Manafonistas

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Archives: April 2015

2015 15 Apr.

Das Moebiusband

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Heute war sie faul. Sie lag auf der Couch, ihr Blick streifte das Moebiusband auf dem Beistelltisch. Er hatte es fuer sie mitgebracht. Sie hatte es sofort auf ihre blonden Locken gesetzt und lachend gesagt: “ Auf immer und ewig!“ Jetzt lag es schleifenverkehrt da. Sie sah aus dem Fenster, da stand ihre alte Raleigh, angelehnt an die Strassenlaterne. Auf Radfahren hatte sie heute gar keine Lust. Sollen doch die Sloterdijks & Kotau auf´s „Zermatterhorn“ hinauf. Safranski wuerde es bis zum Todtnauberg schaffen, da war sie sich sicher. Im Radio wurde die neue Legende von Easyrider angekuendigt. Gosh, who cares? Sie hoerte Steppenwolf jetzt singen: „Get your motor runnin‘, head out on the highway …“ SHOT. Sie sprang auf, rollte ihre kleine, rote Suzuki aus dem Schuppen und fuhr los. Nach ein paar Kilometern stoppte sie an einer Kneipe. Immerhin – eine Jukebox. Sie drueckte FERNANDO von ABBA.

 
 
 

 
 
 

Die angejahrten, wallonischen Hemdgestalten hingen und standen winklig an der Theke. Sie haette noch LOVE ON THE BEAT von SERGE GAINSBOURG oder LES BOURGEOIS von JACQUES BREL hoeren wollen, aber diese grausliche Atmosphaere fuehrte zur Desolation Row und da wollte sie nicht hin. Sie tuckerte weiter ueber die gottverlassenen Doerfer, bis sie an einem Ortsschild haltmachte: Redu – le village du livre. Sie schloss die Suzuki an und schlenderte durch den ausgestreckten Weiler. Jedes dieser Haeuser aus grauem Ardennenschiefer schien einen Buchladen zu beherbergen. „Oue faire, si non lire, si non rever?“ stand an einer Wand. „Fahrenheit 451“ an einer anderen. Sie ging in mehrere Buchlaeden hinein – was fuer eine Buecherwelt! Buecher, Buecher, Buecher. So sah ihr Paradies aus. Sie kaufte sich ein Buch von Russell Hoban, ein Schotte hatte unlaengst davon geschwaermt. Dann setzte sie sich auf einen Kaffee und eine hausgemachte Tarte de pommes und begann darin zu lesen:

 

„Spiel niemals Karten mit einem Mann, den sie Doc nennen.

Iss niemals in einem Lokal, das ‚Bei Mom‘ heisst.

Schlaf niemals mit einer Frau, deren Schwierigkeiten groesser sind als deine.“


 

Okeedokee, bis jetzt hatte sie alles richtig gemacht. Sie bestellte sich beschwingt einen Pineau des Charentes und las weiter: „Wenn man die Kleinsche Flasche an der richtigen Stelle zerschneide, entstuenden 2 Moebiusbaender mit je einer Drehung.“ Dieses Buch machte sie antriebsstark. Sie warf den Motor an. Noch am selben Abend las sie das Buch zuende. Morgen wuerde sie ihm erklaeren, was die Kleinsche Flasche ist und ihn nach dem zweiten Moebiusband fragen.

 

 

Russell Hoban: Amaryllis Tag und Traum, ersch. bei Heinrich und Hahn 2007.

mehr zu Redu: www.redu-villagedulivre.be

„I heard this when I was living up in the North East by listening to Kid Jensen. I had On The Beach, but hearing After The Gold Rush… Somehow Jensen had it, it was released in the States before it came to Europe, and I remember being really impressed by the sound and content. I think Neil Young is an example of somebody who is successful and very curious, and I think the freedom that he got, financial freedom as much as anything, he took that and turned it into his obsessions, his railway collections and whatever else. That meant he could go, ‚I can do what I want to do, so I will‘. It’s still the tone on the guitar, and the two-note guitar solo, it’s astonishing. Why have more when you can sound that good? He’s in Wire’s minimalism, and you can see his influence go right through – I’m not saying people are trying to emulate him, but you can see it in Earth, in Sunn O))), it’s there. The only person who is comparable, and they’re totally different, is Scott Walker. It’s this obsessive curiosity of wanting to find out what would happen if I do that or apply this to this. And courting failure; publish and be damned. In that way I was going to name him, because I couldn’t have Blue by Joni Mitchell. Look I’ve snuck that one in there. The happy thing with being in Wire was that we could talk about these records, because there was more to life than punk’s ground zero, or whatever it was supposed to be. How many great punk records are there? First Ramones album? You know what I mean.“ (Graham Lewis, thequietus)

Jürgen Klopp geht von Bord. Die Mannschaft ist nicht intakt. Thomas Tuchel kommt. Ein nervöser Intelektueller, der kein bisschen an das Charisma von Klopp heranreicht, und seine verbissene Aggressivität leider nicht mit Klopp’schem Humor kompensieren kann. Herr Tuchel hat auch nur ordentliche Arbeit in Mainz verrichtet, und wird massiv überschätzt. Sein Abgang aus Mainz war schlimmstes Bauerntheater, und der Mainzer Präsident Heidel, guter Klopp-Freund aus alten Tagen, hat den Kopf geschüttelt ob der Tuchel’schen Wirrnis. Es muss in Dortmund Zerwürfnisse, Risse zumindest, gegeben haben im Trio der Führungscrew, sonst hätte der Trainer diesen Schritt nicht erwogen. Das Verhältnis zur Mannschaft ist nicht zerrüttet, aber natürlich ist die Stimmung spätestens seit dem Turiner und Gladbacher Debakel im Keller. Allen drei ist sicher die jüngere Transferpolitik anzulasten (aber solche Jahre gibt es, überall, Bremen hat es vor Jahren erlebt, man kann nicht immer Weltklasse durch Weltklasse ersetzen) – von Immobile bis Ginter, von Mikhitaryan bis Kampl ein Trauerspiel. Die holt kein Trainer aus dem Tief, weil dieses Tief mittlerweile der Normalzustand der besagten Spieler geworden ist. Man nennt sie auch „Sonntagsfussballer“. Oder im besten Fall „gehobenen Durchschnitt“. Für spekatukäre Neueinkäufe fehlt das Geld – es sei denn, Hummels und Gündogan, die eklatante Formschwankungen aufweisen, gehen: dann kann man den berüchtigten Markt sondieren, mit einem gewissen Sachzwang, ein goldenes Händchen beweisen zu müssen. Wie soll das gehen – Klopp konnte Spieler mit Charme und Intelligenz dazu bewegen, nach Dortmund zu kommen, bei Tuchel werden das kalte Angebote und Taktikspiele aus der Retorte sein. Augsburgs Weinzierl ist ein Typ mit Klasse, der noch nie durch den gehemmt-aggressiven Sprachstil  eines Tuchel aufgefallen ist und Sensationelles leistet mit seinem Team. Aber der Deal ist lang schon durch. Hummels ist kein guter Leader, sonst hätte er seine Abwanderungsgedanken nicht zum denkbar dämlichsten Zeitpunkt ausgeplaudert. Kehl geht, und damit eine absolut integre Führungsfigur. Gute Nacht – keiner sollte mehr von Berlin träumen. Das kann der BVB nicht, in München gewinnen, anno 2015. Die nächste Saison wird unlustig, nicht nur auf den Pressekonferenzen. Was für eine Scheisse. Heute gab es nur eine gute Nachricht: am 21. Juni geht die zweite Staffel von TRUE DETECTIVE los, in den USA. Ach, und noch eins: schauen Sie sich das Spiel Dortmund gegen Paderborn an, und achten Sie darauf, wie ein grossartiger Trainer gefeiert wird. Auch wenn es einmal mehr den berüchtigten „Gurkenfussball der Überschätzten“ geben wird. An alle Borussenfans meine Empfehlung: gehen Sie den Rest der Saison mit stoischer Ruhe an, und machen Sie eine Zeitreise mit Roland Rengs wunderbarem Fussballbuch „Spieltag“! Manchmal kann Nostalgie, die mit einem klaren Blick und guten Geschichten daher kommt, den Blick weiten und Gelassenheit spenden – ein leises Schmunzeln ist jetzt ohnehin besser als eine „kochende“ Dortmunder Fussballseele.

2015 15 Apr.

Those were the days

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manafonistas headquarter: Ist das wahr, dass du restlos begeistert bist von BEAT THE CHAMP, der neuen Platte der Mountain Goats?

 

michael engelbrecht: Restlos. John Darnielle erkundet diese brutale, verrückte Welt des Wrestling, vor der grossen Kommerzialisierung, ein Mix aus Erinnerungen, Imaginationen wahrer Ereignisse – Lieder aus einer Schattenwelt mit schrägen Helden und realen Schurken. Es ist eine bizarre Welt, das Wrestling, aber wenn ich an meine frühe Kindheit denke, mit Konrad Adenauer, Nazikreuzen an der Kellerwand, Kinderschlägern in der Nachbarschaft, Heinz Rühmann-Filmen und Schlagern von Freddy Quinn, das war auch bizarr.

 

mhq: Wie erklärst du dir die Jazzanklänge auf dem Album?

 

me: Wirklich interessant, soviel Jazzspuren gab es bei den „Bergziegen“ noch nie, selbst als Erik Friedlander mal mit im Studio war. Und soviel ist es ja auch nicht. Aber einmal meine ich den Anklang an eine Coltrane-Komposition zu hören, dann wieder feines „jazz drumming“, kaum ein Rezensent geht darauf ein. Vielleicht hatte John damals im Radio Jazz gehört, und ohne Insider in der eigenen Familie oder im Freundeskreis, ist das eine ziemlich seltsame fremde Welt, wenn man ihr als Teenager, sozusagen im Zustand der Unschuld, begegnet. Vielleicht kam der Jazz John so exotisch vor wie das Wrestling.

 
 
 
 

 
 
 
 

mhq: Das zweite Album, das dir anno 2015 offenbar so nahe gegangen ist, wie kaum ein anderes, stammt von Aidan Moffat und Bill Wells, THE MOST IMPORTANT PLACE IN THE WORLD.

 

me: Ein grosses Album über eine verfallende Stadt voller Verlockungen. Ein Liederreigen mit detaillierten Beschreibungen des urbanen Niederganges, sexuell aufgeladene Szenerien, alles ohne nostalgische Überlagerung. Jeder Song schlägt sich in eine andere dunkle Gasse.

 

mhq: Bill Wells kennt man ja u.a. als Pianist des National Jazz Trio of Scotland.

 

me: Was ja gar kein Trio ist und kaum Jazz, schottischer Humor! Tatsächlich war Bill Wells zögerlich, auf diesem Album Saxofonsounds zum Einsatz zu bringen, weil da all die Klischees drohen aus alten Soundtracks: einsame Saxofonsounds über regennassem Boulevard. Aber dann hat er es doch gemacht und im dritten Song eine kurze schmerzhafte Jazzkakophonie eingebaut! Und Aidan Moffat erfüllt das alles mit zusätzlichem Leben, zwischen Sprechgesang und Ohrwurmmelodien. Da haben sich zwei gefunden, denen das Normale, der Mainstream, jeder allzugut gepflegte Geschmack abhanden gekommen sind. Hör dir mal das Album von Lucky Pierre alias Aidan Moffat an. Post-Les-Baxter-Exotica, traumverloren. Kommt besonders gut mit einem Martini Rosso voller Eiswürfel.

 

mhq: Hatte das Duo eine bestimmte Stadt im Sinn?

 

me: Nein, das bleibt abstrakt. Alles andere ist überhaupt nicht abstrakt. Der letzte Song der CD beschreibt die fortlaufende Auflösung einer Strasse, über alle Berufssparten hinweg. Und wer und was so wegstirbt. Was bleibt, sind die alten Bewohner. Es klingt, als würde sich so etwas wie Heimat vor deinen Augen in Zeitlupe auflösen. Grossartiges Finale, und dann tickt, gnadenlos, ein Metronom.

 

mhq: Also weder London noch Glasgow?

 

me: So weit ich das an den Texten erkennen kann, ist es anders als auf Ry Cooders „Chavez Ravine“, jenes fantastische Album von Ry Cooder beschrieb ja die systematisch Zerstörung eines Latinoviertels in Los Angeles, um amerikansichen Baseballträumen einen Raum zu schaffen. London ist es gewiss auch nicht, obwohl das auch eine Stadt nah am Kollaps der Sozialdienste ist. Wer dort lebt, muss oft einen beträchtlichen Teil seines Gehalts für oft spärlichen Lebensraum ausgeben. Die Preise und Mietpreise für Appartments sind in absurde Höhen geschossen – da gibt es ausländisches Geld, das da massiv reingeballert wird, Marmorhallen im Foyer, der Rest rausgeputzte noble Tristesse. Die Gesetzgebung verlangt nun, dass auch ein gewisser Prozentsatz von Arbeitslosen und Armen dort wohnen muss. Die Eigentümer regeln das so, dass diese Minderheit das Haus nicht durch den Haupteingang, sondern durch die „poor door“ betreten muss.

 
 

 
 

mhq: Das dritte Album, das dich voll gepackt hat, ist CARRIE & LOWELL von Sufjan Stevens

 

me: … und es wird ja überall als Meisterwerk gepriesen, da sollte ich skeptisch werden, ha. In der Tat wird man das Album in einem halben Jahrhundert neben Joni Mitchells Album Blue, neben Nick Drakes Pink Moon platzieren, und in diese dünne Wipfelregion gehört es auch hin. Weg vom opulent instrumentierten Experiment, weg von seiner zuletzt verquasten Avantgarde, ist dieses Werk, in aller Privatheit, in aller Erzählung von Verlust, Trauer und Auseinanderfallen etwas, das bei vielen Menschen einen tiefen Widerhall auslösen wird.

 

mhq: Es ist so sparsam gestaltet.

 

me: Und doch täuscht diese Art von Askese über den Reichtum im Detail leicht hinweg. Flüchtig gehört, wirken all diese Liederr recht ähnlich, je öfter man sich auf die Musik einlässt, desto mehr wird spürbar, welche Palette von Emotionen in kleinsten Zeitspannen, Zeilensprüngen, Sekunden freigelegt wird.

 

mhq: Du spielst drei Songs dieser Alben nacheinander, in der „Radionacht Klanghorizonte“ am 18. April.

 

me: In gewisser Weise, ja. Ich sage eine ganze Zeit lang kein Wort, es kommen drei Songs aus diesen drei Alben – dass ich da ruhig bin, ist nur gut, zudem verdient jeder dieser Songs einen Nachklang, ein Instrumentalstück, das natürlich auch für sich allein bestehen kann. Noch mehr Raum, etwas nachwirken zu lassen.

 

mhq: Und was für Zwischenspiele sind das?

 

me: Betriebsgeheimnis. Nur soviel: ein absoluter stilistischer Bruch, und doch eine perfekte Sequenz, diese fünf Tracks in dieser Reihenfolge. Allerdings, ähem, könnte das eine Minderheitenmeinung sein.
 

2015 13 Apr.

OM (by Frank Nikol)

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exsurrealist.blogspot.de
 

 
gestern
 
Sofia Jernberg and Heiner Goebbels live at Sermermiut Culture House Greenland
 
 
 

 
 
 
gestern
 
Sofia Jernberg and Heiner Goebbels live at Sermermiut Culture House Greenland
 
vor
 
gestern

 
Amsterdam, Bimhuis, yesterday night
 
again
 
 
 

 
 
 
evocation of a musical compaction by (great) The Necks 
 
 
 

 
 
 
Auch nach fast 30 Jahren (nächstes Jahr) sind Konzerte von The Necks ein (unvergessliches), immer wieder quasi jungfräuliches Ereignis der besonderen Art
 
 
In Germany werden The Necks allerdings recht wenig gebucht … . Warum wohl?
 
 
Am kommenden Mittwoch, 15. April, aber spielt die Gruppe im Kölner STADTGARTEN
 
 
©FoBo_HenningBolte
 

2015 11 Apr.

Wein, Jugendstil, und ECM 1145

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The Wine Advocate – „Deep garnet-purple in color, the 2012 The Boxer Shiraz opens with tons of intense chocolate, vanilla and spice intermingling with an aromatic core of ripe and berry preserves. Very big, full and rich, it is so concentrated you could practically stand a spoon up in the glass. The medium-level velvety tannins hold through the long, slightly hot, finish.“ (Aix Vinum, Aachen, Kleinmarschierstrasse)
 
 

 
 
One can hardly pass a comb through this session (ECM 1145) without singling out „The Laws Of Freedom“. With a minimal and open sense of play from Balke over the subtlest of drones one can imagine, this breathtaking journey into a piano´s beating heart turns reverberation into cloud and spirit, and presses between them footsteps of air.

2015 11 Apr.

Sufjan Stevens says

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With this record, Carrie & Lowell, I needed to extract myself out of this environment of make-believe. It’s something that was necessary for me to do in the wake of my mother’s death—to pursue a sense of peace and serenity in spite of suffering. It’s not really trying to say anything new, or prove anything, or innovate. It feels artless, which is a good thing. This is not my art project; this is my life.


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