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2020 21 Aug

A Walk Through Puppet Motel

von: Jan Reetze Filed under: Blog | TB | Tags: , | 6 Comments

Erinnert sich noch jemand an das Zeitalter, als CD-ROMs als die Zukunft der Bildungsvermittlung galten? Als allenthalben von „virtueller Realität“, „digitalen Opern“ und „interaktiven Filmen“ geschwärmt wurde? Die dann allerdings alle miteinander kaum je entstanden, weil niemand so recht wusste, wie man diese neuen Möglichkeiten halbwegs sinnvoll nutzen könnte? Die wenigen Beispiele, die es gab, waren meist wie ein Restaurant, in dem man selber kochen musste (mit freundlichen Grüßen an den damaligen RTL-Chef Helmut Thoma, von dem dieser Vergleich stammt).

Schon wenige Jahre später war die CD-ROM vergessen. Das Internet war einfach schneller, ließ viele Mitwirkende zu, und konnte — anders als die CD-ROM — aktualisiert werden.
 
 

 
 
Es gab auch Kunst auf CD-ROMs. Laurie Anderson brachte 1995, basierend auf einem Song ihres Albums Bright Red, die CD-ROM Puppet Motel auf den Markt. Eine virtuelle, interaktive Tour durch die Räume eines Motels, entwickelt zusammen mit dem taiwanesischen Künstler Hsin-Chien Huang. Es war kein Erfolg und obendrein ein kurzes Vergnügen: Die Firma, die die CD-ROM auf den Markt gebracht hatte (The Voyager Company), ging sehr bald pleite. Die CD-ROM ließ sich nur auf einem bestimmten Apple-Rechner abspielen, den es schon bald darauf nicht mehr gab. Heute gibt es schon lange keine kompatiblen Geräte mehr.

Nun hat sich wohl doch einmal jemand in ein Computermuseum begeben und sich den Spaß gegönnt, eine Tour durch alle Räume des Puppet Motel aufzuzeichnen. Zur Besichtigung bitte hier entlang. Laurie Anderson ist auch heute noch eine virtuelle Reise wert.

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6 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Wie eine Erinnerung an eine ferne Zeit, in der es sowas wie Videotennis gab, oder wie hiess dieses Ping Ping auf alten Geräten … ich glaube, ich hatte das Videospiel MYST als CD-ROM, das durch faszinierend leere Orte führte mit feinem Soundtrack (ohne Lösungsheft wäre ich früh gestrandet). Ich glaube, diese Hotelführung schaue ich mir mal auf grosser Leinwand an.

    Aber so wie Martina gestern die zwei Arvo Pärt-Stücke erwähnte, als Teil eines Films, so ist es auch mit der Musik um Puppet Motel: am besten Augen zu, und die beiden Alben hören, BRIGHT RED, und Pärts ECM-Album. Das geht tiefer als jede Bebilderung.

  2. Martina Weber:

    Das „Videotennis“, Michael, wird in einem Buch von Michael Althen erwähnt, das ich neulich gelesen habe, es war, wie es dort heißt, das erste Videospiel und hieß „Pong“. Der technikbegeisterte ältere Bruder einer Schulfreundin hatte es, und ich habe es auch gespielt, fand es allerdings schnell langweilig.

    Die CD-ROMs kenne ich eher aus der Fachliteratur, als Versuch, Fachbücher und Fachzeitschriften platzsparend zu konservieren. Eins meiner Fachbücher enthält auch eine CD-ROM. Darauf finden sich leider keine coolen, selbst gedrehten Filme, sondern Fachtexte.

    Der Film „Gerry“ ist natürlich keine Bebilderung der Arvo Pärt-Musikeinlagen, wenn auch die musikalisch unterlegten Passagen aufgrund der Musik besonders unter die Haut gehen :)

  3. Michael Engelbrecht:

    Schon klar.

    In einer Liste, die hier irgendwo auf dem Blog herum geistert, kommt Gus Van Zand vor, in der Reihe „Meine zehn schlechtetsten Filme aller Zeiten“. Er hat mal, ganz innerhalb der Koordinaten Hollywoods, eine Remake von Psycho gedreht, das extrem eng am Original angelehnt war – absolut lächerlich.

    Das Spektrum zwischen hollywood-like und anti-hollywood-like ist allenfalls ein Beschreibungsmerkmal, nie ein Qualitätsurteil. Grandiose Filme gab und gibt es hier wie dort.

  4. Martina Weber:

    Ja, von diesem Psycho-Nachdrehfilm habe ich auf dem Cover gelesen. Das kann allenfalls als Experiment interessant sein, als Studienübung vielleicht. Solche Übungsaufgaben gibt es in allen Künsten.

    Ich habe das Merkmal „nicht hollywood-like“ auch als Beschreibung gemeint, nicht als Qualitätsmerkmal. „Gerry“ hat mindestens eine gravierende dramaturgische Schwäche (gefühlte 15 Minuten lang). Das wäre in Hollywood nicht passiert :)

    Ich wollte nicht so viel über den Film verraten, und keine Interpretation liefern. Sehr begeistert hat mich die Landschafterfahrung (die ich im Hinblick auf diese Landschaften lieber auf dem Bildschirm erlebe) und die Landschaft als Träger der Handlung, wodurch meine Kurzbeschreibung sich als Interpretation erweist. – Trotzdem wird es vermutlich kein Film für dich sein. Ich habe den Film zwei Mal gesehen und würde ihn nochmal anschauen.

  5. Michael Engelbrecht:

    Psycho war keine Übung, es war ein Film, der dem Regisseur jede Menge Geld einbrachte. Und er drehte ihn Jahre nach Good Will Hunting, einem seiner besten Filme.

  6. Michael Engelbrecht:

    Aber, um das Thema zu wechseln: der CD ROM Charme des Puppet Motel Films hat schon was!


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