Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 10 Jun

Aus der Eifel

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | No Comments

(für Gudrun und Hansjörg, die ich danach besuchte, wunderbares „Wiederwiedersehen“, gute Gespräche, herrliche „Mörderwanderungen“ usw.) 

Die Landschaft drängt sich nicht auf (das wird, später im Jahr, am Chiemsee, anders sein) – in aller Ruhe suchte ich mir zwei ruhige Zielpunkte. Im Toyota lief Neil Youngs „Roxy“, ein begnadeter Aufritt in Miami Beach. Crazy Horse bot die Musik von „Tonight‘s The Night“ erstmals vor Publikum, und so verstörend etliche Songs waren, für den nostalgischen Teil des Publikums, sie spielten mit Lust und Wucht – pure Katharsis, Trauerarbeit im Gewande eines Rock‘n‘Roll-Rausches!

Zuerst fuhr ich viele hügelige Landstrassen rauf und runter, nach Steineberg, und parkte dort mein Auto. An der Vulcano-Plattform sassen ein paar Wanderer in munterem Gespräch, ich begrüsste sie, und sagte, sie sollten sich nicht stören lassen. Ein kurzer Blick in den Reiseführer, dann schaute ich zum Turm hoch, und fragte, in eine kurze Stille hinein, ob man all die Treppen unfallfrei hochkäme (die Konstruktion wirkte leicht verwittert, eine Metallabsperrung vor dem Aufgang war roh abgerissen worden). Es entwickelte sich ein freundliches Geplauder, und als die Gruppe zu ihrem nächsten Ziel aufgebrochen war, bestieg ich den Turm (und fühlte mich von ferne an „Myst“ erinnert, fast das einzige Videospiel, das ich eine Zeitlang mal gern gespiel habe), und  liess den Blick ins Weite schweifen.

 
 

 
 

Als nächstes fuhr ich zum Ulmener Maar, mit rund  11000 Jahren angeblich der jüngste Vulkansee Deutschlands. Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Bank, und las in meinem e-Book, wie sehr Cliff Richard auch nach Jahrzehnten noch sein Beatles-Trauma pflegte. (Manche Menschen machen sich dermassen klein, indem sie an konfektionierten Verbitterungen festhalten.)  Das Ambiente hatte hier nichts Weltabgewandtes, man sieht das angrenzende Städtchen, und auf einer Anhöhe die Überbleibsel einer alten Burgmauer – die Oberburg galt seit 1150 als Stammsitz der Ritter. Früher, als ich noch eine Pistole am Gurt trug, und die Natur erkundete, ging es abenteuerlicher zu. Unvergessen, der Regentag im Schwarzwald, als ich mit Cowboyhut und Halstuch, von Pfütze zu Pfütze sprang, immer bereit, mich, wenn sich ein Gangster nähern sollte, in den Matsch fallen zu lassen und aus der Hüfte zu feuern.

Die Lady, die auf der anderen Bank Platz nahm, war vielleicht Mitte 40, hatte langes braunes Haar, und suchte offenbar meinen Augenkontakt. Auch hier entwickelte sich erstmal der übliche small talk unter Fremden, der etwas persönlicher wurde, als sie sich wiederholt an den Nacken griff, und eine kurze sichtbare Anspannung ihrer Stirn auf Schmerzen deutete. Als ich sie darauf ansprach, entgegnete sie mit einem Lächeln: „Eher eine schmerzhafte Erinnerung.“ Und dann begann sie zu erzählen.

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