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2021 7 Jun

Musik für den zweiten Corona-Sommer

von: ijb Filed under: Blog | TB | 18 Comments

Der Sommer hat es endlich auch nach Berlin geschafft! Dass die gefühlt endlose graue Berliner Jahreszeit in ihre Sommerpause geht, war in früheren Jahren auch schon mal einige Wochen später der Fall; selten allerdings war der Wetteraufschwung so ersehnt und willkommen wie in diesem Jahr – die ebenfalls gefühlt endlose Corona-Tristesse hat uns hier über die letzten Monate zunehmend zugesetzt. Ein paar Sommermonate, bevor es vielleicht schon im September wieder in die nächste Corona-Isolation geht – fürs beanspruchte Gemüt also eine selten wertvolle Stimmungsspritze. [Da wir keiner Risikogruppe zugehören und keinen für eine baldige Impfung hilfreichen Berufsstatus haben, vertrösten uns mehrere Hausärzte und mittlerweile auch wieder der allseits geschätzte Herr Spahn ja auf eine Erstimpfung voraussichtlich im September … was dann zu Weihnachten auch uns den von den Impfluencern (und vielen jüngeren Freunden in den Vereinigten Staaten oder Israel) sozialmedial hochgehaltenen „Geimpft“-Status bescheren dürfte. Wir freuen uns also schon darauf, in den (leider sehr kurzen) Weihnachtsferien dann einen Urlaub planen zu können.] Die mittlerweile zahlreich und anhaltend durch Reisebeschränkungen verunmöglichten Job- und Projektangebote schmerzen dennoch – eben auch, weil das nun dummerweise wohl auch noch den Spätsommer und Herbst beeinträchtigen wird.

Nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel Rotwein gekauft (und getrunken) wie in diesem Corona-Winter. Aber keine Sorge: Trotz Stimmungsverstimmungen habe ich keinerlei Neigung zum Alkoholiker; mehr als zwei Gläser trinke ich eh nicht, von einer Geburtstagsfeier abgesehen. Zuletzt habe ich hingegen auch mal einen Koffein-Entzug durchgemacht. Das war nicht lustig – aber hilfreich. Ein kleiner Espresso alle zwei Tage am Vormittag reicht seither locker, um bis spät abends angeregt und angenehm wach zu sein. Anlässlich dieses Sommeranfangs möchte ich dann auch mal wieder aus meiner Blogabstinenz herauskriechen, das eingerostete Schreiben wieder hochfahren und ein paar Alben empfehlen, die mich gut durch die letzte Zeit gebracht haben.

Ganz wunderbar: das intensive Ambient-Album „Sutro von Christina Chatfield, acht Tracks, rund 66 Minuten, gibt es leider nicht in physischer Form, daher habe ich mir die Bandcamp-Dateien auf CD gebrannt, ganz altmodisch, denke aber, dass das auch als Kopfhörer-Album super funktioniert. Mich zieht das episch schwebende Album der kalifornischen Elektronikmusikerin bereits seit März stetig in den Bann und zählt zu den von mir am häufigsten gehörten Alben in diesem Jahr. Es lässt sich hervorragend von dieser sanften Energie hinfort treiben.

 

 

 

 

Ebenfalls aus Nordamerika, aber aus einer vollkommen anderen Ecke (und Szene) und erst jüngst erschienen: Allison Russells erstes Soloalbum Outside Child. In Montréal geboren und aufgewachsen, lebt die Musikerin nach jahrelangen traumatischen Erfahrungen mittlerweile in Nashville. Als Schwarze in der Country-Hochburg sticht sie heraus – ebenfalls in Tennessee lebt ja die gleichaltrige Valerie June, deren neues Album mir, erwartungsgemäß, ebenfalls sehr gefällt; es ist stilistisch ähnlich lose und frei, eingängig und stimmungswechselhaft, doch Allison Russells Themen hier sind weitaus aufwühlender, und die Mischung aus dunklem Blues und Americana und Soul passt da hervorragend. Eine eindringliche Liedersammlung, deren Tiefe und Komplexität sich langsam entfaltet und lange nachwirkt.

Zwei Alben mit langen, gedichthaft und leidenschaftlich gesprochenen Texten – beide zudem aus England, beide so unterschiedlich wie nur vorstellbar, auch in der Art des Vortrags, sind, erstens, die derzeit von mir am liebsten gehörte Debüt-LP des Quartetts Dry Cleaning, produziert von John Parish, seit Jahren stets eine sichere Bank für klasse Alben: drei junge Männer aus London, die mit einem recht reduzierten Instrumenten- und Stilarsenal einen frappierend wandelbaren IndieRock vorlegen, der hier und da an die von mir stets geschätzten Sonic Youth erinnern, andere denken wohl u.a. an Wire – und dann haben sie mit einiger Überredungskunst eine befreundete Illustratorin, bildende Künstlerin und Lyrikerin dafür gewonnen, zu dieser Musik auf trockene Weise latent surreale Texte darzubieten. „Deadpan“ wird diese Art des Vortrags gerne genannt, nicht wenige sehen bzw. hören Parallelen zu Kim Gordon und Laurie Anderson, was ich gut nachvollziehen kann, beim Hören allerdings denke ich daran nie. Toll, wie diese Band über zehn Stücke mit feinen Tempo- und Stimmungswechseln die Energie und Intensität des gemeinsamen Performens steuert und variiert. Die Texte sind durchaus fesselnd und spannungsreich in ihrer Musikalität, vergleichbar gelingt es Kate Tempest eine Grenze von Lyrikvortrag und Rap auszuloten.

Apropos, zweitens, das neue Album des karibischstämmigen, in England hochgeschätzten Poeten und Romanciers Anthony Joseph, der auch kreatives Schreiben lehrt, knüpft da sehr gut an. Entdeckt habe ich sein Werk, als die von mir sehr verehrte Meshell Ndegeocello sein famoses Album „Time“ produziert (und darauf mitgespielt) hat, seine bislang vier Soloalben tauchten seither zuverlässig in meinen Jahresbestenlisten auf. Auf diesem neuen präsentiert der Mittfünfziger seine Musik weniger all over the place oder opulent als etwa auf den exzellenten Vorgängern „Caribbean Roots“ und „People of the Sun“, hat eine kompakte, jazzige Band zusammengestellt, die ordentlich Zunder gibt, auch Shabaka Hutchings ist wieder dabei, und seine Texte gehen gewohnt vom Persönlich-Poetischen übers Gesellschaftskritische ins Politische, wie sein diesmal flammender Albumtitel bereits ankündigt: The Rich are Only Defeated when Running for their Lives. Auch Anthony Joseph sollte jene, die etwa Kate Tempests Energie oder die Eindringlichkeit des famosen Werks von Moor Mother schätzen, ohne Probleme ebenfalls ansprechen, mich erinnert er allerdings immer wieder auch an Wadada Leo Smith, wegen der Präsenz und der engagierten Themen und gerade auch wieder aufgrund der „sprechenden“ Titel. Wadada hat im übrigen aktuell sogar zwei neue Alben bei seinem Hauslabel, dem finnischen TUM Records, parat, beides 3-CD-Alben, eines davon mit Bill Laswell und Milford Graves, das andere komplett solo. Bislang kenne ich nur letzteres, es trägt den allernaheliegendsten Titel, Trumpet, und es wurde im Sommer 2020 in einer alten Kirche im Süden Finnlands aufgenommen, wo wir vor haargenau zehn Jahren, im Juni 2011, auch ein improvisiertes Konzert gefilmt haben, mit Frode Haltli, Maja Ratkje und zwei Finnen. Im fertigen Film wurde es zwar nicht verwendet, aber es hat mich jüngst gefreut, die Beiheftfotos mit Wadada in und vor dieser Kirche zu sehen, auch weil ich das Angebot hatte, im Mai eine Albumsession mit ihm und Andrew Cyrille in Brooklyn filmisch zu begleiten, was aufgrund der Corona-Beschränkungen leider nicht möglich war.

Sehr speziell — um nicht gar zu sagen: ein Album, in das man sich einarbeiten muss — ist Maxwell Sterlings Turn of Phrase. Ich habe die LP „blind“ bestellt [bzw. müsste man korrekterweise eigentlich sagen: „taub“ gekauft…], nachdem ich eine enthusiastische Rezension mit der Überschrift „Modern Classical trifft auf IDM auf einem wahrlich atemberaubenden Album“ las. An sich zwei Genres, die mich üblicherweise nicht hinter dem Ofen hervorlocken – hinter „Modern Classical“ verbirgt sich allzu oft Pseudo-Tiefgründiges bis Banales im Minimalismus-Gewand, das mich oft langweilt, in der IDM-Schublade erwarte ich vorwiegend Musik im WarpRecords-Stil der 1990er — wovon ich zwar sehr vieles kenne, aber über 20 Jahre nach Ende der Neunziger (und seither konstant gelungenen bis großartigen Autechre-Alben) nicht wirklich Bedarf verspüre, neue Veröffentlichungen im Revival-Stil zu erwerben. Mr Sterling, dessen vorige LP ich nicht mehr erwischte, indes macht durchaus ein völlig eigenes Ding, und die oben zitierte Überschrift trifft in der Tat den Nagel auf den Kopf: eine solche Verzahnung, Verschmelzung der beiden Klangwelten kommt einem nicht alle Tage unter. Das erinnert mich wieder einmal daran, wie bedauerlich es doch ist, dass Mira Calix (Südafrika+Suffolk) nach ihren genialen Arbeiten auf diesem Terrain seit so vielen Jahren als veröffentlichende Komponistin verstummt ist. Speziell ihr drittes Album Eyes set against the Sun (2007)  ist ein Klassiker dieser Stil-Verbindung, die nach meiner Kenntnis nicht viele empfehlenswerte Platten hervorgebracht hat, 2018 – Teil meiner damaligen Top 3 – auch Lageos von Actress (Darren Cunningham) und dem LSO.

Sterlings „Turn of Phrase“ arbeitet zwischendurch mit Detroit-Anleihen, verfremdeten Sprachsamples und manch anderen schwer zu verortenden Klangelementen; ein ziemlich großartiges Stück ist dann kurz vor Schluss die acht Minuten lange Kollaboration Tenderness mit der mysteriösen Poetin Leslie Winer, die einst mit Burroughs und Basquiat zu tun hatte und seither immer mal wieder auf Avantgarde-Alben auftaucht (u.a. Carsten Nicolai, CM von Hausswolff, Jon Hassell oder auch dem 1987er, nach wie vor 5-Sterne-Debüt von Sinéad O’Connor).

Abschließend noch zwei kleine (Lese-)Empfehlungen ohne viele Worte am Rande: Ein Hinweis auf das neue, wahrlich afrofuturistische Album der schillernden Dawn Richard, das im „New Yorker“ schön gewürdigt wurde. Und sehr gefreut hat mich der wertschätzende Text zum 40. Geburtstag von „The Fox“, Elton Johns gar nicht typischem „lost gem“ aus den Jahren, als er weder noch mit seinen „Klassikern“ der Siebziger beschäftigt war, noch bereits in den MTV-Achtzigern angekommen war, die mit dem 1983er Revival „I’m still standing“ begannen.

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18 Comments

  1. PS:

    Kürzlich hatte hier doch jemand seine Leidenschaft für Rickie Lee Jones zum Ausdruck gebracht, wenn ich mich nicht irre. Marc Maron hatte sie unlängst zu Gast in seinem Podcast: http://www.wtfpod.com/podcast/episode-1228-rickie-lee-jones

  2. Michael Engelbrecht:

    Anthony Josephs Album ist grosse Klasse. Es steht für mich auf einer Stufe, was Intensität der Muskk und spoken word albums angeht, mit den beiden Legenden des Genres, denen wir Alben wie BASS CULTURE und PIECES OF A MAN verdanken, meinen Lieblingsplatten von Linton Kwesi Johnson und Gil Scott-Heron.

  3. ijb:

    Dann hör dir vielleicht auch mal die Alben von Kate Tempest an oder die superben (Solo-)Alben von Moor Mother (Fetish Bones, Analog Fluids of Sonic Black Holes). Auch die teils erzählerischen Alben von Little Simz vielleicht….

    Hier ein sehr hörenswertes Gespräch mit Kate Tempest über ihr Schreiben (in verschiedenen Gattungen).

  4. Olaf Westfeld:

    Oh, ich trinke leider momentan eine knappe Kanne über den Tag verteilt, dafür bin ich abends nicht angeregt und angenehm wach. Vielleicht würde mir so ein Entzug auch mal helfen…🤔Anthony Joseph und Dry Cleaning hab ich auch schon getestet, haben mir beides gut gefallen.

  5. ijb:

    @Olaf: Filterkaffee vertrage ich gar nicht. Da bekomme zuverlässig und recht schnell Kopfschmerzen. Deshalb hatte ich immer (hab allerdings auch erst mit Mitte 20 überhaupt angefangen, Kaffee zu trinken) so eine Barista(?)-Stahlkanne für den Herd, wollte aber immer gerne auch frisch gemahlenen haben, aber die beiden Mahlgeräte, die ich kurzzeitig hatte, waren nix, im letzten Winter hab ich mir deshalb (Angebot bei MediaMarkt) einen langgehegten Traum erfüllt: Einen Kaffeeautomat, der die Bohnen direkt mahlt, und man kann verschiedene Stärken wählen, verschiedene Bohnen nutzen usw. Bestes häusliches Ereignis der gesamten Corona-Zeit!

    Koffein-Entzug war die ersten drei Tage hart (Kopfschmerzen), aber ich hatte es schon lange mal vor, umso mehr, nachdem ich mich über Matthew Walkers jahrzehntelange Schlafforschung informiert hatte – übrigens extrem empfehlenswertes Buch: „Why We Sleep“ von M. Walker, gibts auch auf deutsch unter dem etwas uninspirierten Titel „Das große Buch vom Schaf“! Nur ein Spaß. „..vom Schlaf“ natürlich. Ich hatte zwar nie Schlafprobleme, aber auf lebenslange Sicht dennoch ein geradezu essenzielles Buch für die Gesundheit.

  6. PPS:

    Apropos Sinéad O’Connor: Lesenswertes Interview anlässlich ihres neuen, autobiografischen Buchs „Rememberings“

    (Ihre ersten beiden Alben stehen nach wie unter meinen All-Time Favourites.)

  7. Olaf Westfeld:

    Vollautomat auf der Arbeit, frisch gemahlen und aufgebrüht zu Hause. Alle paar Jahre mache ich auch mal im Zuge einer Erkrankung ’nen Entzug und bin dann immer erstaunt, wie wenig Kaffee ich anschließend trinke – vielleicht wirklich mal wieder dran… ach, aber leider keene Lust.

  8. Michael Engelbrecht:

    Wie heisst der Kaffeeautomat aus dem Media-Markt?
    Ihr habt echt den Kaffee auf hier!
    Ein echter Espresso-Junkie ist mir in Tony Levin begegnet. Durch seine
    Tourneen mit Peter Gabriel und King Crimson wusste er, wo es in jeder Stadt den (aus seiner Sicht besten) Espresso gab. Ich bin mehr der Cappuccino-Typ, weiss aber auch einen guten Espresso und Kaffee, frisch zubereitet, sehr zu schätzen. Deshalb die Frage nach dem Automaten.

  9. ijb:

    Haha, das ist keine besondere Maschine… Es ist diese hier.

    Die gab’s für 240,- oder so. Eigentlich bin ich kein Freund von viel automatischen Sachen in der Wohnung, aber da wir beide gerne und täglich (bislang auch mehrfach täglich, ich jetzt erstmal nur einen am Morgen) – hier in diesen Räumlichkeiten tagein, tagaus lebend und arbeitend – und vor allem gerne guten Kaffee trinken und ich mich lange nach dem frisch gemahlenen gesehnt hatte, war das in der Tat eine vom Corona-Jahr 2020 beeinflusste Entscheidung, dieses Gerät zu holen. Der Schwabe in mir hat das natürlich vor dem Kauf im Kopf hochgerechnet. Und ich kann sagen, dass das eine gute Entscheidung war.

    Ach ja, ich bin bzw. wir sind auch eher Cappuccino- als Espresso-Menschen, ich hatte nur Espresso geschrieben, um mich deutlich vom Filterkaffee zu distanzieren. Frisch gemahlen und aus der Maschine ist ein Espresso zur Abwechslung aber auch immer gerne mal gesehen – bzw. genossen. Und ich bleibe ohnehin nicht konsequent bei Espressobohnen, sondern nehme auch mal Kaffee-Crema-Bohnen zur Abwechslung, und derzeit – da es auch ein Fach gibt, um einzelne Portionen mit bereits gemahlenem Pulver rauszulassen – trinke ich am Nachmittag jetzt gerne des öfteren einen zweiten Kaffee ohne Koffein. Meine Frau Gemahlin allerdings bleibt dann dem koffeinierten auch nachmittags treu… Man kann verschiedene Intensitäten einstellen, verschiedene Größen, verschiedene Mahlgrade … und so bei jeder Bohne individuelle Präferenzen eruieren.

  10. Michael Engelbrecht:

    Das scheint doch eine Supermaschine zu sein von De Longhi. Wenn der Kaffee in all seinen Varianten richtig gut schmeckr, was spricht gefwn die Anschaffung. Tolles Preis-Leistungsverhältnis, oder?!

    Ich würde jetzt oh mal bei Stiftung Warentest nachblättern, aber die Tendenz geht erstmal zu dieser Anschaffung. Wir haben uns in der Pandemie einen Oled von Pansonic angeschafft und eine Infrarotkabine. Letztere ist viel preisgünstiger als eine Heimsauna, mit vielen Vorteilen.

    Als alltagstaugliche Drogen sind hier Tee und Kaffee und Kakao, haha, der gute Mainstream, aber eine Maschine mit Espressobohnen zum Mahlen, das wäre noch ein Burner.

    So, derzeit in Dortmund: jetzt gehts zur Bäckerei Fischer, die haben einst den Salzkuchen mit Mett erfunden, ein Familienbetrieb seit 1848, und dann, gestärkt mit Mohnbrötchen mit Camembert und KAFFEE und … Vitamin C und Meteoreisen (danke, Olaf), auf nach Phönix West zur zweiten Biontech-Impfung.

    Im Auto läuft nur zu gern: The Coral, das Album Coral Island, rauf und runter … dieses wunderschöne englische Küstenkaffkonzeptalbum mit herrlichen spoken word Interludien …

  11. ijb:

    Um ehrlich zu sein, kann ich mir gut vorstellen, dass sich die verschiedenen Maschinen in einer Preisklasse nicht viel nehmen. Ich hab vor dem Kauf durchaus ein bisschen herumgegugelt, falls es irgendwie schlechte Urteile zu der Maschine gibt, aber nachdem ich einen positiven Eindruck gewonnen hatte, war ich beruhigt. Ich konnte (bzw. kann) mir halt nur schwer erklären, was man denn de facto dazugewinnt, wenn man jetzt nicht 240, sondern 900 oder 1200 oder 2500 für so ein Gerät zahlen würde. Vielleicht Langlebigkeit… hochwertige Einzelteile… keine Ahnung. Deshalb hab ich vorher gedacht, okay, wenn ich nach zwei bis drei Jahren feststellen muss, dass das Gerät bei täglich mehrfachem Gebrauch und sorgsamer Handhabung (und Entkalkung) nicht mehr ganz so gut mitspielt, weiß ich dann mehr… Ich hatte vor Ewigkeiten mal eine Nespressomaschine (günstiges Teil, gekauft nach Besuch in der Schweiz bei echten Schweizern, wo das super schmeckte… würde ich seither auch nie wieder kaufen, sowas…), und die hat nach ein zwei, drei Jahren trotz Pflege und Entkalkung nur noch Kaffee ausgespuckt, der wie alte Socken schmeckte… das war dann doof. Andererseits aber auch gut: Damit hatte der Kapselirrsinn ein Ende.

    (Grün-)Tee und Kakao gibts bei uns auch stetig.

    Die Platte von The Coral hab ich mir auch gekauft, aber die hört sich irgendwie immer so weg… Klingt nett und unterhaltsam, aber leider bleibt mir auch beim wiederholten Hören doch zu wenig hängen. Ich schätze, das bleibt (bei mir) ein sehr spezifisches Frühjahr2020-Album, das ich in ein paar Jahren nicht vermissen werde. (Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.) Aufgrund der Kürze der zwei CDs und der Eingängigkeit erinnert es mich recht stark an das Doppelalbum „Tonight, Only Tonight / The Morning After“ von der norwegischen Band Real Ones – bei dem blieb mir irgendwie ein bisschen mehr hängen. Das Thema ist ein anderes, aber es gibt einige Parallelen.

  12. Michael Engelbrecht:

    Ja, den Kapselirrsinn haben wir auch kennengelernt, und dann wars am Ende so, wie du beschrieben hast. Eine neue Kaffeemaschine rückt näher, Preis und Leistung scheinen bei eurer echt zu stimmen. The Coral wird bei mir kein Verfallsdatum haben, zu sehr lausche ich jedem einzelnen Song und spoken word Zwischenspiel hinterher. Und kein Album lief in diesem Jahr öfter. Ich beklagte sogar, dass ich so oft aufspringen muss, um die Seiten des Doppelinyalbums zu wechseln. Das ist für mich absolut fabelhafte Jukeboxmusik einer anderen Ära, jeder Song zieht mich rein, als wärs ein Evergreen – und es schwingt natürlich auch mit, dass ich immer wieder an englischen Küsten verweilte, on Blackpool, Brighton, oder all die pittoresken Orte in Dorset und Cornwall. So, jetzt aber Zeit für einen Filterkaffee, der mir zum Glück keine Kopfschmerzen bereitet.

    Anthony Josephs Album liebe ich.

    Dieses Jahr ist voller wunderbarer Alben.

    Brian Eno habe ich Nova Materia geschickt und Lambchop ans Herz gelegt. Aus meinem ganz sicheren Top 5 Zirkel der Jahresendliste. Das passiert auch nur alle drei Jahre, dass ich jemandem was sende, der ultimativ vernetzt ist. Beim Frühatück wird dann wieder seine LIGHTHOUSE Radio Session laufen. I love that song with omnichord.

  13. Olaf Westfeld:

    Ich habe hier in meinem Umfeld ein paar leidenschaftliche Kaffee-Enthusiasten. Bei den teuren Maschinen hat man mehr Möglichkeiten, in den Brühvorgang einzugreifen – wie wird der Kaffee gemahlen, welchen Druck übt man beim „tampen“ aus (zusammendrücken des gemahlenen Pulvers im Siebträger), wieviel Wasser läuft in welchem Zeitraum durch den Kaffee, und was weiß ich noch alles. Die Resultate lohnen sich dann auch, die beiden kochen echt super leckeren Espresso / Cappuccino; die Maschinen sind glaube ich auch wirklich robuster als so ein Vollautomat, kosten aber auch schnell mal das Doppelte und man braucht dann ja auch noch eine Mühle (und hat ständig Kaffeereste in der Küche).

  14. Michael Engelbrecht:

    Olaf, von welcher dieser sehr guten und etwas teureren Maschinen redest du da? Kannst du ein Beispiel geben?

    Michael Pollan hat nicht nur ein kluges Buch über LSD und CO. geschrieben, sondern auch über Kaffee, hier ein Gespräch mit ihm über coffee. Der Titel seines Buches mag etwas übertrieben sein, genauso wie der der Doku über das Musikjahr 1971, aber ich weiss es: er liefert Qualität ab, wie auch die spannende Doku über „the year that changed everything“.

  15. Olaf Westfeld:

    Gutes Einstiegermodell ist die Rancilio Silvia, kann zum Beispiel mit der Baratza Encore kombiniert werden.

  16. Olaf Westfeld:

    Ah, das Pollan-Buch sieht sehr interessant aus.

  17. Michael Engelbrecht:

    Nun heisst es, es beim guten alten FilterKaffee belassen, oder dies:

    https://www.amazon.de/gp/product/B07GGZBRZX?pf_rd_r=Q5QV29E4NVQ7HW9E47NC&pf_rd_p=4ba7735c-ede3-4212-a657-844b25584948&pd_rd_r=ab67afe3-6381-4052-a2dc-61673ce3c6fb&pd_rd_w=2KytR&pd_rd_wg=mWzjZ&ref_=pd_gw_unk

  18. Michael Engelbrecht:

    Und es wird spannend: die Entdeckung von Kaffeebohnen. Besonders viel Freude bringt die OnLineSeite kaffeezentrale.de – erstaunkiche Bohnensorten, grosse Vielfalt an Geschmack. Das kommt ja schn nah an die Vielfalt von Weinsorgen heran. Und heute entdecke ich erst – es gibt auch einen Laden, und das in der alten Heimat, in Bochum.

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