(by planetgong.co.uk)
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2014 27 Aug.
Before the Dawn
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Kate Bush | Comments off
Der „Guardian“ hat hier eine Sammlung von Pressekritiken über die gestrige Show Before The Dawn von Kate Bush im Londoner Hammersmith Apollo online gestellt.
Da dem US-Musikmagazin „Billboard“ (an letzter Stelle im Roundup) keine andere Frage mehr einfällt als „What does it all mean?“, muss der Auftritt wohl verdammt gut gewesen sein.
Who would ever come up with such an idea to team up the Gary Burton Quintet of 1975 with trombonist Albert Mangelsdorff? The Gary Burton Quintet (the master himself (vib), Mick Goodrick (g), Pat Metheny (12-string g), Steve Swallow (b) und Bob Moses (dr) had just recorded a relatively smooth album with Carla Bley compositions (Dreams So Real, ECM 1042), Mangelsdorff’s latest recording had been The Wide Point (1974, MPS 15396, with Palle Danielsson and Elvin Jones) – his Birds Of Underground had just been two years ago, and The Wide Point still showed many traces to this very free album. In short, Burton and Mangelsdorff in 1975 represented two very different worlds of sound.
NDR jazz head Michael Naura was the one who could come up with such an idea. And he had the opportunity to let it happen. The concert took place as the 114th NDR Jazzworkshop on December 9, 1975, in the legendary Studio 10 at the Oberstraße. I had a seat in the first row then. Now – thanks to M.E.! – I was just able to listen to the complete recording again.
As far as it’s possible to find out today, none of the quintet musicians had ever played with Mangelsdorff. In fact, Mangelsdorff is mentioned only once in Burton’s biography. So this thing was not without risk, it could have gone badly wrong.
But Naura always had a nose for things that might work. And he was right again. In the first half of the concert, only the Gary Burton Quintet played; one composition by Michael Gibbs (in 1974, Burton had recorded a whole album with compositions by him, Seven Songs For Quartet And Chamber Orchestra with members of the NDR Symphony Orchestra) and some stuff from Dreams So Real. Then, in the second half, Albert Mangelsdorff joined for compositions by Steve Swallow, Eberhard Weber, Carla Bley, again Michael Gibbs and – of course – Albert Mangelsdorff. It was adventurous to hear (and see) the communication between the musicians grow. The percussive-metallic sounding band on the one hand and the unmistakable sound of Mangelsdorff’s trombone approached each other, checked out each other, played with each other and finally found each other.
This concert took place nearly 40 years ago, and as far as I can see, Mangelsdorff and Burton never met again on stage or in a studio. So this recording is a unique document, and it stood the test of time. The tapes are still in good condition, and part two of the concert is just enough to fill a CD, so this would be a good opportunity to release it – anybody out there willing to do that?
For me this night in December 1975 was a sort of epiphany in jazz. Another one had been Terje Rypdal and his band at the Fabrik in Hamburg in summer of the same year; also an event the NDR was involved in. 1975 must have been a good year, at least musically, when the NDR was the #1 address in jazz in Northern Germany …
2014 13 Aug.
Steely Dan live
Jan Reetze | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Steely Dan | 1 Comment
Angesichts des Publikums, das überwiegend aus reiferen Jahrgängen bestand, hatte ich schon befürchtet, er würde – wie in seinem Buch angedroht – Bingozahlen ansagen. Aber Mr. Fagen entschied sich dann doch für sein Fender Rhodes. Und für den Gesang. Wenn er auch die hohen Töne nicht mehr packt, die Stimme ist unverkennbar.

Seit 42 Jahren sind Steely Dan auf der Szene. Entdeckt habe ich sie erst in den 80ern, als es sie eigentlich schon nicht mehr gab. Aber ihre Musik ist im besten Sinne zeitlos geblieben. Und wenn Steely Dan eigentlich auch eher ein Studiokonstrukt war: Sie können es auch live, wie ich gestern abend im Benedum Center in Pittsburgh bei ihrer „Jamalot Ever After“-Tour erleben durfte.
Das Opening wurde gestaltet von der Bobby Broom Organi-Sation, einem Chicagoer Jazztrio, das mit halbakustischer Gitarre, Drums und einer Hammond-B3 den passenden Einstieg lieferte. Interessant übrigens, dass das US-Publikum in der Regel den Supporting Acts gern und mit Sympathie zuhört. In Deutschland habe ich das sehr oft anders erlebt.
Eine Band, die tourt, obwohl sie kein neues Album im Koffer und auch sonst nichts zu promoten hat und trotzdem alle 56 Termine innert weniger Stunden ausverkauft (und das bei Ticketpreisen bis zu 200 Dollars, von den Resellerpreisen mal gar nicht zu reden), kann es sich leisten, keine Interviews zu geben und auch auf sonstige Reklame zu verzichten.
Die achtköpfige Backing-Band begann den Abend mit „Cubano Chant“, einem Ray-Bryant-Cover, das auch „Pittsburghs very own“ Art Blakey mal gespielt hat (man ist hier stolz auf sowas), dann gesellten sich Walter Becker, Donald Fagen und drei Sängerinnen (Carolyn Leonhart-Escoffery, La Tanya Hall, Cindy Mizelle), von denen jede einen eigenen Abend tragen könnte, hinzu und stiegen mit „Black Cow“ (vom „Aja“-Album) ein.
Es folgte eine zweistündige Show, an der zwar bis in die Lichtdramaturgie hinein nichts spontan war, die aber auch nie in allzu offensichtliche Routine abdriftete. Fagen, der hinter seinem E-Piano mit dunkler Brille und zurückgelegtem Kopf beim Singen immer ein bisschen wie Ray Charles wirkt, brauchte zwei oder drei Stücke, um stimmlich auf Betriebstemperatur zu kommen, aber das war auch fast alles, worüber man sich beschweren könnte.
Zu hören gab es Repertoire, „Greatest Hits“, wobei zur Enttäuschung etlicher Fans allerdings ausgerechnet „Do It Again“ und „Rikki Don’t Lose That Number“ fehlten. Auf Beckers und Fagens Soloalben wurde verzichtet, auch von Steely Dans Alben von 2000 und 2003 war nur jeweils ein Stück zu hören. Dafür war der Anteil des „Aja“-Albums überdurchschnittlich hoch.
Hervorzuheben sind der Drummer Keith Carlock, der es an Präzision mühelos mit der auf dem „Gaucho“-Album verwendeten Drummaschine („Wendel II“) aufnehmen konnte, und der Gitarrist Jon Herington, dem selbst das vertrackte Solo aus „Bodhisattva“ keine Probleme bereitete. Der Sound blieb den ganzen Abend über ein wenig blechern, aber 13 Musiker live abzumischen ist auch keine Kleinigkeit.
„Reelin‘ In The Years“ und „Kid Charlemagne“ waren die Zugaben. Ein glückliches Publikum erlebte einen perfekten Abend. Gerne wieder.

Schenley Plaza ist eine Art Liegewiese zwischen den Campi der University of Pittsburgh (kurz „Pitt“ genannt) und der Carnegie Mellon University (CMU, wobei in Pittsburghese „Carnegie“ auf der zweiten Silbe zu betonen ist). Die Rasenfläche ist umgeben von einem Restaurant, einer öffentlichen Bibliothek, einem stationären Zelt, das zum Abhängen bei Regen, aber auch für Freiluftkonzerte geeignet ist, und einem Kinderkarussell. Früher gab es auch kostenloses Wi-Fi, aber anscheinend ist der Sponsor abhanden gekommen. Und es gibt eine Reihe von Take-out-Imbissbuden, „Food Kiosks“ genannt, die Tee, Cola, Hot Dogs und dergleichen verkaufen. Eine besondere ist die Conflict Kitchen:

Seit drei Jahren bietet dieser von CMU-Studierenden betriebene Imbiss Spezialitäten aus Ländern an, mit denen sich die USA in irgendeiner Weise im Konflikt befinden. Bisher waren Speisen aus Afghanistan, Nord-Korea, Iran und Cuba dran; aktuell werden Spezialitäten aus Venezuela serviert. Man wird nicht vollgequatscht, aber wer will, erhält dazu schriftliche oder mündliche Informationen über den Hintergrund der jeweiligen Konflikte und das Alltagsleben im Land, wenn möglich, von Studierenden aus diesen Ländern.
Für kulinarische Abwechslung dürfte einstweilen gesorgt sein.
Soso, der Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen war also mit 4,6 Millionen Euro veranschlagt. Tatsächlich gekostet hat er dann 15 Millionen. Der Umbau der Werfthalle zur Show-Arena war schuld.
Gibt es denn unter den pro Semester tausenden Business-Administration-Masters-Absolventen oder wie die Koofmichs heute heißen, keinen einzigen mehr, der noch eine halbwegs tragfähige Kostenkalkulation zuwege bringt?
Ich gehöre zu den Leuten, die, wenn sie ein neues Buch in die Finger bekommen, gerne zuerst mal schauen, wer denn so alles in den Danksagungen genannt wird. Ist ja schließlich interessant.
Als ich Diedrich Diederichsens opus magnum „Über Pop-Musik“ gelesen habe, musste ich schmunzeln, als ich dort in den Danksagungen neben vielen unbekannten, einigen erwartbaren und einigen überraschenden Namen unter anderem auch „Govi Heußweg“ erwähnt fand – ein kleiner Plattenladen in Hamburg-Eimsbüttel, der Anfang der Siebziger Jahre in einen ehemaligen Bäckerladen eingezogen war und zwar kein großes, aber genau das richtige Repertoire hatte – und noch dazu als Preisbrecher agierte. (Govi bot die damals noch preisgebundenen 22-Mark-Platten für durchweg um 15,90 an und trug damit sicherlich nicht unwesentlich zum Ende der Preisbindung bei. Später versuchte man, eine Art deutsches Virgin zu werden. Das ging schief. Immerhin aber konnte Govi letztlich als Kapitalgeber zur Gründung von Sky Records beitragen und soll auch dafür unvergessen bleiben.) – Diederichsen und ich werden uns in diesem Geschäft wohl etliche Male über den Weg gelaufen sein, unbekannterweise.
Diederichsens recht umfängliches Buch (470 Seiten) übrigens habe ich von Anfang bis Ende gelesen. 150 Seiten weniger hätten es wohl auch getan, trotzdem ist das eine lohnende Lektüre, wenn man über Popmusik in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext nachdenken möchte. Denn auch wenn man nicht immer mit allen Schlüssen und Behauptungen einverstanden ist: Hand und Fuß hat es meistens doch. Was er hier versucht, ist nichts Geringeres als eine Analyse des Phänomens Popmusik als soziales Phänomen, wobei er das Kriterium für Popmusik in ihrer Leistung sieht, „soziale Verhältnisse zugleich zu verkörpern und in Bewegung zu bringen“ (S. 393). Da grüßen Adorno und andere übliche Verdächtige nicht nur durch, sondern es gelingt Diederichsen immer wieder, deren Theorien auf die Popmusik anzuwenden und neu zu formulieren. Interessanterweise (da sind wir wieder bei Govi Heußweg) ist Diederichsen dabei immer dort besonders gut nachvollziehbar, wo er von seinem eigenen Erfahrungshorizont und seiner eigenen (pop-)musikalischen Sozialisation ausgeht – und die ist eindeutig in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern zentriert. Das ist sein Ausgangspunkt, von dem aus er auf frühere Musikentwicklungen zurückblickt, und das ist auch sein Startpunkt, von dem aus er auf spätere Musikentwicklungen schaut.
Neben allerlei arg billigen Sticheleien (etwa seine Bemerkungen über den von ihm so bezeichneten „Knallkopf“ Eric Clapton, was immer man von ihm auch halten mag) gelingen Diederichsen dabei immer mal wieder einmal fast epigrammhaft Erkenntnisse, die auf den Punkt treffen: Etwa jene, dass eine Popmusikkarriere nicht mit Gitarren- oder Klavierunterricht beginnt, sondern vor dem Spiegel mit der Frage: Als was will ich gesehen werden? Oder jene, dass die Zeitgeistpresse der Achtziger Jahre damit begann, die Akteure der Popszene aufgrund ihres Styles zu „lesen“ und zu interpretieren. Das kannten die Siebzigerjahrekids so noch nicht. Oder diese: „Die ganze [heutige] Pop-, Rock-, Soul-Welt könnte bis auf Weiteres mit der fortgesetzten Wiederveröffentlichung aller Tonträger des Jahres 1971 zufrieden gestellt werden. Neu abgemischt, versteht sich“ (S. 449). (Er meint vermutlich „remastert“, aber sei’s drum.)
Trotz allerlei Wortgeklingel und manchem Leerlauf: Mir nötigt Diederichsens Buch einigen Respekt ab.

In Tokyo gibt es ein Reisebüro, mit dem man seine Stofftiere auf Reisen schicken kann. Derzeit sind vier Komplettpakete im Angebot: Die Kamakura-Tour mit Besuch der Großen Buddha-Statue (dort klatscht der Reiseleiter persönlich mit einer Hand), die Onsen-Tour führt zu heißen Quellen (inklusive Eintauchen, ein Erlebnis, das keine Waschmaschine bieten kann), bei der Mystery-Tour erfährt der Liebling erst am Tag vor der Abreise, wohin es geht, und zum Abschluss der Tokyo-Tour nimmt das Stofftier an einer echten Tee-Zeremonie teil. Zum Nachweis, dass das alles wirklich passiert, erhält man jeden Tag per E-Mail ein Foto seines Stofftieres an dem betreffenden Platz.

Seit mein Teddy das gelesen hat, ist er überhaupt nicht mehr zu beruhigen.


