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2019 7 Jun

Clara Schumann lädt das Omer Klein Trio auf die Bühne

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

 
 

Gestern Abend gab Omer Klein Clara Schumann und uns die Ehre. Das Konzert begann mit einem wundervollen, wie aus einem Schlüsselblumenbouquet geschüttelten Vollklang. Omer am Piano strahlte seinen Bassisten Haggar Cohen-Milo an, der lachte zurück und dann hinüber zu Amir Bresler am Schlagzeug. Da fand musikalische Höchstkommunikation statt. Was für eine Spielfreude! So nur gesehen bei Ravi Shankar, lang ist’s her. Dann stand Omer auf, nein, er lehnte nicht am „wankenden Spinett“, sein Bassist hielt mit, das Ganze ein Bild von: wir halten die Richtung. Das Musikboot steuerte mediterrane Häfen an: Stücke rund um das Mittelmeer erklangen. Mir gefiel besonders das zweite Stück: „Tripoli“. Omer haute in die Tasten, der Drummer übertönte ihn. Fantastisch wie er die Trommeln bediente: wake up, stand up, beat up for your life. Ich denke an Heinrich Bedford-Strohm, der jetzt auf Sizilien steht und für die Entkriminalisierung der Seenotretter kämpft. Die drei Jungs aus Israel hämmerten ihre Anklage, dass ein Raunen durchs Publikum ging, meine Freundin flüsterte mir zu: „They got the rhythm.“ Hillary Clinton schwebte vorüber, was hat sie  für Unheil angerichtet. Und please, free Assange. Musik kennt und tröstet mit wunderheilsamen Melodien. Das Omer Klein Trio besitzt alle musikalischen Rezepte dazu. Ihre komponierten Stücke schlugen einen weiten magrittschen Friedensflug über das Mittelmeer. So heisst denn auch ihr drittes Album: Radio Mediteran. Unbedingt empfehlenswert!

 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 7. Juni 2019 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

4 Kommentare

  1. Rosato:

     
    absolute Zustimmung
     
     
    dieses Jahr habe ich das Trio erlebt in Hamburg/Fabrik, in München/Ampere und Bad Kissingen steht noch bevor.

    Live sind sie umwerfend. Die Alben sind nach meinem Empfinden zwar gut, aber wirken nur wie Skizzen und Entwürfe für entfesselte und entfesselnde Konzerte.

    Kein Auftritt ist wie der andere – ich weiß das aus Erfahrung. Jedes Stück wird von Konzert zu Konzert anders beleuchtet.

    Mein Liebling ist Amir Bresler, ein fantastischer Drummer, zurückhaltend im Ensemble und mit Soli von atemberaubender Dramaturgie und Komplexität.

    „Yemen“ ist immer noch der fulminante Abschluss der Konzerte dieses Jahres. Das haben sie bestimmt in Düsseldorf gespielt. Amir hat sich am Drum Set verausgabt und fast ungläubig strahlend den Beifall entgegengenommen. So war das schon bei den Kulturwelten Helmbrechts (2016 & 2017).
     
     
    Im Jahr 2016 trat das Omer-Klein-Trio bei JazzBaltica auf.
    Hier kann man es nacherleben.
    Das legendäre „Yemen“ beginnt bei 45:30
     

  2. Lajla:

    Ja Rosato, der Drummer ist in seiner Bescheidenheit und seinem Können sehr beeindruckend. Am Verkaufsstand trat er ziemlich scheu auf. Eine Frage: Warum werden bei solch improvisierendem Jazz eher LPs gekauft und weniger CDs?

  3. Hans-Dieter Klinger:

    zur Frage:
    ich hab keine Ahnung
    vielleicht deswegen, weil auf LPs das Kleingedruckte besser lesbar ist.

    Ich habe ausnahmsweise in München die Vinyl-Edition von RADIO MEDITERAN gekauft – doppelt so teuer, wie die CD. Es war das letzte Mal, dass ich zu Vinyl gegriffen habe, denn auf der B-Seite sind in den letzten beiden Tracks ein paar üble Knacks. Ich glaube nicht an den angeblich besseren Sound von Vinyl im Vergleich zur CD.

    Ich glaube an etwas Anderes …

  4. ijb:

    Dass Vinyl im Vergleich zur CD einen „besseren Sound“ habe, ist bekanntlich nur eine Marketing-Masche bzw. ein Märchen, das von jüngeren Audiophilen gerne kolportiert wird, um die extrem höheren Preise für LPs (wohl auch vor sich selbst) zu rechtfertigen. Rein objektiv und faktisch weiß natürlich jeder Produzent (und das sagten mir audiophil veranlagte Produzenten wie M. E., Morten „2L“ Lindberg oder Andreas „Hubro“ Meland auch unumwunden selbst), dass das Quatsch ist und sie die Platten vor allem deshalb anbieten, weil sie einfach gekauft werden – und zwar für deutlich höhere Preise.

    Hubro z.B. verkauft (wie in Skandinavien üblich) fast gar keine CDs mehr, fast nur noch LPs.

    Ich denke, es ist eine Mischung aus Mode, Nostalgie (bei älteren Platten, die analog produziert wurden, hört man den Unterschied ja auch, und die LPs klingen oft sehr gut, aber bei rein elektronischen Produktionen habe ich mich auch schon manches Mal ein wenig geärgert, dass ich Vinyl gekauft hatte — man muss oft innerhalb von 40 bis 45 Minuten drei Mal die Platte umdrehen/wechseln, und es klingt dann einfach auch nicht so gut wie eine CD oder eine gute Musikdatei, die dem beabsichtigen Klangergebnis weitaus näher kommt) und dem Gefühl, „mehr in der Hand zu haben“ fürs Geld, speziell wenn eine LP 17,99€ kostet und die CD 16€. Es macht halt „mehr her“.

    Aber wenn die LP 30 oder 35 Euro kostet und die CD 11,99 … sieht die Sache schon anders aus.

    Leonard Cohen klingt auf den Vinyl-Platten schon toll. Oder Meshell Ndegeocello. Aber viele LPs sind mittlerweile auch mittelmäßig im Klangbild.

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