Manafonistas

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2023 11 Mai

early morning haiku

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Über den Wohnblocks
kreisen die Wucher-Geier
und fordern Mietzins.

 
 

[man nehme sich ein blatt papier und ziehe mittig vertikal einen trennstrich: der erste schritt zur dialektik hin. jung und alt, hip and square, links und rechts: weil ich arm bin, bist du reich. am nächsten sonntag wird in der türkei gewählt: liberal oder reaktionär. der paternale erdogan schiesst sich auf die queer-szene ein. norbert bolz bricht eine lanze für den alten weissen mann. die gentrifizierung schreitet voran. in frankreich brennt es auf den strassen. der deutsche michel fügt sich geduldig]

 

2023 10 Mai

Die Sache mit dem Flash

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Die Erde wird auch
ohne uns überleben.
Wir nicht ohne sie.

 
 

[Das war eines meiner ersten Haikus, #40. Es kam mir morgens beim Joggen in den Streuobstwiesen zwischen Niederhöchstadt und Kronberg. Es ist eher untypisch, weil keine direkte Beobachtung. Aber es war schon so eine ganz kleine Erleuchtung und die Tatsache, dass es irgendwie in die 17 Silben passte, hat mir große Freude gemacht. Im größeren Stil angefangen habe ich übrigens mit dem Schreiben von Haikus während meiner ersten Fastenwanderung auf dem Jakobsweg von Beelitz (südlich Berlin) nach Leipzig im Februar 2020, als noch nicht ganz klar war, was Corona genau bedeuten würde. Seitdem bin ich von den Dingern nicht mehr losgekommen. Sie sind Tagebuch, Wahrnehmungsschärfung, Silbenrätsel, Sprachkonzentrat, Sprachübung, Erinnerungshilfe, Poesie in einem. Und dieser 5-7-5 Silbenaufbau hat auch was Rhythmisches, Musikalisches. Ich spüre, ob die Silben stimmen, ohne nachzuzählen. Ein Tag ohne Haiku ist für mich seitdem ein bisschen ein verlorener Tag. Ein gutes Haiku ist wie ein Flash, direkt ins Gesicht, ohne Umschweife, ohne Filter.]

 

 

 


We sit in Vienna Bar / 
behind the Plattenbauten: the red vermouth is ace. (…) Taiko Saito was mailing me the other day. Would like to meet her, but so busy with the Bundestag journey, the time schedule knows no mercy. I am dreaming of a tea ceremony, a marimba piece in the afternoon (…) 

 

2023 10 Mai

Nothing Else

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Repeatedly I used the term Hördramaturgie er*in / dramaturgy of listening/listeners here as a dynamic view on musical ‚taste‘. Here are two quotes from my liner notes for the new album of the longstanding trio of cellist Vincent Courtois, saxophonist Daniel Erdmann and saxophonist/clarinetist Robin Fincker.

 
 

Music has no denotational meaning. Music has effects on listeners’ mind and soul, mood and imagination instead in a more holistic sense. Those effects can converge or diverge among listeners. Listeners can feel attracted, more or less, by certain tonalities, moods, energies, rhythms, orchestrations, dynamics or specific combinations of those characteristics, and, of course, also by certain musician’s personality as such. These characteristics can evoke specific inner streams, e-motions, mood-states and desire to immerse into the sounds, which can result in a more or less deep impact of the music on listeners’ senses and soul. We are used to speak of a matter of taste then, which is a relevant but a quite static view on the referred process of taking music in. I prefer to say that listeners have their own (inner) dramaturgy when listening to music, be it at different gradations of consciousness. It determines how listeners filter musical input, how they deal with it, how their inner time connects to ongoing musical time, what and how they synthesise and integrate the flow of the music (or not), how hungry or thirsty they get from its magics. 

 

When listeners talk about music they were/are experiencing traces of their inner listening dramaturgy appear (explicitly or implicitly). I started to pay attention to these signs of inner processes and get insight into its varieties. In the liner notes I then tried to formulate something about ingredients of my presumed own dramaturgy.

 

My/your own listening dramaturgy Because I know and appreciate this unit’s music and character I expect music beyond peristaltic progress, beyond a floating iridescent mode or beyond a minimalistic repetitive approach to name a few possibilities. I am eager to hear something with a strong melodic substance emerging from the hidden or undiscovered evidency, balancing on the verge of the expressible and something that gains sense, drive, moving impact and unity by manoeuvres from different angles – all executed with passion, playfulness, economy as well as joy and humour. When listening to “Nothing Else” I felt that all my needs were met, that everything spurred my imagination and deepened my immersion in the music. Also the lightness of these improvisations and at the same time their sharpness and decidedness was something that attracted me. There is something in the music that responds to my desires and offers me something freshly created and new to me. 

 

 

„When an explosion does come along (and there are a couple), it’s a shock and is either brief or carefully resolved: an example of the sort of tactical astuteness characteristic of what will undoubtedly be one of the albums of the year.“

(Richard Williams)

 

 

 

2023 8 Mai

Treasures, indeed

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It’s very interesting that nearly no writer of reviews complaints about RLJ as being someone who choses the comfort zone when doing the American Songbook. i think they feel that there is something else going on than nostalgia. Wrapped up in a book of canonical songs, Rickie Lee Jones offers nothing more or less than existenzial stuff. Jon Dale wrote a perfect last sentence in his Wire review. We have to know when to set knowledge aside!

 

2023 8 Mai

Lankum Live

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Lankum gibt meines Wissens nur ein Konzert in Germany, im Herbst, in Köln. Am 23. November. Das wird in Kürze ausverkauft sein. Wer kann, sollte in den Stadtgarten kommen. Da hat es unser ehemaliger Mitarbeiter Ian McCartney leichter. Früher war ich so oft in Great Britain, seit dem Brexit kommt es mir vor wie eine Weltreise. The Lifelong Day und False Lankum sind zwei Klassealben. Und was einen live erwartet, bitteschön… (m.e.)


YOUR NEW ALBUM IS FUCKING DEADLY!“ schreit eine Stimme aus den Tiefen eines vollen Hauses im Barbican am Donnerstagabend, dem ersten Termin der UK-Tour der Band aus dem Norden Dublins für ihr atemberaubendes neues Album False Lankum.

Wenn Sie das Album anhören, werden Sie in eine Klangwelt eintauchen, die von den organischen Drones der vier Musiker aufgewirbelt wird, die in einer Echokammer epischen Ausmaßes gefangen zu sein scheinen, mit gespenstischen Trommelschlägen und der Stimme von Sängerin Radie Peat in ihrer gespenstischsten und körperlosesten Form, die mehr an Throbbing Gristle aus der Heathen Earth-Ära erinnert als an irgendetwas anderes in der Folkmusik.

False Lankum ist auch das Album ihrer bisherigen Karriere, das von allen Seiten gelobt wird – der ehemalige Pogue Spider Stacey ist ein großer Fan („die beste Irish-Folk-Band, die es seit langem gibt“), und ihr Auftritt im Barbican war dementsprechend aufregend, mitreißend und überwältigend, mit epischen Tracks von False Lankum neben Ausschnitten aus dem ähnlich dröhnenden The Livelong Day von 2019 und dem früheren Old Cold Fire.

Nach einem faszinierenden Eröffnungsset mit Loops, Live-Musik und Dub-Einflüssen des Tara Clerkin Trios eröffnete Radie Peat eine epische Darbietung von „The Wild Rover“. Die Band reihte sich auf einer dunklen Bühnenplattform auf, die Brüder Lynch flankierten die beiden Enden, die alten Schulfreunde Peat und Cormac MacDiarmada standen in der Mitte, und hinter ihnen beugte sich der Schlagzeuger John Dermody über die wohl größte Trommel, die je auf einem Schlagzeug zu sehen war.

Peats Stimme ist ein Wunder, das bei „The Wild Rover“ von einer dünnen, zerbrechlichen Geige und Daragh Lynchs exquisit gespielter Gitarrenbegleitung unterstützt wird, bevor sich die Schlange in der Musik zu erheben beginnt und die Klanglandschaft zu einer tiefen, aufwühlenden Tonlage verdichtet, die so dunkel wie Teer ist. Und das Publikum bricht in wilden Applaus aus, als Dermody zum ersten Mal die große Trommel anschlägt.

Ian Lynch übernimmt die Führung bei „The New York Trader“, einer treibenden, eindringlichen, unaufhaltsamen Geschichte über einen Mörder, übernatürliche Kräfte und eine Reise der Verdammten, die am Ende durch die exzellente Soloarbeit von Ian Lynch und MacDiarmada an Pipes und Fiddle sowie Peat an der Konzertina besiegelt wird.

An einer Stelle ergänzt Peat ihren Gesang und ihre Akkordeonarbeit, indem sie mit ihren Zehen ein paar Töne auf dem Harmonium zu ihren Füßen spielt, während Ian Lynch Pfeifen, Whistle, Drehleier, Konzertina und Keyboards sowie den Gesang bedient und MacDiarmada bei der exquisiten und eindringlichen Kinderballade „Lord Abore and Mary Flynn“ von der Geige und Bratsche zur Gitarre und zum Leadgesang (mit Peat) wechselt.

Es ist ein weiterer epischer Höhepunkt des Sets, ebenso wie die wilde Instrumentalattacke von „The Pride of Petrovore“. Hier gleicht Lankums Musik einem verkohlten, zerfledderten Marsch unruhiger Seelen durch eine Klanglandschaft, die von den Gespenstern von Goyas „Disasters of War“ gezeichnet ist, und während die sanfteren Gruppenharmonien auf Cyril Tawneys Klassiker „On a Monday Morning“ dazu beitragen, die Temperatur der musikalischen Spannungen im Spiel zu senken, schließt das Set mit einer der größten und intensivsten Gesangsdarbietungen, die jemals diesen Konzertsaal zierten – Radi Peat führt unbegleitet durch False Lankums gewaltigen Opener „Go Dig My Grave“.

Wie kann man darauf reagieren? Nun, wie wäre es mit einer stehenden Ovation des lautesten und wildesten Publikums, das ich je im Barbican erlebt habe, und einer dreistimmigen Zugabe, die mit „Bear Creek“ endet, einem wilden Melodienreigen, der einem Großteil des Publikums unter die Haut geht, das aufsteht, wild tanzt, mit den Armen um sich wirft und generell durchdreht. Ich glaube nicht, dass es ein Barbican-Publikum wie dieses gegeben hat. Aber es gibt auch keine andere Band wie Lankum.

 

(Tim Cumming, übersetzt von Manafonistas )

09. Mai 2023

Buchhandlung Weltenleser, Oederweg 40, Frankfurt am Main
Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei
Eine Veranstaltung der deutsch-ibero-amerikanischen Gesellschaft e.V.

Veranstaltungslink

 

Geraldine Gutiérrez-Wienken (Heidelberg) und Martina Weber (Frankfurt) geben einen Überblick über die venezolanische Lyrik des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Politik prägt den Alltag so stark, dass sich viele Dichter:innen aus Venezuela damit auseinandersetzen. Aber sie tun es auf sehr verschiedene Art und Weise. Rafael Cadenas verbindet das Existenzielle mit dem Geheimnis des Lebens oder der Mystik. Jacqueline Goldberg betreibt Ahnenforschung und widmet sich mit einer vom Zen geprägten Haltung der Pflege eines Möbelstücks. Adalber Salas Hernández floh nach New York City und dokumentiert von dort aus die Zerstörung seines Landes. Néstor Mendoza hat ein Langgedicht als Countdown gestaltet. Anhand dieser und anderer Beispiele machen Geraldine Gutiérrez-Wienken und Martina Weber die Themen und Schreibweisen venezolanischer Lyrik erlebbar und anschaulich. Den Schmerz, aber immer auch die Lebenstrategien in finsteren Zeiten.

 

 
 

Die im Vortrag vorgestellten Gedichte finden sich in folgenden Publikationen:

 

Zehn Dichter aus Venezuela. Ausgewählt und übersetzt von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Martina Weber, in: poet nr. 21, literaturmagazin, herausgegeben von Andreas Heidtmann, poetenladen verlag, Herbst 2016 (Bezug über https://www.poet-magazin.de/poet21.htm)

 

Noch bleibt uns das Haus | Aún nos queda la casa. Lyrik aus Venezuela. Aus dem venezolanischen Spanisch von Nico Bleutge, Carolin Callies, Geraldine Gutiérrez-Wienken, Rainer René Mueller und Hans Thill. hochroth Heidelberg, 2018 (Bezug über https://www.hochroth.de/5399/noch-bleibt-uns-das-haus-lyrik-aus-venezuela/)

 

Jacqueline Goldberg: Ich bin nicht, was ich sage | No soy lo que digo. Aus dem venezolanischen Spanisch von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Martina Weber. hochroth Heidelberg, 2020 (Bezug über https://www.hochroth.de/6064/6064/)

 

Néstor Mendoza: Sprengkopf. Aus dem venezolanischen Spanisch von Michael Ebmeyer. hochroth Heidelberg, 2020 (Bezug über https://www.hochroth.de/6038/nestor-mendoza-sprengkopf/)

 

Rafael Cadenas: Klagelieder im Gepäck. Aus dem venezolanischen Spanisch von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Marcus Roloff. Parasitenpresse, Köln 2019 (Bezug über https://parasitenpresse.wordpress.com/2018/06/17/rafael-cadenas-klagelieder-im-gepaeck/)

 

Adalber Salas Hernández: Auf dem Kopf durch die Nacht. Aus dem venezolanischen Spanisch von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Marcus Roloff. Parasitenpresse, Köln 2021 (Bezug über: https://parasitenpresse.wordpress.com/2021/08/12/adalber-salas-hernandez-auf-dem-kopf-durch-die-nacht/)

 
 

2023 7 Mai

Auswanderermusik

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Das Teatro Leal ist ein prãchtiges Konzerthaus in La Laguna auf Teneriffa. Das Interieur hat vorzeigbare Wand- und Deckengemälde aus den Anfãngen des 20. Jahrhunderts. Die Logen sind golden umrahmt und öffnen sich zur Bühne hin. Hier konnte ich jetzt zwei Konzerte besuchen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Die Venezuelanerin Josefina Alemán eröffnete den Konzertreigen. Mir war klar, dass das Haus ausverkauft sein würde. Es würde den Ausgewanderten und Zurückgekehrten zwei Stunden Heimat bieten. In den 50/60er Jahren des letzten Jahrhunderts hatten sehr viele Kanaren ihre Inseln verlassen. Asseln hatten ihre Felder leergefressen, die Hungersnot war groß. Es hieß: Das einzige Produkt, das noch erzeugt wurde, war der Selbstmord. 1951 erhob der Gouverneur Civil von Teneriffa ein Dekret, das das Erlangen der Auswandererdokumente erleichterte, schãtzungsweise emigrierten in diesen harten Jahren mehr als 300000 Insulaner nach Venezuela, Kuba, Argentinien oder Kolumbien. Es gibt immer noch alte Frauen auf El Hierro, die mir erzählen, dass ihre Männer ausgewandert seien und sie nie wieder etwas von ihnen gehört haben. Oder manche sind nach vielen Jahren zurück in die Heimat gekehrt und wurden selbstverständlich von ihren Ehefrauen aufgenommen. Diese dulden den monatlichen Scheck, der nach Übersee zu den dort neu gegründeten Familien geht, mit bravouröser Toleranz. Die jüngeren Latinos, die wegen der korrupten Regierung in Venezuela hierherkommen sind, würden sich nicht mehr so geduldig verhalten. Für mich sind sie eine Bereicherung. Sie sind Fußball verliebt, tanzen und singen gut. An ihren Empeñadas kann ich mich nicht sonderlich erfreuen, aber an der Herzlichkeit, wie sie sie anbieten. Josefina Alemán gehört zu dieser Generation. Sie kommt in ganz großer Garderobe auf die Bühne, natürlich auf goldenen Highheels. Sie hat eine beeindruckende Stimme, gewaltig wie die Wasserfälle in ihrer Heimat. Sie singt, tanzt, lacht, stellt uns ihre Überraschungsgäste vor, es sind die besten Sänger von den kanarischen Inseln. Sie hat alle eingeladen, auch ihren Bruder, ihre Mutter und ihre beste Freundin, auch aus Venezuela, auch Sängerin. Die beiden Frauen sind sehr zärtlich zueinander, sie singen gemeinsam ihre Themen: über zerrissene Liebe, Sehnsucht und Heimweh. Und natürlich singt das Publikum längst alle Lieder mit. Mir gehen solche Kollektivgefühle jedesmal unter die Haut. Ein bisschen südamerikanische Verve, Samba, Rumba, Joropo oder Salsarhythmen täten der kargen 8 Hüpftonleiter der el pito herreńo gut. Ich gehe sehr beschwingt mit meiner kolumbianischen Kunstsammlerin hinaus in die Nacht, entlang an der ausgetrockneten Lagune.

Am nächsten Abend begegnete ich einem anderen Auswanderer. Ich hatte ihn schon auf El Hierro im Zusammenspiel mit Torsten de Winkel gehört. Unvergesslicher Auftritt. Er ist Tinterfeńo, der viel in der Welt herum emigrierte, um immer wieder auf seine Geburtsinsel Teneriffa zurückzukehren. Kike Perdomo stellte sein neues Programm “Friendship” im Leal vor. Kike ist ein weltbekannter Saxophonist, Flötist, Komponist, Filmmusiker, vereint Jazz mit Flamenco, ein umtriebiges Wesen, das mit seiner Musik und seinem Spirit viel bewegt.

Das Teatro Leal war an diesem Abend nicht ausverkauft, es hatte harte Konkurrenz, ein Latinomusikfestival spielte nebenan Open Air. Kike eröffnete das Konzert mit einem fetzigen Saxophonsolo, das einem die Ohren öffnete, weil das Trommelfell rotierte. Ein junger Gitarrist an seiner Seite gewann immer mehr meine Aufmerksamkeit. Erstaunlich, mit welcher Fingerfertigkeit er die Saiten bediente, dazu das Mitgehen seiner Gesichtsmimik. Wow, Jimi Hendrix alive. Kike erzählte, dass er Nico schon seit seinem 5. Lebensjahr kennt und ihn schlichtweg für den besten Gitarristen auf den Kanaren hält. Durch das fröhliche Orchestrieren verbreitete Kike eine heitere Stimmung auf der Bühne, die leider nicht ganz das Publikum erreichte. Nach 80 Minuten exzellenter Musik, auch der Klavierspieler, der andere Gitarrist und der Drummer, alles tolle Musiker, gab es keine Zugabe, aber sehr anhaltenden Applaus.

 
 


 
 

Dieses Mal gingen wir beglückt hinaus in die Nacht. Ich fragte meine Freundin, seit wann die Lagune ausgetrocknet sei. Wie schnell mein Kopf schon wieder frei war.

 

2023 7 Mai

Nicht, dass sie mich gleich einkassieren!

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Da ich noch etwas Zeit habe, bis Mr. Stunning den fantastischen Boxset der Vinylediton meiner mutmasslichen „Platte des Jahres“ in Händen hält, „Echoes“, vom Fire! Orchestra, habe ich bei einem Griechen in der Nähe ein klassisches Gyros vertilgt, und, weil es hier so waldig ausschaut, etwas Parkähnliches gesucht, und gefunden. In unmittelbarer Nähe ist ein Düsseldorfer Klinikum, und gerade marschierte ein unsinniges Zeug brabbelnder Mann an mir vorbei (die Syntax erinnert mich an die Erzählung „Club Sandwich“, aus „Roter Himmel“!) Nicht, dass das hier die Psychiatrie ist, und ich gleich einkassiert werde, nur weil ich das Schild „Zutritt nur für Patienten und Ärzte“ salopp ignoriert habe. Die Wege und alten Häuser wirken so einladend.

Also: mir ist ein interessanter Fehler unterlaufen in meinen JazzFacts. Und zwar, was das Fire! Orchestra betrifft. Erst hörte ich eine  Berimbau im Lauf dieses zweistündigen Trips über sechs Schallplattenseiten, die aber nicht ausgewiesen war im Begleitheft. Dann steltte sich heraus, dass es der grossartige Veteran Bengt Berger ist, der die Exotika von Herrn Gustafssons Opus magnum bedient, und ich sprach in der Sendung dann von der Doussn Gouni, und der Mbira, dem afrikanischen Daumenklavier. Letzteres gibt es aber wohl gar nicht zu hören, vielmehr eine Guimbri, ebenfalls von dem Mann gespielt, der einst „Bitter Funeral Beer“ für ECM aufnahm, mit Don Cherry an seiner Seite, glaube ich. Ausgerechnet eine Guimbri, also Joshua Abrahms‘ Herzensinstrument in seiner Natural Information Society. Der Fehler sei hiermit korrigiert. Und dennoch ist da doch auch eine Berimbau zu hören, oder?!

Das Publikum und die Hunde, die an  mir vorüberziehen, werden immer absonderlicher. Ich mache mich mal besser aus dem Staub. Na ja, noch ne Viertelstunde. (Jetzt kam noch eine Lady und wollte mir ihre Töpferwaren zeigen, „um die Ecke“. Ich habe freundlich abgelehnt. Und dann stakste noch eine aufgebrezelte sonnenbebrillte Blondine in Ledermontur vorbei. Um mit dem Herrn der FILMANALYSE zu sprechen (running gag): hier gibt es viel zu sehen, und viel zu schauen! 

 


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