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Archives: März 2023

2023 3 März

Aus dem Reich der Abgründe

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Zu ihrem 125. Geburtstag veröffentlicht die Deutsche Grammophon legendäre Aufnahmen in höchster Klangkultur: Die neue audiophile Vinyl-Serie The Original Source präsentiert herausragende Aufnahmen der 1970er Jahre in ganz neuer Klangqualität. Dafür haben die renommierten Emil Berliner Studios die originalen Vierspur-Bänder mit eigens für die Produktion der Serie entwickelten Technologien in 100% analoger Qualität (AAA) neu gemastert und geschnitten. Die klanglichen Unterschiede zu den Originalveröffentlichungen sind beträchtlich: Größere Klarheit, mehr Feinheiten und Verbesserungen im Frequenzgang, zugleich weniger Nebengeräusche, Verzerrungen und Komprimierungen ermöglichen ein audiophiles Hörerlebnis wie nie zuvor.

Auf 180g Vinylplatten und in einer Deluxe-Gatefold Edition mit Originalcovers und -texten werden die Exemplare dieser Serie limitiert und nummeriert veröffentlicht. Begleitet werden sie von zusätzlichen Fotos und Faksimiles der Aufnahmeprotokolle und Bandkartons, außerdem erklärt ein Beitrag die genauen technischen Hintergründe.  (DGG HQ)

Mahlers 5. zum Beispiel, aus dem Reich der Abgründe. (m.e.)

(VÖ, 2.6.2023 – ab jetzt vorbestellbar bei der DGG)

 

 

WHISPERS & CRIES

at Kreativfabrik Wiesbaden 24-2-23

Sanem Kalfa (cello, vocals, electronics), Sofia Borges (percussion, electronics, field recordings), Henning Bolte (live art work projection)

 
 

This were two fully improvised sets. There were only two prior decisions: that we would start with an already finished art work of mine as point of departure and that we should work with paper percussion in the second set. Sofia is such a good and complete percussionist, I was completely blown (away)! Sanem is a musical angel flying into areas of unknown shimmering shades and a master of ‘integrating’ surrounding sound and noise in natural, organic way. I feel blessed to work with these two maîtres musical and for sure we want and will continue.

 
 

Ein Bilderbogen

©️Frank Schindelbeck

 

 

 

 

 

 

point of departure

 


 

2023 2 März

Zaubern können

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In den Träumen, die ich erinnerte, gab es zwei Sequenzen, die sich häufig wiederholten: zum Einen die Panik, kurz vor dem Abitur völlig unvorbereitet zu sein und der schockierenden Tatsache gegenüberzustehen, nicht ein einziges Mal in all den Jahren meinen Hausaufgaben selbst gemacht zu haben und nun gnadenlos geprüft zu werden. So muss Odysseus sich gefühlt haben in so mancher Meeresenge. Meistens war der folgende Tag die deadline, es gab also nichts aufzuholen. Ähnlichkeiten mit realen Vorkommnissen sind nicht rein zufällig: ein Prüfer meinte mal, da habe wohl der „liebe Gott“ mitgeholfen. Summa summarum fand man sich so manche Nacht senkrecht, schweissnass und hellwach im eigenen Bettgemach, sortierte sich dann aber recht schnell: „Huiuiui, nochmal gutgegangen!“. Ganz das Gegenteil dies: mittels Autosuggestion konnte man fliegen, konnte jeder Bedrohung flugs entweichen und das mit grosser Lust. Man hob ab, nur bei nachlassender Gedankenkraft verlor man an Höhe. Der Wunsch zu fliegen ist ja ein menschlicher Archetyp. Ich hatte den Traum jetzt lange nicht mehr, nicht nur diese Potenz schien sich abzuschwächen, irgendwann aus irgendwelchen Gründen. Was aber bis heute bleibt, ist eine Verwandtschaft zu jenem Erleben, dass in den flow von Wahrnehmungen führt. Man muss den Sprung vollziehen, weg vom begrenzten Tellerrand. Dann stellt man mit Erstaunen fest: das Leben wird trotz kurzzeitiger Perspektiv-Verengungen plötzlich wieder zum reizvollen Parcours. Es ist wie auf dem Jahrmarkt: „Schau mal dort, und hier will ich noch rein!“ Dabei verliert und gewinnt man sich zugleich. Es ist so einfach, wie die Simple Minds es singen: „First you jump, then get wings.“ Der Soziologe Dietmar Kamper schrieb dazu: „Das Leben lebt nicht. Man muss zaubern können.“ Und der unvermeidliche Martin Heidegger sprach vom Rettenden, das bei Gefahr stets mitwächst.

 

In Erinnerung an den Pariser Schlangenclub aus Julio Cortazars „Rayuela – Himmel und Hölle“, ein Roman, so unvergesslich die Lektüre anno 1982, dass ich noch heute ab und zu im dritten Arrondissement auftauche, mit der „Lady In Satin“ von Billie Holiday und „Alone In San Francisco“ von Thelonious Monk in der Papiertüte – neben all dem Mate, und einem im Jardin de Luxembourg frisch gepflückten Blumenstrauss für die Maga. I surrender, dear.


Wäre ich in diesen kalten Tagen in Helsinki und würde ihn gut kennen, wäre die Wohnung dieses finnischen Pianisten eine meiner ersten Anlaufstellen. In seinem Wohnzimmer steht ein Konzertflügel, ein Steinway & Sons B211, 1969 angefertigt in New York. Mit und ohne ein Maqiano (hat er selbst gebastelt) und andere Präparierungen entstand dort eine meiner Lieblingspianosoloalben des 21. Jahrhunderts, „Impressions, Improvisations And Compositions“.

 

Ozella Records ist bekannt für audiophile Schätze, und dies ist mein Favorit von allen Alben, die je bei Ozella, der Firma von Dagobert Böhm, erschienen sind. Ich möchte die Platte hier gar nicht en detail vorstellen. Eine überragende Abbildung des Klaviersounds (die Zeit, dass „home recordings“ für „lofi“ statt für „hifi“ standen, ist schon länger vorbei). Und auch wenn ich der Pressung nur eine glatte 2 gebe (dead quiet ist schon was anderes, aber die eine oder andere Knisterrille ist mir völlig schnuppe), würde ich der Musik eine 10 geben, und dem Klangerleben (Sound) eine 11. (So machen die das etwa bei Analog Planet, wo man unendlich viele Plattenkritiken von Vinylophilen wie Mark Smotroff und Michael Fremer findet – 11 ist das absolute, selten vergebene Maximum, nur für den Sound, wie gesagt, bei der Musikbewertung ist 10 die einsame Höhe.)

 

So viele Besprechungen von Kari Ikonens Meisterstück aus dem Jahre 2020 finden sich gar nicht, aber es würde mich wundern, wenn irgendjemand aus der Kritikergilde weniger als 8, 9, oder 10 aus dem Hut holen würde. Mann muss solche Bewertereien auch gar nicht so ernst nehmen, aber als Anregung taugen sie allemal, und die Leser dieser Zeilen haben gewiss bestimmte Lieblingskritiker, auf deren Meinung man sich oft verlassen kann, weil man über die Jahre gemeinsame Wellenlängen und dergleichen ausfindig gemacht hat. Übrigens: Kandinskys Bild „Blue“ von 1922, ein Ausschnitt davon, ziert das gatefold-Cover. Ob Kari wohl auch Farben sehen kann, wenn er Klänge hört, wäre eine Frage meines Interviews gewesen.

 

 

 


Etwas, das mich an dem Album komplett fasziniert, dass es keine Sekunde und kein Stück gibt, das mir nicht zusagt, dass ich für überflüssig oder Beiwerk halte. Springlebendig, atonal, sowieso melodisch auch, lyrisch, experimentell, monkisch, verwegen, lustvoll, verträumt, Haken schlagend, aus den Ärmeln geschüttelt, laut und leise, kunterbunt, wild und hochkonzentiert, all das und vieles andere noch, 
könnte auf der Rallye der freien Assoziationen aufsteigen und Wortblasen ratzfatz zum Platzen bringen. Einfach versinken, am besten sprachlos – darauf breche ich es mal runter, als freundliche Losung des Augenblicks. Fernab eines bloss virtuos inszenierten Ohrenkitzels, ist das schlicht und ergreifend „deep stuff“. Viel weniger zerebral, als erste Reflexe nahelegen.

 

Und wenn wir schon (spiele mit!) dabei sind, den Koffer für die kommende Inselreise zu packen – ((wähle deine ganz persönliche „desert island“ – es kann Langeoog sein, ein Eiland im Indischen Ozean, weiss der Kuckuck wo, und es gibt in deiner Unterkunft einen „record player“ von VPI Industries Inc. und, ähem, (die Spielregel, der Kick fürs Stöbern auf dem Dachboden), für diese vier (!) Wochen darfst du lediglich fünf Schallplatten mitnehmen, reine Solo- oder Duoaufnahmen, das Piano muss, akustisch oder elektrisch bei allen Fünfen dabei sein)). Hier, zur Vervollständigung meines „Quintetts“, das Meer ringsum, und alles, zum „Versinken“ (es geht nicht um einen Kanon, allein um eine Momentaufnahme, eine atemraubende Liste, die in einer Woche, in einem Jahr wieder ganz anders aussehen könnte): Dollar Brand Duo (with Johnny Dyani – Good News  From Africa (Enja) /// Art Lande with Jan Garbarek: Red Lanta (ECM) /// Archie Shepp & Mal Waldron: Left Alone Revisited (Enja) /// Keith Jarrett & Jack DeJohnette: Ruta & Daitya (ECM). So weit, so gut.

 

Da Spielregeln stets etwas Begrenzendes haben, gibt es, Überraschung, Augenzwinkern incl., einen „Ausreisser“, eine „wild card“, eine sechste Platte (gern auch ein Doppelalbum), das aus der Reihe fällt, mit oder ohne Klavier. Meine „Nummer Sechs“ wäre Steve Tibbetts: Life of (ECM). – (one of these albums, the name „desert island record“ could‘ve been coined for. The minor quibble: the vinyl still has to be pressed. If that is not going to happen, Farid El Atrache‘s Nagham Fi Hayati would do the trick in the windmills of my mind.)

 

The first „5+1 piano solo / duo lists of magic“ that arrive in my email till Sunday evening, will probably be posted here (micha.engelbrecht@gmx.de) – and don‘t forget the name of the island. P.S. Kaum schliesse ich die Seite, begegnet mir ein neuer Text von Jo, und folgendes Zitat von Dietmar Kamper springt mir entgegen: „Das Leben lebt nicht. Man muss zaubern können.“ 

2023 2 März

Februarausklang

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