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2021 19 Jun

On Robert Ashley´s „Private Parts“, Part 1

von: Martina Weber Filed under: Blog | TB | Tags:  No Comments

Im Laufe der Jahre gab es zwei Coverbilder: auf dem einen strahlendes Gelb, die Buchstaben in schwarz. Auf dem anderen Motiv geht es etwas psychedelischer zu: einige Planeten – darunter die Erde – schweben im schwarzen Weltall. Im Vordergrund wächst festes, dunkelgrünes Gras. Die Stimmung, die beim Betrachten entsteht, ist sphärisch, aber mit Bodenhaftung.

Das passt. Robert Ashleys spoken word-Album „Private Parts“ erschien 1978, ich habe es erst Anfang 2019 entdeckt, zur Zeit der Wiederveröffentlichung. Die Arbeit hat mich sofort in ihren Bann gezogen, vor allem die Stimme Robert Ashleys und der unglaubliche Sog der Texte der beiden zwanzigminütigen Tracks. Was passiert hier?

Ein Mann hat ein Zimmer in einem Motel betreten, er packt seine Taschen aus, sitzt auf dem Bett, beide Füße auf dem Boden. Das ist das zentrale Bild des ersten Teils „The Park“. Dieser völlig unspektakuläre Moment ist Ausgangspunkt eines faszinierenden Veränderungsprozesses, der das ein oder andere andeutet, letztlich jedoch nicht fassbar wird, – auch nicht nach vielfachem Hören oder Lesen des Textes. Immer wieder wird eine erwartete Logik durchbrochen. Bevor der Text greifbar wird, bricht er ab, gleitet ins Abstrakte oder setzt neu an: ein neues Bild, ein neues Thema, ein neuer Eindruck, eine weitere Überlegung, kleine Sprachspielereien.

Einmal heißt es „This is a record“ und später wird das Gegenteil behauptet: „This is not a record.“ Bilder, an die wir uns erinnern: ein altes Telefon mit Hörer, bläuliches Licht im Zimmer, ein Teller mit Pflaumen zum Frühstück, draußen eine Statue (ein Mann mit Pferd) sowie zwei Männer auf einer Bank. Ausgiebig reflektiert wird das Thema Übergang und Sterben.

Der Text wirkt spontan und assoziativ, ist jedoch fein komponiert und erzeugt bei jedem Hören einen anderen Subtext. Ich habe das Album mindestens 30 Mal gehört – die Konzentration auf den Text, die Stimme, Trommeln und Piano hat mir geholfen, meine Joggingstrecke zu verlängern – und ich habe jedes Mal etwas Neues entdeckt.

Robert Ashley zelebriert in „Private Parts“ die Faszination der Leere. Beim Hören wird man gelegentlich in eigene Gedanken abschweifen, man kann aber mühelos wieder einsteigen. Dieses Album ist ein Traum, in den man sich immer wieder fallen lassen will, um die Schwere des eigenen Ichs loszulassen und Teil des Ganzen zu sein.

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