When you pile all your toys in the bed and there is no room left for you.
on life, music etc beyond mainstream
2016 21 Apr.
von Manafonistas | Kategorie: Blog | | Comments off
1 Brian Eno: The Ship / 2 David Bowie: Blackstar / 3 Jon Balke: Warp / 4 Swans: The Glowing Man (Tresor, Bergisch-Gladbach) / 5 Thomas Köner: Tiento de la Luz / 6 Sturgill Simpson: A Sailor’s Guide To Earth / 7 Matmos: Ultimate Care II / 8 Vijay Iyer & Wadada Leo Smith: A Cosmic Rhythm With Each Stroke / 9 P. J. Harvey: The Hope Six Demolition Project / 10 Tigran Hamasyan: Atmospheres (Erinnerung, Lugano) / 11 Glenn Jones: Fleeting / 12 Tindersticks: The Waiting Room / 13 Kevin Morby: Singing Saw / 14 Lucinda Williams: The Ghosts of Highway 20 / P.S.: It surpasses by far my imagination that there will be another number one or two at the end of the year.
2016 21 Apr.
von Michael Engelbrecht | Kategorie: Blog | | Comments off
15. Juni, The Waiting Room, London: THROWS / 10. Juli, Danforth Music Hall, Toronto: SWANS / 21. Juli, Giardini del Centro Unipol, Bologna: CARLA BLEY TRIO / 3. September, Punktfestival, Kristiansand: THE ELECTRONIC GRIOT. Gut Ding will Weile haben: das Doppelalbum „Atmospheres“ von Tigran Hamasyan (mit Arve Henriksen, Eivind Aarset und Jan Bang) wird am 20. August erscheinen, und das „release“-Konzert beim Punktfestval an dem Tag stattfinden, an dem ich dort meine kleine Radio-Performance im Griot-Gewand veranstalte. Es wird eine spannende Angelegenheit. Ich bestehe natürlich darauf, dass mir zur Lesung Aprikosenlikör gereicht wird. Und Manfred Eicher wird beim „public talk“ auf dem kleinen Podium sitzen.
Das Kaistudio der Elbphilharmonie ist ein Raum für experimentelle Musik, Vorträge und Workshops. Am 6. November ist ab 14.00 Uhr Brian Enos „The Ship“ als begehbare Installation zu erleben. Der Vorverkauf beginnt in einigen Wochen. „The Ship“ wird in meiner Junisendung auf Grund gehen. In der Nahaufnahme geht es dann eine Stunde lang um Enos Konzept von „Surrender“, natürlich mit einem Gospelsong. Warp Records hat sich mit Händen und Füssen gewehrt, dass ich aus „The Ship“ ein Stück meiner Wahl in der Radionacht vom 16. April spiele. Die Nacherzählung dieser fünf Radiostunden habe ich rückwärts gepostet, auf den 17. April. Manafonisten treffen sich im November natürlich in Hamburg, wenn sie gerade in der Nähe sind. Ich habe heute eine Rohfassung des neuen Opus der Swans erhalten. Wow! Es ist nach einmaligem Hören im Tresor verschwunden. „Surrender“ ist da auch ein Thema.
2016 19 Apr.
von Manafonistas | Kategorie: Blog | | Comments off
Eine Begegnung alter Freunde in einem Pariser Cafe. Danach bereitet Jean Paul seine Reise nach Berlin vor, um vor Ort eine neue Richtung der Philosophie zu studieren, die Phänomenologie, die allen in die Irre führenden Geisteskonstruktionen aus dem Weg gehen möchte, indem sie sich auf „Phänomene“ einlässt, statt sie permanent zu hinterfragen. Tatsächlich hat Sartre nach dieser Zeit, nur wenig überspitzt von Sarah Bakewell in ihrem Buch „At The Existenzialist Cafe“ formuliert, Phänomenologie in eine Philosophie der Aprikosen-Cocktails verwandelt – und der Kellner, die sie servierten. Ebenso eine Philosophie der Erwartung, der Müdigkeit, der Erregung, der Leidenschaft für eine begehrte Geliebte, des Thrills eines Fussballspieles, eines Films oder Jazzsongs – eine Philosophie des momentanen Aufleuchtens, wenn zwei Fremde sich unter einer Strassenlaterne begegnen.
Sartre hat Philosophie gemacht aus Vertigo und Voyeurismus, Scham, Sadismus, Revolution, Musik und Sex. Sehr viel Sex. Ist der Existenzialismus die Auflösung des scharfen, auf Systeme trainierten Nachdenkens, in eine rauschhafte oder detailbesessene Studie der Reichhaltigkeit von Empfindungen? Kann Philosophie stimmungsbesessen sein – „mood philosophy“? So etwas schreit geradezu nach einer Mode – demnach könnte der Existenzialismus einmal schrecklich „in“ gewesen sein, dann wieder „down and out“. Nein, „in“ und „out“ sind ganz schlechte Schubladen, die man am besten „in die Tonne haut“. Alles Sinnliche war im übrigen gekoppelt an das Sein und das Nichts, an die Verantwortung, an die unzähligen Arten, sein Ich neu zu erfunden.
Der Geist – kein Widerspruch – lässt sich auch in tiefer Entspannung schärfen: wir empfehlen den Erwerb des auch im Original leicht zu lesenden Buches von Sarah Bakewell – und nach jedem Kapitel intuitiv eine Musik auszuwählen, um die Lektüre nachwirken zu lassen – bei Existenzialismus liegt der Jazz immer nahe, aber wir raten ab von den üblichen Pariser Schätzen – Vorsicht, Nostalgie! – von Sidney Bechet bis Miles Davis. Nach Kapitel 1, „Sir, What a Horror, Existenzialism!“, kann es durchaus erhellend sein, dem neuen, am 6. Mai erscheinenden Album des Carla Bley Trios zu lauschen, „Andando el Tiempo“. (m.e.)
2016 18 Apr.
von Jochen Siemer | Kategorie: Blog | Tags: acoustic mikados, Zeitreisen | | 6 Comments
And when it appeared
It was a flaming book of matches
A hundred and twenty-five spheres
On a parquet floor(D. Sylvian, „125 Spheres“)
Trauma
Weitergehen muss das Narrative und ebenso das Spiel. Ungeachtet jener Mikro- und Makrotraumata von Verlusterfahrungen, die jeden Menschen zu jeder Zeit heimsuchen können, in den Krisengebieten der Welt ebenso wie in jenem individuellem Krisengebiet eines vergänglichen Körpers, gibt es zu alldem das „Trotzalledem“. Cinematografisch verdeutlicht wird solcherlei Gedankenspiel durch kurzweilige Serien wie Dr. House und großartige Filme wie Wim Wenders Das Salz der Erde.
Einst gab es ein TV-Porträt über den Soziologen Helmut Dubiel – einer jener bereichernden Zufallsmomente des alltäglichen Fernsehens. Der Genannte war Professor am Frankfurter Institut für Sozialforschung, dem ja auch Theodor Adorno und Max Horkheimer einmal angehörten. Er erhielt mit sechundvierzig Jahren eine Diagnose, die sein Leben änderte. Das Buch Tief im Hirn kaufte ich mir, weil mich nicht nur seine Krankengeschichte interessierte, sondern auch seine Vita und vor allem: seine sprachliche und kognitive Brillianz.
Zufall
In jungen Jahren befragt, welches seine Vorbilder seien, antwortete der Teenager wie aus der Pistole geschossen: „Max Ernst und die Beatles.“ So spontan und provokativ die Antwort war, genauso triftig war sie für ihn. Ersterer beeinflusste wie kein Zweiter seinen Zugang zur bildenden Kunst: da war die hybride Vielfalt der Stile und Zufallstechniken – und da war Dada. Ein Aufbegehren gegen das Bürgerliche, das war ihm wichtig: nicht Juso-gefärbt proletarisch, sondern freigeistig, aristokratisch, poetisch.
Neulich entwarf ich ein Stück und nannte es „Acoustic Mikado“. Einfach eine Spur aufnehmen, spontan eine zweite oder dritte hinzu – auf das Vorangehende direkt reagieren. Es könnte der Beginn einer spassigen Serie werden. Mikado spielten wir als Kinder schon gerne, da es nicht nur um Geschicklichkeit ging, sondern auch ein Spiel mit dem Zufall war. Hinzu kommt der immerwährende Reiz des recordings, die Konfrontation mit der Aufnahme und dann die Möglichkeit reflexiver Abstandnahme.
Geheimnis
Wiedermal auf nächtlicher Runde, kreuz und quer durch die Stadt schlendernd und lange am Fluss entlang, dabei die Tiefen von Philosophie, Kunst und Lebensweisheit im Gespräch auslotend, fragte ich N, den befreundeten Maler, ob er in seinen Bildern seine innersten Geheimnisse preisgäbe. Ja, aber nur in chiffrierter Form, entgegnete der. Das sprach mir aus dem Herzen, da auch ich keinen Sinn darin sah, Jedermann alles offenzulegen.
Auch in der Literatur fanden sich Spuren Gleichgesinnter. So schrieb der Soziologe Helmut Dubiel in seinem Buch Tief im Hirn, das auf eindrucksvolle Weise seinen Umgang mit Parkinson schildert, er habe immer im Leben Geheimnisse gehabt und bedrohlich für ihn sei, diese nun bedingt durch die Krankheit grösstenteils nicht aufrechterhalten zu können.
„Von dem, was die anderen nicht von mir wissen, lebe ich.“ Diesen Satz von Peter Handke stellte der Philosoph Byung Chul Han seinem bei Matthes & Seitz erschienenen Band Transparenzgesellschaft voran, der wie auch andere seiner Essays die Auswirkungen der digitalen Revolution auf profunde Weise darlegt, ja seziert. Immer wieder zeigt sich, dass diesem Denker Bezüge zu Heidegger und östlichen Sicht- und Lebensweisen wie etwa dem Zen-Buddhismus nicht fremd sind. Es geht auch um die Ästhetik der Abwesenheit.
Hier sitzen die Pfefferminztassen still in der Sonne.
Das Humta Humtata der Blaulichter wirft lange Schatten.
2016 18 Apr.
von Manafonistas | Kategorie: Blog | Tags: Joni Mitchell | | Comments off
„Love came to my door/With a sleeping roll/And a madman’s soul/He thought for sure I’d seen him/Dancing up a river in the dark/Looking for a woman/To court and spark“.
(The River)
* Blue (1971) *****
* Court and Spark (1974) ****1/2
* The Hissing Of Summer Lawns (1975) ****1/2
* Hejira (1976) *****
* Don Juan’s Reckless Daughter (1977) ***1/2
* Mingus (1979) ***** (m.e.)
“Joni Mitchell’s „Blue“ probably has the same characteristic that I like about Revolver. It has this in-your-face production value. She had written songs like ‘Clouds’ where she had harpsichord on it and all these strings and all that but this album was devoid of all instruments bar the dulcimer, the acoustic guitar and the piano. I don’t even recall a lot of bass on the album but Stephen Stills might have played a bass line on an acoustic guitar.
So what you have is ten or twelve knockout songs that she must have spent months crafting. Poetically, these songs are perfect. They speak to women, I know, but they also speak to men as well, about universal and personal challenges we all face in life. Joni Mitchell articulated them so well but as a record producer, how she did it was so important. Again, it’s that dry sound; in-your-face and a kind of minimal recording but every note and every instrument stated something very clearly and very powerfully.
There are times when I hear this and I don’t even realise that I’m hearing a piano or a vocal; to me, it sounds orchestral. A good arrangement can make two or three instruments sound huge and a bad arrangement can make a whole orchestra sound puny.”
(Tony Visconti, producer)