Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Die kleine Souterrain-Wohnung, die ich für ein paar Wochen bezogen habe, gibt den Blick frei auf weite grüne Felder. Wenn ich am Gartenzaun stehe, und eine Kuh mich mit großen Augen anblickt, muss ich Kind der Stadt unweigerlich an das Cover der Platte mit der Kuh drauf denken. Ich habe sowieso nur wenig Musik dabei, und ziehe mir derzeit einige Sachen aus dem Netz. Morgen dürfte über Nacht via iTunes Banga eintreffen, das neue Album von Patti Smith. Nicht dass ich den großen Wurf, das späte Meisterwerk, erwarte, einen Song gibt’s zum Geburtstag ihres Kumpels Brat Pitt – na großartig. Aber ich mag die Frau, und die Stimme, und freue mich auf zwei, drei Lieder, den Soundtrack für einen verregneten Nachmittag, und die nun anstehende Schafskälte. Parallel dazu werden die Americana von Neil Young und Crazy Horse eintreffen, da werden uralte Lieder aus dem ururalten Amerika weitgehend gegen den Strich gebürstet, und mit der Ursuppe der Rockmusik angereichert: auf solch verzerrungsfreudiges Gebratze versteht sich die Band bestens. Clementine ist auch dabei. Das Lied kennt jeder, zum Beispiel erklingt es, wenn Gary Cooper am Ende des Klassikers 12 Uhr Mittags aus der Stadt reitet. Nun, auch dieses Album wird nicht zu den großen Werken von Neil Young zählen, aber ich vertraue mich gerne dieser in die Jahre gekommenen Stimme an – Typ: krächzender Rabe, und dem wütenden Heulen der Gitarren. Und als Fan großer alter Schwarzweisswestern (ein Überbleibsel aus der Kindheit) werde ich, tief in der Nacht, die Kuhweide überqueren, zur Stallung der Pferde gehen, und das wildeste Pferd zureiten, bis es mit mir am Fuß der Blauen Berge verschwindet.

P.S. Am Tag darauf ist die Ware eingetroffen, und ich habe meine Freude an der Musik von Neil und Patti. (s.a die Besprechung von Banga in der SZ vom Freitag, dem 1. Juni, und die Review in The Guardian (comments). Neil Youngs Album ist aber nur für eingefleischte Fans. Trotz zarter Momente ist die Musik für den Aussenstehenden ein wenig monoton und einfarbig. Ich mag die Energie.

Philosophy Session
Four Ways to Live Forever
Stephen Cave
 
Who’s afraid of the Reaper? Philosopher and writer Stephen Cave argues that we all are – and that we are all following one of four paths that promise we can evade him. Find out which one you are on and where it will take you.

(June, 2)

Ein erstaunliches Festivalprogramm, hier nur ein Highlight von vielen. Tea, Music and Philosophy – ein interessantes Alternativprogramm zu Sex and Drugs and Rock’n’Roll (oder, äh, sind das nicht schon drei Wege, ewig zu leben?! … :)) Mehr zu dem Buch „Immortality“ des Philosophen Steven Crave findet sich im Kommentar Zwei …
 
 
howthelightgetsin.org

 
 

 
 
 

Man muss ja nur einen Blick nach England werfen, um zu sehen, wie erfolgreich dort Mid Air ist, sowohl was Verkaufszahlen angeht, als auch das Kritikerecho (Presse als auch Rezensenten bei amazon.co.uk). Hierzulande sind wohl The Blue Nile eher mit Kultstatus und kleiner Hörgemeinde ausgestattet, und Paul Buchanans introvertiertes Songalbum wird wenig daran ändern. Ein Meister der Zwischentöne ist er allemal, und damit schon mal außen vor, bei denen, die alles laut und deutlich haben wollen. Abseits von krakeelenden Hymnen gibt es hier aber auch gar nichts, was zum Mitsingen einlädt, geschweige denn in die Beine geht. Hier passiert zwar sehr viel, aber an der Oberfläche kaum etwas. Dann aber, wenn man den Songs Zeit gibt, wirken einzelne Verse nach, schleichen sich ins Bewusstsein, dieser Gesang ist auf unauffällige Art expressiv, ohne je große Gesten zu proben, es ist sowieso Nacht in diesen Liedern, welche im Haus eines Freundes Buchanans an der schottischen Ostküste entstanden. Die Fenster in diesen Songs sind vorzugsweise regenbeschlagen. Hier ist alles „After Dark“, wie der Titel des letzten Liedes. Die Logik der Lyrik folgt Traumbildern und Erinnerungsbruchstücken. Die Bilder sind so diskret wie die sparsamen Klaviertöne, die die Wörter umkreisen, weiträumig, und ihnen gewiss nie zu Leibe rücken. Gute Nacht, und viel Freude beim Hören … (stille Freude!)

2012 28 Mai

No milk today, but the milkman speaks…

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LUCA SIGURTÀ Bliss
FRATTO017 Fratto9 Under The Sky Records 2012
Reviewed by themilkman

Luca Sigurtà’s latest offering is a particularly stark and at times bleak soundtrack which requires to be understood fully before it can reveal its inherent nature, but doing so proves extremely rewarding.

Thanks, Mr. Milkman, for the review of Luca Sigurta’s new album. Will be played in my night show, in the near future …

see: themilkfactory.co.uk (highly recommended by the three manafonistas)

2012 28 Mai

Gregor’s favourite record of 2012 (so far)

von | Kategorie: BlogMusik aus 2012 | | Comments off

Gestern kam „Astrid – High Blues“ mit der Post …

Lieber Michael
Habe mir die CD auf deinen Tipp hin gekauft,
sie ist der Hammer,
in meiner persönlichen HItliste 2012 von 0 auf Platz 1 geklettert
was für ein Burner
bis die Tage
machs gut
Gregor (via Email)

 

ASTRÏD: HIGH BLUES

The spirits of Erik Satie and the No-Neck-Blues-Band rarely mix in a singular vision, but this French quartet even uses moments of the enigmatic moods of Mark Hollis and some Eno-esque abstractions (the way of sustaining and suspending sounds with not much else around is a distant parallel to MUSIC FOR AIRPORTS) to create unique chamber-like atmospheres that never sound like a sum of their inspirations. -Manafonistas (DE)

Dem französischen Quartett ASTRÏD, das sich benannt hat nach Astrid Kirchherr wegen des nichtfranzösischen und nichtenglischen Flairs, gelang das Kunststück, als eine nichtnordische Band in den inneren Kreis von Runegard aufgenommen zu werden. Wenn gleich als Erstes das gut 21-min. Titelstück von High Blues (RCD 2126) zu erklingen beginnt, leuchtet auch unmittelbar ein, warum. Cyril Secq mit Gitarren und Harmonium und Yvan Ros an Drums, Percussion und Kontrabass, 1997 das Gründungsteam der Formation aus Nantes & Marseille, weben zusammen mit der Geigerin Vanina Andreani und Guillaume Wickel an Klarinetten, Flöte und Rhodes ein dröhnendes Ambiente, bei dem das innere Auge nicht mehr unterscheiden kann, ob der Horizont von gleisenden Dünen aus Sand oder aus Schnee gesäumt wird. Auch Erfrieren den wird ja halluzinatorisch heiß, und die Walküren können dann die Gestalt von Huri des Paradieses annehmen. Während die Geige glissandierend Kurven zieht und die Klarinette kirrt und klagt, drehen sich kleine Gitarren- und Bassmotive zeitvergessen um sich selbst. Mit einer zeitlupigen Version von ‚Gnossiennes‘ folgt als ‚Erik S.‘ eine Hommage an Satie, bei der akustische Gitarre, Geige und Klarinette den Ohrwurm zum Tanzen bringen. Dunkle Paukentupfer markieren die anschließende ‚Suite‘ als feierlichen, pharaonischen Oriental Swing. Die akustische Gitarre von ‚James‘, lange solo, bevor eine Kalimba und die übrigen Stimmen mit einsteigen, suggeriert dann ein arabeskes Spanien. Zuletzt feilt die Geige tonlos an ‚Bysimh‘, zu Glockenspiel (oder Einfinger-Rhodes) und wieder akustischer Gitarre, hier in monotoner Desertgangart, aber mit melodischen Gedankenspielen, sehnsuchtsvollen Geigenfäden und versonnener Klarinette. Das Morgenland als Sehnsuchts horizont, psychedelisch, hypnotisch. -Bad Alchemy (DE)

Plateselskapet Rune Grammofon slipper sjelden til utenlandske artister. Når det skjer, er derfor forventningene høye. Den franske, gitardrevne kvartetten Astrïd har et sammensatt uttrykk som peker langt utenfor hovedinstrumentets domene. Soundet deres gir gode assosiasjoner til artistene Loren Connors og Earth. Bevegelsene er langsomme og gjerrigheten utpreget. Kalimba, fiolin, harmonium og klarinett tydeliggjør saktmodigheten. Franskmennene spiller kammermusikk uten permanent hjemsted. Struktur og tilnærming står i gjeld til det klassiske så vel som til rocken. På „Erik S.“ tar Cyril Secq frem den akustiske gitaren og gjør omgivelsene myke og varme. Astrïd har fast grep om egen identitet og lykkes godt med varsom og melodisk kraft. 5/6. -Aftenposten (NO)

 
 

The Kinks: Sunny Afternoon (mein Lieblingssong für alle Zeiten)
Laurie Anderson: O Superman
Black: Wonderful World (war das der Titel?)
Donna Summer: State of Independance
Herman’s Hermits: My Sentimental Friend

„Southern Jukebox Music“ vom Penguin Cafe Orchestra tauchte leider nie in einer Jukebox auf, nicht mal dort, wo Simon Jeffes es am liebsten gehört hätte, in Louisianna …

Und ist es nicht traurig, dass das Lied, aus dem die folgenden Zeilen stammen, die du auf Anhieb mitsingen kannst, Gregor, leider nie auf einer Single landete … !?:

„Here he comes
The night is like a glove and he’s floating like a dove
That catches the wind in the deep blue sky.“

2012 26 Mai

Paul in Mid-Air

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Here he comes, the guy,
56, named Paul Buchanan,

who knows the news
coming from his room at 3 a.m. of the soul

who leaves out words, sounds
thereby emptying the scenery

who makes certain lines wander
through your head again and again

who lets this musique noir glow, yes, glow
until its final dying sigh

who offers a lesson in melancolia
being a really good time (in a way)

(well, not really)
(well, sometimes)

… so, by the way, dear reader,
what are the „cars in the garden“ about?

2012 24 Mai

Yesterday was dramatic, today is OK

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The title of my fave record of the lyrical experimentalists. A collection of early works will be released on June, 1th. Brian Eno has chosen eccentric and melodic Icelanders Múm for Punkt 2012. Múm was formed in 1997, their music is characterized by soft vocals, electronic glitch beats and effects, and a variety of traditional and unconventional instruments. Brian Eno is artistic director of Punkt 2012 (6-8 September).

He has also chosen the British group S.C.U.M, which may be one of the most boring acts i have heared since the early 30’s of the last century. But, well, there will be a bunch of excellent artists, too, so never mind. Anyone who can reveal the maybe hidden qualities of S.C.U.M to me, please do so!

2012 24 Mai

Adrian McKinty: Falling Glass

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The latest novel from Ireland’s more accessible answer to James Ellroy has as its central character an old associate of Michael Forsythe, antihero of McKinty’s wonderful Dead trilogy. Killian, of Pavee (Traveller) stock, has been thwarted in his attempts to go straight by the demise of the Celtic Tiger and returned to his previous living as an enforcer. Tasked with finding the drug-addicted ex-wife of an Irish airline magnate who has gone into hiding with their two children, Killian soon realises that her disappearance is about a lot more than denying access. (…) This is another winner, with pathos, insight, sardonic humour and lyrical descriptions that counterpoint the red-hot action sequences to superb effect. (The Guardian)

Auf deutsch ist dieser hartgesottene Thriller, geschickt unterfüttert mit irischer Mythologie, sozialem Realismus, und einem zuweilen fiebrig-lyrischen Schreibstil, bei SUHRKAMP NOVA unter dem Titel EIN LETZTER JOB erschienen.

2012 23 Mai

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (18)

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Vor neun Jahren erschien in Stockholm ein Buch mit dem Titel jukebox, ein Jahr später war es auch in Deutschland zu haben, unter dem Titel Der Jukebox-Mann. Erzählt wird die Geschichte von Johnny Bergmann, dem Jukebox-Mann. Dieser Johnny hat wirklich einen Traumberuf, er betreut den lieben langen Tag Wurlitzer-, Seeburg- und Rock-Ola-Boxen, fährt mit seinem Wagen die verschiedenen Cafès und Milchbars an, repariert, wechselt Platten aus, entnimmt Geld, ja, und schmuggelt die eine oder andere seiner Lieblingsplatten in die nach kommerziellen Gesichtspunkten gefüllten Musikboxen. Eines Tages besuchte Johnny das PHOENIX, die Frau hinter dem Tresen der Bar kannte Bergmann nicht …

„Ich komme wegen der Jukebox“, sagte er.
„Du wechselst die Platten aus?“, fragte sie.
„Ja.“ Er hielt ihr seine geöffnete Tasche hin. 
„Wer entscheidet, welche Platten reinkommen?“
„Das mach ich. Es ist meine Box.“
„Möchtest du was Bestimmtes hören?“, fragte er.
„Ich weiß nicht“, sagte sie wieder mit diesem schüchternen Ausdruck.
Das war kein Desinteresse.
„Denk mal drüber nach, …“

Die Box war eine Rock-Ola Tempo I, das Modell, dem die Amerikaner „car styling“ nachsagten. Die Schwanzflossen an den Seiten sahen aus wie bei vielen Automobilen der fünfziger Jahre. Es war einer seiner wenigen Rock-Olas.
Neben der Box stand Eskil Skörd: „Hast du die neue Rolling Stones mitgebracht?“
Johnny nickte. „It´s all over now war Samstag auf dem zehnten Platz gelandet.“

 

 

Åke Edwardson, der Autor dieses Buches (das übrigens immer noch in einer Taschenbuchausgabe zu kaufen ist), hat einen Roman über eine Übergangs-Zeit geschrieben, eine Zeit in der der Jukebox-Mann noch allerhand zu tun hat, aber sich zugleich der Untergang der Musikbox-Ära abzeichnet. Die Jukebox ist heute praktisch in öffentlichen Gaststätten oder Bars nicht mehr anzutreffen. Peter Handke musste schon Ende der achtziger Jahre in die entlegensten Winkel Spaniens fahren, um noch alltäglich laufende Musikboxen anzutreffen (aus diesen Erfahrungen entstand später das Büchlein Versuch über die Jukebox).

Ich bin nun mein eigener Jukebox-Mann, habe eine ordentliche NSM-City, die sich mit hundert Single-Platten bestücken lässt und die bei mir ausschließlich dann läuft, wenn Gäste anwesend sind. (Kann man sich trostloseres vorstellen als allein vor einer Musikbox zu sitzen?) Meine Box ist keine Wurlitzer und auch keine Seeburg, aber sie ist eine zuverlässige Jukebox, die treu ihren Dienst tut und sogar per Knopfdruck die zehn meist gedrückten Platten bekannt gibt. Einmal im Jahr wechsele ich etwa 20% der Platten aus. Dann kommen Flohmarkt-Einkäufe zu ihrem Recht, manchmal wird aber auch die eine oder andere fast vergessene Single aus meinem Plattenschrank ausgewählt und in den Plattenkranz gestellt.

In den nächsten Tagen ist es wieder soweit, dann heißt es Abschied zu nehmen von lieb gewordenen Platten und Tasten zu drücken, unter denen die Neuen zu finden sind. Folgende Single-Platten werden dieses Mal aufgenommen: Jose Feliciano: Light my fire // Neil Diamond: I am…I said // Mikis Theodorakis: Alexis Sorbas // Leonard Cohen: Lover lover lover // The Beach Boys: Wild Honey // Opus: Live is life // Gilbert O´Sullivan: Get down //Hildegard Knef: Von nun an ging´s bergab (eine ganz besondere Platte, eine EP, hier findet sich auch noch Eins und eins, das macht zwei, Tapetenwechsel und Aber schön war es doch) //Jacques Brel: Vesoul und Edith Piaf: Non, je ne regrette rien.


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