Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 1 Juli

„Luminous“

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Among the bunny bunch of recently covered and anticipated songs is „You“ by the group Ten Sharp, which I always liked listening to, remembering those radiodays at the construction sites. Found it as exhilarating as Bruce Hornsby’s „The Way It Is“ or Anastacia’s „Sick and Tired“. Luckily there is an overdub function on my little recorder which makes it easy to do a quick take and saves me from rheumatic symtoms while diving for hours into music, cable-tangling and technical overloaded issues: frozen bones in an advanced age. This fact offers another point of identification with detective Harry Ambrose, who tried to catch a Nietzsche-influenced criminal, permanently hobbling with sciatic problems through the third season of the fantastic and dark series The Sinner. Further on it reminds me of philosopher Dietmar Kamper, who once wrote that stumbling is the most appropriate way to move for man and mankind. So here we are, cheeky stumbling into fingerpicking again, just for fun and fit for „You“.

 

2020 1 Juli

Simple Twists

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 
 

the loss of light in less sleep, feeding minutes

after rain‘s landing, counting sheep vanishing with

the half-serious question for the bakery‘s opening,

and a song from Liege & Lief , low in the ear, a reliable,

not so reliable call for dreaming the highlands,

last notes hanging, painting clouds, simple twists.

 

 
 

It all begins with „empty streets“, literally, cause that‘s the title of the opening track. Lascelle Gordon plays drums, percussion, electronics, combining, dissecting all the shining bits from the outer districts of real and imaginary cities. Melting pot music, wonderful in its ways to make you feel lost and strangely attracted at the same time. In some of its faraway places there is an impressionistic flair, not unlike Jon Hassell‘s latest album. A different way of haunting and playing tricks with your mind is at work here though: the sounds come from so many sources that every attempt to create a reliable map will lead you to nowhere land „where the streets have no names“. Luckily that awful song has no chance to get its jukebox sample appearance here. Peter Jones says that some piano playing reminds him of Robert Wyatt. Get your point, but old Robert’s voice murmuring some sweet nothings between foggy soprano sax lines, that would be the real  revelation – I can imagine it all too well. The whole album is so crammed full of strange exits, found voices, synthetic breathing, grooves you may call groovy and red district sensualism that it makes you wonder from time to timelessness what the fuck is really going on. Fuck knows. But it‘s a marvel. And it is definitely not a dream  that 72-year young British vocalist Maggie Nichols is stealing the show from some of the younger ladies who occasionally walk a thin line between old time „Smooth Operator“ vibrations, and an admittedly soulful blow job overture. No offense. A merry-go-round of sorts. There are deep layers here, echoes of  cosmic jazz, rock and old new wave (Lascelle likes A Certain Ratio), funk, dub, electronica and found sounds. In interviews, Gordon has cited James Brown, Can, Herbie Hancock, Weather Report, the Art Ensemble of Chicago and the ECM catalogue. (Well, Lascelle, where’s the ECM catalogue here?!) Another minor quibble: the ending comes all too sudden and would work better with some looped infiltration from the „Heavenly Music Corporation Inc.“ by the likes of Fripp & Eno. Nevertheless: kudos to a sophistcated mesh-up of British jazz-psychedelia! Great music for indoor sports at nighttime.

 
– written by M. Engelbrecht (most of it) and P. Jones (a little bit of it)

 

 

2020 27 Juni

Siebenundzwanzig Sechs Zwanzig

von | Kategorie: Blog | | Comments off

 

Die vielen kleinen Details, die zwar im Moment wahrgenommen, aber erst hinterher wichtig und leuchtend werden: der über der Strasse aufgehängte Kronleuchter; der Schaukasten ebenda, der eine Retrospektive mit Filmen mit Hans Lothar ankündigte (und für deren Besuch ich dann gerne noch in der Stadt geblieben wäre). Die durch einen Türsteher gesicherte Karaokebar zwei Strassenecken vom Hotel entfernt – der uns dann prompt am Abend den Eintritt verweigerte. Der Waschsalon, in dem wir auf einen Kaffee sassen, da haben die Waschmaschinen und Trockner eigene Namen bekommen. Die Bahnunterführung neben dem Hotel, bei der der Umbau nun endlich Gestalt annimmt und mich immer an das „Railway Hotel“ von Mike Batt denken lässt. Die Rückfahrt nach Hause, bei der ich versehentlich in den falschen ICE stieg und mich beim nächsten Halt dann in Berlin-Spandau wieder fand.

 

 

 

When I was hospitalized last year, for some days, after a heavy allergic response on Castellani‘s powder, I had arranged an interview with Bill Callahan on his album „Shepherd in a sheepskin vest“ – he would record it by himself, and send it to someone from Drag City who would send it to me. So i was sitting in front of the big and slightly intimidating Aachener Klinikum, evening time, and finally, after twenty minutes, I had him on a phone. It was a good talk, I remember his warm baritone voice coming from Austin, Texas. He didn‘t get it right with the technical side, so it had simply not been recorded, and our talk was lost. Never mind, nice divertimento, and an awesome double album. (m.e.)

 

2020 27 Juni

Japanese Jewels (15): Green

von | Kategorie: Blog | Tags:  | | 2 Comments

Kaum ist das Lieblingswerk des Japaners Hiroshi Yoshimura seit 1986 zum ersten mal wieder aufgelegt und damit außerhalb Japans überhaupt zum ersten mal erhältlich, hat Green es zu recht hier schon zum Reissue-Album des Monats geschafft. Der 2003 verstorbene Yoshimura gehört zu den Ambient-Pionieren Japans, ein Inspirator und Förderer von Kankyo Ongaku, der japanischen Version von Ambient music. Er schrieb Bücher über die Geschichte der Ambient music, über Soundinstallationen und über Tempelglocken. Bereits 1973 trat er mit umgebungsbezogenen Klangkunstinstallationen an die Öffentlichkeit und produzierte in Folge einige Alben. Sein Debütalbum Music for Nine Postcards dürfte den Lesern dieses Blogs ja auch schon bekannt sein.

Bei Green geht es nicht um frühe ökologische Klangverkompostung, sondern viel mehr, wie in Yoshimuras gesamtem Werk um shizukesa, was sich nur annäherungsweise als subtiles Konglomerat von Heiterkeit, Gelassenheit, Ruhe und Stille verstehen lässt und seine weiteren darin verborgenen Nuancen sich am besten beim Hören erschließen. Die Titel spielen alle mit dem Phonem „ee“, das hier eine besondere Anziehungskraft auf ihn ausgeübt haben muss. Wenn Green im Sinne von Grün auf diesem Album eine Bedeutung haben soll, dann am ehesten in einer von anderen Musikern nahezu unerreichten Natürlichkeit des Klangflusses, der sich ganz langsam und selbstverständlich in den lang gestreckten Miniaturen entfaltet. Und ja, es gab einmal eine etwas längere amerikanische Ausgabe, die einen Mix mit Naturgeräuschen und Field recordings darbot, der sich aber dem Klangerleben eher abträglich erwies, weswegen es erfreulich ist, dass jetzt die Originalversion wiederveröffentlicht wird. Yamaha‘s DX7 war gerade neu verfügbar und ähnlich wie Brian Eno war Hiroshi Yoshimura von den klanglichen Möglichkeiten dieses Instruments fasziniert und lotete diese gründlich aus, ohne dabei in der schlichten Leichtigkeit und Unbefangenheit der Musik die Klischee- oder Kitschfallen der üblichen esoterischen Sülze mitzunehmen.

Der Opener Creek beginnt mit hypnotischen und perkussiven Arpeggios, nicht weil das erste Stück eines Albums etwas mehr Drive haben sollte, sondern mehr um den Hörer in seiner bewegten und bisweilen hektischen Welt ganz organisch abzuholen und in die Stille zu führen. Mit feinsten Lautstärkewellen wird die Downregulation gebahnt, die sich dann in Feel über schwebenden Drones mit darüber perlenden schimmernden Synthesizerklängen entfaltet. In Sheep geht es mit aufsteigenden Melodielinien von bestechender Einfachheit, denen gelegentlich sanft metallische Klänge zur Seite gestellt werden ans Schafe zählen, um dann bei Sleep in angenehmen veränderlichen Klangfarben, die scheinbar ganz zufällig und unbefangen, von kleinen Pausen durchsetzt aufeinander folgen, in oneiroiden Zuständen die Orientierung zu verlieren und sie auch gar nicht wiederfinden zu wollen. Der Titeltrack spielt schwerelos mit einer einfachen Melodie, die einfach und völlig reduktionistisch durch den Raum schwebt. Er erinnert mich ein bißchen an einen ergreifenden Moment, wo mir eine psychotische Pianistin an einem späten Sommertagsnachmittag ganz leise und verhuscht, wie aus einer anderen Welt Chopinstücke ganz wunderbar in das warme Licht der Abendsonne vorspielte. Irgendwie jenseitig und seltsam frei von irdischen Bindungen. Feet erfüllt dann mit harfenähnlichen Patterns, die durch leise, pointilistische Pianoklänge durchwebt sind den Raum, in dem dann Street wieder etwas Erdung mit Bassakzenten anbietet und dabei die klassische DX7-Flöte, die in den 80er Jahren auf keiner Esoterikplatte fehlen durfte, erklingen lässt, was eine nahezu pastorale Atmosphäre schafft. Zuletzt erklingt Teevee (TV!) wie die Musik zu einem Filmabspann, die einfach nur sagen will: Das hast du doch alles nur geträumt, du hast dich virtuell verloren, nur dass die Farben jetzt ein bisschen intensiver leuchten und die Alltagstaktung in Zeitlupe davonschwebt. Musikalisches Microdosing.

 
 

 

2020 25 Juni

borders and bindings

von | Kategorie: Blog | | 3 Comments

 

During the last days and weeks I discovered some songs of Carlos Santana, which probably may be assigned to the topic of mainstream, but I don´t mind. Since I meanwhile have to transfer nearly every song I like into my own guitar-playing, a new way of listening has developed over the years, which admittedly has something addictive about it. A good song always introduces itself as a binding and as a border as well – in it´s unknown structure and in the sense that you can’t play everything you´re listening to immediately. But the analytical ear is trained over time and that’s a good thing, because you can’t always rely on these quickly available online chord sheets. One example is a lockdown session with Carlos, John and Friends that made me want to anticipate and participate. What damn kind of lick is that in minute 0:15? I want to own it, play it, keep and eat it, digest it in my system. The chords are quite simple but this kind of music shows the meaning of the correct counting time. One of many meanings of the Blues. Like Wolfram once wrote: every Manafonist has to find his own subject. Well, this songdiving thing is mine.

 

 

Discourses ist das dritte Pianosoloalbum von Jon Balke, das einmal mehr Manfred Eicher produziert hat. Zum Klang des Flügels gesellen sich des öfteren manch fremdartige, sorgsam ausgewählte Sounds. Der Klavierklang verliert seine reine Autonomie. Mit all den auf Prägnanz zielenden Kompositionen – nichts ufert aus oder verliert sich in einem poetischen Nirvana – geht erstaunliche Luftigkeit daher. Das Album fesselt vom ersten Ton an. Alle Magie hat ihre ganz alltäglichen Begleitphänomene. Solche Geschichten gefallen mir immer wieder.

 

„Es gab viele spezielle Situationen im Studio in Lugano, die meisten drehten sich um die Arbeit – intensives Hören, kurze Kommentare. Stille. Die Sache ist die, dass das Aufgehen in der Musik und die Konzentration enorm sind. Aber das erste, was mir in Erinnerung kommt, ist, dass ich Manfred eine Menge Schweizer Münzen schulde. Nach der Landung, oder auch früh morgens, ging ich stets gleich ins Studio, ich bekam es nie hin, mein Geld zu tauschen. Und jedesmal, wenn wir eine Kaffeepause machten, nahe den Toiletten, ausserhab des Studios, ist der Raum mit all den Kaffeemaschinen, hatte ich nie passende Münzen. Ein ums andere Mal öffnete Manfred seine Geldbörse und besorgte mir den Kaffee. Das passierte wieder und wieder, und mit der Zeit machte es mich doch etwas verlegen. Also schulde ich ihm tatsächlich eine Menge Kaffee. Wir hatten so viele gute Gespräche dort, während wir an den hohen Tischen standen und unseren Kaffee tranken, aus kleinen Plastikbechern.“


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