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2013 13 Jul

Alchemy Tour – 10 Anmerkungen zu Neil Young & Crazy Horse in Köln

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , | 1 Kommentar

1 – Die verrückten Professoren hadern noch miteinander, beim Fabrizieren bzw. Errichten der überlebensgrossen Pille, die letztendlich wie ein Mikrofon ausschaut, dieweil einer der grössten Songs des 20. Jahrhunderts, A DAY IN THE LIFE, ertönt, und das leitet die Zeitreise ein, die schon begann, als ich während der Hinfahrt, nichtahnend, SGT. PEPPER in Mono spielte, und dann betritt die Combo der vier alten Männer die Bühne, und das „verrückte Pferd“ feuert aus allen Zylindern.

2 – Wie Neil Young sich ans verwitterte Saloon-Piano setzt, und mit anmutigem Gesang, von einer verlorenen Seele singt, und mitten in all den erfolgreichen Raubzügen in der Ursuppe der Rockmusik auch mal für eine Weile in alten „Harvest“-Zeiten andockt.

3 – Wie Neil Young auch nach diesem akustischen Mittelteil in aller Ruhe am Klavier den rechten Schuh zubindet, über die Bühne schlendert, und dann mit drei harten Akkorden das nächste elektrifizierte Songgewitter einleitet.

4 – ROLL ANOTHER NUMBER – dieser schleichende Rocker erlaubt sich ein paar sentimentale Zeilen und rockt das Pferd. „Tomorrow is a long time when you’re a memory“ singt er an anderer Stelle, und die Hörer, die Neils Musik gut kennen, wissen, dass sich hier alle auf einem Trip befinden, dessen Quellcode in den dunklen Mittsiebzigern liegt, als Neil Young mit einigen Illusionen der Ära aufräumte und all jene Fans vergraulte, die nur zu gerne altem Sanftmut erliegen. No way. Aber mit Traumstoffen spielen – gerne.

5 – Das Soundgewitter, welches das Ende des genialischen Liedes über verlorene Illusionen, WALK LIKE A GIANT, in Geräusch und Asche legt;  später, im Tosen, hören wir den virtuellen Platzregen niedergehen, und, wie einst in RUST NEVER SLEEPS, „no rain, no rain“ allüberall erschallt. Die „Alchemy“-Tour ist in ihrem Element. Diese Musik ist, zum Glück, nicht ungefährlich.

6 – Crazy Horse hauchen jedem „fuckin‘ old song“ neues Leben ein, und wenn „HEART OF GOLD“ ohne jede Brechung, akustisch und sanft ertönt, ist klar, dass hier ein alter Traum nichts als eine Seifenblase ist, die am Ende genau das macht, was Seifenblasen machen.

7 – Das Gesicht von Neil Young ist eine „schöne Ruine“, sein famoses Spiel auf der E-Gitarre lässt immer neue Winkel einstürzen.

8 – „Hey hey, my my, Rock’n Roll will never die“ – Die Beschwörung. Es wird geschrien und geflüstert. Die gereckten Hände der ersten fünfzehn Reihen im Innenraum vollführen einen organischen Tanz, das „verrückte Pferd“ erzittert! Jede Improvisation geht Risiko.

9 – Ja, überlebensgross, die Marshall-Amps auf der Bühne, aber die ganze Performance ist das Gegenteil eines gigantischen Spektakels: vier Männer, einer mit Hendrix auf dem T’Shirt, sind sich der Brüchigkeit von Allem bewusst, manövrieren sich wie Zeitgeister zurück in die Zukunft. Das Wilde ist keine Geste. Jeder falsche Ton genau der richtige!

10 – Das Feuer brennt noch. Papierfetzen fliegen über die Bühne. „Everybody knows this is nowhere.“

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 13. Juli 2013 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

1 Kommentar

  1. R3c.Kid:

    Der WDR „Rockpalast“ zeigt am 22.07.13 (Sonntagnacht auf Montag) drei rare Filmperlen, und zwar:

    01.00 NEIL YOUNG (1) („Swing In“ vom 23.04.1971)

    01.40 NEIL YOUNG (2) („Swing In“ vom 14.05.1971)

    02.05 SLY & THE FAMILY STONE („Swing In“ vom 10.12.1970)

    –>
    http://www.wdr.de/tv/rockpalast/sendungsbeitraege/2013/0722/


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