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2021 1 Aug

Konrad H. und das Kratzen am Stabilo point 88

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 7 Comments

 

Kurz bevor das alte Jahrtausend zuende ging, schickte mir Konrad Heidkamp einen Text, der bald darauf so oder leicht verwandelt in der „Zeit“ erscheinen sollte. Er war glücklich, diesmal nicht allzusehr der inneren Lyrik zu folgen, und ein paar handfeste Geschichten zu Jon Hassells Musik zu finden, in einem schon damals älteren Interview aus der Jazzthetik, das mein Londoner Gespräch mit Jon aus dem Sommer 1990 enthielt. Ich habe mir erlaubt, die Dinge, die er von mir hatte, Fakten, kleine Sätze, rauszukürzen, und nun liest es sich so.


„Was macht der Kritiker beim Hören? Kratzt am schwarzen Stabilo point 88 auf und ab und wartet auf den Impuls. Hört, hört, hört, hofft, irgendetwas möge doch endlich auf dem karierten Papier erscheinen. Vergeblich. Jon Hassell, die zweite, die dritte. Leeres, weißes Blatt, wieder vor lauter Hören zu schreiben vergessen. Keine Bilder, keine Assoziationen – Musik. Schließlich schreibt er zeitgezwungenermaßen das Folgende:

 

Seit 20 Jahren kennen manche die Platten des Trompeters Jon Hassell, haben jenen verhangenen, elektronisch verstärkten Klang im Ohr, jenen atmenden, stimmähnlichen Sound, der sich über afrikanische Rhythmen legt, zu Samples haucht und indische Ragas begleitet – Fundstücke auf verschiedenen Labels, in immer neuen musikalischen Zusammenhängen, Malerei im freien Stil, die mit Brian Eno ambient schafft, Jazzelemente dazumischt und in Bluescreen-Technik ungehörte Verbindungen zwischen Vorder- und Hintergrund kreiert.



So könnte man beginnen. Aber auch manches überspringen, und jetzt endlich
den Titel nennen: „Fascinoma“, ein Album, das all dies hören lässt und doch ganz vertraut klingt. Ein Trompetenton, unverstärkt und warm, dazu die Flöte von Ronu Majumdar, das mäandernde Piano von Jacky Terrasson und die Gitarre und Inspiration von Ry Cooder. Jon Hassell improvisiert, als wäre Atmen wie Musik …

 

Doch lieber ihn selbst zitieren: „Gleichzeitig feiere ich hier meine erste Berührung mit musikalischen Exotica in Form von bestimmten Liedern und Melodien, die ich als Kind im Radio oder Kino gehört habe. Diese Musik schafft eine Art beständiger Technicolor-Oase in meinem Kopf – einen Ort, zu dem ich immer wieder heimkehren möchte zu einem erfrischenden Trunk, ob er jetzt nach Duke Ellingtons und Juan Tizols Caravan schmeckt oder nach Ravel, nach Raga oder Gamelan oder Gil oder JoÆo oder Joujouka – einen Ort, wo die tief liegende Quelle entspringt, aus der sich mein Fourth-World-Paradigma speist.““

 

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7 Comments

  1. ijb:

    Wer von euch bzw. uns ist in diesem Fall das „ich“ in diesem Beitrag?

  2. Michael Engelbrecht:

    Der erste Absatz ist von mir, die zwei folgenden sind von Konrad. Wie schön, dass das bei Absatz zwei etwas unklar ist. Der vierte ist dann im Grunde vom Dritten im Bunde.

  3. ijb:

    Findest du? Tatsächlich finde ich es ab dem zweiten Absatz total klar. Wegen der Anführungszeichen ist das recht unmissverständlich zuzuordnen. Nur geht aus dem Beitrag nicht hervor, wer über die Begegnung mit Lorenz Heidkamp schreibt. Jon Hassell ist für einige hier ja auch ein Lebensbegleiter.

  4. Michael Engelbrecht:

    Die Satzzeichen rücken verstärkt in den Fokus hier, woll?! Ähem, ich habe, auf gar keinen Fall, im ersten Absatz, Lorenz Heidkamp eingeführt!!!!

    Und, als Fachmann für werkimmanente wie historische Textanalysen: welches Ich sollte dem ersten Absatz zugehörig sein, ausser meinem?
    A) mehrfach erwähnte ich meine alte Begegnung mit Jon Hassell in London in letzter Zeit B) nur ich schrieb von allen aktiven Manas bei Jazzthetik.

  5. Michael Engelbrecht:

    Oder auch:

    Naura und die alten Zeiten

    https://www.manafonistas.de/2017/02/16/nun-noch-naura/

    Starring

    Michael Naura
    Hannelore Raukuttis
    Konrad Heidkamp
    Talk Talk
    Keith Jarrett
    HDK
    Gregor

    And many others

  6. ijb:

    Die Satzzeichen – nein, eigentlich nicht. Ich ging nur auf deinen Kommentar ein, es sei ab dem zweiten Absatz unklar. Natürlich helfen Satzzeichen beim Textverständnis. Das ist jetzt nichts Neues, oder? Ich finde es nur immer wieder unnötig verrätselt, wenn jemand einen Beitrag in der ersten Person verfasst und nicht klar wird, wer das ist. Irgendwann hatte mich ja mal jemand aufgeklärt, dass (mindestens) drei Personen in Frage kommen, wenn ein Beitrag namentlich nicht gekennzeichnet ist.

    Dass du für Jazzthetik geschrieben hast, wusste ich nicht. Ich habe aber in Erinnerung, gerade aus den Beiträgen zu Hassell, dass einige hier viel mit Hassell zu tun hatten, und ich bin nicht so vertraut damit, wer hier jetzt welche Musiker wann im Leben getroffen hat. Und ich gehe davon aus, dass ich mit dieser Wissenslücke keineswegs allein in der Leserschaft dieses Blogs bin.
    Aber sei’s drum: Ich hab ja auch nur nachgefragt, weil’s unklar ist. Unnötigerweise. Ich hatte da jetzt nicht im Sinn, mich als Dummi oder Ignoranzschnösel aufzuspielen.

  7. ijb:

    PS: Ich weiß, es ist wahrscheinlich auch total peinlich, dass ich Heidkamp nicht kenne.

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