Manafonistas

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2022 3 Jul

Samsara und Simsalabim

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 3 Comments

Ich war vielleicht 15 oder 16, als ich in der Volkshochschule einen Vortrag besuchte, in dem ein Asienreisender (der auch Heilpraktiker war, mindestens), von seinen Erlebnissen berichtete und irgendwann eine Platte auflegte, die ihn sehr verzaubert habe im fernen Osten – und auch wir Zuhörer gerieten bald in den Bann der „Music For Zen Meditation“ (eine berühmte Scheibe, manche sehen vielleicht die hellen Blautöne des Covers vor sich, mit einem ruhenden Buddha). Buddha ruhte immer, was sollte ein Mann mit seiner Philosophie auch sonst machen.

Ganz unruhig wurde meine Wenigkeit allerdings, als ich Monate später einen gemeinen allergischen Asthmaanfall bekam, nur noch nach Luft japste, der Hausarzt unerreichbar, die Stunde spät, der Krankenwagen eine Option, und dann doch ausgerechnet jener asienkundige Heilprakiker, der ganz in der Nähe unseres Hauses seine Praxis hatte, herbeieilte, und mir, in meiner Erinnerung, Cortison spritzte, nah am Herzen, worauf sich die Bronchien bald entspannten. Da er über alternative Methoden verfügte, war ich bald in seiner Praxis, und er startete eine Kur mit dem Spritzen von Rinderblut.

Als ich dann,  auf die zweite Spritze wartend,  in seinem durchgrünten Wartezimmer hockte, öffnete sich die Tür des Behandlungszimmers, und eine hinreissend schöne Inderin rief mich in den Behandlungsraum. Der Asienmann hatte schon bei dem Vortrag erzählt, dass er in Delhi seine Lebensgefährtin gefunden habe, und irgendwie schien mein Rinderblutspezialist bei seinen Trips in dem fernen Osten der reinste Glückskeks gewesen zu sein.

Die Frau war an die Einmeterfünfunachtzig gross, schlank, rank, dunkelstes Braun, und unbeschreiblich. Sie sah eher aus wie eine Indianerin, auch wenn sich das so seltsam anhört wie die Sache mit dem Rinderblut. Sie sprach auch ganz gut deutsch. Freundlich wies sie mich an meinen Po freizumachen, und verabreichte mir die Spritze, sanft und gefühlvoll.

Und dann – nichts. Ich war ergriffen, legte mich auf das warme Sommergras, fuhr an der Einstichstelle entlang, sie nahm mein Gesicht in ihre Hände, sie kam mit ihrem Mund nah an meinen, leckte mit ihrer Zungen in unendlicher Langsamkeit über meine Lippen … Als das Bild verschwamm, döste ich hinweg, und wie betrunken legte ich nach dem Erwachen in meinem Teenagerzimmer „Music For Zen Meditation“ auf. Was sollte ich auch sonst tun? Samsara und Samsalabim. Eine Alternative waren die Monkees und „Daydream Believer“. Die Sache mit der Inderin hatte in meinem Leben ein ausgedehntes Vorspiel, in Form eines Serientraums, der sich schätzungsweise 200 mal wiederholte, zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr, immerzu in der gleichen Konfiguration, endlos erfüllend. Unvergessliche Wirkungstreffer der Kindheit. Initiationen.

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3 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    So ist meine Erinnerung. Gut möglich, dass der Asienmann auch Allgmeinmediziner war, sonst hätte er wohl kaum Cortison spritzen können. Und Rinderblut? Wer weiss, was da noch in der Sprtitze war, aber so erinnere ich es nun mal.

  2. Ursula Mayr:

    Bei Tierblut kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verklumpungen, somit sprechen wir jetzt vermutlich mit Deinem Avatar. Wars nicht vielleicht Eigenblut? Gut fürs Immunsystem.

  3. Michael Engelbrecht:

    Vielleicht homöpathische Spuren von Rinderblut :)

    Natürlich ist Eigenblut wahrscheinlicher … aber es gehört zu den skurrilen Elementen der Erinnerung. Neben Indianerin / Inderin …

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