Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 6 Mai

Ein Hund namens Joe

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Tags: , 4 Comments

 

“In a bar called The Calico Girl, a Jukebox plays an echo of music from another time, another place, maybe. It‘s hard to pin. But the sound is of railroads and Wurlitzer notes. It washes over you like dandelion floats. The rush of childhood and the arms of the arcade. Here‘s where hallucinations are made.“ 

 

Ich war 17, hatte meine Baskenmütze auf dem Kopf, und sass auf einem Pier in Torquay. Ich sah auf die Palmen und hatte bis zu diesem Trip nach England nichts von den Palmen und dem Golfstrom dort gewusst. Vor mir auf der Kai-Mauer lag ein kleines Taschenbuch über das richtige Pfeiferauchen. Ich hatte alles Nötige dabei, und auch den Tabak meiner Wahl. Da es der einzige Tabak ist, den ich je in einer Pfeife rauchte, habe ich ihn nie vergessen: „Mac Baren‘s Mixture Scotish Blend“ verströmte einen süssen Honigduft, das Whisky-Aroma liess sich allenfalls erahnen. Er galt, wie ich las, als zungenfreundlich, ein Tabak, der langsam und kühl abbrennt, wenn er mit Bedacht genossen wird. Ich befolgte die Anweisungen zum Stopfen der Pfeife sorgsam, aber im Endeffekt scheiterte ich, immer wieder ging mir nach wenigen Zügen die Glut aus. Eine klare Niederlage. Wie in der Zeit davor, in der ich mir das Bridgespielen beibrachte, aus dem dann ein Solo für Vier wurde, weil kein Kumpel das Spiel lernen wollte. Ich hatte die Lektion gelernt, und mir später ein Buch mit Patiencen besorgt.

Das alles kommt mir in den Sinn, weil gerade „Coral Island“ läuft, das neue Doppelalbum von The Coral: und wenn man auch nur das kleinste Faible für englische Küstenkäffer hat, sind bei diesem Album Zeitreisen garantiert. Echos von den Beatles bis Leonard Cohen, von den Small Faces bis zu den Kinks, aber doch eine ganz eigene „Geisterwelt“.

Damals, auf diesem Pier in Torquay, als ich an der Pfeife scheiterte, ist noch etwas passiert, das ich nie vergessen werde. Ein grosser Hund mit Schlappohren, eine Promenadenmischung, kam zu mir angetrottet, kein  Besitzer war weit und breit zu sein, und er hockte sich zu mir. Wir erzählten uns ein paar Geschichten, jeder auf seine Art. Er hiess Joe. Irgendwann signalisierte er mir, ihm zu folgen, und über einen Steg gelangte ich auf ein luxuriös augestattetes Boot. Klein, aber oho! Wir machten es uns dort gemütlich, er mit einem, Knochen, ich mit einem Fernrohr, das ich in der Kajüte fand. Dann muss ich eingeschlafen sein. Als ich aufwachte, waren wir auf offener See, und ausser dem Hund und mir war weiterhin niemand an Bord. Ich sah in der Abenddämmerung das Funkeln der Lichter der Küstenpromenade, und pure Freude durchströmte mich. Ich erkannte Fetzen eines Songs, wohl aus einer Jukebox, und aus weiter Ferne, „Mellow Yellow“ von Donovan. Wie kann ein Lied so unbedrängt aufs Meer hinaus fliegen? „…Born-a high forever to fly….A-wind-a velocity nil….Born-a high forever to fly…If you want, your cup I will fill…“ Aus meinem Rucksack holte ich ein Büchlein über das ABC des Bootfahrens. Wir waren gerettet.

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4 Comments

  1. Lothar:

    Und die Tage lief „Harold und Maude“ mit den Liedern Don’t Be Shy und If You Want to Sing Out, Sing Out von Cat Stevens. 50 Jahre her, als das Ruhrgebiet noch tiefgrau war, aber auch Alles möglich.

  2. Michael Engelbrecht:

    Lothar, gut dass du mich nicht gefragt hast, was wirklich in der Pfeife war. Scherz, das war genau meine Erinnerung an mein Pfeifendesaster. Ich war mit EF-Ferienreisen dort, und entdeckte in dem Urlaub, 1971, grosse Ferien, und dort in der Nähe, in Paignton, Neil Young. Auf Platte. Aber live dafür Fleetwood Mac, leider ausgebrannt, seltsam langweilig, nach Peter Green, und lange vor Tusk.

  3. Lothar:

    Wahrscheinlich war das, was aus der Pfeife kam, um Längen besser als das, was wir im Dortmund der 60er und 70er beim 100-Meter-Lauf in unsere Lungen saugen mußten.

  4. Michael Engelbrecht:

    Lothar, you can be sure of that.

    Ich weiss noch meine Bestzeit fürs Abi:

    12,8 auf hundert Meter
    Und mein privater Bob Beaman – Ausreisser im Weitsprung:
    4.90 – haha.

    Da ich keinen Bock auf Bodenturnen hatte, war die zweite Prüfung im Handballtor. Ich besorge mir vorher einen Geschlechtsschutz, ich geh zu den Jungs in die Kabine – Schulmannschaft – und sag denen: ein paar schöne Bälle zum Werfen, aber diese TestosteronFreaks haben mir die Bälle reihenweise ins Tor geballert. Mein Ruf als „Katze von Kirchhörde“ war dahin.

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