Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 25 Jun

Klangzauber und Kaffee

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 1 Comment

 

Discourses ist das dritte Pianosoloalbum von Jon Balke, das einmal mehr Manfred Eicher produziert hat. Zum Klang des Flügels gesellen sich des öfteren manch fremdartige, sorgsam ausgewählte Sounds. Der Klavierklang verliert seine reine Autonomie. Mit all den auf Prägnanz zielenden Kompositionen – nichts ufert aus oder verliert sich in einem poetischen Nirvana – geht erstaunliche Luftigkeit daher. Das Album fesselt vom ersten Ton an. Alle Magie hat ihre ganz alltäglichen Begleitphänomene. Solche Geschichten gefallen mir immer wieder.

 

„Es gab viele spezielle Situationen im Studio in Lugano, die meisten drehten sich um die Arbeit – intensives Hören, kurze Kommentare. Stille. Die Sache ist die, dass das Aufgehen in der Musik und die Konzentration enorm sind. Aber das erste, was mir in Erinnerung kommt, ist, dass ich Manfred eine Menge Schweizer Münzen schulde. Nach der Landung, oder auch früh morgens, ging ich stets gleich ins Studio, ich bekam es nie hin, mein Geld zu tauschen. Und jedesmal, wenn wir eine Kaffeepause machten, nahe den Toiletten, ausserhab des Studios, ist der Raum mit all den Kaffeemaschinen, hatte ich nie passende Münzen. Ein ums andere Mal öffnete Manfred seine Geldbörse und besorgte mir den Kaffee. Das passierte wieder und wieder, und mit der Zeit machte es mich doch etwas verlegen. Also schulde ich ihm tatsächlich eine Menge Kaffee. Wir hatten so viele gute Gespräche dort, während wir an den hohen Tischen standen und unseren Kaffee tranken, aus kleinen Plastikbechern.“

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1 Comment

  1. Michael Engelbrecht:

    Mehr zu „Discourses“ in meiner Ausgabe der JazzFacts im Deutschlandfunk, am kommenden Donnerstag, den 2. Juli, zwischen 21.05 und 22.00 Uhr. Auch zum Cover wird Jon Balke dann etwas erzählen.

    In der Sendung stellt Karl Lippegaus ein reines Pianosoloalbum vor, von Benjamin Moussay, und Thomas Loewner berichtet von der Zusammenarbeit des polnischen Marcin Wasilewski Trios mit Joe Lovano. Ein kleiner ECM-Schwerpunkt also.

    Hinzu kommen zwei faszinierende Alben des afroamerikanischen Pianisten Aruan Ortiz (Intakt Records) und des kubanischen Trompeters Ambrose Akinmusire (Blue Note). Sowohl Aruan wie Ambrose zapfen uralte Tradionen ihrer Heimat an.

    Darüber hinaus gibt es eine Buchvorstellung (von Niklas Wandt), und die Lektüre machte mir im Vorfeld grosse Freude: David Rothenbergs „Stadt der Nachtigallen“ ist bei Rowohlt erschienen.

    Soweit ich das Programm überschaue: überall Klaviere und Nachtigallen!

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