Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 10 Jan.

Snow Music

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Der im vergangenen Sommer verstorbene Wahlwiesbadener Kontrabassist und Fluxus-Künstler Ben Patterson hat einmal Ameisen über Notenpapier laufen lassen, um Partituren zu erstellen und John Cage setzte Sternkarten in Klavierstücke um. Seitdem mir dies zu Ohren gekommen ist, faszinieren mich Strukturen in meiner Umgebung und oft frage ich mich, welche Musik, welches akustische Ambiente sie hervorrufen oder darstellen könnten.

Verbirgt sich hier vielleicht ein Stück aus „Eskimo“ von The Residents, von „Nuuk“, „Nunatak“ oder „Permafrost“ von Thomas Köner oder vielleicht sogar von „Polar Sequences“ von Biosphere & Higher Intelligence Agency? Oder ist, wie so oft, alles offen?

 
 

I.

 
 

 
 
 
II.

 
 

 
 

2017 9 Jan.

No Plan

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Sommer 76, habe gerade meinen Urlaub halb gegen meinen Willen mit meinen Eltern in einem abgelegenen Bergdorf in den Cevennen verbracht, damals noch ohne geeignete Möglichkeiten Musikkonserven mit auf die Reise zu nehmen. Definitiv die letzte Unternehmung dieser Art. Freute mich also auf meine frisch erstandene Musikanlage zu hause und die Möglichkeit einfach wieder in Klang(t)räumen abtauchen zu können. Damals lief Tangerine Dreams „Zeit“ in Trance heiß, fast eine Vorwegnahme der Ambient Music, nichts woran ich mich wirklich festhalten konnte, ein Fluss, ein Eintauchen in den Augenblick. Just there I am, no plan….

Sommer 76, ich kam in die 9. Klasse – was da lief, war gründlich nachgeordnet – und David Bowie (der mir erst etwas später von unserem kulturell vielseitig interessierten Dorfpostboten vorgestellt werden sollte) kam nach Berlin. Zu Edgar Froese. Vielleicht haben sie sich ja gegenseitig etwas inspiriert, Bowie in seinem Berliner Sound und Froese hat später einmal sogar einen Sänger zu Tangerine Dream geholt, was er alsbald, gut nachvollziehbar, als Fehler einstufte. Nun noch einmal die letzten Songs von Bowie, ein Video im Regen und die beiden Herrn sind fort. Aber hoffentlich nicht in der Ödnis, wo die Zeilen von „No Plan“ uns hin mitnehmen wollen, but here I am …. this is not quite yet.
 
 

Here there’s no music here
I’m lost in streams of sound
Here am I nowhere now?
No plan

Wherever I may go
Just where
Just there
I am

All of the things that are my life
My desires
My beliefs
My moods
Here is my place without a plan

Here
Second Avenue
Just out of view
Here
Is no traffic here?
No plan

All the things that are my life
My moods
My beliefs
My desires
Me alone
Nothing to regret
This is no place, but here I am
This is not quite yet

2017 5 Jan.

Neulich bei Bugge …

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… Wesseltoft und seiner New Concepcion of Jazz 2016 Edition im Mousonturm in Frankfurt. Irgendwo aus der Dunkelheit kommt ein langgezogener Klang, dann noch einer und langsam baut sich ein Gebilde auf, dass irgendwie bekannt erscheint. Aber frischer, wie durch die Waschanlage gefahren. Und poliert, aber nicht aalglatt, sondern mit Ecken und Kanten, ja sogar mit unaufdringlich-chaotischen Strukturen, die ganz subtil eskalieren können. Dann fällt die Videoanlage aus, die zuvor versuchte ambiente Schneelandschaften auf die Leinwand zu bringen, was aber kein Nachteil ist, sondern die intime Atmosphäre viel mehr in den Vordergrund rückt. Es fehlen nur noch die Wohnzimmerlampen. Die Gitarristin ist in Socken auf die Bühne gekommen. Passt.

Bugge Wesseltoft hat zum zwanzigjährigen Jubiläum seiner New Concepcion of Jazz eine Frischzellenkur verpasst und hat sich vier junge Musikerinnen auf die Bühne geholt, die jede für sich einen sehr eigenen und erweiterten Umgang mit ihrem Instrument mitbringen. Ein auch mal perkussives Saxophon, eine Schlagzeugerin, die ihr Set singen, schreien und manchmal für Zehne toben lässt, eine Gitarre mit schleichenden, schwebenden und aus dem Versteckte hervorberstenden Klängen und eine Tablaspielerin, die ihr Instrumentarium gleich ganz neu zu erfunden haben scheint.

Und fast wie am Rande der Chef, der einfach nur Spaß hat, fast nur am Lachen ist und gelegentlich mit einem heiteren Blick etwas dirigiert. Und so kommen neben einigen Klassikern wie „You say“ und „Existence“, einigen neuen Stücken mit viel komplex verschränkten Improvisationen auch ein Stück aus dem hörenswerten Sideprojekt „Moksha“ auf die Bühne. Schon habe ich ihm „OK World“ verziehen, denn die Welt ist gerade wieder OK und Fon für Fon (Danke Micha!) tropft das Manna von der Bühne und zum Glück konnte ich ganz vorne sitzen …

 
 
 

 
 

Konzertinfo Mousonturm

Träume ich oder bin ich wach? Dies ist nicht nur die Ausgangsfrage eines jeden Klarträumers, nein, nicht Frage sondern wiederholte ernsthafte Überprüfung des eigenen Bewusstseinszustandes. Darauf wies der Klartraumforscher Paul Tholey vor etwa 30 Jahren in seinen Seminaren an der Uni Frankfurt und seinem Buch zum Klarträumen hin. Die Sache hat nun einen kleinen Haken: Wenn ja, wo bin ich wirklich? Diese kleine und scheinbar unbedeutende Frage kann man sich höchst berechtigt sowohl im Traum- wie auch im Wachzustand stellen mit keineswegs immer eindeutigen Antworten …

Träume ich oder bin ich wach? Wo bin ich hier: in einer Schleife gestrandet, wo ich die Worte dieses Blogs immer nur rezeptiv begeistert aufnahm und nun auf einmal mit vielen Anderen zum eigenen Leser werden und mich kommentieren kann? In einer eigenen virtuellen Realität, die durch erträumte Schnittmengen ein Panoptikum an Ideen und Inspirationen abfeuert? Spielt sich das jetzt wirklich ab oder ist „Breaking 13“ nur ein Seriensequel, dass sich aus einer ominösen Klartraumapotheke speist und meine Neurotransmitter gerade einen obskuren Schreittanz vollführen lässt? Und wenn ja: gibt es unterschiedliche Traumformen?

Vor Jahren arbeitete ich in einem Schlaflabor und wir weckten unsere Probanden aus unterschiedlichen Schlafphasen, um zu erforschen, ob Träume in allen Schlafstadien auftreten können. Sie konnten. Da waren die faktischen, grauen, drögen Träume aus den Tiefschlafphasen, die einsilbigstens berichtet wurden und nach vielen Zwischenstadien die bunten, intensiven, phantastischen der REM- oder Traumschlafphasen, die direkt nach dem Wecken ausschweifend geschildert werden konnten und uns Mitarbeiter in einen Strudel aufgebrochener unterbewusster Welten fast filmartig hineinriß. Bilder können das auch manchmal. Und Musik natürlich.

 
 
 

 
 
 

Eines Winternachmittags in Frankfurt starrte mich also dieser gut geschminkte Typ im Montanus-Plattenladen aus der Auslage an. Lesen konnte ich die Aufschrift leider nicht, war die japanische Fassung. Fand das Cover aber auf den ersten Blick sympathisch, nein eher magisch anziehend. Also reinhören. Aber: Was war das? Eine Sorte unbekannter Popmusik? Japanische Zauberformeln? Vielleicht auch ein bislang unentdecktes Universum, das mich mit jedem mal hören tiefer in sich hineinzog und so eigenartig faszinierend und fremd war wie die plastischen Träume unserer Probanden.

Left Handed Dream. Gibt es sowas überhaupt? Das Traumlexikon sagt dazu, dass Träume mit dem Aspekt der Linksseitigkeit darauf verweisen, dass man sich der unbewussten Seite des Erlebens vermehrt zuwenden sollte. Da geht es also hin oder ist Sakamoto halt Linkshänder und die träumen vielleicht anders? Diese vertrackten Arrangements, die viel mehr ein japanisches Empfinden als die dortige Musikkultur abbilden. Diese archaischen manchmal sogar fast tanzbaren Rhythmen, die schrägen Gitarrensounds von Adrian Belew, der näselnd-monotone japanische Gesang (ich mag die amerikanische Version dieser Platte bis heute nicht) und dann die seltsamsten Tierstimmen im letzten Song. Chill-factor. Fragmente. Tell me your story … a yellow chrysanthemum. Die Blume des japanischen Kaiserhofes oder doch der Mohnblütengarten? Träume ich immer noch oder bin ich wach? Ich weiß es bis heute nicht, aber Ryuichi jedenfalls träumt mit links …


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