Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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2017 28 Nov

ijb’s favorite CDs & LPs of 2017

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01  Algiers The Underside of Power *****
02  Sevdaliza  Ison *****
03  François Couturier / Tarkovsky Quartet  Nuit blanche *****
04  Belief Defect  Decadent Yet Depraved *****
05  Anouar Brahem  Blue Maqams *****
06  Hope  [untitled debut lp] 
07  Kelela  Take me apart 
08  Kendrick Lamar  Damn.
09  Father John Misty  Pure Comedy
10  LCD Soundsystem  American Dream 

 
 

„[Belief Defect] reveal themselves as an artist deeply involved in the disruption and malaise of our society–and era—through shuddering, broken soundscapes and provocative confusion. If at times the acceleration is too much, I only ended up wondering if my own ear (trained to expect harmony, to reject dissolution) was the problem. BD explodes capacities and challenges musical norms, while also creating a sound which is intensely listenable. “Too eccentric to dance to” were Mark Fisher’s words of Burial, but he meant it as a remarkable and good thing to say. Belief Defect achieves a similar magic; to work in the tools of electronic music, and to push them beyond their capacities.“ (full review)

 
 

11  Erlend Apneseth Trio  Åra
12  The xx  I see you
13  Wolf Alice  Visions of a Life
14  The War On Drugs  A Deeper Understanding 
15  Diagrams  Dorothy
16  Noga Erez  Off The Radar
17  Björk  Utopia
18  Valerie June  The Order of Time
19  Lorde  Melodrama
20  Kangding Ray  Hyper Opal Mantis

 

21  The National and many, many others  Day of the Dead*
22  Zola Jesus  Okovi
23  David Virelles  Gnosis
24  Gas  Narkopop
25  Porter Ricks  Anguilla Electrica
26  Trio Mediæval & Arve Henriksen  Rímur
27  Phase Fatale  Redeemer
28  Tinariwen  Elwan
29  Protomartyr  Relatives in Descent
30  Jay-Z  4:44

 

   * 5 cd box with 57 interpretations of Grateful Dead songs

 
 
 
Mika Vainio (photograph courtesy of Ariel Martini)
 
 
 

honorary mentions

 

Mika Vainio († April 12th)  Reat
John Abercrombie († August 22nd)  Up and Coming 
Marcus Fjellström († September 3rd)  Skelektikon

 

2017 27 Okt

Junge Herren um die 70

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Vor zwei Tagen (vielmehr Nächten) sah ich mir im meist unterhaltsamen YouTube-Kanal von Pitchfork ein paar Videos an. Die haben z.B. eine schöne Reihe namens Liner Notes über Meisterwerke der Rockgeschichte, in vier bis fünf Minuten bekommt man eine gute Zusammenfassung über Geschichte, Hintergründe, Anekdoten, Einflüsse und so weiter von und zu wegweisenden Alben wie Ege Bamyasi, Turn on the Bright Lights, Another Green World, Appetite for Destruction, Doolittle oder Post. Da sah ich dieses über My Bloody Valentines Loveless. Und heute finde ich via NME und SoundCloud eine fast zehnminütige Zusammenarbeit zwischen Kevin Shields (My Bloody Valentine) und Brian Eno. Passt gut zusammen, was letztlich auch nicht überraschend ist.

Bei All About Jazz las ich vor ein paar Tagen ein interessantes Interview mit David Torn, über seine diversen derzeit im Entstehen befindlichen Alben, Arbeit an Filmen und seine netten Geschichten, wie er mit David Bowie zusammenkam und dann bei der Produktion von vier seiner letzten Alben mitwirkte, eine gemeinsame Tour aber nicht zustande kam. Da müssen noch ein paar unveröffentlichte Schätze im Tresor lagern. Wiederum gestern nahm ich die CD Jeff von Jeff Beck aus dem Regal und fragte mich, warum ich die nie anhöre. Ist sie vielleicht nicht so wirklich gut? Ich mochte You Had It Coming (amüsante Besprechung hier) meist irgendwie lieber. keine Ahnung, warum. Vielleicht ist einfach das Cover cooler. Aber dabei fand ich (wieder einmal?) heraus, dass David Torn auf mehreren der Stücke des Albums Jeff mitgewirkt hat. Im Kleingedruckten steht „Re-produced, mixed and manipulated at cell labs, New York by David Torn“. Und wenn David Torn draufsteht, bleibt eine CD natürlich in der Sammlung. Sie wird immer mal wieder neu entdeckt. Und irgendwie schwant mir gerade, dass Jeff womöglich das bessere Album ist, auch wenn You Had It Coming diese total weirde Version von Rollin‘ and Tumblin‘ mit Imogen Heap zu bieten hat, die ich gerne nach der Version von Dylan höre. Apropos ältere Herren: Das Cover des neuen Albums von Robert Plant finde ich ja auch ganz großartig.

 
 
 

 
 
 

Man sieht in dem Miniformat nicht die schönen Unschärfen, aber schon die Farben und das Porträt als solches sind toll. Ich mochte Robert Plant nie so wirklich. Bis ich vor fünfzehn Jahren irgendwie über Dreamland stolperte. Das war auf einen Schlag mein Lieblingsalbum von ihm. – Aber halt, das stimmt nicht ganz. Mein Vater (geb. 1950) hatte in den Neunzigern die beiden Duoalben von Page & Plant, und ich mochte das zweite (Walking into Clarksdale) immer sehr gerne, naja, eigentlich vor allem die fulminante Nummer Most High.

Aber Dreamland ist ein großartiges Album, mit einer recht jungen Band (oder vielleicht klingt sie auch nur jung … verjüngt, keine Ahnung) mit sehr starken Versionen von Hey Joe, One More Cup Of Coffee und einigem mehr. Da war ich hooked. Seitdem hat Plant eine geradezu unglaublich gute Serie gelungener Alben aufgenommen. (Die alten Sachen aus den Achtzigern und frühen Neunzigern sind dagegen weit weniger interessant.) Da ich Dreamland so toll fand, hab ich die CD und den Nachfolger Mighty Rearranger auch meinem Vater gekauft. Dann gab’s ein Folk-Blues-Countryalbum mit Alison Krauss, dann ein Blues-HardRock-Americana-Album namens Band of Joy (dem Namen von Plants allererster Band in den Sechzigern), und dann vor drei Jahren, als ich mit dem Auto zwischen New York und Montréal unterwegs war (meine Frau hatte dort eine Ausstellung, also bin ich mit, um den Fahrer zu mimen), da erschien das skurril betitelte lullaby and… The Ceaseless Roar, das ich eigentlich meinem Vater als Mitbringsel gekauft hatte, aber so hingerissen davon war, dass ich es selbst behalten habe. Es passte hervorragend zu diesen Fahrten durch den Nordosten der USA. Es ist nicht perfekt – mich stören die blöden Fade-Outs einiger Stücke, irgendwie stimmt der gesamte Rhythmus des Albums oder die Reihenfolge der Tracks nicht so richtig – aber die einzelnen Songs sind durchweg eins A.

Und nun also wieder ein neues Album, das ich sofort erworben habe. Plant ist seit 15 Jahren zuverlässig gut. Nun ja, auf Carry Fire ist jetzt nichts Überraschendes zu finden, und ich befürchte, die Platte ist nicht ganz so gut wie die Vorgänger… aber das macht nichts. Das Cover ist endlich mal richtig gut. Das beste dieser beeindruckenden Erfolgsreihe.

2017 29 Sep

Hans Zimmer meets Radiohead

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v i d e o
 
 

2017 15 Sep

Das Weite Land

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Im Rahmen meiner „50 States Tour“ bin ich nun in Oklahoma angelangt, einem der wenigen Staaten, die ich zuvor noch nicht besucht hatte. Und dabei fiel mir besonders auf, wie wenig ich tatsächlich bislang über dieses Land wusste. (Womit ich in Deutschland bzw. Europa sicherlich keinen Einzelfall darstelle.) Klar, anhand des markanten Umrisses könnte ich Oklahoma stets problemlos erkennen, und auch die Hauptstadt kann wohl jeder auch ohne Vorwissen benennen. Doch darüber hinaus war mir Oklahoma bislang eigentlich fast ausschließlich als Heimat der Flaming Lips ein Begriff. In der deutschen Wikipedia-Ausgabe werden erstaunlicherweise weder die Flaming Lips noch Wayne Coyne in der „Liste von Persönlichkeiten des US-Bundesstaates Oklahoma“ geführt. Dafür immerhin Chet Baker, J.J.Cale, Woody Guthrie, Lee Hazelwood, Chuck Norris und ja, auch William Bradley „Brad“ Pitt. Als Band werden immerhin Hanson genannt. Haha! Der Regisseur Ron Howard wurde übrigens in der Kleinstadt Duncan geboren, wo ich im Moment diese Zeilen verfasse. 

 

 

Also wollte ich endlich mal einen Ausflug in den Big Bend National Park einbauen und fuhr die vier Stunden von El Paso, der nächsten größeren Stadt, über Alpine, der letzten Ortschaft vor einer knapp 200km-Strecke zum Visitor Center des Nationalparks. Nach den Sommerferien sind dort mittlerweile nur noch sehr wenige Besucher unterwegs (auf der Rückfahrt kamen mir über knapp zwei Stunden Fahrt gerade mal zwei Autos entgegen — aber umso mehr Tiere, die die Straße überquerten), so dass man wirklich noch in die großen Weiten der amerikanischen Landschaft fährt. Ein außergewöhnlich schöner Ort ist dieser Nationalpark. Und wie schön, dass man auch heute, in Zeiten von Überall-Internet und stetiger Erreichbarkeit noch so weit hinaus fahren kann. Eine Autopanne möchte man da auch nicht haben.

 

 

In Texas findet man irgendwie alle Klischees wieder – aber auch einiges mehr. Faszinierend sind die Steinadler (Golden Eagles), die überall im Land umherkreisen. Kein Wunder ist er so etwas wie der Nationalvogel und prangt auf dem Great Seal of the United States. Auch durfte ich in Texas die Bekanntschaft mit den ernst dreinblickenden State Troopers auf dem Highway machen, die, als sie mich dabei erblickten, wie ich nach einer Ausfahrt kurz anhielt, um mein Fotostativ aus dem Kofferraum nach vorne zu holen, mit Fragen konfrontierten und letztlich eine Verwarnung ausstellten. Das war offenkundig ein Akt der Willkür, denn während sie die Begründung lieferten, ich hätte am Stop-Schild nicht haargenau am Schild, sondern erst zehn Zentimeter dahinter angehalten, taten zahlreiche andere Autofahrer quasi direkt neben uns genau dasselbe, eben weil man am Schild nicht um die Ecke sehen konnte.

Wie dem auch sei, sie befragten mich dazu, welche Art von Filme ich in Deutschland mache, wozu ich das Stativ auf dem Beifahrersitz installierte (Erläuterung: Ich mache z.B. Zeitrafferaufnahmen von meinen Fahrten auf den Straßen, die ich den beiden Polizisten natürlich direkt unter die Nase hielt. Antwort: „I get dizzy only from watching this. … How did you call this? … Time lapse, never heard that.“), warum ich die Autobahn überhaupt verlassen hätte, wo ich herkäme, wo ich hinwolle und ob ich irgendwas im Auto hätte, das ich dort nicht haben dürfe („Do you have anything in your vehicle which you shouldn’t have in there?“). Ich frage mich tatsächlich noch immer, welche Antwort er eigentlich zu hören hoffte.

Später erklärte mir jemand (a real Texan), dass höchstwahrscheinlich mein kalifornisches Kennzeichen die beiden Texaner dazu veranlasst hatte, mich unter die Lupe zu nehmen, „because Texans hate Californians“. Leider habe ich versäumt, die beiden um ein Erinnerungsfoto zu bitten. Immerhin betonte der größere der beiden, die wie aus einem Film entsprungen schienen, zum Abschluss noch einmal, wie man am Stop-Schild zu halten habe. „That’s how it is done here in Texas.“

 

 

Apropos Film: Wunderbare Musik zum Fahren hier ist die Soundtrack-CD Hell or High Water, dem starken Film von Taylor Sheridan, der schon das Sicario-Drehbuch geschrieben hat (das ja ebenfalls weitgehend in West-Texas, sowie in El Paso und Juarez spielt). Auch ohne Kenntnis des Films ein sehr empfehlenswertes Album! Taylor Sheridans Regiedebüt (spielt diesmal in Wyoming), für das er in Cannes den Regiepreis bekam, muss ich nachdrücklich empfehlen, Wind River, mit einer großartigen Musik von Nick Cave und Warren Ellis, kommt demnächst in Deutschland ins Kino. Mein „Lieblingsfilm“ in Cannes in diesem Jahr. Sehr bewegend.

Auch hörte ich bei Fahrten durch die Sonora-Wüste viele Aufzeichnungen der „Klanghorizonte“ (einige habe ich schon häufiger auf Autofahrten gehört), sehr passend etwa die Stunden vom 19. August, mit Joseph Shabason usw. Nicht zuletzt deshalb erwarb ich vor wenigen Tagen auch Father John Mistys Pure Comedy, da es in einer Special Edition für unschlagbare $7,99 bei CVS in Dallas stand. Noch besser ist, meiner Meinung nach, allerdings das neue, fantastische Album von The War On Drugs, A Deeper Understanding. Die perfekte Musik für Autofahrten durch Das Weite Land.

2017 23 Aug

„Over and gone“

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Kürzlich haben mehrere Mitautoren hier über das Sortieren und die Ordnungsmethoden eigener Plattensammlungen philosophiert. Dabei tauchte bei mir die Frage auf, was man als Musikliebhaber überhaupt bei sich behält oder wie andere das System handhaben. Die meisten Leute, die ich kenne, besitzen eine mehr oder weniger überschaubare CD-Sammlung. Manche/r kauft sich mal eine Platte, die als „Fehlkauf“ verbucht wird … Aber so eine richtige Sammlungspflege betreibt kaum eine/r. Oder ich höre später, dass einer alles verkauft hat.

Vor zehn Tagen hat ein Nordische-Musik-Bekannter (genau genommen hat er die Seite einst ins Leben gerufen), der zuvor bereits viele lange Jahre für unterschiedliche Zeitschriften geschrieben hatte, geschätzte 6500 CDs verkauft, also mehr als ich besitze – alle auf einen Schlag an einen Händler. Nur einen kleinen Teil persönlich wichtiger Scheiben behält er. Glücklicherweise konnte ich gerade noch rechtzeitig für einen Kurzbesuch dort aufkreuzen und mir einige Sachen heraussuchen, die ich zum größten Teil schon lange gerne haben wollte, unter anderem einige ECM- und Real-World-Veröffentlichungen oder je zwei CDs von June Tabor und Birthday Party. Klar kann ich mir bei weitem nicht alles kaufen, was ich gerne haben möchte – häufig leihe ich verschiedene Musik aus dem reichhaltigen Sortiment des Berliner Bibliotheksverbunds aus, einiges davon erwerbe ich später auch, wenn ich es zu günstigen Preisen finde. Und klar konnte ich bei der Sammlungsauflösung bei weitem nicht alles einpacken, was ich gerne mitgenommen hätte … Doch nun räume ich so nach und nach die CDs in mein Regal, und in der ECM-Sektion gibt es längst nicht mehr genug Platz.

Ich kenne Leute, die finden es ganz wichtig, zu Hause eine ordentliche, will sagen große Bibliothek zu besitzen. Hingegen haben Bücher mich nie so interessiert wie Musikalben. Auch DVDs habe ich nie gesammelt, besitze nur sehr wenige. Man kann doch fast alle Bücher und Filme einfach ausleihen, in einer Stadt wie Berlin sowieso; außer Spezialistensachen vielleicht. Und beim Umzug erst! Uff.

Ja, ich habe Respekt vor den riesigen Bücherregalen von Bekannten und Freunden. Ich verstehe: Dahinter steht der Gedanke, dass man ja dieses oder jenes Buch vielleicht doch irgendwann noch einmal lesen möchte. (Doch kommt man schon dazu, all die Bücher zu lesen, die man gerne lesen würde? Ich überhaupt nicht.) Oder dass einem dieses oder jenes Buch ganz arg am Herzen liegt (bei mir Siri Hustvedts What I loved oder der Katalog zur großen Steve-McQueen-Retrospektive in Basel). Oder man einfach gerne alles parat hat, um gegebenenfalls mal reinzuschauen, für ein Zitat oder ein Gedicht. Aber wenn ich ehrlich bin, sind Bücher für mich eher Gebrauchsgegenstände. Ich hatte nie eine so leidenschaftliche Verbindung zu meiner Hausbibliothek wie meine literarisch bewanderten Freunde. Man häuft schon so vieles an, und wie oft kommt es vor, dass ich in ein bestimmtes Buch unbedingt reinschauen will? Also stehen und liegen hier (fast) ausschließlich Bücher, die ich noch nicht gelesen habe oder von denen ich annehme, dass ich zur Fortbildung oder für ein konkretes Filmprojekt etwas nachschauen oder nachlesen will. Und das sind immer noch zu viele.

 
 


 
 

Ich hingegen pflege lieber eine Musiksammlung, auch wenn man heutzutage vieles online oder ebenfalls in der Bücherei bekommen kann. Aber da kommt es tatsächlich oft vor, dass ich gerade dieses bestimmte Album im Sinn habe und es zum alltäglichen Glück gehört, das dann umgehend aus dem CD-Regal ziehen und in die Hand nehmen zu können. Oder dass ich einfach den Reichtum schätze, aus hunderten von Alben wählen zu können. Und online bzw. über MP3 höre ich sowieso nie Musik, allenfalls wenn ich einen Mietwagen habe, in dem sich – wie in letzter Zeit immer häufiger – kein CD-Spieler befindet. Ohne Cover fehlt mir was bei Musik.

Was aber tun, wenn man weiß, dass man so manche Platte seit Jahren nicht gehört hat und auch nicht davon ausgeht, dass man sie in nächster Zeit wieder hören wird? Marilyn Mansons Mechanical Animals, das Spaghetti-Album von Guns N’Roses oder David Lynchs Eraserhead will ich eigentlich nicht abgeben, auch wenn ich sie nur selten höre. Es sind einfach starke Alben. Am Freitag hörte ich seit langem mal wieder Meds von Placebo – und freute mich, dass ich sie behalten habe. Aber wenn man mit einer Platte nie richtig warm wurde? Bei einigen Alben gehe ich davon aus, dass ich sie noch nicht gut genug kennengelernt habe und womöglich irgendwann mal eher auf ihrer Wellenlänge sein werde (Pat Metheny, Paul’s Boutique, Abercrombie …), und häufig traf das auch zu. Gelegentlich stehen Platten aber auch lange im Regal, immer wieder sehe ich sie, halte sie in der Hand, überlege, höre rein, lege sie womöglich wieder zurück. Manche verkaufe ich irgendwann.

Von ECM gab es immerhin schon drei oder vier Alben, die ich bislang wieder verkauft habe, weil sie mir überhaupt nicht zusagten. (OM und Judith Berkson fallen mir da gerade ein). Doch bei ECM weiß ich eigentlich, dass der Zeitpunkt irgendwann kommt, wenn ich nicht gleich damit warm werde. Aber sonst: Manche Musik versucht man immer mal wieder, ohne dass sich was tut. Eigentlich verabschiede ich mich fast laufend von Platten und CDs, schon allein, weil ich nie all das anhören kann, was ich besitze. Und eben, es gibt ja auch nicht endlos Platz. Bei vielem fällt es mir aber schwer, weil ich denke, vielleicht kommt der Zeitpunkt doch noch …

In den letzten Wochen habe ich gerade wieder einige Platten bei Discogs eingestellt. Dann kaufe ich von dem Geld gleich neue Sachen. Manche CD habe ich tatsächlich irgendwann mal bei Ebay verscherbelt oder verschenkt oder zu Oxfam gebracht… und es dann Jahre später doch mal wieder hören wollen. Da hab ich mir dann Stings Ten Summoner’s Tales oder Notwists rotes Album oder Graffiti Bridge von Prince dann bei Ebay für ein oder zwei Euro wieder besorgt und sie wieder schätzen gelernt.

Und dann entdecke ich oftmals CDs in irgendeinem Laden oder so und denke, ach, die hatte ich ja auch mal, gute Platte. Aber gar nicht vermisst.

2017 31 Jul

Thronspiele zur Diskussion

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Am Wochenende gab’s hier in meinem Elternhaus im Stuttgarter Umland große Streitgespräche über Game of Thrones. Mutter und Bruder sind flammende Verehrer und restlos überzeugt, dass es sich hierbei um die beste Produktion aller Zeiten handle („bestes Drehbuch“, „beste Ausstattung“, „beste Schauspieler“ usw. usw. – bis hin zu dem Urteil, dass keine noch so teure Hollywoodproduktion mit angeblich viel höheren Budgets diese Qualität erreiche – letztere Aussage bzgl. der angeblich geringen Budgets konnte ich via Online-Recherche schon schnell widerlegt finden), während sich der zweite Bruder und seine Freundin da etwas verhaltener äußern, sich streckenweise beispielsweise daran gestört haben, dass bei zu vielen Figuren zu wenig Handlungsfortschritt passiere. Das war eine geradezu religiös-fanatische Debatte, der mit meinem Bemühen auf eine Objektivierung nicht beizukommen war.

So begab ich mich ein wenig auf die Suche in Blogs und Liebhaber-Foren, um ein wenig auf andere Meinungen zu stoßen. Von diversen Bekannten hatte ich sehr unterschiedliche Meinungen aufgeschnappt; ein befreundeter Drehbuchautor (dessen Schreibkünste ich sehr schätze) etwa äußerte sich stets hingerissen von der Drehbuchqualität und schickte mir YouTube-Ausschnitte, die ich als Nichtseher der Serie leider nicht wirklich wertschätzen konnte, bis er sich schließlich irgendwann von den Drehbuchautoren verraten fühlte; ein anderer, mitt-siebzigjähriger Autor in Virginia erzählte mir mehrfach ausufernd von den vielen Bezügen zur realen Historie der britischen Königsfamilien; andere Leute äußerten sich verhaltener („Kann man anschauen, ganz unterhaltsam, aber nicht so überragend wie Breaking Bad / Mad Men / Twin Peaks / Boardwalk Empire (bevorzugte Vorlieben bitte unterstreichen!)“ – oder es gehe „halt nur darum, wer mit wem in die Kiste hüpft und wer auf welche krass brutale Tötungsmethode aus der Geschichte geworfen wird“, wie bei jeder x-beliebigen Soap Opera, die theoretisch bis ins Endlose fortgesetzt werden kann.

Nun muss ich gestehen, dass mich weder historische Serien (von wenigen Ausnahmen wie Mad Men abgesehen) noch Fantasyserien wirklich interessieren, so dass ich bislang nie wirklich den Drang verspürte, Game of Thrones zu sehen. Alles, was ich darüber gehört und nun online gelesen habe, bestärkte meinen Eindruck, dass es sich dabei um eine arg populistisch mit Sex und Gewalt aufgepeppte und mit mittelmäßigen Schauspielern durchsetzte Seifenoper handelt, und dass die GOT-Fans hier viele Schwachstellen schönreden, die sie an anderen Filmen oder Serien kritisieren.

Daher wäre ich neugierig auf eure Meinungen. Wer hat’s gesehen, wer schaut es noch, wer hat aufgegeben, wer hat was zur Verteidigung beizutragen, das mir evtl. entgangen ist?

 
 


 

 
 

2017 14 Apr

Coal mining vs wind energy, West Virginia

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2017 9 Apr

Ghosts of Highway 20

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Heute (Samstag Abend) fuhr ich durch Oxford, um via Leeds nach Birmingham zu gelangen. Was sich auf den ersten Blick nach einer arg umständlichen Route anhört, war tatsächlich eine recht kurze Strecke auf der Interstate 20. Allerdings nicht in New England, sondern in Alabama. Dabei dachte ich an Lucinda Williams letztes Album, das dieser Straße gewidmet ist, wenngleich im Wesentlichen der Region ein Stückchen weiter westlich, in Lucindas Heimat Louisiana (auch ganz wunderbar auf ihrem Album Car Wheels on a Gravel Road porträtiert). Leider habe ich die Ghosts of Highway 20, die ja unter den Top 5 meiner 2016-Scheiben war, nicht dabei, da ich das Doppelalbum nur auf Vinyl besitze und da kein Download enthalten war.

Mein Weg führte mich heute von Atlanta in Georgia nach Birmingham in Alabama. Nicht nur konnte Georgias geschichtsträchtige Hauptstadt bei mir diesmal einen gänzlich anderen, weitaus freundlicheren Eindruck hinterlassen als bei meinem ersten Besuch hier vor gut 18 Jahren – als ich vor allem das Zentrum mit dem Coca-Cola-Museum und den Olympia-Stätten besichtigte -, auch wurde mir bewusst, dass ich total verdrängt hatte, dass Peachtree Road natürlich Elton Johns Atlanta-Album ist. Er nahm es vor rund 14 Jahren hier auf, und es ist – ähnlich wie Tumbleweed Connection mehr als drei Jahrzehnte zuvor – vom amerikanischen Süden geprägt. Film- und Literaturkenner denken bei der Peachtree Road natürlich sofort an Gone With The Wind. Ich wiederum war nie ein besonderer Fan dieses Werks, weshalb mir diese Referenz bei Eltons Album entglitten war. Bei den Autofahrten quer durch Atlanta, auch entlang der Peachtree Road beeindruckte mich, wie unfassbar grün und gerade bewaldet das gesamte Stadtgebiet ist. Ich denke, dies ist ein Stadtbild, wie sich kaum ein Europäer eine US-Großstadt vorstellt.

Alternativ zu Lucinda Williams (von ihr habe ich zwar ein anderes Album mitgenommen, Down Where The Spirit Meets The Bone, doch das habe ich erst vorgestern bei der Fahrt durch Floridas Südwesten genossen) untermalte also die „Deep Cuts“-Zusammenstellung, die ich kürzlich hier verfügbar machte, meine gut zweistündige Abend- und Nachtfahrt (siehe Bild 1). Darin findet sich immerhin ein wunderbarer „Southern States Song“ aus dem Album Peachtree Road – Porch Swing In Tupelo:

 
 

There’s a porch swing in Tupelo
In the shade of the south
Where the sweet honey drips off that old hush-yo‘-mouth
It’s a slow road on down
That old Natchez Trace
Through Alabama cotton fields to a state of grace
It’s a crisp golden autumn
On the Tennessee line
Rolling down to Mississippi like you headed back in time
Town’s closed on Sunday
Everybody’s in church
It’s empty as the moon this place here on earth

And this place don’t change
Some places move slow
I’m just rocking myself on this porch swing in Tupelo
I got nothing to do ‚cept hang in the breeze
Ghosts of the old south are all around me
Yea swing high, yea swing low
Here on this porch swing in Tupelo

 
 


 
 
 

Das Schwarzweiß-Foto stammt noch aus Floridas Süden, während ich den amüsanten CD-Tipp auf dem vierten Bild bei Decatur CD & Vinyl fand. Gekauft habe ich übrigens ein frühe(re)s Album von Laura Marling (I Speak Because I Can) und Nonagon Infinity von King Gizzard and the Lizard Wizard.

Am Sonntag wird mich mein Weg weiter nach Norden führen, ins kleine Städtchen Fayetteville in Tennessee, wo ich diesen Herrn besuche und zum Gespräch über Demokratie treffe.


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