Manafonistas

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Archives: März 2022

2022 1 März

Vorfreude!

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Fil Callender, drummer at Studio 1, said when you first auditioned for Coxsone Dodd in the late 60s, the musicians were quite taken aback by the sound of your voice – but Coxsone heard the potential in it.

(laughs) They all laughed man. They put down their instruments and they laughed and laughed! They never heard anything like that before. But you know? That’s how it is. If someone invents something, when they first try it out everyone laughs and says “What is that?!”

 


Adrian Sherwood ging an ihr Teamwork so enthusiastisch heran, wie an seine Produktion eines der letzten Alben von Lee Perry. Was für eine Vita: Horace Andy und der „roots reggae“. Horace Andy und Massive Attack. Horace Andy und Rhythm & Sound. Seine Stimme kenne ich seit frühen Ausgrabungen des Studio One. Und von einem Abend in London, als John Peel „Bim Sherman Meets Horace Andy and U Black Inna Rub a Dub Style“ auflegte.

 

2022 1 März

„Borsh Division“

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Es gibt Zeiten, da fällt es schwer die richtigen Worte zu finden, da steht man fassungslos und ungläubig vor einem Desaster, das man sich in seinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen konnte. Ihr kennt das sicher auch und in diesen Zeiten hilft es, zu helfen und man ist froh, wenn sich eine Möglichkeit bietet. Deshalb haben wir gemeinsam mit Yuriy Gurzhy entschieden ab jetzt alle Erlöse aus der im April 2016 erschienenen CD „Borsh Division – Future Sound of Ukraine“ an die BRÜCKE DER HOFFNUNG (www.bdh.org) zu spenden: Yuriy Gurzhy, ein Ukrainer in Berlin und Herausgeber einiger Trikont-CDs hat diese tolle Musik für uns zusammengestellt.

Wladimir Kaminer, Autor und Trikont-Herausgeber, schrieb dazu 2016 unter anderem im Booklet:

„Die Ukraine ist wirtschaftlich arm und vom Krieg gebeutelt, aber in seinem Geist ganz und gar Europa geworden. Ein Traum, den kein Präsident bisher verwirklichen konnte, wurde vom Volk aus eigener Kraft bewältigt. Die Menschen haben es geschafft, gehört zu werden. Das Selbstbewusstsein der Unkrainer ist unglaublich gewachsen, das zeigt die gute Musik, die die neue Ukraine macht, und die mein Freund Yuriy Gurzhy jetzt auf dieser CD versammelt: Sie hat ganz neue Töne. Hören Sie den Sound der ukrainischen Revolution – den neuen Sound Europas.“

Wir sind in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine und den vielen auf der Flucht und hoffen auf ein baldiges Ende dieses Irrsinns. Herzlichen Dank für Aufmerksamkeit und Unterstützung. Es grüßen Eva Mair-Holmes, Brendan Erler, Yuriy Gurzhy und die Trikont-Crew.

 

»In ihrer Geschichte hat die Ukraine immer wieder einen hohen Preis dafür gezahlt, dass sie es wagte, sich dem russischen Autoritarismus zu widersetzen – und tut dies bis heute. Mitte des 19. Jahrhunderts verbot das Russische Kaiserreich die ukrainische Sprache für ein halbes Jahrhundert aus dem gesamten öffentlichen Leben und verbannte führende Vertreter der ukrainischen Kultur in Gefängnisse oder ins Exil. Im 20. Jahrhundert zerschlugen die russischen Bolschewiki die ukrainische Unabhängigkeit, löschten die ukrainische Intelligenzija aus und töteten in der künstlich forcierten Hungersnot von 1932-1933 rund vier Millionen Menschen in der Ukraine. […] In den 1970er und 1980er Jahren schickte die Sowjetunion systematisch ukrainische Menschenrechtsaktivisten in Straflager. Die russische Besetzung der Krim 2014 und die sich anschließende langwierige militärische und soziale Katastrophe in der Ostukraine sind nur eine Fortführung dieser langen Geschichte«

 

Ein paar Hintergründe zum Jahrhunderte lang andauernden Kampf der Ukraine um Unabhängigkeit und der wiederkehrenden Dominanz von Russlands Seite, aus einem aktuellen Diskussionsbeitrag des ukrainischen Philosophen/Autors Wolodymyr Jermolenko.

2022 1 März

Wes Geistes Kind?

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Es war die Zeit des Kalten Krieges und der sonntäglichen Herrenrunden des Internationalen Frühschoppens mit Werner Höfer. Man sah dort, obwohl zu jung für fundierte eigene politische Meinungsbildung, eine geistige Gegnerschaft repräsentiert. Dagegen halfen Jimi Hendrix, Led Zeppelin und manch andere Gegendroge. Ein Deja-Vu-Erlebnis hatte ich bei einem Video, das Peter Sloterdijk zeigt, der entrüstet eine Talkrunde verlässt, die von Gertrud Höhler moderiert wurde. Ein Kritiker der zynischen Vernunft inmitten elitär raunender, konservativer Zyniker, so will es scheinen. Meine Empathie gilt deshalb dem Philosophen, denn er reagiert hier gegen eine vorgebliche Realpolitik-Phalanx, die Gegenmeinungen wie unmündige Kinder an den Katzentisch verbannt. Mit Hartmut Rosa gesprochen: er verliess einen Resonanz-toten Raum. Ein anderes Bild aus Kindertagen: wenn man in die üppig schäumende Badewanne stieg, beobachtete man, dass beispielsweise nur ein winziger Tropfen Milch ausreichte, um den Schaum im Nu aufzulösen. All die wunderbaren Exkursionen des Geistes in liberal-utopisches Neuland, nun auch erloschen aufgrund globalen Kriegsgeschehens?

 

2022 1 März

American Dreamer

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In wenigen Stunden erscheint diese autorisierte Biografie von Bill Frisell. Ich habe sie dann als e-book vorliegen, und Michael Rüsenberg wird sie in meiner nächsten Ausgabe der JazzFacts am 5. Mai besprechen. Ich kenne Michael R. bislang nur von seiner alten Radiosendung „In Between“ aus den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Anders als heute, waren bestimmte Radiosendungen damals die beste Chance, etwas aus anstehenden Neuveröffentlichungen zu hören, und so sind mir einige radio memories seltsam präsent, wenn eine Musik, auf die ich gespannt war, von den Gedanken und Worten eines Jazzjournalisten ihren ersten Rahmen erhielten, den Kontext des ersten Hörens. Unvergesslich, wie er sich für das allerfeinste Album „Lookout For Hope“ (produced by Lee Townsend) begeisterte – das Quartett erlebte ich live Jahre später im alten Domicil in Dortmund. Und später, als  er sein gesammeltes Pastell der Jan Garbarek Band zur Verfügung stellte. Ein Rumtreiber mit vollem Terminkalender!

Einige Male traf ich Bill Frisell, einmal in einem Hotel, im munteren Gespräch mit dem Trio Paul Motian – Joe Lovano – Bill Frisell, dann bei einem Abendessen mit den „wilden Kerlen“ von „Naked City“ in Darmstadt, ein anderes Mal, als ich ihn mit Fragen löcherte zu einem meiner Top-5-Frisell-Werke, „Unspeakable“, das einen gewissen Hal Wilner in grosser Experimentierlaube als Produzenten auswies.

Ein ruhiger sympathischer Geselle, kein grosser Geschichtenerzähler – und ich bin fast erstaunt, dass diese Biografie mit weit über 500 Seiten die Länge eines „ausgewachsenen Schmökers“ besitzt. Aber klar, auf unendlich vielen Alben ist er zu hören. Ohne bislang eine Zeile gelesen zu haben, bin ich sicher, dass es ein spannendes Buch ist, lohnend allemal für die, welche Frisell aus bestimmten Winkeln und Phasen seines umfangreichen Werkes schätzen. Ein kurzes Huschen über eine review im Mojo Magazine – und ich ahne, das Buch ist vielstimmig angelegt.

Nur beim Untertitel rolle ich etwas mit den Augen – da ist er wieder, der Schachzug des Marketing – (man kennt das von der Musikdokumentarserie über das Jahr 1971, von Michael Pollans Buch über den Kaffee, und sonstwo her) – „The Guitarist That Changed The Sound Of American Music“. Ohne, dass irgendwas die Welt verändert, geht es kaum noch, und das ist dann doch übertrieben, ein Hauch von Marktplatz. Solche Sockelsetzerei braucht es nicht, „he‘s just a normal guy with a gift“.

Zudem hat Bill Frisell, der in frühen Jahren exzessiv zu hören ist mit seinen fliessenden Sphärensounds (legato), als stimmungsvoller background bei Marianne Faithfull und anderen Sänger*innen – in Reinkultur zu hören auf seinem ECM-Debut „In Line“ (zu der Story dieses Albums hat Ingo ein sehenswertes Interview gedreht) – sich schon in jeder Nische zwischen Stille und Noise herumgetrieben, zwischen altem Jazz und wildem Rock (toll, wie er sich in die Songs von Lucinda Williams einmischt), sein Markenzeichen der frühen Jahre in alle Richtungen aufgelöst, verwandelt und vervielfältigt.

Manches schüttelte er dabei aus dem Ärmel, manches war wagemutig, dann wieder easy going (seine Country-Obsessionen), das eine virtuose Hausmusik, das aufregend altmodisch (wie sein Spiel auf Lee Konitzs Schwanengesang), manches wiederum einfach nur endlos fesselnde, wendige Textur (wie auf betörenden Alben von Altmeister Andrew Cyrille).

Ein Allrounder, ein Chamäleon, mit einer Handschrift, die ihre besonderen Noten variantenreich hervorzaubert. Gavin Bryars ist auch ein Fan. Und auf diesem einen Bryars-Album, das ich einst zusammen mit Markus Mueller in der Jazzthetik abfeierte („After The Requiem“, produced by Manfred Eicher) in einer Doppelrezension, da klang er in Momenten fast wie Terje Rypdal.

 

2022 1 März

Abwesenheitsnotiz

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Im kompletten April, und das ist kein vorgezogener Aprilscherz, bin ich unterwegs, und nicht auf dem Blog anzutreffen. Die Reisen führen mich hierhin und dorthin, und Anfang Mai melde ich mich zurück mit guter Musik, fröhlichen Diskursen, und anderen Geschichten. Zwischendurch keine Mails, keine Telefonate. Bis bald, mit herzlichem Gruss! P.S. Meine nächste Ausgabe der JazzFacts ist im Deutschlandfunk zu hören, am 5. Mai um 21.05 Uhr.

During the whole month of April, and this is not an early April Fool’s joke, I will be on the road and not on the blog. My travels take me here and there, and at the beginning of May I’ll be back with good music, happy discourse and other stories. No mails or phone calls in between. Meanwhile, don’t miss Horace, Alabaster, Roger and Toechter.  See you soon! 

 

Ich vermeide das modische Wort Resilienz, und notiere es hiermit nur einmal. Das sind dezente Schockwellen, die die Nachrichten der letzten Tage auslösen, in einem coronamüden Land. Ein trauriges „Zahlenspiel“ verdeutlicht das: 5, 20, 25, 3, 5, 10, 17, 12, 30, 5, 10, 7. Diese Zahlen nannten mir Bekannte in meiner Umgebung, als ich sie bat, in den letzten Tagen, nach Putins „Alarmbereitschaftserklärung“, ihre Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges in Prozentzahlen auszudrücken. Statistisch ist dieses Dutzend Einschätzungen nicht relevant, doch glaube ich nicht, dass seit der Kubakrise eine grössere Angst vor einer Katastrophe herrschte, und das war, die Älteren werden sich erinnern, sehr früh in den Sechziger Jahren. Diese Furcht möge nicht lähmen. Es gibt die Möglichkeit von Demonstrationen, Spenden, etc. – Solidarität hat viele Gesichter. Vor allem aber ist diese Gemengelage des Unglücks kein Grund, das Leben nicht auch fortan hellwach und intensiv zu leben, weiterzumachen, unsere Vorlieben und Leidenschaften zu hegen, oder, um es lyrisch zu sagen, „den Brunnen auszuschöpfen“. Lassen wir uns nicht lähmen von subdepressiven Schwingungen und Panikattacken. Kein Grund, sich einem Glück, insofern es einzelnen zugewandt ist, zu verweigern. Ein Schatten, ein Blues, eine Farbe der Melancholie, all das mag sich über die Dinge des Alltags legen, aber es ist kein Zeichen von Ignoranz und Verdrängung, dem élan vital eben nicht die Flügel zu schneiden, und sich trotz allem weiterhin konkret in Klänge und Bilder und Räume zu versenken, und allgemein in die Lebendigkeit, die das Leben so lebenswert macht. So einfach ist das nicht, so elementar ist es eben doch.

 


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