Manafonistas

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2024 14 Feb

Romanische Kirche I

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Für Ursula: Ich stelle gerade fest, dass die erste Kirche auf meiner heutigen Wanderetappe die romanische Kirche von Mörshausen aus dem 12. Jahrhundert war. Ich habe das gar nicht so richtig registriert. Sie ist die älteste Kirche im Altkreis Melsungen. Heute evangelisch. Innen habe ich einen Pilgerstempel in meinen Pilgerausweis gestempelt. Es war recht dunkel dort, so dass ich die große Attraktion der Kirche, den Schmerzensmann, eine gotische Säule, nicht gesehen habe. Allerdings gibt es ein Bild in meinem Pilgerführer. Er sieht recht harmlos aus, hat die Arme über der Brust verschränkt und ein kurzes Höschen an. Ein Bild im Internet finde ich nicht.

 

2024 14 Feb

Winterspaziergang

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Ich bin seit Freitagabend auf dem knapp 200 km langen Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg unterwegs. Auf dem Weg jede Menge Kirchen, Kunst, Natur und natürlich auch Menschen, zumindest an den Etappenzielen. Darüber und vieles mehr schreibe ich etwas und klebe ein paar Bilder rein in mein Fastenwandertagebuch. Wer Lust hat, mir virtuell zu folgen, ich würde mich freuen. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich übrigens entschlossen, hier weiter mitzumachen. Gemeinschaftsblogs sind einfach eine tolle Sache und ich möchte gerne weiter zu diesem Gedankenaustausch beitragen.

 

2024 11 Feb

Ein Rückblick auf 2023

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Das Jahr 2023 war spannend und es ist viel passiert. Nicht nur hier auf dem Blog, sondern auch in der Kulturwelt. Es entstanden viele wunderbare und innovative Klänge und Ideen, so dass ich hier nur eine kleine, sehr subjektive Auswahl präsentieren will, von denen aber jedes Album, jedes Buch eine besondere Rolle für mich gespielt hat. Besonders berührt hat mich Ryuichi Sakamoto’s 12 als letzte Skizzen, die doch so vollendet erscheinen, vor seinem Ableben. Immer wieder habe ich über ihn geschrieben und er war musikalisch ein wichtiger Begleiter über wenigstens vier Jahrzehnte. Seine Musik hat mir das Tor zur japanischen Pop- und Ambientmusik mehr geöffnet als jeder andere japanische Musiker.

Von meiner Bestenliste will ich drei Alben noch einmal besonders hervorheben: Da ist einmal die englische Percussionistin Bex Burch, die mit ihrem überwiegend in Chicago eingespielten Debütalbum ein beeindruckendes und sensibles, tiefgründiges Werk vorlegt. Dann ist da Volker Bertelmann a.k.a. Hauschka, der mit Philantropy seinen schon auf früheren Alben eingeschlagenen Weg in der Arbeit mit präparierten Konzertflügeln eine höchst eigenwillige Musik zu kreieren konsequent fortsetzt. Man hört hier die jahrelange Erfahrung in der Produktion von Filmmusik, für die er ja auch 2022 einen Oskar (Im Westen nichts Neues) erhielt. Seine Klangräume sind bilderzeugender, intensiver, cineastischer, ohne dass die Musik in Eigenwilligkeit und Originalität auch nur die geringsten Abstriche zeigen würde. Wunderbar. Und schließlich gibt es eine Reunion (ich stehe Wiedervereinigungen alter Bands gerne skeptisch gegenüber, weil das Reproduktionsbedürfnis hinsichtlich des alten Oeuvres meist verstörend hoch und die innovative Qualität oft eher bescheiden ist) der Krautrockband Agitation Free, die sich nur mit einem neuen Bassisten und sonst in alter Besetzung, neu erfinden und Raum für die zwischenzeitlichen musikalischen Entwicklungen der einzelnen Bandmitglieder gibt. Ein überraschendes, komplexes und vielschichtiges Album im Flow des Augenblicks – Momentum.

 
 

    1. Ryuichi Sakamoto – 12
    2. Biosphere – Inland Delta
    3. Brian Eno – Top Boy
    4. Bex Burch – There’s Only Love And Fear
    5. Midori Takada & SHHE – MSCTY V&A Dundee
    6. Hans Joachim Roedelius/Arnold Kasar – Zensibility
    7. Vince Clarke – Songs Of Silence
    8. Hauschka – Philantrophy
    9. Agitation Free – Momentum
    10. Fabio Anile/Stephan Thelen – Music For Piano And Strings
    11. Kayhan Kalhor/Toumani Diabate – The Sky Is The Same Colour Everywhere
    12. Ami Dang – The Living World’s Demands
    13. Eivind Aarset & Jan Bang – Last Two Inches Of Sky
    14. The Gurdjieff Ensemble, Levon Eskenian – Zartir
    15. Fred Again.. & Brian Eno – Secret Life
    16. Sonar – Three Movements
    17. The Pitch & Jules Reidy – Neutral Star
    18. African Head Charge – A Trip To Bolgatanga
    19. Raz O’Hara – Tyrants
    20. Nils Økland/Sigbjørn Apeland – Glimmer
    21. Craven Faults – Standers
    22. Sebastian Rochford/Kit Downes – A Short Diary
    23. Alva Noto – Kinder Der Sonne
    24. Kai Schumacher – Tranceformer
    25. Ensemble 0 – Jojoni (Made To Measure, Vol. 49)
    26. Laurel Halo – Atlas
    27. John Cale – Mercy
    28. Peter Kruder/Roberto Di Gioia – “- – – – – – – – – -“
    29. Penguin Cafe – Rain Before Seven…
    30. Trees Speak – Mind Maze
    31. Grandbrothers – Late Reflections
    32. Eraldo Bernocchi/Hoshiko Yamane – Sabi
    33. Lol Tolhurst/Budgie/Jacknife Lee – Los Angeles

 
 

      

 

Dieses Mal muss es aber noch einen Unterpunkt zu meiner Best-Of-Music-Liste geben: Female Voices. Einige bemerkenswerte Alben mit sehr unterschiedlichen weiblichen Stimmen off the beaten Track … von sehr leise und intim über die wunderbare reife Stimme von Dorothy Moskowitz bis hin zu exzentrischen, sehr verwaschenen und unter die Haut gehenden Alben. Und über das Erste wurde hier schon zurecht ziemlich viel geschrieben …

 
 

    1. Arooj Aftab, Vijay Iyer, Shazad Ismaily – Love In Exile
    2. Dorothy Moskowitz & United States Of Alchemy – Under An Endless Sky
    3. Yara Asmar – Synth Waltzes And Accordion Laments
    4. Marta & Tricky – When It’s Going Wrong
    5. Niecy Blues – Exit Simulation
    6. Lucinda Chua – YIAN
    7. Youmna Saba – Wishah
    8. Kate NV – WOW

 

      

 

 

Bei den Reissues machen die Japaner einmal wieder das Rennen, allen voran das Ambient-Album Surround von Hiroshi Yoshimura, der in seinen Liner-Notes vorschlägt, man solle es hören wie Luft, die uns umgibt, in die man eintauchen kann, irgendwo zwischen Klang und Musik, irgendwo zwischen den Geräuschen von Schritten, einer Klimaanlage und dem Klappern eines Teelöffels in einer Tasse. Nur unendlich viel schöner. Und dann mal wieder Ryuichi Sakamoto mit Ongaku Zukan, der Musikenzyklopädie, die als Illustrated Musical Encyclopedia hier im Westen 1984 erstmalig veröffentlicht wurde, damals noch mit einigen anderen Stücken wie Field Works mit Thomas Dolby. Immer noch ein Meilenstein.

 
 

    1. Hiroshi Yoshimura – Surround
    2. Ryuichi Sakamoto – Ongaku Zukan
    3. David Sylvian – Do You Know Me Now?
    4. Satsuki Shibano – Wave Notation 3: Erik Satie 1984
    5. Don Cherry, Dewey Redman, Charlie Haden, Ed Blackwell – Old And New Dreams
    6. Nana Vasconcelos – Saudades
    7. Soft Cell – Non-Stop Erotic Cabaret
    8. Tricky – Maxinquaye (Reincarnated)
    9. Pauline Anna Strom – Echoes, Spaces, Lines

 

 

      

 

 

Schließlich bleibt die Liste meines bevorzugten Lesestoffs im letzten Jahr, wobei ich Metzingers Bewusstseinskultur auch nach kontroverser Diskussion hier auf dem Blog für die wichtigste und bedeutendste Veröffentlichung halte. Doch auch alle anderen Titel berühren Punkte in der öffentlichen und kulturellen Diskussion, die drängend und zum Wohle aller noch möglichst ausgiebig durchdacht und diskutiert werden wollen.

 
 

    1. Thomas Metzinger – Bewusstseinskultur
    2. Kohei Saito – Systemsturz
    3. Manfred Spitzer – Künstliche Intelligenz
    4. Gregor Hasler – Higher Self
    5. Thomas Metzinger – Der Elefant und die Blinden
    6. Helena Barop – Der grosse Rausch
    7. Lisa Feldman Barrett – Siebeneinhalb Lektionen über das Gehirn
    8. Markus Rüther – Sinn im Leben

 

2024 10 Feb

Danke für den Fisch

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Anker geworfen

doch nur vorübergehend

Offene Weite

 

 
 

Einer flog übers Kuckucksnest! Olle Kamelle?

Eher nicht – gestern mal wieder angeguckt. Es geht noch!!

Nach dem 1962 erschienenen Roman von Ken Kesey funktioniert der 1975 gedrehte Film von Milos Forman immer noch, ohne dass sich das graue Gespenst der Langeweile hereinschlängelt. Schon der Titel – eine Zeile aus einem Nonsens-Abzählreim gibt Rätsel auf, wenn man bedenkt, dass der Kuckuck keine Nester baut. Es wird über etwas geflogen, das gar nicht existiert – macht aber Sinn, wenn man bedenkt, dass diese psychiatrische Station auch den Charakter eines Nestes besitzt, in dem verschiedene Kuckuckseier abgelegt wurden, die ursprünglich nicht dorthin gehörten und aus denen dann überwiegend Zombies geschlüpft sind. Cuckoo ist in den USA auch ein Synonym für „verrückt“.

 

Zunächst:

Trotz des genialen Jack Nicholson in der Rolle des charismatischen, nicht zu bändigenden und unwiderstehlichen Tunichtguts McMurphy gehört der Film nicht zu meinen Favoriten – zu viele Klischees, zu vorhersehbar, eindimensionale Typen: Der schlitzohrige Rebell, die fiese Oberschwester Ratched, deren Name schon so kratzig klingt, dass da Mildred auch nichts mehr hilft – und mit einer Frisur, mit der sich problemlos zwei Teufelshörner kaschieren liessen. Dann der dauerschweigende Chief, (der Rezensent von Rolling Stone nannte ihn den Häuptling der Herzen), der verklemmte Stotterer und zahlreiche skurril-sympathische Psychofreaks, die sich temporäre Freiheit erkämpfen und in McMurphy ihren Guerillaführer im Klapsmühlendschungel finden. Eher eindimensionale Figuren als gebrochene Charaktere, eher nahe an der Knallcharge, aber als Team unschlagbar und genial aufbereitet vom Regisseur, der später sogar Mozart vom Joch der Idealisierung befreit und genial gegen den Strich gebürstet hat; (davon später ein Weiteres), der hat sich auf seiner Wolke dann sicher tierisch gefreut, vermutlich sitzt er aber eher in der Hölle bei den interessanteren Leuten – wer würde schon mit Mutter Theresa diskutieren, wenn er Sartre haben kann oder gar Nietzsche, der sieht darüber hinaus auch noch gut aus.

Der Film verstand es, den Nerv der Sechziger- und Siebzigergeneration zu treffen – die Rebellion der Unangepassten gegen ein gnadenlos autoritäres System, im Mikrokosmos einer psychiatrischen Klinik in vitro zu beäugen. Dabei trägt er eine etwas verquere Botschaft: Der Unangepasste wird seines Frontallappens beraubt, der angepasst Schweigende erlangt die Freiheit, weil er die Gunst der Stunde zu nutzen weiss, vielleicht vom Instinkt des Indigenen geleitet. Erweist sich das System also als stärker? Eine reaktionäre Botschaft? Ein kurzes Aufleuchten einer kleinen Freiheit vor der brutalen Niederwerfung?

Im Roman ist der schweigende Häuptling der Erzähler, im Film fungiert er als Folie zu McMurphy, zieht die passive Verweigerung der offenen Rebellion vor und versteht abzuwarten; er entkommt dem Kuckucksnest, begleitet von einem Habichtsschrei – vermutlich dem Triumphschrei seines Krafttiers und verschwindet in den Wäldern. Und er entkommt als einziger; der unreflektiert laute Rebell ist tot.

Lasst nicht die roten Hähne flattern ehe der Habicht schreit – sang Degenhardt 1974 in seiner Ballade von Joss Fritz, dem Bundschuhführer, der immer warnte vor der Hast. Dabei dürfte Forman Degenhardt kaum gekannt haben.

Nun muss Literatur nicht immer politisch agitieren – ich war als Studentin etwas zu lange mit einem radikalen Mitglied einer Marx/Lenin-Gruppe verbandelt, da stossen mir gescheiterte Freiheitskämpfe immer noch sauer auf; die proletarische Revolution hat gefälligst zu gelingen, da kann man keine derart pessimistischen Botschaften in die Welt setzen. Aber Belletristik kann auch einfach Realität abbilden, mit Sprache spielen, eine Geschichte erzählen, ein Psychogramm erstellen.

Was ist das hier also für eine Geschichte?

Zunächst ist der Film ein Männerfilm: eine geschlossene Gesellschaft von Herren mit ihrer spezifischen Spiel- und Witzkultur und ihren Initiationsritualen, alle durchaus sympathisch in ihrem Wiedererwachen hin zu einer neuen Lebensfreude und Widerstandskraft; anrührend auch die temporäre Epiphanie und Mannwerdung von Billy Bibbitt, von der Oberschwester aber rasch wieder gekappt und in den Muttersohnstatus zurückgepfiffen, mit tödlichen Folgen, wie wir sehen mussten.

 
 

 
 

Aber es ist auch ein Männerfilm in der Zeichnung des Frauenbildes, die Frauen – fiese Schwester mit Schleppenträgerin und willige dauerkichernde Prostituierte – dienen eher als fleischgewordene Angst- und Wunschphantasien von Männern und formen sich nicht zu glaubhaften Figuren mit Individualität. Die Oberschwester, der Würgeengel der Psychiatrisierten, kann als Opfer einer verfehlten Personalpolitik gesehen werden – eine Frau eine Station mit schwer gestörten und emotional ausgehungerten Männern regieren zu lassen ist natürlich ein Unding, die kann nur mit Verhärtung und Spiess-Umdrehen überleben.

Ich ertappte mich beim Betrachten als etwas gespalten, mental intellektualisierend und mit eigenen Erfahrungen als Praktikantin in dergestalten Einrichtungen beschäftigt – McMurphy, die Testosteronbombe, hätte mir seinerzeit Angst gemacht; gleichzeitig agierte ich auf der Handlungsebene in der Identifikation mit dem Häuptling: Ich verursachte eine kleine Überschwemmung mit verschüttetem Mineralwasser, es wurde mit einer redundanten Menge an Papiertaschentüchern aufgewischt (der Film endet in einer vom Häuptling verursachten wesentlich grösseren Überschwemmung) und mein Einfall, in Ermangelung eines Putzlappens ein Kissen auf die Wasserlache zu legen, erinnert nun auch sehr stark an die Schlusssequenz.

Das Ende – d. h. die Tötung aus Menschlichkeit am lobotomierten McMurphy durch den Häuptling, der diesen mit einem Kissen erstickt, wurde aus Zeit – oder anderen Gründen von den Mitguckern nicht mehr thematisiert.

Die Frage, was den Regisseur getrieben haben könnte, diesen Roman zu verfilmen, findet vielleicht eine Antwort in Formans Biographie: Seine Eltern waren tschechische Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime und beendeten ihr Leben im KZ Auschwitz, der damals Elfjährige wurde von Verwandten grossgezogen. Als junger Mann erfuhr er, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater war sondern ein tschechischer Jude, so war er selbst doppelt gefährdet.

Der Stoff einer – wenn auch gescheiterten – Revolution gegen ein mörderisches und totalitäres Regime lag ihm sicher von daher am Herzen, vielleicht hat ihn auch eine frühe Rettungsphantasie für die gefährdeten Eltern angetrieben und Miss Ratched wäre sicher eine hocheffektive KZ – Wärterin geworden.

McMurphy und der Chief – einer die Blaupause des anderen – formen den Film auch zu einem Buddy-Movie. Sie lernen sich auf einer kindlichen Ebene kennen, beim Baseballspielen und Kaugummiteilen, und der Chief teilt mit ihm sein grosses Geheimnis, von da ab wirken sie aufeinander bezogen und zusammengeschmiedet.

 

 

Somit handelt der Film auch von Vaterschaft: Der Klinikdirektor ist als Vaterfigur gütig, aber schwach – und durchschaut die Ränkespiele seiner Pflegedienstleitung nicht.

McMurphy versteht es, in einem Haufen geduckter Mitpatienten wieder so etwas wie durchsetzungsfähige Männlichkeit entstehen zu lassen beziehungsweise diese zumindest in den Status eines rebellierenden Jugendlichen zu führen. Der Chief (Veteran aus dem 2. Weltkrieg, den die Demütigung und Landnahme seines Vaters durch Regierungsbeamte depressiv machte) nimmt zum Ende als väterlicher Freund etwas Furchtbares auf sich, um den dahinvegetierenden McMurphy zu erlösen.

Das Mütterliche existiert als Zerrbild, kristallisiert in Schwester Ratched, die niemand aus ihren Klauen lassen kann und das Thema wird verstärkt durch das immer wieder zitierte Phantasma von Billys Mutter, die das genauso wenig erlaubt.

In Werken von Künstlern, die den Vater früh verloren oder ohne diesen aufgewachsen sind, wimmelt es im Oeuvre oft von sich ergänzenden Vaterfiguren unterschiedlichster Couleur. Ich nenne hier Tolkien und die 8 Gefährten, mit denen Frodo Beutlin durch die Lande zog und die unterschiedliche Erziehungs- und Bildungsaufgaben an ihm zu vollbringen hatten, bis ein gestandenes Mannsbild aus dem Kleinen wurde, der dann zwar nicht die Welt, aber zumindest Mittelerde retten konnte. Zu einem Sexualleben reichte es bei ihm allerdings nicht, er verschwand lieber mit Gandalf, Bilbo und Elrond in die nebligen Weiten Valinors, vermutlich zu erneuter romantischer Männerbündelei. Allerdings ist auch die schöne Galadriel mit von der Partie, vielleicht wächst sie ja dann in die Rolle von Schwester Ratched hinein, gottlob hat sie aber ihren Männe Celeborn dabei, der hier hoffentlich Grenzen zu setzen versteht.

Den irdischen Anteil Tolkiens verkörperte der Hobbit Sam Gamdschie, der darauf verzichtete in den Nebel des Unverbindlichen zu entschweben, sondern lieber seine Rosie heiratete, 16 Kinder zeugte und Bürgermeister von Hobbingen wurde. Ob das für Rosie auch genussreich war, ist eine andere Frage.

Tolkien verlor als Vierjähriger den Vater und als Zwölfjähriger die Mutter, war von da ab für den kleinen Bruder verantwortlich, erfüllte also gewissermaßen die Rolle des Seelenhirten und Bodyguards wie sie Sam für Frodo erfüllte.

Ende sidekick!

 

Was mich beim Kuckucksnest zufriedenstellte, war die Rebellion, die meine 68er-Seele erfreute, das nicht nachlassende Kämpfen für ein besseres Leben, der frische Wind, den ein Revoluzzer in ein faschistisches System hineinzublasen versteht, die Hoffnung die er wecken kann. Das greift immer noch!

Passt aber der Film noch in unsere Zeit, in der wir uns doch viele Freiheiten erkämpft haben? Oder ersticken wir jetzt in Anderem, aus dem uns McMurphy vielleicht befreien könnte mit seinem ungebrochenen Spass am Saufen, sinnlichem Sex, Seefahrt, Sport, Streichespielen (wieso geht das jetzt alles mit S an?) und permanenter lustvoller Grenzüberschreitung – am ganz einfachen aber intensiven sinnlichen Leben und Darüber-Begeistertsein, meinethalben nennen wir’s auch das Feiern des Freudianischen Es.

Hat bei Alexis Sorbas auch gut funktioniert – eine ganze Generation bemerkte erst viel später, dass das ein ziemlich egomaner Vollpfosten war – weil er halt so schön am Strand zu tanzen verstand. Der traf auch dauerquatschend und fingerschnipsend den gleichen Nerv.

Greift der Film deshalb immer noch oder würde vielleicht noch besser greifen als früher wenn ihn nur nochmal jemand zur Erprobung desselben in die Kinos bringen könnte?

Dabei hätten wir doch reichlich Freiheiten zu geniessen, zumindest die privilegierten Schichten unter uns. Sogar Gedankenfreiheit haben wir – jetzt bräuchten wir bloss noch die Gedanken.

 

 

David Sylvian singt in einem Song von einer schwarzen Mitternachtsonne. Klammheimlich wurde sie anstelle des Mondes gesetzt, den man gestohlen hatte mit der Folge: alle Magie war verschwunden. Heute morgen las ich, es gäbe jetzt Kakao ohne Kakao, aus Hafer hergestellt. Kaffee ohne Kaffee, Cola ohne Cola, Zigaretten ohne Nikotin. Was macht das Leben lebenswert, sind es Ersatzprodukte? Der österreichische Philosoph Robert Pfaller schrieb sehr viel zu diesem Thema. Eine der wichtigsten Stellen in Die Illusionen der Anderen, einem meiner wichtigsten Bücher, ist tausendfach angestrichen. Ich fand dort vor Zeiten eine Erklärung für ein schleichendes Unbehagen, das meinem Leben lange Zeit anhaftete: es geht um die Identifikation mit einem Ich-Ideal. Aber dieses ist nicht echt und das ist fatal: es verleugnet das Geniessen und es verleugnet das Begehren. Stattdessen vegetiert man in einem aseptisch morbiden Wolkenguckucksheim, in dem dann vorzugsweise Ersatzprodukte Einzug erhalten: billige Sublimationen, die natürlich die Wirtschaft in Gang halten, da ja nun die sündhaft teure Stereoanlage, der überdimensionale SUV den ursprünglichen Wunsch vertreten muss. Jeglicher Bezug zur „Strasse“ ist verloren. Vor vielen Jahren las ich in der TAZ, man solle auf gar keinen Fall seine sexuelle Phantasien unter den Teppich kehren, sie seien doch das Einzige, was hebt. Und der französische Psychoanalytiker Jaques Lacan schrieb, es gäbe nur eine Sünde: sein Begehren zu verraten. Und dies ist auch der Grund, warum mich eine Art zu schreiben anzieht, die mein Interesse weckt: dirty writing. Keine Betulichkeiten bitte, keine Erbaulichkeiten: das Leben ist zu kurz. Return to thrill and reinstall the magic moon instead a boring midnight sun!

 

Meine dreimonatige Residenz am Starnberger See hat inzwischen Fahrt aufgenommen und den ersten Höhepunkt erreicht: ein Konzert zusammen mit Björn Meyer (el. Bassgitarre und Nour Sokhon (electronics, Objekte). Ein Dreiteiler in einer Dreiergruppe und alles zum ersten Mal – eine echte Premiere. Technisch eine groBe Herausforderung, belohnt aber mit gutem Gelingen und schönem Zusammenklang mit dem Publikum. Überraschenderweise kam auch Ingo Biermann, der im Moment in einem Filmprojekt in München arbeitet, zu dem Konzert, sehr schön! 
 
Dreiteiler meint – The concert had three parts
 

  • A primal solo performance by Swiss electric bass guitarist Björn Meyer 
  • A live-remix (in the Punkt tradition) of Björn Meyer’s performance by Lebanese multi-disciplinary artist Nour Sokhon 
  • A common improvisation by Nour Sokhon and Björn Meyer entitled  

 
           “What are you doing here”
 
 


 
 
In all three parts Henning Bolte’s synchronous live-drawing and object manipulation was projected as a visual manifestation of his listening process given shape spontaneously, ex tempore.  

The live-remix (qua defiitionem) started immediately after Björn Meyer’s initial solo performance. In contrast to classical improvisation, a live-remix(er) reacts on a performance in its entirety transforming it according to the remixer’s own reception perspective. 
 
 


 
 
Björn Meyer is a truly extraordinary electric bass guitar player from Switzerland known from his work with Nik Bärtsch’s Ronin, the trio of Anouar Brahem and the trio Amiirah (w/Klaus Gesing and Samuel Rohrer), the bazaarpool and his solo-work on the ECM label a.o.. 

 

Young Lebanese artist Nour Sokhon has gained reputation through her work with Ensemble Modern and contributions to a.o. Huddersfield Festival (UK), Punkt Festival (Norway) and Gaudeamus Festival (NL) a.o. as well as cooperation with Onassis Stegi (Athens) and Henie Onstad Centre (Oslo). She studied Fine Arts in Dubai and Sound Design in Glasgow and brings in a special quality of electronic and acoustic, rough and sweet. 

 

Henning Bolte is a visual artist, music critic, music organizer and linguist from Amsterdam. He has been engaged in live-drawing work at a great variety of European festivals, documented in many exhibitions (a.o. Wroclaw, Katowice, Rotterdam, Kalicz, Heidelberg, Parma, Saalfelden, Dortmund). He also works with the drummers Sun-Mi Hong and Sofia Borges, bass clarinetist Fie Schouten and vocalist/cellist Sanem Kalfa. 
 
 


 
 
The concert presented higher technical demands, especially for the remix and the projection. Happily the Munich venue SCHWERE REITER, where also dance and theatre performances take place, was able to cope with it. As a speciality, the sound engineer in our case was Zoro Babel, a striking name that immediately evoked memories of a for me significant ECM album of the past “Cosi lontana … Quasi dentro” with a great cover and line-up (Markus Stockhausen, Fabrizzio Ottaviucci, Gary Peacock). There is a longer interesting story behind it. 
 
 

 
 
The picture on top shows the pulse of the music and the trio in action at SCHWERE REITER in Munich. The other pictures show some more details of the performance. 
 
 

 
 
P.S.

My last contribution in 2023 dealt with the extraordinary vocalist Sunny Kim from Melbourne and her album “Liminal Silence”, apparently a new name for Manafonistas. As in the case of earlier contributions of mine last year there was not much reaction or intrinsic interest. It caused increasing disorientation and as a consequence slowed down my efforts. I became aware that my work follows different dynamics and and a different focus such that I did feel less and less connected to the flow of the blog. 

 

I am grateful that I got the possibility twice to contribute to this blog for a longer period and have been involved in enriching disputes. I learned a lot and enjoyed and learnt a lot. This post about my Munich residency also indicates that my activity meanwhile has been shifting more to performing and to exchange and discussion about it. That’s why I decided to stop contributing to Manafonistas. 

 

Thanks for all inspiration, encouragement, discovery and new insights. Keep writing, exchanging resourcefully and smiling friendly. Good luck! 
 
 


 
 

Am Freitag, den 23.Februar, wird im Dortmunder Domizil eine Ausstellung meiner live drawings eröffnet:

 

HÖRWEGE/OHRBILDER

 

Ich werde zur Eröffnung improvisierend zeichnend mit dem Bassisten Antonio Borghini in wechselseitigen Austausch treten. 

 

Während das letzte Blatt von Momos eigener Stundenblume abfiel, begann mit einem Mal eine Art Sturm. Wolken von Stundenblumen wirbelten um sie her und an ihr vorüber. Es war ein warmer Frühlingssturm, aber ein Sturm aus lauter befreiter Zeit.

Michael Ende

 

An einem stürmischen Februarmorgen verstarb kürzlich der Sozialphilosoph Oskar Negt, ein Kind der Stadt Hannover. Er kam mir einmal auf dem Bürgersteig der Bödekerstrasse entgegen und machte schon von weitem Eindruck: klein von Statur, wirkte er dennoch gross, trug eine Welt in sich. Aufrecht zugewandt, mit offenem Gesicht, nickte er mir leicht zu, wie einer, der es gewohnt ist, dass man ihn kennt. Dennoch fühlte ich mich seltsam geehrt, beflügelt. Ich erinnere mich an sein Gespräch mit Alexander Kluge, fand es bemerkenswert und gut, dass ein Sozialist auch seinen Heidegger parat hat. Sein Buch Arbeit und menschliche Würde hatte ich mehrmals vergeblich zu lesen begonnen: es ist komplex und anspruchsvoll, voller geschichtlicher Bezüge. Aber das Kapitel „Der Zwangszusammenhang von entfremdeter Arbeit, Freizeit und Faulheit“ ist sehr konkret. Man könnte es als einen argumentatorischen Gegenpol zu den beständigen Polemiken gegen faule Arbeitslose lesen, wie sie immer wieder herrschaftsträchtig instrumentalisiert werden von all den Sarrazins, Lindners und Merzen. Aber auch von Gerhard Schröder, einem Freund Oskar Negts aus alten Tagen, der ja bekanntlich meinte, wer nicht arbeite, solle auch nicht essen. Sollte etwa der verbrecherische Putin essen, Genosse Gerd, der abertausendfach blutjunge Männer im Angriffskrieg verheizt? Denk nochmal drüber nach – ansonsten mach dich vom Acker! Im letzten Kapitel seines Buches bezieht sich Oskar Negt auf Michael Endes Buch Momo. Zeitdiebe gibt es in vielen Formen: Werbung, Propaganda, idolisierende Identifikationen, Fliessbandarbeit und all jene Jobs, in der sich Menschen im Dienste des Profits aufreiben, um dann letztlich durch Maschinen, Robotik und künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Oskar Negt hatte einst bei Adorno studiert. Man sollte nicht davon ablassen zu fragen, was denn das Falsche sei im sogenannten wahren Leben. „Kritisches Denken“ könnte man das nennen, es geht mit der Neugier einher und dem Verdacht, dass nicht alles genauso abläuft, wie es einem vorgegaukelt wird. Jede Philosophie beginnt mit dem Stellen einer Frage, im Grossen wie im Kleinen. Wie gesagt, Oskar Negt war gross.

 

 

          

 
 
 

Der englische Maler William Turner wird darstellerisch der Epoche der Romantik zugerechnet, eine Kunstströmung, die sich gegen das Zeitalter der Aufklärung und dessen sich formenden naturwissenschaftlichen Dogmen und ihren Pragmatismus stellte, der auch in der Malerei seinen Niederschlag fand. Dort herrschte nun der Realismus, das Darstellen von Dingen wie sie waren. Die Porträtmalerei reüssierte, fast bis zu einer fotografischen Detailtreue. Für Turner scheinen die Dinge keine Rolle zu spielen beziehungsweise in nur einer Hinsicht. Ihn interessiert ihr Verschwinden, ihre Auflösung – oder auch nur ihre Veränderung unter dem Einfluss der gestaltenden Kräfte Licht, Nebel und Perspektive, die sie modifizieren, umformen, zurücktreten oder ganz verschwinden lassen. Turner malt, was davon zurückbleibt und schafft dadurch eine neue Welt, in denen die Kräfte, die das Sichtbare gestalten, ihrerseits deutlicher sichtbar werden. Wie Monet schienen ihn weniger die Dinge und ihre Realität zu interessieren, sondern das, was das Licht daraus zu machen versteht. Vielleicht ein Hinweis an die Aufklärer, die sich dem Greif- und Berechenbaren verschrieben haben, auf eine transzendente, energetische oder spirituelle Sphäre, die die dreidimensionale Welt mitgestaltet, bis wir sie nicht wiedererkennen. Ich nenne es: Der Farbe ihre Freiheit zur Entfaltung lassen: das Gegenständliche hinterlässt nur noch eine Spur.

 
 
 

 

 
 

Irgendwie ist mir heute anscheinend nach Stabreim.

Die von mir gerne so genannten Impacts beziehungsweise „ikonischen“ Szenen fungieren als eine Art Logo und Erkennungszeichen für einen Film oder ein ganzes Genre, sozusagen eine auf eine Szene eingedampfte Kurzfassung des Films – für Conaisseure der Filmwelt sofort identifizierbar oder in anderen Filmen als Zitate verwendet (heute heisst es, der Regisseur habe zitiert, früher sagte man geklaut).

Sei es nun das durch die Bauchdecke brechende Alienbaby, der göttlich leuchtende Zeigefinger, die Herren, die den Damen das Fliegen lehren – eine Orgasmusmetapher – das Heilige und das Dämonische Auge in Auge: visuelle Anker, geeignet auch für Filmplakate und Marketing.

Akustische Anker wären Zitate wie „Irgendeiner wartet immer“, seinerzeit der schönen Claudia Cardinale an den Kopf geworfen, die den lonely rider zum Bleiben animieren wollte (und „Sweetwater wartet auf Dich!“ flötete), der aber Besseres zu tun hatte oder das zumindest vorgab. Hier weist der verbale Impact zurück auf einen Mythos: Den bindungsunwilligen West- oder Seemann, der die wilde Prärie oder das wilde Meer verlockender findet und die narzisstische Verschmelzung mit diesen Objekten und ihren Gefahren sucht, bei denen er sich männlicher fühlen kann als bei der wildesten Frau. Der Mann auf der ewigen Flucht vor der Verbindlichkeit und vor allem der Verletzlichkeit. Der Film hätte nicht mehr funktioniert, wenn die beiden sich um den Hals gefallen wären, so bleibt die tragisch-melancholische Färbung bis zum Schluss aufrechterhalten: never touch an archetypus!

In der Originalversion war’s etwas hoffnungsvoller formuliert: „I hope you’ll come back sometime! – Sometime!!“ Da könnte noch was kommen … bin gespannt, wann einer auf die Idee kommt, ein Sequel zu drehen. Bei Vom Winde verweht hat’s ja auch geklappt, da wurden wir in den Achtzigern dann mit Roman und Serie Scarlett gequält und selbstverständlich haben sich Scarlett und Rhett noch gekriegt und dann kam noch ein Buch der ganzen Geschichte aus Rhetts Perspektive und jetzt noch eines aus der Sicht der kleinen schwarzen Prissy, der Kammerzofe von Scarlett mit einem IQ knapp über der Körpertemperatur – das hat die Welt offenbar noch gebraucht um sich wieder heile zu fühlen. Bloss nix offen stehen lassen … vielleicht kommt ja noch Der Gynäkologe von Scarlett bricht jetzt sein Schweigen …

Ikonen beinhalten immer eine Beziehungssituation und einen gewaltigen Schlag Grandiosität obendrauf, sei es der Löwe auf dem Königsfelsen aus der Untertanen-Frosch-Perspektive, das Liebespaar im Höhenrausch, die bereits jetzt unermessliche Zerstörungskraft eines Alienbabys in seinem Wirtskörper oder der Zusammenprall von Natur und Kultur durch den Monolithen im Reich der Primaten, (dessen Rolle während des gesamten Films nicht klar wird, aber andererseits die Handlung vorantreibt, ebenso wie der Schlitten mit der Aufschrift „Rosebud“ in Citizen Kane. In der Filmwelt nennt man diese Gegenstände „Mcguffins“).

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

Impacts haben etwas Bombastisches, dem man sich schwer entziehen kann. Aber es können auch Szenen ikonisch werden, die die Grandiosität aufbrechen oder parodieren, wenn beispielsweise gerade John Travolta – ein netter sidekick – tut, als könne er nicht tanzen. Für die Tanzszene aus Pulp Fiction hat seinerzeit jeder Saturday-Night-Fever-Fan seine sämtlichen Videos in die Tonne getreten.

Oder wenn der aufblasbare Globus zerplatzt und der verzückte Diktator darob in Tränen ausbricht. Manche Zitate infiltrieren als dauerhafter Input unser Alltagsleben – etwa der unsterbliche Satz von Ranger (Schuh des Manitou) am Marterpfahl hinüber zu Abahachi am jeweils anderen Marterpfahl, er wäre „mit der Gesamtsituation unzufrieden“.

Von I’ll be back und Ich will genau das was sie hatte gar nicht zu reden. Oder seit einigen Jahren Chantal, heul leise! Im Genre des Heiteren werden optische Grandiositäten eher zu akustischen Zitaten, die statt Grandiosität Coolness und understatement verbreiten. Bei näherer Betrachtung verschmelzen aber diese Highlights und entpuppen sich als Wandel der Zeiten: Coolness ist die neue Grandiosität, der flotte Spruch beim Töten oder Sterben ist bei den neuen Helden unabdingbar geworden, Lässigkeit gegen Pathos, von letzterem waren wir offenbar seit John Wayne und Gary Cooper so übersättigt, dass neue Helden hermussten. Gebrochene Helden, Underdogs, schräge Figuren, Cyborgs mit Sixpack und Pokerface und andere abgebrühte Herrschaften, die überhaupt nichts zu kratzen schien und die beim Sterben nicht Adios amigo und Grüss mir mein verdammtes Mexiko oder Sag Juanita, dass ich sie liebe stammelten sondern mehr etwas wie Wie ich es hasse, immer recht zu haben oder Der alte Sack da droben will mich anscheinend sprechen oder gleich Hasta la vista, Baby! Obwohl es seit einigen Jahrzehnten genug weibliche Heldinnen gibt, kommen die bekanntesten Coolsprüche aber aus männlichem Mund – ausgenommen die erwähnte ältere Dame, die im Cafe beim Kellner einen Orgasmus bestellte. Ein weiblicher Impact, bei dem es mal nicht ums Töten und Sterben ging, sondern um lebensfreundlicheres Branding.

 
 

 


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