Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

Die Taxifahrt vom Bahnhof. Der feine Nieselregen, die frühlingshaften Temperaturen. Der Flugmodus. Die Rückkehr nachts um Drei. Weihnachtspost, versteckt zwischen der Reklame auf der Fussmatte. Die Spreu vom Weizen trennen. Mit dem Aufschliessen und dem Fallenlassen des Schlüsselbund rastet die Verrieglung im Hochsicherheitstrakt ein. Der Duft von Hyazinthen. Wenn Du jetzt noch jemanden hättest den Du morgen früh anrufen könntest um zu sagen dass Du wieder da bist: dann wäre alles perfekt. In der Küche brennt noch Licht.

 

2019 20 Dez.

My Best of 2019 list

von | Kategorie: Blog | | 9 Comments

To tell the truth, I don’t really listen to much new music these days. The things I find myself most listening to are old – either things I want to study, perhaps transcribe and learn to play, or things I want to chill to in these stressful times. That being said, here is a list of 2019 releases that did get into my head and heart this year to varying degrees.

 

In no particular order:

 

  • Mats Eilertsen- And Then Comes the Night (a favorite)
  • Bill Frisell Thomas Morgan – Epistrophy
  • Dave Holland/Chris Potter/Zakir Hussain – Good Hope
  • Tigran Hamyasan They Say Nothing Stays the Same (soundtrack to the film -simply gorgeous music)
  • E.S.T. – Live in Gothenburg (their best live album – maybe their best album period.)
  • Keith Jarrett – Munich (For disc 2)
  • Ethan Iverson Quartet – Common Practice
  • Avishai Cohen/Yonathan Avishai- Playing the Room
  • Celesta – Michael Jon Fink (meditative and mysterious solo Celeste)
  • Søren Bebe- Echoes
  • Leonard Cohen – Thanks for the Dance
  • Rymden- Rymden
  • Scott Kinsey – We Speak Luniwaz (because its good, and because it’s an homage to Zawinul and I miss him.)
  • Marc Copland – And I Love Her
  • Nguyen Le- Streams (Nguyen le is back in jazz form with this hard hitting but subtle quartet album with bass, vibes, drums and of course guitar. His best in years.)

 
Reissues (HD downloads)
 

  • Double Image – Dawn
  • Art Lande Rubisa Patrol – Desert Marauders
  • Tom Van der Geld – Path
  • Gallery – Gallery

 
Reissues Pop
 

  • King Crimson 50th box – In the Court of the Crimson King
  • Beatles – Abbey Road

 
Chill Albums
 

  • GS Sachdev – The Art of the Bamboo Flute (I never get tired of this album- no rhythm or tablas, just on the breath with tamboura- essential listening)
  • Tony Scott – Music for Zen meditation (classic for a reason)
  • W A Mathieu – Streaming Wisdom/In the Wind
  • W A Mathieu – Second Nature

(These are two CD reissues of three 80’s albums by my teacher, who went thru a wonderful period of experimentation with an analog 4 track recorder and his piano, recorded in his octagonal studio high on a hill in Sebastopol. While much of Mathieu’s music is highly composed, these pieces are mostly improvised, joyful multitrack discoveries, sometimes employing prepared piano and vocals which were inspired by his study of the North Indian vocal tradition and African mbira music.)

2019 20 Dez.

Here comes the Dodo Blues

von | Kategorie: Blog | Tags:  | | Comments off

Dodo ist ein afrikanischer Gesangsstil, der aus der Region des Viktoriasees stammt und Olith Ratego einer seiner bekannteren Protagonisten. 2009 lernten er und Sven Kacirek sich am letzten Tag der Aufnahmen zu dessen facettenreichen Albums The Kenya Sessions kennen und kamen vor zwei Jahren durch Vermittlung eines Studiobetreibers in Nairobi zunächst nur virtuell zusammen: Tabu Osusa schickte Kacirek Gesangsaufnahmen von Ratego mit der Frage, ob er sie zu Stücken ausarbeiten könne. Später trafen sich beide, um neues Material zusammen zu erarbeiten, was musikalisch trotz einiger Sprachbarrieren unglaublich funktionierte (Video). Das Ergebnis ist Auma, ein kaum einzuordnendes Album, das zwischen dem originalen Dodo Blues und einem sich höchst organisch einfügenden perkussiven, akustischen wie elektronischen Klangwald wandelnd ein Meisterstück aktueller Fourth World Music geworden ist. Okitwoye ist hier ein wunderbares Beispiel, Aora Odinona Yo ein anderes Kleinod.

 
 
 

 

 

Als Rezensentin blickt man immer nur nach vorne: auf den immer viel zu hohen Stapel der erst-noch-zu-rezensierenden Bücher, auf die Verlagsvorschauen und die Bücher, die im nächsten Frühjahr erscheinen werden, etc., etc. Der musikalische Jahresrückblick von Michael Engelbrecht hat mir vor Augen geführt, dass Rückblicke im Literaturbetrieb ganz unüblich sind, aber vielleicht gerade deswegen besonders spannend wären. Ich habe mir daher einmal angesehen, welche Bücher und wie viele ich eigentlich im Laufe des Jahres nahezu ausschließlich für fixpoetry.com rezensiert habe und bin auf die doch recht beachtliche Zahl von 23 gekommen, von Oswald Egger bis Ilma Rakusa, das war mein 2019. Ich möchte nun mein literarisches 2019 an dieser Stelle noch einmal im Schnelldurchlauf revuepassieren lassen, und zwar querfeldein und nach Herzenslust über den grün-grünen Rasen rennend …

 

„Jump!“ heisst der Teil eines Songs aus der mir neulich liebenswerter Weise zugeschickten CD 53 von Jacky Terrasson. Wie der Zufall es wollte, besprach ja auch ein Manafonista aus dem Oberfränkischen jüngst dieses hörenswerte Album eines Pianisten, für das ich so manches von Keith Jarrett gerne links liegen lasse. Aber darum soll es hier nicht gehen, vielmehr hat dieses Springen eine therapeutische und auch, was vergangene Begegnungen mit Gurus angeht, spirituelle Bedeutung. Der jüngste Fund östliche Weisheiten betreffend liesse sich unter dem Namen „Sadhguru“ fröhlich einorden. Der Typ ist einfach heiter drauf, voll auf Höhe der Zeit, darum wohl in den Hörsäälen weltweiter Eliteunis auch ein gern gesehener Gast. Yoga war ja immer essentieller Lebensinhalt meinesgleichen, wenn auch im „Freistil“ praktiziert. Aber auch die skeptizistischen, existenziell dunklen Gangarten der Philosophie sollte man nicht unterschätzen. Angesichts der Weltlage scheint mir Schopenhauer verdammt up to date zu sein. Die Schriftstellerin Sybille Berg könnte als seine „Tochter im Geiste“ gelten, sowie ja auch Sadhguru eine reizende Tochter hat, die ist allerdings Tänzerin. Zu Frau Berg muss ich sagen: gäbe es sie nicht, man müsste sie erfinden – und ihr aktuelles Buch GRM (sprich: Grime) mit dem Untertitel „Brainfuck“ ist ein Hochgenuss. Es gehört, das weiss ich jetzt schon, zu jenen, die ich nicht „zu Ende“ lesen werde, sondern immer wieder, weil das Gute eben nicht verjährt. Dieser Schreibstil sei zu negativ? So ein Unsinn: so viel mehr Trost und Empathie findet man hier als in manch abgenudeltem Kirchenpsalm. Und nun, liebe Freunde, zum Abschluss wieder die Kehre, the drive, die Punktlandung: „Jump!“ ist nämlich auch die Methode, ein Buch per Zufallsprinzip irgendwo aufzuschlagen und dann quasi quereinsteigend zu lesen. Spielend lässt sich damit jede notorische Romanlesephobie kurieren.

 
 


 

2019 18 Dez.

Fünf Unmögliche Dinge

von | Kategorie: Blog | | 3 Comments

 

Eine Flasche mit eisgekühltem Stoizismus, für akute Notfälle.

Eine Packung Träume, leicht angestossen – daher als „zweite Wahl“ gekennzeichnet.

Ein Schäferhund der, in der Bahnhofshalle auf Dich wartend, auf Dich zugerannt kommt und an Dir hochspringt.

Ein Teelicht aus in Wachs gegossene Erinnerungen; für die stillen Stunden, in denen Dich niemand mehr sieht.

Eine „Happy Ever After“ Karte aus Pappe, mit Gebrauchsspuren.

 

 

 
 

Ich besitze nur ein einziges Original-Kunstwerk. Es ist eine Planskizze von Panamarenko. Er ist jetzt fast 80 jährig gestorben und endlich auf dem Flug ins Jenseits. Ich wurde in meiner Studentenzeit auf ihn durch eine aberwitzige Geschichte aufmerksam. In einer Zeitung wurde von einem Henri Van Herwegen berichtet, der in Flandern selbstgebaute Flugobjekte ausprobierte, die immer wieder auf die Kartoffelfelder runterkrachten. Später hörte ich, dass dieser „Verwegen“ von Beuys an die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen worden war. Ich hatte aber immer noch keine Kunstwerke von ihm „live“ gesehen. Und dann passierte mir folgendes Glück.

In meiner Dresdner Zeit, Anfang der Nullerjahre, drang ich in ein halbverfallenes Ausstellungsgebäude in der Hellerau ein und traute meinen Augen nicht. Da hingen von der rissigen Decke insektenartige Flugobjekte, an den Wänden klebten Sehnsuchtsapparate einer jeden kindgebliebenen Ingenieursseele. Auf dem staubigen Zementboden standen Riesenapparate, in die ich sofort einsteigen wollte: Fly me to the moon. Ich war verzaubert. Wer hatte diese Ausstellung kuratiert? War es ein Kunstverrückter, der diese eingestürzten Hallen für einen verwaisten Flughafen hielt?

Nie wieder habe ich Kunstwerke in authentischeren Räumen gesehen. Panamarenko’s Werk ist so unfertig, selbst wenn er einen „Aeromodeller“ vollendet hatte, wusste der Ingenieur, er wird nie fliegen können. Er hat einmal gesagt: „Die Schönheit fällt vom Himmel“. In mir haben diese wundervollen Apparate Sehnsucht geweckt, Sehnsucht nach Freiheit, nach Weite und – Unvollkommenheit. Jetzt ist der Fantasieflieger gestorben, in meiner zweiten Heimat, in den Ardennen.

 

2019 14 Dez.

Noch ein Weihnachtslied

von | Kategorie: Blog | | Comments off

Als erstes wirst Du am frühen Nachmittag den Lärm hinter Dir zurücklassen. Das ist der erste Schritt. Den Weg den Du morgens hier her gekommen bist, den gehst Du natürlich nicht. Mit dem Menschenstrom zurück, ja, da musst Du grinsen; das fehlte noch! Nein, Du wählst natürlich die denen genau entgegengesetzte Richtung. Im Zug suchst Du Dir dann ein Abteil für Dich allein – das könnte zwar schwierig werden, ist aber machbar. Probiere es also trotzdem; notfalls schirme Dich mit dem aufgesetzten Kopfhörer von allem und jedem ab.

Und später dann, die Treppe herunter und den ausgestreuten Brotkrumen zur Bushaltestelle folgend wirst Du feststellen, dass sich auch dieses Jahr vor den Supermärkten gegenüber um Einkaufswagen geprügelt wird. Es geht Dich nichts mehr an. Ein Kopfschütteln wäre schon eine zu intensive Reaktion. Löse dann den Gutschein ein, den der freundliche Kontrolleur im Zug Dir letztens geschenkt hat. Halte ihn griffbereit in der Hand, man wird Dich danach fragen. Was hältst Du davon, wenn Du versuchst im Bus die hintere Bank für Dich allein zu blockbuchen und zu belegen? So wie damals, als wir zusammen als Poser am Autoscooter standen. Weisst Du noch? Stell den Rucksack genau neben dich, siehst Du, schon sind zwei Plätze neben Dir belegt. Die Bank gehört Dir. Perfekt.

Wie jeden Tag wird es früh dunkel und gegen die blinkenden Lichterketten in den Vorgärten hilft deine heruntergelassene Jalousie. Oder ein Paravent, eine Schlafbrille: Du hast da die freie Auswahl. Die Freiheit der Entscheidung: die passiert Dir selten, koste den Moment der Auswahl und Entscheidung also weidlich aus. Zähle abends bei Kartoffelsalat und heissen Würstchen deinen persönlichen Punktestand für diesen Tag zusammen. Bist Du damit zufrieden? Ein leichtes Kopfnicken genügt.

Das Einschlafen wird Dir leicht fallen nach deinem langen Tag. Und Du hast ja auch noch Verabredungen einzuhalten. Der Klang von Trommeln wird Dich morgen früh wecken.

2019 14 Dez.

The Eternity Pattern

von | Kategorie: Blog | | 2 Comments

 

Und während andere, wie Peter Rosegger einst, die Weihnachtsfreude holen gehen und dabei Nähe gegen ein Stück Stahl eintauschen, da besuche ich Dich noch einmal. Aus den Augen verloren haben wir uns nach den Kindergartentagen: aber nun weiss ich wo ich Dich finden kann. Den Brunnen am Eingang kenne ich noch von anderen Besuchen, tief und unheimlich kam er mir, an den Froschkönig erinnernd, früher vor. Nun, mit den Augen eines alt gewordenen Erwachsenen birgt er keine Schrecken mehr. Und wie es so ist: wenn man sich lange nicht mehr gesehen, gesprochen hat dann ist viel aufzuholen an vergangener Zeit. Was ich Dir an diesem Wintertag erzählt habe, hat ausser Dir nur der Wind mitgehört. Das hat gut getan. Wiederkommen werde ich, mich und damit auch Dich erinnernd, an anderen Tagen.

 

Dieses Jahr möchte ich keine Jahreshitliste anbieten, sondern einfach nur 33 Platten aus dem Jahre 2019 nennen, die mir im nahezu vergangenen Jahr sehr gut gefallen haben. Platzierungen gibt es nicht, die Auflistung ist rein zufällig. Zusätzlich erwähne ich noch jeweils mein Lieblingsstück der betreffenden Platte, es wird / werden zunächst der / die Musiker genannt, dann der Schallplattentitel und am Schluss das Musikstück.

 

    1. Anna Gourari: Exclusive Affinity: Arvo Pärt: Variationen zur Gesundung von Arinuschka
    2. Louis Sclavis: Characters On A Wall: La dame de Martigues
    3. Ethan Iverson & Tom Harrell: Common Practice: Live At The Village Vanguard 2017: The Man I Love
    4. Avishai Cohen & Yonathan Avishai: Playing The Room: Azalea
    5. Gianluigi Trovesi & Gianni Coscia: La Misteriosa Musica Della Regina Loana: Gragnola
    6. Sylvie Courvoisier, Mark Feldman ‎– Time Gone Out: Homesick for Another World
    7. Bushman’s Revenge: Et Hån Mot Overklassen: Happy Hour For Mr Sanders
    8. Daniil Trifonov / Destination Rachmaninov – Arrival: Vocalise
    9. Branford Marsalis Quartet: The Secret Between The Shadow And The Soul: The Windup
    10. Mats Eilertsen: Reveries And Revelations: Appreciate
    11. Joe Lovano: Trio Tapestry: One Time In
    12. Keith Jarrett: Munich 2016: Somewhere Over The Rainbow
    13. Wilco: Ode To Joy: Love s Everywhere (Beware)
    14. James Yorkston: The Route To The Harmonium: Like Bees To Foxglove
    15. Various Artists: Stumm433: Irmin Schmidt 4:33
    16. Van Morrison: Three Chords And The Truth; You don`t Understand
    17. Rolf Kühn: The Best Is Yet To Come (9 LP Box): Yellow And Blue: Both Sides Now
    18. Laurie Anderson, Tenzin Choegyal & Jesse Paris Smith: Songs from the Bardo: Listen without Distraction
    19. Nick Cave & The Bad Seeds: Ghosteen: Waiting For You
    20. Rabbia / Petrella / Aarset: Lost River: Night Sea Journey
    21. Lorenzo Feliciati, Michele Rabbia: Antikythera: Parapegma
    22. The Lumen Drones: Umbra: Inngang
    23. Frode Haltli: Border Woods: Taneli`s Lament (Sorrow Comes To All)
    24. Stein Urheim: Simple Pieces & Paper Cut-Outs: Blavals
    25. Marco Ambrosini & Ensemble Supersonus: Resonances: Rosary Sonata No. 1
    26. Giovanni Guidi: Avec Le Temps: Tomasz
    27. Sokratis Sinopoulos: Metamodal: Lament
    28. Dominic Miller: Absinthe: Ténèbres
    29. Mats Eilertsen: And Then Comes The Night: After The Rain
    30. Erlend Apneseth Trio with Frode Haltli: Salika, Molika: Salika, Molika
    31. Trond Kallevåg Hansen: Bedehus & Hawaii: Flanellograf
    32. Olivier Messiaen / Ciro Longobardi: Catalogue d’Oiseaux VIII. L’alouette calandrelle
    33. Daniele Di Bonaventura: Garofani Rossi: Grandola vila morena

 

… und wer möchte, kann sich eine Auswahl aus den genannten Titeln in der Sendung Jazz Funkt am 04.01.20 von 19:00 bis 21:00 Uhr anhören und zwar im „Freies Radio Für Stuttgart“ // www.freies-radio.de

 

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz