on life, music etc beyond mainstream
2023 1 März
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments
2023 28 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
ROOTS REGGAE IM LEUCHTTURM
Es gibt eine Handvoll Platten, die ihren Platz in meinem Jahresrückblick schon sicher haben, aber ich überlege mir gut, wann ich sie höre, in welchen Stimmungen, in welcher Tageszeit, in welcher psychischen Verfassung. Das betörende Singspiel von Marc Hollander und Veronique Vincent (bien sûr, une aventure!), Mette Henriettes Driftstudien, Stephan Micus‘ Meditationen, der heilige Gral des Philadelphia Underground anno 1972 (Khan Jamals Creative Arts Ensemble (s. unsere Kolumne From The Archives – ein Dankeschön an die Freunde von Aguirre Records! Jetzt bringt bitte noch das Album des Human Arts Ensemble mit violettem Cover und Lester Bowie raus!) Das sind Alben, bei denen es etwas Geduld, oder einige „spins“ brauchte, bis ich in ihren Bann geriet. Aber dann: i‘m in! Grower sind das.
Aber es gibt auch Platten von vergleichbarer Klasse, die sind so unmittelbar, so sehr „meine Musik“, dass sie Begrenzungen von Zeit und Stimmungslage auf Anhieb überwinden, und mir morgens im Wintersonnenlicht genauso nah kommen, wie nachts zu Scotch & Candlelight. Kein Mainstream, aber genauso allgegenwärtig. Nachmittags mit zugezogenen Vorhängen. Draussen im Wald. Im Leuchturm nahe Brest auf Kopfhörern (neulich mit Count Ossie im Ohr, Wahnsinn!) Der Unterschied zu den Erstgenannten: überall, wenn Musik Abenteuer ist, gilt es, eins Schwelle zu überschreiten, einen anderen Raum zu betreten, aber bei einigen „adventures in vinyl“ ist man, kaum hat man den ersten Ton gehört, schon dort, hinter dem Spiegel, im fremden wie ureigenen Terrain. Der Pfeil hat schon ins Schwarze getroffen, bevor er abgeschossen wurde. Der „Sunny Afternoon“ Effekt! Ja, der Song, nicht die Sonne.
LUCRECIA UND JON
Es passiert SOFORT. Und Irrtümer sind keinesfalls ausgeschlossen. Aber selten. Meine Liebe zum Reggae ist mir letztlich genauso unerklärlich wie meine Faszination zu den Landschaftsräumen Englands und Schottlands. Ganz trennscharf verlaufen diese Linien nicht, und ein Grower kann mit der Zeit einer „instant love affair“ leicht mal den Rang ablaufen, aber, mhmm, you know what i mean… (es ist wie in der Liebe, haha) … im letzten Herbst wurde die letzte Platte von Lucrecia Dalt zu einem schleichenden Grower (mit anfänglich schwankenden Bewertungen), Dan Lanois‘ Player, Piano war (im Vorfeld war ich eher skeptisch) Liebe auf den ersten Ton. Beide bilden jetzt ein perfektes Paar. Dennoch: Lucrecia braucht Abendlicht, Dan geht immer.
PSYCHOGEOGRAPHIE DER NECKS
In diesem jungen Jahr ist diese Liste des auf Anhieb Absolut-Unwiderstehlichen allerfeinst und durchaus überschaubar: die violette remasterte Fassung der „Tales Of Mozambique“ von Count Ossie and The Mystic Revelation of Rastafari (entstanden 1975(!), als Doppelalbum, endlich habe ich eine gute Pressung!), die zwei Vinylausgaben von Jon Hassell (s. from the archives), sowie das Doppelalbum „Travel“ von The Necks. Erstaunlich, vier Doppelalben! (Die ersten Doppelalben meines Lebens waren wohl Third von Soft Machine, und Live At The Fillmore East, von der Allman Brothers Band. jede Seite ein Burner.)
Die vier plus/minus zwanzig Minuten währenden Stücke „Signal“, „Forming“, „Imprinting“, und „Bloodstream“ enthalten all das, was Necks-Magie so unerschöpflich macht. Noch immer öffnen sie, nach über dreissig Jahren, jene berüchtigten neuen Horizonte, in denen Dejavu und Unerhörtes in nie vorhersehbaren Mustern begegnen. (Ups, der Satz kommt ins Radio.)
Aber es ist nicht so, dass der Conoisseur hier auf seinem sweet spot hockt und fortlaufend verständnisinnig grinst – nein, bei all diesen Platten findet Abtauchen und Versenkung statt, und auf dem finale furioso des Doppelalbums „Travel“, stelle ich auch schon mal die Frage: „was ist denn hier los?“ In seiner langen Besprechung des Albums bringt Richard Williams etwa Klarheit in diesen langem Showdown des Doppelabums:
Auch im letzten Stück gibt es eine Menge Blues. Die Geschichte der Necks umfasst eine Reihe von Konzerten in Kirchen, bei denen die dortigen Pfeifenorgeln zum Einsatz kamen. Die majestätischen Töne eines solchen Instruments bilden die Eröffnungsfanfare von „Bloodstream“, zu der sich überraschende Gospelphrasen des Klaviers gesellen, wobei Abrahams den Soul-Funk-Stil der 60er Jahre von Jazzpianisten wie Bobby Timmons und Les McCann kanalisiert. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Kombination von Orgel und Klavier ein Grundnahrungsmittel der schwarzen Kirchenmusik war, bevor sie über Procol Harum (Matthew Fisher und Gary Brooker) und The Band (Garth Hudson und Richard Manuel) ihren Weg in den Rock fand; dies ist eine ausgedehnte Erkundung ihrer Möglichkeiten, wobei das Klavier immer blumiger und die Orgel immer himmlischer wird. Swantons Bass sorgt für einen dröhnenden und dröhnenden Hintergrund, während Buck rollende Gewitterwolken und gelegentliche Blitze zu einem weiteren Stück beisteuert, das nie in ein reguläres Metrum fällt.
IN THE JUNGLE
POSTSCRITUM / TIME TRAVEL – Writing about double albums, here‘s another one, UNFOLD, by The Necks. 2017. It’s a dream world, and it’s a jungle. The working methods change as do the places to be. As I said, we’re in the jungle this time, and it’s not mighty. Not mighty at all. More Walt Whitman than Walt Disney.
They are three, but they sound like a tribe on this double album, vinyl only. Every side of „Unfold“ covers one original composition, and as different as they are, from mood and air and heat, it’s still jungle time. Everyone will get lost there, get lost in his own favourite undergrowth, favourite power spot and favourite outpost.
The percussion man seems like a bunch of percussionists. Branches and leaves and squelchy rain drumming. The keyboards can easily be drowned in these textures of high density, but a clearing is going to happen from time to time. The bass is a bass in the wilderness, sends signals, heartbeats, and farewells.
Those searching do not always find, but the Necks discover a lot in their thrilling modus operandi of getting, well, lost, turning the old piano trio format upside down again and again. I asked Chris Abrahms about his favourite live jazz album, that springs to mind without too much thinking, and here it comes: „Live At The East“ from Mr. Pharoah Sanders, from the Impulse label, from the wild 70‘s. Not a double album, by the way, but with a piano player who never stopped stunning The Necks‘ keyboard master, Joe Bonner!
An unsung hero.
IM WALD MIT GEISTERN UND AKSAK MABOUL
POSTSCRIPTUM 2: Gestern traf ein Werk (die CD hatte ich bereits von den Brüsselern, im Vorfeld meines virtuellen Interviews, aber nun traf das Vinyl ein!), das meine Teenagerlust an Hörspielen neu entfacht. Seltsam, dass mir diese Welt ein wenig anhanden kam über die Jahre, aber – und wir reden hier von einem Grower par excellence – dieses „Singspiel“ von Aksak Maboul bietet alles, um fremde Horizonte zu erkunden. Dem Doppelalbum (!) und seinem verzweigten, tollkühnen Genregemisch liegt auch ein etwas grösser formatiertes Textheft bei. Ein surreales Hörspiel der Extraklasse. Jetzt bin ich gespannt, was Marc und Veronique mir darüberhinaus erzählen werden. (s.a. album of march)
2023 24 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 3 Comments
Als Kind an der Nordsee, da fesselten mich
die kleinen Leuchttürme, mit Kerzenlicht befeuert,
so sehr wie die grossen in der Ferne. Neben Bernstein
ragten sie in winzige Kinderbuchhöhe, märchenwahr
für jede Dämmerung. Das war viele Jahre,
bevor ich Dave Liebman und seine Lookout Farm
in Michael Nauras Jazzradio hörte, mal live,
mal von Platte. Näher noch rückte all das,
als ich heute morgen mit fünfzig Prozent Winterrabatt
diesen kirmesbunten Kinderringelpulli
im Wind schaukeln sah – out of season –
und in einem Laden voller Meeresfundstücke
lauter Schwarzweisspostkarten von Kurpromenaden
in mattem Glanz funkten und funkelten.
2023 23 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
Symphony No.2 “Resurrection” / Otto Klemperer conducts the Phillharmonia Orchestra and Chorus Symphony No. 2 / Released (and sold out): Early January 2022 / Stereo LP x 2 – Catalogue Number. ERC071-72. Only 300 copies of each were sold. ERC does not undertake a repress of any of its releases at any future point.
2023 23 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Tags: Book Of Beyond, Numün, review | 1 Comment
Holmes, Mellin and Romero are drifters. The new album of the New York trio Numün opens with „beyond“, electronic and acoustic sounds entangle before a pulse clears the field from the quite high frequencies, a calm campfire groove starts, for a while – they know how to take breaks all along the way. Simple. But beautiful.
The vinyl has the colour blue („blue is the colour of the room where i will live“ echoes of my thinking brain), and this album surely works fine in a spacey evening ambience, with a fireplace, a window with a view, candles. „steps“ is the second track, and it‘s nice again, how the balance of mellow spheres and soft rhythms draws you into the music. Gentle does it.
Think of new age without pathos and „rosarote schwärmerei“, and the chamber music of Nunün fits well. „sideway“ wins over you with eastern drones and a western guitar: appalachian peace music, so to speak, greetings from John Fahey (and my sofa of free associations). Never too dense, this track is multi-layered, the percussion (tabla?) enters from the horizon, comes a tiny bit closer, never taking center stage. Pastel colours all around.
The last track of side 1, „eyes open“: Trina Basu enters on violin. Ah, this band obviously has a knack for mellow pulses. A touch of gamelan without cross rhythms. Easy to understand, that this music is connected with the broad stream of so-called „spiritual music“. I call it „horizontal music for the open mind“.

The second side opens with „vespers“. A bit of cowboy melancholia filling the space (daydreaming a wooden bench, an american veranda, a warm summer evening, simple as that). Be careful to call this tasty. There are these higher tones swirling around (higher and higher)! For friends of Popol Vuh, Numün is a winner, calm and polite.
Oh, soft breathing (murmuring) follows at the beginning of – sic! – „voices“. The „indian violin“ of Trina Basu again… vocals „enchanted style“, I add with a smile. Nearly groovy. A strain of Ambient Americana, carefully executed.
„lighter“, the penultimate track: we get a feeling for magic‘s structure: a bit of „kling klang“ followed by a guitar that prepares the ground, makes the dust dance (the details sharper now, dear reader, happens when tuning in more and more). Quite elementary percussion, uplifting. Modern mood music – impressive how Numün stays away from grand gestures without turning breathing quietness into precious prayers. Fine again, how, from a distance, a special melodic figur approaches on silent feet before being dissolved into texture again.
A music full of warm welcomes, no need ever to turn up the volume.
The record‘s finale: „lullaby“. I like the overall atmospheres, the mellow approach. The constant presence of higher frequencies may be their way to look „beyond“. The music wins in fact (I just did it) when turning down the volume. I feel seduced by this ending (i want it to stay just a little bit longer). Is that birdsong?
Okay, I start again. side 1. Listening to „beyond“: with the volume 4 db down, and the softsoftsoft pulse, i am calming down even more, have to smile, when Mr. Campfire calls the night in , the birds, the fireflies, the apparitions. (Haha, with words, I’m a free floater!) By the way i speak all my words into the air, meaning, into a machine that translates spoken words in written language. Ladies, gentlemen, howling dogs and singing ghosts, I’m grooving in. No more words, i think i‘m in. A lovely affair. Dream territory. Cerulean blue vinyl.
2023 22 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 2 Comments
Seine Karriere begann, als er Bert Jansch im Cafe Royal begleitete. Bald darauf schickte er John Martyn eine Single, der davon so angetan war, das er diesen damals völlig umbekannten James Yorkston mit auf eine grosse Tournee nahm. Nun, so viele Jahre später, und nach dem Tod seiner beiden Vorbilder aus früher Zeit, zählt er selbst zu den bedeutendsten Folksängern Grossbritanniens. „Yorkston has become a truly masterful lyricist, forever suggesting intimacy and revelation through forensic detail while leaving the wider picture nicely fuzzy.“ Er sitzt daheim in seinem Studio und erzählt. Er setzt sich ans Klavier, er erinnnert sich an eine Szene in einer Kneipe in Dundee, er erzählt, wie aus dem Stoff der Lyrik Lieder entstehen, was seine neue Lust am Klavierspielen ausmacht. Zwischendurch erklingen (sagen wir mal, aus einer Jukebox) „Sunny Afternoon“ von den Kinks, und der berühmteste Song von The Clash. Nicht verkehrt, nach dem Anhören des neuen Albums mit dem Second Hand Orchestra aus Schweden, wieder mal den Kinofilm „Absolute Giganten“ anzuschauen. Der Song „Peter Paolo Van der Heyden“ wäre perfekt für den Abspann gewesen, hätte dieser nur vier Minuten länger gedauert.
Ich habe gestern zum ersten Mal eine halbe Stunde Gregor gehört in dem „Piratensender“ aus Stuttgart. Darin stellte er die neue Arbeit von Van Morrison vor. Er ging nicht näher auf die Songs ein und warf ein paar Schlaglichter auf die Vita des „Meisters“ (OTON). „Ich frage mich, ob Van Morrison je eine schlechte Platte gemacht hat.“ Das sagte er auch. Ich knüpfe mal daran an. Seine letzten beiden Platten waren gut gefüllt mit Verschwörungstheoretikerunsinn und auch musikalisch sehr quängelig / nölig. Ziemlich schlechte Platten. Aber generell gibt es von Van Morrison tatsächlich nur sehr wenig Fades. Viele Platten von ihm präsentieren seine tolle Stimme, eine gute Band, aber selten ging er über Grenzen, selten gelang ihm etwas, das an seine grossen Alben herankam, an das alte Feuer. Und dazu muss man prinzipiell nicht jung sein. Think of Cohen or Cash. Fast immer scheint mir in den letzten Jahrzehnten ein hoher Nostalgiefaktor dabei zu sein. Ein Programm. In diesem Simme überzeugt „Moving On Skiffle“ durchaus, und der Kollege von Mojo versetzt in seiner 4-Sterne-Besprechung das Finale des Albums geradezu in „astrale Höhen“. Tatsächlich ist es das fesselndste Stück dieses Werkes, aber, ähem, lassen wir die Kirche im Dorf. Musik zum Seele-Baumeln-Lassen 😉. 3 Sterne von mir, und die Empfehlung sich mal (wieder) den herausragenden Film „Belfast“ anzusehen – Van Morrisons Songs passen da perfekt und gehen, auch im Kontext der bewegten Bilder, unter die Haut. Und dann ging ich mal seine Diskografie durch, um das letzte Album ausfindig zu machen, dem ich ohne zu zögern, vier Sterne geben würde. Weil es meinen alten Cd-Player von Akai länger in Beschlag nahm: Hymns To The Silence, 1991. Am besten sind hier die Songs, in denen die Räume und Häuser der Kindheit und Jugend ihre Dämmerung behielten. Letzteres ist in diesem Jahr ganz wundervoll Sebastian Rochford und Kit Downes gelungen auf „A short history (of loss)“. That said, my three all time favourites from Mr. Morrison are ASTRAL WEEKS, VEEDON FLEECE, and IT‘S TOO LATE TO STOP NOW. Seine kreativsten Jahre waren die zwischen 1968 und 1981. COMMON ONE wäre bei mir wohl (ganz sicher) Nummer Vier.
2023 20 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 10 Comments
The two reissues from Analogue Productions sound marvelous: music that never grows old, and audiophile excellence throughout to enhance the power of sound: „Lady In Satin“ was a favourite Billie Holiday album for Robert Wyatt, and „Blues In Orbit“ is a classic in Duke Ellington‘s broad discography – the background story of this night session was once brought to new life from Julio Cortazar in a wonderful short story. Numün‘s „Book of Beyond“ comes from the new old strain of American Ambient with a touch of Oregon (the band), and Jon Hassell‘s „Living City“ (another fantastic sounding set) mixes Hassell‘s urban dreamscapes, in passages, with the wilderness of the Brasilian jungle. One word about the sound quality of the recordings: apart from being a very good pressing, these vinyl editions of the two Hassell albums are magnificent, soundwise – the details, the sound stage, the horizon: 10 of 10, and no degree less than the excellent Analogue Production remasters of Ellington and Holiday. The sound and the mood (transported) are so, sorry for the word, immersive that there will be people who start loving Hassell here, with these albums, by the power of sound only. No doubts about it, one night music that would make this meeting of spirits close to perfect: „Charlie Parker plays Bossa Nova“ (Riverside 23-4211).
2023 18 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | Comments off
Dass ich die Romane von James Lee Burke sehr schätze, ist bekannt. Bevor ich mich dem jüngsten Streich zuwende, „Angst um Alafair“, habe ich in der Bretagne und daheim einen seiner berüchtigt „dicken Schinken“ verschlungen. „Keine Ruhe in Montana“ aka „Swan Peak“. Analog zur Ambient Music ein Pageturner, der auch langsames Lesen belohnt. Nach den verheerenden Ereignissen des Hurrikans Katrina in New Orleans haben sich der Cajun-Polizeidetektiv Dave Robicheaux und sein unberechenbarer Ex-Partner Clete Purcel zum Fischen in die atemberaubende Landschaft des Bitterroot Valley in Montana zurückgezogen. Doch Burke kann nicht zulassen, dass diese beiden Charaktere in einer friedlichen Welt existieren, und es dauert nicht lange, bis sie in die Ermittlungen zu dem brutalen Mord an zwei jungen Studenten verwickelt werden, der nur einen Steinwurf von ihren Ferienhütten entfernt begangen wurde. Wie immer ist Clete Purcel ein natürlicher Anziehungspunkt für Probleme, und diese kommen in immer stärkeren Wellen. Burke hat es verstanden, einen roten Faden durch die verschiedenen Handlungsstränge zu spinnen, und wenn er beginnt, alles zusammenzuziehen, erhöht sich die Temperatur durch die Verdichtung auf ein fast unerträgliches Niveau. Zusammen mit Burkes Fähigkeit, sich in die eindringlichen Landschaften hineinzuversetzen, die er mit so viel Liebe und Leidenschaft beschreibt, bestätigt dies einmal mehr seine Stellung als einer der besten amerikanischen Schriftsteller. Übrigens ist die Cover-Ästhetik amrikanischer Kriminalliteratur oft grottenschlecht. Pendragon liefert da erfrischende Alternativen. Nicht immer finde ich die deutschen Titelgebungen gelungen, aber die Cover, wie in diesem Fall, um so öfter. Privater Soundtrack zum Buch: Daniel Lanois: For The Beauty Of Wynona. Labradford: Fixed:Context. Johnny Cash: American Recordings 4. Bruce Springsteen: Nebraska. Nima Simone: Nina at the Village Gate. Lambchop: The Bible. John Lee Hooker: Burnin’. Und sowieso die Musik, die im Buch vorkommt.
2023 13 Feb.
Michael Engelbrecht | Filed under: Blog | RSS 2.0 | TB | 1 Comment
Lucy und ich sind nicht die einzigen, welche The White Lotus, Staffel 1, fünf Sterne gegeben haben. Here we go again. Es ist ein Beweis dafür, wie gut die erste Staffel von „The White Lotus“ war – das Drehbuch, die Mischung aus Krimi und bissiger Satire, die Darsteller, die Regie, die großartigen Aufnahmen selbst unter Lockdown-Bedingungen -, dass so viele Szenen unvergesslich sind, und dass man kaum weniger zu entdecken bekommt beim erneuten Sehen. Jetzt ist der Schöpfer der Show, Mike White, mit einer weiteren sorgfältig ausgewählten Gruppe überprivilegierter Gäste zurück. Diesmal werden sie vom Personal – und von Sexarbeiterinnen – des White Lotus Hotels auf Sizilien statt auf Hawaii betreut, und Whites wachsames moralisches Auge gilt eher der Sexual- als der Rassenpolitik. Der Schreibstil ist so dicht und vielschichtig wie immer, die Handlung ist tadellos und die Sympathien – oder Abneigungen – des Zuschauers dürfen nie zu lange an einem Ort verweilen. Die Figuren mögen dazu da sein, sich zu entspannen, aber White ist keiner, der sein Publikum entspannen lässt. Auch hier fünf Sterne. Ich glaube, Jochen ist ebenso Teil des Fanclubs. Jetzt muss mir nur noch jemand verraten, wie man an der Amalfiküste gut unterkommen kann, dann buche ich sofort. Ich kann ja nicht immer nur in der Bretagne Solitaire spielen.LM / ME (Amazon Prime)