Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Ich habe noch mehr Titel für diesen Beitrag in petto. Er könnte auch lauten Aus dem Magischen Jahrzehnt des K.J. Ich verwende ihn nicht, denn die Rechte liegen bei M.E. und bei ihm habe ich nicht angefragt. Auch NDR Jazzworkshop No. 100 wäre ein passender Titel.

Die Rundfunkanstalten der ARD gestalten ein oder zwei Mal im Jahr ein Radiofestival. Es wird mit diesen (und noch mehr) Worten angepriesen:

 

Die Kulturradios der ARD sorgen auch in diesem Jahr wieder für glanzvolle Abende und Festival-Stimmung aus ganz Europa. Acht Wochen lang – vom 20. Juli bis 14. September – können die Hörerinnen und Hörer jeweils von 20 bis 24 Uhr wunderbare Sommerabende genießen. […] Das ARD Radiofestival macht jeden Abend Station bei einem bedeutenden europäischen Festival und sendet Konzert-Highlights von den Salzburger Festspielen, den Bregenzer Festspielen, vom Festival D’Aix-en-Provence, vom Granada Festival, dem Rheingau Musik Festival, der Proms in London, vom Kunstfest Weimar, dem Beethovenfest Bonn, den Schumann Festwochen Leipzig und vielen anderen.

 

Dabei darf der Jazz nicht fehlen. Die Jazzreihe überrascht montags bis freitags ab 23.30 Uhr mit einem facettenreichen Programm. Klingt gut! Aber Vorsicht! Man gönnt diesem bedeutenden Musikgenre nur kümmerliche 30 Minuten Sendezeit. Das ist lächerlich. Trotzdem war ich vorgestern dabei, um endlich in guter Klangqualität einen der fulminantesten Liveauftritte der Jazz History zu genießen. Naja, den kompletten Jazzworkshop No. 100 hat man nicht gesendet. Der dauert 96 Minuten.

Was ich gehört habe, hat mir Gänsehaut beschert. Wie geht es euch dabei?

 
 

 
 

Was ich gehört habe, kenne ich schon seit 1982, als der NDR am 23. Oktober Jarretts Solo Recital aus der Staatsoper Hamburg live sendete. Weil der Beginn des Konzerts sich bis Mitternacht verzögerte, gab es als Lückenfüller Ausschnitte aus eben dem 100. Jazzworkshop, wegen eines Geisterfahrers unterbrochen von einer Verkehrsdurchsage, und ergänzt durch einen Wortbeitrag Michael Nauras, aus dem ich hier vor Kurzem zitiert habe.

Heute (kalendarisch gestern) habe ich ein wenig in den Kalendern geblättert, die Olivier Bruchez auf seiner wunderbaren Webseite und Discogs zur Verfügung stellen. Es kam für mich durchaus Interessantes und Verblüffendes zum Vorschein. Nach der Quellenlage kam es am 18. April 1974 in Hannover zum ersten öffentlichen Auftritt von Jarretts European Quartet (mit Garbarek, Danielsson, Christensen). Da war das erste Album dieser Gruppe BELONGING noch gar nicht auf dem Masterband. ECM 1050 wurde erst am April 24 and 25, 1974 at Arne Bendiksen Studio, Oslo recorded.

Jarretts European Quartet lebte 5 Jahre. Das letzte Album NUDE ANTS dokumentiert den bzw. die Auftritte vom Mai 1979 im Village Vanguard, New York, NY, USA. Am Montag dieser Woche hörte ich im Radio eine unglaublich ekstatische Version von Spiral Dance und das lyrische Blossom. Eine Verkehrsdurchsage kam nicht zur Aufführung – aber der Moderator bequasselte den Übergang zwischen beiden Stücken.

This entry was posted on Mittwoch, 11. September 2019 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

4 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Herrlich, Musik und Geschichte.

    NUDE ANTS und die beiden LIVE-Alben aus Japan zeigen, wie entfesselt das BELONGING-Quartett spielen konnte, eine ganz andere Gangart als der Klassiker BELONGING und der Nachfolger MY SONG.

    Aus diesen fünf Jahren des europäischen Quartetts habe ich zwei Lieblingsalben, die die Polarität gut abbilden, das Album mit den Luftballons auf dem Cover, und SLEEPER. Als ich Palle Danielsson in den Neunziger Jahren interviewte, sagte er mir, er habe das frühe Ende dieser Formation nie verstanden. Ich auch nicht.

  2. radiohoerer:

    Das ARD Radiofestival gibt es zum Glück nur einmal im Jahr! Ich habe mich darüber schon oft genug ausgelassen. 30 min Jazz. Das ist lächerlich und damit hast du vollkommen recht. Prima Sache zum Geldsparen für die armen Rundfunkanstalten.

    Zur Musik:
    SLEEPER war für mich eine große Überraschung. Diese Power hätte ich diesem Quartett nie zugetraut. Nach den anderen Konzertmitschnitten muss ich mal schauen. Diese lohnen sich wohl auch.

  3. Rosato:

     
     
    2 ergänzungen

    eine potenziell erfreuliche (1)
    eine bittere lamentatio zum jazz im radio (2)
     

    1
    etwa 2 wochen nach der aufnahme von BELONGING kam es zu tv-aufzeichnungen des european quartets bei NRK TV, dem norwegischen fernsehen. NRK bietet nach 45 jahren immer noch großzügig 2 längere ausschnitte dieser produktion an, darin ein kurzes interview mit Keith.

    2
    Martin Hufner hat sich die BITCHES BREW sendung des ard radiofestivals vorgeknöpft. er spendete seinem kommentar diesen titel:
    Jazz im ARD-Radiofestival: Milestones der Herzlosigkeit

     
     
    Hufner hat vor einigen monaten die änderung des konzepts von
    WDR 3 Jazz & World beklagt

    ich höre die sendung nicht mehr, seit halbwegs musikalische gymnasiasten
    so wirken die moderatoren auf mich nach 2 hörversuchen
    ihre informationsarmen stücklisten runternudeln

    das schafft spotify mindestens genauso gut
    oder bedient mich gar KI?
     
    wozu bin ich bildungsbürger?
    himmlherrgotzacklzement.
     

  4. radiohoerer:

    Hallo Rosato und vielen Dank für den Tipp mit den NRK TV. Was ist das für Service den sie bieten, Wahnsinn. Da sollten sich unserer Anstalten mal eine Scheibe abscheiden. Was da noch alles im Keller ungesehen und ungehört liegt…?!?

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