Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2012 25 Juni

Don´t push

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„Let the sounds alone, Karlheinz – don´t push them.“
„Not even a little bit?“

(quoted in Give My Regards To Eight Street – Collected Writings of Morton Feldmann)

2012 25 Juni

One question, Mr. Cage

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„Why do we have different languages?“
„Because of the absence of airplanes in the past.“

(aus: Heinz-Klaus Metzger: Die freigelassene Musik. Klever, 19.90 Euro)

Nun sind die vier besten Mannschaften des Turniers unter sich. Die Deutschen haben es sogar mit einem Maulwurf geschafft, der Yogis mutige, na ja notwendige, Umstellung Stunden zuvor Pressemenschen zuflüsterte. Nachdem mein Club Deutscher Meister und Pokalsieger geworden ist, ist die EM ein interessantes i-Tüpfelchen, das ich recht gelassen verfolgen kann. Bekannt ist, dass die Ukraine Mitveranstalter ist, politisch gesehen, ein leidendes Land, mit einer korrupten Regierung. Michel Platini hat mit Maulkorberlässen seinen Teil dazu beigetragen, dass sich außerhalb politisch korrekter Proteste kaum etwas rührt. In seinem vorzüglich recherchierten Buch „FIFA-MAFIA. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfussball“ erzählt Thomas Kistner, wie Peter Körte es in der SZ so treffend auf den Punkt brachte, „vom Fussballsumpf so spannend wie ein Thriller.“ Und, ja, Platini wird der neue Blatter sein. Das ist so und leider erbärmlich. Fuck Platini! 

Diese Platte ist eine Feier der Unsterblichkeit. Es singt Montserrat Figueras, die jüngst Verstorbene. Aber sie singt jetzt mit dem Atem, durch die Kehle, aus dem Mund ihrer Tochter Arianna Savall. Die ist Harfenistin, auch Musikforscherin wie ihr Vater, zugleich Sängerin wie die Mutter, und wuchs so wie von selbst ins Ensemble Hesperion XXI hinein […] „Seeschwalbe“ (Hirundo Maris) nennt sich ds kleine Ensemble, das sie gemeinsam mit dem norwegischen Tenor Petter Udland Johansen gegründet hat. Das Debütalbum bei ECM versammelt wundervolle Erinnerungsmusiken, tröstliche, kitschige, sonnig-sentimentale. Savall trägt Lieder ihrer Mutter vor, mit fast dem identischen brüchigen Schmelz, dem nämlichen Hall, der nach innen horcht. Dem gleichen selbstergriffenen Seelenbeben.
Eleonore Büning, Frankfurter Allgemeine Zeitung

2012 23 Juni

Rousseau auf Arte

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Jean-Jacques Rousseau – Nichts zu verbergen

Dokumentarfilm F/CH 2012

Video der Sendung

 

Der 1712 in Genf geborene Jean-Jacques Rousseau steht wie kaum ein anderer für die Philosophie der Aufklärung. Sein Denken gab der Französischen Revolution Impulse und seine innovativen politischen wie gesellschaftlichen Konzepte stellten die Träume von bürgerlicher Individualität auf eine theoretische Basis. Doch wer war dieser Mann wirklich, der sich nicht scheute, sich selbst auf schockierende Weise bloßzustellen? Er gilt als großer Autor und Philosoph, als Vordenker der Französischen Revolution und Ideengeber für Robespierre. Er beschäftigte sich aber auch mit Musik und Botanik. Aber wer war Jean-Jacques Rousseau wirklich, stellt er sich doch in seiner Autobiografie auf schockierende Weise bloß und erscheint als Mann ohne Schamgefühl? Auskunft darüber geben nur überlieferte Aussagen von Zeitgenossen und vor allem die Texte des großen Aufklärers. Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms von Katharina von Flotow stehen zahlreiche Auszüge aus Rousseaus autobiografischen, gesellschaftskritischen und -theoretischen Schriften … (Quelle: Arte)

 
 

 
 
 
Eine Band, die wohl nie das Stadium der allgemeinen Gefälligkeit erreichen wird, und das ist ganz prima so, sind die Flaming Lips. Und das, obwohl ihnen der Applaus von fast allen Seiten gewiss sein dürfte, und sie auf ihrem jüngsten Streich – normalerweise marktwirksamer Kollaborationen – den arglosen Hörer tief in den eigenen Maelstrom reißen aus verzerrtem Getöse, absturzgarantierendem Pathos – und einem stilistischen Irrgarten aus Hip-Hop, Indie-introvertiertheiten, Stadiontauglichen Singalongs und Pops letzten Klanglaboratorien.

Sie begraben den langen Atem salonfähiger Melodien in schillernden Texturen diverser Grade von Rauschen, Lärm, und tollkühn marodierenden elektrischen Gitarren. Die roten Fäden des Albums sind Umweltkatastrophen, aus der Spur laufende Utopien, und das Leben inmitten der Apokalypse. Das kann herrliche Züge von Pulp und Trash annehmen, wenn Mastermind Wayne Coyne in einem Song gnadenlos von Roboterhunden gehetzt wird.

Diese Platte ist selbst für gestandene Fans der Band (und da bin ich einer von) ein wildes Biest. Zugleich kann Rockmusik kaum anarchischer sein wie in diesem vielleicht schönsten Trümmerbau aus Rockville. Und wem THE FLAMING LIPS AND HEADY FWENDS zusagt (ich freue mich  über all die entgeisterten Ohren, die hier das Ende der Rockmusik wittern, wo es doch um viel ernstere Dinge geht, das Ende der Welt etwa, das ja auch nichts Neues ist und sowieso ständig stattfindet, wenn zwei Augen sich für immer schliessen), der wird wohl auch fasziniert sein von der fantastischen Storysammlung After The Apocalypse, von Maureen F. McHugh! Wayne Coyne kann ein Lied davon singen. Good night, and good luck!

1.  “2012 (You Must Be Upgraded) (w/ Ke$ha, Biz Markie & Hour Of The Time Majesty 12)
2. “Ashes In The Air” (Featuring Bon Iver)
3. “Helping The Retarded To Know God” (Featuring Edward Sharpe and The Magnetic Zeros)
4. “Supermoon Made Me Want To Pee” (Featuring Prefuse 73)
5. “Children Of The Moon” (Featuring Tame Impala)
6. “That Ain’t My Trip” (Featuring Jim James of My Morning Jacket)
7. “You, Man? Human???” (Featuring Nick Cave)
8. “I’m Working At NASA On Acid” (Featuring Lightning Bolt)
9. “Do It!” (Featuring Yoko Ono/Plastic Ono Band)
10. “Is David Bowie Dying?” (Featuring Neon Indian)
11. “The First Time Ever I Saw Your Face” (Featuring Erykah Badu)
12. “Girl, You’re So Weird” (Featuring New Fumes)
13. “Tasered And Maced” (Featuring Aaron Behrens of Ghostland Observatory)

Sidsel Endresen, Jan Bang und Erik Honore haben das Punktfestival von Kristiansand von Anfang an wesentlich geprägt. Ihr Live-Remix eines Konzerts mit avantgardistischen Streichinstrumenten brachte die ganze Bandbreite dieser Musiker zum Ausdruck – zwischen radikaler Sound-Dekonstruktion und einem immensen Gespür für melodische Strukturen.

Sidsel Endresens Art, Sprache von herkömmlichen Bedeutungen zu befreien, lässt mal an moderne Klanglaboratorien, mal an schamanistische Rituale denken. Wesentlich poporientierter dagegen war der Auftritt des Musikers und Produzenten Guy Sigsworth, der schon mit Interpretinnen wie Björk, Madonna oder Alanis Morissette im Studio war. Hier brachte er, fernab freier Improvisation, frischen Wind in die Soundwerkstätten von Kristiansand: Zusammen mit dem Trompeter Nils Petter Molvaer brannte der Engländer ein Feuerwerk ab, in dem sich die klassischen Anklänge der Celeste mit einem Hauch von Jazz mischten und fein gesponnene Melodien einhergingen mit durchaus „fetzigen“ Samples der jüngeren Pophistorie. Eine hintersinnige Performance mit britischem Humor!

Aufnahmen vom 1. und 3.9.11 beim Punktfestival in Kristiansand/Norwegen

Sidsel Endresen/Jan Bang/Erik Honoré
Sidsel Endresen, Gesang
Jan Bang, Live-Sampling
Erik Honoré, Elektronik

Guy Sigsworth with Nils Petter Molvaer
Guy Sigsworth, Celesta, Piano, Keyboards, Samples
Nils Petter Molvaer, Trompete

2012 22 Juni

The Looping Area (the Guy Sigsworth letters, part 4)

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I’m not REALLY against looping. I used to do it with Immi in Frou Frou. Many people still do it creatively. I’m just being curmudgeonly towards people who think using a looper makes them some kind of musical trailblazer :)

And I think – in the context of Punkt, surprisingly few of the people using loopers seem to have thought through the „politics of looping“ – how building a set around looping will force the music to follow a certain form. If that’s the form you’re after, by all means use a looper. But be aware of it.

Music software I love (eg Pro Tools) tends to pressure musicians to position musical ideas into a grid. So there’s also a „politics of the grid“. Sometimes I love the grid. But in my Punkt set there’s a moment of celesta improvisation where the grid is turned off; and there are other moments where I subvert the grid with programmed accelerandos and ritardandos.

Thanks for the Simone White suggestion. I just clicked on iTunes. It’s absolutely to my taste!

You rock (or ambient?)

Guy

silver silver turn to gold
none more precious than I’m told
look you one and look you two
silver’s come to bury all of you
 
have you match or have you flame
alike alike we feel no pain
 
thought you were the chosen ones
now your plans are all undone
listen listen to the sound
all god’s children going down
 
have you match or have you flame
alike alike we feel no pain
 
wide wide ocean tide
busted banks gone and swallowed my pride
turn turn what you learned
everything you love has got to burn
 
silver silver turn to gold
none more precious than I’m told
look you one and look you two
silver’s come to bury all of you
 
have you match or have you flame
alike alike we feel no pain
 
silver bought and silver sold
but all it ever wished was gold
all it ever wished was gold

Simone White: SILVER SILVER
Calexico: ALGIERS
Pink Floyd: ATOM HEART MOTHER
Brian Eno: MUSIC FOR FILMS
Beachwood Sparks: THE TARNISHED GOLD

 

Und jetzt am Abend, neue Bekannte am Strand gefunden, leichter Sonnenbrand, Riesenlust auf den flämischen Barbecueabend, zu dem ich eingeladen bin, ein geplatzter Reifen, und später dann, angeleitet von Mitgliedern der Barbershop & Sea Company, Schwimmen bis zum Horizont: so nennen sie das hier (ich hab es mir übersetzen lassen), wenn man einen Kilometer rausschwimmt, und dann von einem Boot eingesammelt wird, das die kleine Schwimmtruppe auf eine in der Nähe gelegene Insel transportiert, auf der es wilde Füchse geben soll (welche Drogen nehmen die denn hier?!) – und eine sehr ungewöhnliche Grillparty mit Überlebenden der Brüsseler Punkerszene.

 

A propos Beachwood Sparks: It’s funny we sometimes call such oldfashinoned music „timeless“. Why? I think such music presents certain qualities that a lot of listeners love f o r e v e r: the harmony vocals, the Nashville sources, the mild psychedelic colors! So this is full of good vibrations, with some dark undertones that undermine (a little bit) the „innocence“ of this old time feel.


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