Manafonistas

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Archives: Januar 2013

Das Loblied auf Shuggie Otis, Sohn der Musiklegende Johnny Otis, wurde hier des öfteren angestimmt. Ein paar wenig wahrgenommene Songwerke, ein Kult-Status geringsten Ausmasses, Psycho-Soul der feinsten Art, ein schnelles Verschwinden von der Bild- und Hörfläche im Jahre des Herrn 1974. Wer sich nicht detektivisch auf Spurensuche begab, witterte Niedergang, frühen Tod, und nicht mal einen Grabstein auf dem Pere Lachaise.

In den frühen Neunzigern veröffentlichte David Byrne eine Werkschau, die compilation INSPIRATION INFORMATION, auf seinem Label Luaka Bop, und der Kult wurde etwas grösser, als etliche seiner vergessenen Songs durch die Clubs und durchs Nachtradio kreisten. Soul und Psychedelik, Pop und Klangfarbenspiele, nahezu in Perfektion: wie so etwas einst durch das Raster der medialen Aufmerksamkeit fallen konmte, lässt sich nur mit den völlig falschen Drogen aus dem Hotel California erklären. Oder mit einer miserablen PR-Abteilung. Oder mit einer Musik, die viel zu früh auftauchte.

John Lewis hat Shuggie Otis gesehen. Well and alive. Er war Ende November in London, im Jazz Cafe in Camden Town. 58-jährig, mit einem Omar Sharif-Bart, und einem ganzen Sack der alten Lieder, die in neuem Glanz erstrahlten. Es war kein perfekter Auftritt, der Kampf mit der Tontechnik liess manches Versprechen in Kabelwirrwarr und unheilvollem Tohuwabohu enden. Dann aber doch ungetrübte Freude: „Ice Cold Daydream“, „Inspiration Information“, „Aht Uh Mi Hed“, „Strawberry Letter 23“.

Man erinnere sich: er verschwand mit 21, er wurde nie mehr gesehen, hatte sogar ein Angebot der Stones abgelehnt, den Gitarristen Mick Taylor zu ersetzen (was sollte Shuggie auch bei den Stones, ausser stinkreich werden und musikalisch auf den Hund kommen? Aber, schon klar, wer lehnt so ein Angebot ab?) – Shuggie hatte wohl ohnehin wenig Geld, keinen Psychiater wie Brian Wilson, und keine treue Gemeinde von Nostalgikern um sich geschart. Er war der Zeit aus der Spur gelaufen, man ahnte nur, solche, einsame Himmel stürmende Lieder hätten ihm die Klarheit umd jede Art von Lebensplan geraubt. Und dann, jetzt, das – unglaublich.

2013 6 Jan.

Dirk Serries – Microphonics XXI-XXV

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Gestern im Briefkasten: ein sauber adressierter Umschlag an die Manafonistas, eine CD enthaltend. Fühle mich angesprochen und stellvertretend für die anderen Fünf lege ich die frische Musik sogleich in den Player, nicht ohne vorher zu recherchieren, wer der Dirk Serries sei. Nie gehört den Namen, war auch bekannt als Vidna Obmana, das man natürlich erstmal als Vidma Obama las. Arbeitete mit Steve Roach zusammen und vielen anderen … Neues aus der Ambient-Flut? Siehe da: es funktioniert! Eine monochrome Mikro-Monotonie, die sich öffnet, sich vertieft; die entspannt – jenseits aller esoterischen Techniken. (J.S.)

 

„There’s A Light In Vein

from: Dirk Serries – Microphonics XXI-XXV (realease date: March 16, 2013)

www.microphonics.be

Einem Label, das sich „Spacebomb“ nennt, verweigere ich erst mal jeden Vertrauensvorschuss. Wenn dann noch ein vollbärtiger, viel zu spät geborener Hippie ( der dem Tourbus von The Grateful Dead entsprungen sein könnte ), zum Mikrofon greift, ahnt man ein weiteres Revival des Schon-Endlos-Dagewesenen.

Und, in der Tat, dies ist alles schon dagewesen, aber wie verblüffend, dass Maurice E. White in seiner Mixtur aus White Soul, Folk, Gospel, Geigenspiel und Bläsersätzen jenen Dreh findet, der uns in diese Songs hinein lockt, umd neben Dejavues eben auch für besondere Momente, interessante Breaks und Melodien sorgt, die sich gerne alle Zeit der Welt nehmen, was dem „timing“ des oft gehauchten und gemurmelten Gesangs durchaus entgegen kommt.

Wie dieses Werk, das nicht gerade bescheiden den Titel „Big Inner“ auftischt, schon den Auftakt zelebriert, das Liebeslied „One Of These Days“, mit acht Streichinstrumenten, neun Bläsern und, neben einer kleinen Rhythmus-Abteilung, auch noch mit einem ausgewachsenen Chor – du meine Güte! Da graust es dem Feind des falschen Pathos erst mal, bis man entdeckt, dass Matthew E White – wie seine Helden von Lambchop – das grosse Brimborium zumeist zur dezenten Klangfärberei runterspielt.

Zwar beherrscht der Produzent, der jetzt erstmals ins Gesangs- und Liederschreibermetier wechselte, auch den kurzfristigen Aufruhr, wohltuend schräge Saxofontöne, doch mit Vorliebe bearbeitet er die breite Palette der ausgeruhten Klänge. Wie er da Kontraste einbaut, subtil das Tempo verschärft, den Atem anhält, und dann wieder im „flow“ der wiederkehrenden Bilder und Melodien landet, schafft Intimität. Da sind die besten Momente von Iron and Wine (noch ein Vollbärtiger!) nicht so weit entfernt. Und das kleine Opus eines gewissen Shuggie Otis mit seinem „leftfield cosmic soul“zählt auch zu seinen Inspirationen.

Aber auch solch ein wie aus alter Zeit aufgetauchter, zeitloser Hippie darf sich natürlich einen faux pas leisten. Zum Schluss hin besingt der Sohn eines Missionspaares etwas zu rosenkranzlangatmig seine Liebe zu Gott. Das ist erbaulich für Bibelkreise und „Christian Rock Festivals“, aber sorgt, ausser bei tief gläubigen Menschen, für ein enttäuschend langatmiges Finale. (Das Album erscheint im Februar, etliche Tracks kann man auf youtube hören.)

2013 2 Jan.

Meine 8 intensivsten Thrillererlebnisse 2012

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1) Elizabeth Hand: Available Dark

„A strong writer. Her studies of artists and musicians are something fierce, and there’s a deadly beauty to her bleak rendering of the Nordic landscape.“ (Marilyn Stasio, The New York Times)

2) Megan Abbott: Das Ende der Unschuld (Original: The End of Everything)

3) Sara Gran: Die Stadt der Toten

4) R.J. Ellory: Bad Signs

5) Ramiro Pinilla: Nur ein Toter mehr

6) Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht

7) Steve Hamilton: Misery Bay

8) Joe R. Lansdale: Ein feiner, dunkler Riss
 

2013 1 Jan.

Die Verwandlungsfähigkeit von Frauen

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Ich weiss gar nicht, wann ich ihr zum ersten Mal begegnet bin, es muss früh in die Kindheit reichen. Ich fand zwar Margaret Scheibenhut und Jutta Kortmann äusserst schön – sie waren beide in meiner Klasse auf der Grundschule, aber der erste unter den heissesten Fegern war Beate. Wie war mindestens ein Jahr älter, hatte etwas sehr Burschikose, war wie ein Junge gekleidet, und spielte besser Fussball als mancher Hansel neben mir. Ich traute mich rein gar nichts ausser zu schwärmen.

 

 


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