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Archives: Joseph Beuys

2021 9 Mai

Am Tag danach

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Der Film Beuys von Andres Veiel (ARD-Mediathek bis 28.5) wirkt noch nach, Gedanken daran kreisten während des morgendlichen Fensterputzens ebenso wie nachmittags beim Radfahren beziehungsweise erschöpften Niedersinken im Gras mit Blick auf eine Birkenkrone im starken Wind. Rücklings im moosdurchsetzten Grün alle Viere von sich streckend: wie wundersam der Sommer doch die Wahrnehmung verändert! Auch Zeit modifiziert sie, die Linse temporären Abstands verstärkt Nähe und Tiefenschärfe. Wie viele biografische Berührungspunkte es doch gab mit jenem Anglerjackenträger aus Kleve. Die Klassenfahrt nach Kassel, die Honigpumpe am Arbeitsplatz, der Künstler relaxt am Nebentisch, klingt sich wohl gerade aus bei einer Zigarette. Fulltime Job, Roger Rabbit, Veränderung als Auftrag, mitten in der Welt. Das auch zeigt der Film: was waren das doch für Nachkriegs-Banausen gewesen, so einem Genie den Nimbus eines Störenfrieds anzukreiden. Und dies: wie sich die Welt doch seitdem gewandelt hat, auch durch das Internet. Herrliche Szene: der junge, langhaarige und vollbärtige Hippie-Broder nimmt den Hasenfreund scharfzüngig aufs Korn. Gut gemacht sind die Kontraste aus historischem Schwarzweiss und hochdefinierten Farbaufnahmen von zwei Wegbegleitern: einer Britin und von Grinten, der mir ein Begriff war. Das Entscheidende aber: Beuys kommt einem in dem Film sehr nahe, er wirkt menschlich, warmherzig, als Menschenfreund. Und lange vor Piketty und besser als die Grünen hatte er es wie einst Marx geblickt: das Kapital ist das Problem. Noch etwas sehr Wichtiges: der Soundtrack des Films erinnert teilweise an Musik von David Sylvian. „Plight“ ist ja auch ein Werk von Beuys, was ich nicht wusste. Auch Bilder von Tarkowski werden evoziert. Die vielleicht subtilste Anmutung: lass dich nicht Blödmachen vom vorherrschend hysterischen Faktizitäts-Getue dieser Tage, vielmehr bleib treu deiner inneren Mongolei! Meine Nachbarin ist Tatarin, ein gutes Zeichen.

 


 
 

 
 

Boris Groys schreibt in seinem Essay „Das Leben riskieren“:

 

„Der ewige Teil der Seele war öffentlich nicht in den Kampf ums ökonomische Überleben involviert; er war nicht in das praktische Leben involviert. Eher erlaubte dieser Teil der Seele dem Philosophen, ein Leben in reiner Kontemplation zu führen. Und was entscheidend ist, diese kontemplative Praxis ließ den Philosophen an der Ewigkeit und Unsterblichkeit hier und jetzt teilhaben. Für Platon gab es keinen Unterschied zwischen göttlichen und menschlichen Formen der kontemplativen Betrachtung geometrischer Figuren und den logischen wie mathematischen Gesetzen, denen sie gehorchen. … Geometrie, Mathematik und Logik sind nicht veränderlich in der Zeit. Auch wenn der Philosoph sie nur für einen kurzen Zeitraum kontempliert, wird er bereits während dieses Intervalls unsterblich und ewig. Im Gegenzug bedeutet dieses Intervall von Unsterblichkeit, dass der Philosoph die Welt, in der er existiert, von dem Standpunkt der Ewigkeit aus – zu sehen vermag, auch wenn er selbst dabei sterblich bleibt. Die Welt ist im Fluss, aber Quadrate und Dreiecke sind unveränderlich. Das heißt, der Philosoph ist imstande, den Fluss des Lebens zu unterbrechen, indem er diese Kontemplationsintervalle wiederholt.“

 

Im Beuys Jahr angelehnt: Jeder ist ein Philosoph.

 

2017 19 Mai

Beuys

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Wenn ich im US-Netflix nach dem demnächst erscheinenden Film BEUYS von Andreas Veiel suche, dann hat Netflix den natürlich noch nicht. Statt dessen wird mir „Beauty and the Beast“ angeboten.

Das hat einen gewissen Charme.

 

 

 
 
 
Joseph Beuys and Edinburgh go way back.

Walk around Scotland’s capital city long enough and sooner or later, Beuys will appear. A real presence. The most recent encounter: a late afternoon Saturday, late October 2026 (or 2016, my DeLorean is ****ed these days). I was on my way someplace else, passing through Edinburgh’s north-west side on foot. And it was nearly evening and the gallery this poster belongs to was closed for business.

But it was great to see a friendly face. So great. A comfort. And if you play Psychogeography, the two things you don’t get are: 1. a map; 2. an itinerary. Is Joseph Beuys really dead though? Art never sleeps. Even when the gallery is shut and you’re off someplace else, there it is.


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