Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 2 Jul

Abflug mit Fuchur

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 4 Comments

 

 

Wo sehen wir uns wieder, sagte sie, und ich antwortete: wenn es gut läuft, am 5. August. Abends im Radio, und dann fast  schon am Meer. Zuweilen reicht ein Blick zum Himmel, und die Reise beginnt.  Fuchur, der Verbündete: Atreju kann von Glück sagen, so einen Gefährten zu haben, nie missmutig, oder beleidigt in der Art der Leberwürste. Mehr als zweimal gewiss spielte ich „Cutting Branches For A Temporary Shelter“ vom Penguin Cafe Orchestra in dem Klanghorizonten, und erst jetzt fand ich heraus, dass es die unwiderstehliche Adaption einer afrikanischen Vorlage war, und mit der guten alten Mbira wird es nun auch zu neuem Leben erweckt, auf der ersten Arbeit von Midori Takada seit Jahrzehnten. Als ich aus ihrem berühmtesten Album etwas spielte, das Porticos Tranceinduktion „Terrain“ inspirierte wie nichts anderes,  nachts auf Vinyl, erlebte ich zum ersten Mal, wie ein Tonabnehmer in Minuten den Geist aufgab, und es hörte sich an, als würde er die Musik in dissonante Zerrbilder zerlegen. Ich machte dem Spuk ein Ende. Und Jahre später korrigierte ich diese Gepensternummer mit der CD-Version. Midori Takada tat gut daran, nie dem alten Herrschaftsdenken der Klassischen Musik zu folgen, und entdeckte früh das Multiversum einer einzigen Trommel, und wie Cage fand sie, dass ein einzelner perfekter Ton auf der Shakuhachi zuweilen mehr Zauber verströmen könnte als manch hochfahrend-formbesessene Westliche Orchestermusik vergangener Jahrhunderte. The spellbinding art of elementary textures…

 

 

 

 

„Cutting Branches For A Temporary Shelter“ wurde live aufgenommen und mit Instrumenten gespielt, die in den Sammlungen des MEG-Museums aufbewahrt werden. Dabei handelt es sich um Midori Takadas ganz eigene Interpretation von „Nhemamusasa“, einem traditionellen Werk, das für das musikalische Repertoire der Mbira der Shona in Simbabwe emblematisch ist und vor allem dank der Version von Paul F. Berliner auf dem berühmten Album „The Soul of Mbira“ von 1973 weltweit bekannt ist. Midori Takada erklärt:

 

„Afrikanische Musik zeichnet sich durch ihre Polyrhythmik aus. Es gibt nicht nur mehrere rhythmische Motive gleichzeitig, manchmal bis zu zehn, sondern es kann auch sein, dass der von jedem Musiker gespielte Part seinen eigenen Ausgangspunkt und sein eigenes Tempo hat, die sich alle zu einem Zyklus zusammenfügen. Alle Zyklen verlaufen gleichzeitig nach einer einzigen metrischen Struktur, die als Bezugspunkt dient, aber nicht von einer einzigen Person von Anfang bis Ende gespielt wird. Die Struktur ergibt sich aus den mehrstufigen Teilen, die alle unterschiedlich sind. Bei den Shona basiert das musikalische System auf der Polymelodie: Man spielt gleichzeitig mehrere melodische Linien, die sich überlagern und jeweils ihre eigene rhythmische Organisation haben. Das ist wirklich fesselnd.“

This entry was posted on Samstag, 2. Juli 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

4 Comments

  1. Ursula Mayr:

    Fuchur! Ha!
    Auf dem bin ich mal gesessen. In den Bavaria Filmstudios in München. Ca dreieinhalb Meter lang. War schon ein Gefühl….
    Und durch das DAS BOOT-U-Boot gekrochen.

  2. Michael Engelbrecht:

    Auf dem Foto – Klick mal drauf! – ist der echte Fuchur zu sehen, sieht aus wie eine spezielle Wolke. Das er kann er gut, die Gestalt von etwas anderem annehmen.

  3. Ursula Mayr:

    Ist nicht der echte! Der hat Schlappohren!

  4. Michael Engelbrecht:

    Aber nicht bei starkem Gegenwind!!

Leave a comment

XHTML allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden akzeptiere ich die Übermittlung und Speicherung der Angaben, wie unter Datenschutz erläutert.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz