, The Incredible String Band, Lewis, Arthur Russell. Und dann: die üblichen Verdächtigen (ECM, Brian Eno, leerer Raum und volle Dröhnung), ein paar Überraschungen natürlich auch. Was spiele ich von Talk Talk, King Crimson, und XTC? Was von der „Punkt-Bande“? Und was von John Darnielle? Wie bringe ich den Free Jazz rein, und wie die Hörnumer Jukebox ans Laufen („Waterloo Sunset“ oder „Sunny Afternoon“, das ist hier die Frage)? Wer schickt mir für die Sendung eine Single (oder eine Cd) mit „Things In Life“ von Dennis Brown? Die letzten vier Stücke der letzten 25 Minuten stehen fest (da erfordern die letzten Worte ein Quantum Understatement). Und auch, dass kein Weg an dem umwerfendsten ReggaeRoots-Album aller Zeiten vorbeigeht. Norbert „Rastafari“ Ennen wird sich nicht beklagen. Love and Peace, M! 

 

2021 10 Okt.

Schwarze Tränen

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Eine Frau verliert ihre Sprache, nachdem sie ansehen muss, wie Mann und Söhne zu Tode gefoltert werden. Ein Ölfilm überzieht die karge Landschaft, bildet einen stumpfen Spiegel für die tief hängenden Wolken. Öl und Feuer spritzen aus der Erde. Rauchschwaden, enorme Rauschschwaden färben den Himmel. Wasserfontänen, Feuerwehrmänner, Bombenkrater, Folterwerkzeuge. Riesige Silos liegen zerknickt zwischen anderen Trümmern auf dem Boden. Ein Junge weint schwarze Tränen. 

„Der Zusammenbruch der Sternenwelten wird sich – wie die Schöpfung – in grandioser Schönheit vollziehen.“ Das Zitat von Blaise Pascal leitet Werner Herzogs Film „Lektionen der Finsternis“ von 1992 ein. Herzog hatte hierfür das vom zweiten Golfkrieg gezeichnete Kuwait bereist. Die Bilder sind apokalyptisch, hypnotisch, erschütternd. Der Film wurde im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt, dazu spielten das Portico Quartet, unterstützt von drei Streichern, das Album „Terrain“. Diese Musik hatte für mich immer eine flüssige, traumhafte Atmosphäre; im Zusammenspiel mit den Bildern wurde sie düster, klaustrophobisch. Die Musiker hielten sich zurück, es gab keine irgendwie geartete Performance, die Bilder standen im Vordergrund (allerdings wirkten die Herren auf mich auch nicht wie ausgeprägte Rampensäue). Die Becken tanzten, der erste Einsatz einer Trommel ging durch Mark und Bein. Langer Applaus nach einer Stunde durchgehend gespielter Musik, eine Zugabe wäre nach diesem Trip unpassend gewesen. Auf dem Rückweg schwebten die kleinen roten Lichter durch die schwarze Nacht.

Painting and giving life to places that don‘t have any, is very gratifying. 

 

  • Vor 10 Jahren brach hier vor der Küste ein Unterwasservulkan aus, die Bewohner von La Restinga mussten für Monate ihre Häuser verlassen. In Erinnerung an diese Naturgewalt hat nun die Gemeinde vier bekannte Künstler eingeladen, um das 350 Seelendorf mit Wandgemälden zum Thema ‚Vulkan’ zu schmücken. Die Einheimischen wurden natürlich nicht gefragt, sie reagierten zunächst verhalten bis unverständlich, aber jetzt sind sie erfreut.
  • Diese jungen Künstler kommen aus der 3D Generation, sie sind Betrachter der Internetlandschaften, kennen aber auch ihren Picasso. Sie sind um die 40 Jahre alt, alle sind weit gereist. („Traveling and discovering different cultures is a gift.“) Sie bemalen riesige leere Wände, von denen es hier zu viele gibt. Sie stehen auf elektrischen Kränen und besprühen die Flächen mit Neonfarben, die eine leicht hypnotische Sensation auslösen. Diese Open Space Gewohnten grenzen ihre Kunst durch geometrische Formen und mathematischen Berechnungen ein. Kandinsky‘s Kompositionen und Escher‘s Raumeffekte sind erkennbar. Sicher haben sie auch C.G.Jung‘s „Träumereien“ in den talentierten Händen gehabt. Alle Vier sind Autodidakten, haben sich Graphic Design , Graffiti, Popkultur und Illustration selbst beigebracht.
  • Irene Lopez Leon (Barcelona)
  • Iker Muro (Bilbao)
  • Ruben Sanchez (Berlin)
  • Louis Lambert (3ttt man/Frankreich)
  • Ihr Motto ist: Mach es selbst UND Es ist gesund, andere Orte kennenzulernen.
  • Ihre Inspirationen holen sie sich auf Reisen. Ihre großen Murials finden sich auf der ganzen Welt. Eins von Irene Lopez Leon auch in Hannover. ;)

 
 


 
 

 

Manas, die Jeb Loy Nichols und JJ Cale mögen, dürften mit grosser Freude diesem Song lauschen, „Love Farewell“ von Jake Xerxes Fussell  (das ist doch mal ein Name), und wir reden hier nicht von einem Abklatsch, sondern von „some deep digging country folk vibe“, oder?! Übrigens, der Titel des Albums, keine politische Platitüde, eher ein Leitmotiv der ganzen Cd – Verlust und Neuanfang.

2021 9 Okt.

Zeitreise

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Stefan Aust nennt sich „so ’ne Art Journalist“, findet sich „überdurchschnittlich durchschnittlich“ und gehört damit spätestens seit den späten 1960er Jahren zu den wenigen deutschen Journalisten, die ich als wichtig bezeichnen würde. Seine Reise führte ihn von der Schülerzeitung Wir über die St.-Pauli-Nachrichten zu konkret, von dort zur „Panorama“-Redaktion des NDR, zur Spiegel-Chefredaktion, er brachte mit Alexander Kluge Spiegel-TV und dessen diverse dctp-Derivate zum Laufen, er gründete XXP und übernahm damit Vox TV, war Mitgründer von n-tv, und heute ist er Herausgeber der Welt. Dass er dort mal landen würde, hätte er zu Beginn seiner Karriere sicher nicht gedacht — obwohl: Damals war die Welt noch ein liberales Blatt. Freier Filmemacher und Buchautor ist er noch dazu. Und — nicht zu vergessen — Pferdenarr.

Dankenswerterweise verzichtet Aust auf lange persönliche Geschichten, er hält sich als Privatperson sympathisch zurück und nimmt uns statt dessen mit auf eine 650 Seiten lange Reise, die wahrlich den Namen „Zeitreise“ verdient. Austs kritische Begeisterung für die USA macht Lust, seine Reisen nachzureisen; er hat den richtigen Blick für das Wesentliche. Von Station zu Station fallen einem die Ereignisse wieder ein — die meisten davon hat man ja mitbekommen, nur hatte man längst vergessen, wer der Berichterstatter war: Der Besuch des Schah von Persien, der mit dem Tod Benno Ohnesorgs endete. Die Baader-Meinhof-Zeit, der Bestseller und der daraus resultierende Film (den er für sehr gelungen hält, ich bin da etwas weniger überzeugt). Die Anti-Atom-Bewegung. Die Hitler-Tagebücher. Tschernobyl. Der Mauerfall. Und, und, und; ich will es nicht alles aufzählen. Manches interessiert mehr, manches weniger. Die Story um den Agenten Mauss etwa hat mich schon damals nicht interessiert, und auch hier im Buch habe ich sie nur quergelesen. Um so interessanter aber Austs durch konkret entstandene Kontakte zu Ulrike Meinhof, bis hin zu der Geschichte, wie er ihre Kinder aus Italien nach Deutschland holte. Auch wenn Austs Erzählstil eher cool ist, so merkt man ihm doch an, dass manche Ereignisse nicht ganz so cool waren, als sie passierten. Und auch heute noch darf man pointierte, aber stets begründete Ansichten von ihm erwarten; etwa zu Fridays for Future und der heiligen Greta — und gerade aus der Perspektive über den Atlantik ist das interessant.

Ein bisschen verblüffend ist die scheinbare Geradlinigkeit von Austs Karriere. Jede Station scheint sich aus der davor zu ergeben; man hat das Gefühl, da gab es kaum mal Zweifel oder Entscheidungen, die im Nachhinein bedauert wurden. Aber das ist eine Eigenart vieler Autobiografien. Sie resultiert aus der Rückschau, vielleicht ist das nicht zu vermeiden. Lesenswert, alles in allem. Mit Fotostrecke und einem schönen roten Lesebändchen.
 
 

2021 8 Okt.

Hinübergehen mit Eberhard

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In seinen Ausführungen über das Spätwerk bedeutender Musiker „Hinübergehen“ hat Joachim-Ernst Behrendt sich sehr ausführlich mit den finalen Werken vieler Musiker über fünf Jahrhunderte hinweg auseinandergesetzt und versucht die Besonderheit, die ganz eigene Atmosphäre, die diese Werke gemeinsam haben, herauszuarbeiten. Das, was in ihnen in Erscheinung tritt und über die Begrenztheit des Lebens in irgendeiner Weise hinausweist. Er schreibt: „Eine Frucht fällt vom Baum, wenn sie reif ist. Dann ist sie am „Besten“, am süßesten. Aber dann fällt sie auch. Vielleicht gilt das auch für Musiker. Oder für alle Menschen? Es hat mit Reife zu tun. Sie fallen, wenn ihr Werk „am besten“ ist.“ und „Spätwerke sind Kulminationswerke – in einem Maße, das weit über das Zu-Erwartende und das in anderen Künsten, überhaupt in anderen menschlichen Tätigkeiten Erfahrbare hinausgeht.“ So auch bei Lyle Mays als er Mitte 2019 eine infauste gesundheitliche Prognose bekam und entschied ein Werk, das ihm besonders wesentlich erschien noch aufzunehmen: eine Hommage an den Bassisten Eberhard Weber mit dem er gemeinsam gespielt hat und dem er viele musikalische Impulse verdankte. Diese fasste er bereits 2009 in eine Komposition für das Zeltsman Marimba Festival, die er für seine letzte Studioaufnahme, bei der u.a. Bill Friesell, Alex Acuñha, Michael Forman und Steve Rodby dabei waren, noch einmal intensiv überarbeitete und weiterentwickelte. Er steckte seine ganze Energie hinein, um dieses Stück noch bis Januar 2020 fertig aufzunehmen und konnte das Ergebnis schließlich noch in den letzten Tagen vor seinem Tod hören. Zentraler Ausgangspunkt war das Bassspiel und der Kompositionsstil Eberhard Webers zu dem sich viele weitere Elemente, wie minimalistische, ethnische Einflüsse aus Indonesien oder Brasilien, aus dem Jazz und der orchestralen Musik gesellten. Er nahm einfache melodische, harmonische oder rhythmische Ideen und experimentierte mit ihnen bis er die ganze Formenvielfalt entdeckt und feinsten herausgearbeitet hatte. Seine Nichte Aubrey Johnson beschreibt „Some parts of the process occur very quickly and some are painstaking, but together I think the resulting music feels organic and interesting, as well as logical and connected.“

Das 13-minütige Stück beginnt mit einem Marimba-Ostinato, das das ganze Stück hindurchträgt, darauf steigt Mays mit einer leichten Pianomelodie ein, dann folgt der Basseinsatz, der weiter in ein tiefes und komplexes Gewebe hineinführt, das zwar auf einer gewissen Ebene fast zu seicht klingt, was den choralen Einsätzen nicht unwesentlich geschuldet ist, aber niemals darin stecken bleibt und eine große stilistische und kompositorische Vielfalt aus den Grundthemen entwickelt und sich in der Intensität immer weiter steigert. Eberhard kumuliert das musikalische Schaffen Mays auf kleinstem Raum und kulminiert schließlich in einem Tenorsaxophonsolo von Bob Sheppard. Danach öffnet sich ein unglaublich tiefer, leiser Raum, dem ein Subbass unterliegt und entlässt den Hörer … wohin? Das weiß nur Lyle Mays. Now, the music’s over. Was bleibt, ist Stille.

 

2021 7 Okt.

Ein Zeit-Zitat

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„Ein Smartphone verbraucht schon geistige Ressourcen, wenn es nur in Sichtweite liegt – selbst wenn es ausgeschaltet ist. Denn wir müssen der Versuchung wider­stehen, uns mit dem Gerät zu beschäftigen, daran zu denken, welche Nachrichten eingehen könn­ten.“

 

(zeitonline)

 


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