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on life, music etc beyond mainstream

2018 3 Jul

Sommerrezept und Sommerlektüre

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  | 9 Kommentare

 

 
 
 
Wir müssen ja Karl Marx nicht wörtlich folgen und den Fisch selber fangen. Aber ihn dann zu Mittag selbst zuzubereiten, liegt sicher in der gemeinten  Denkrichtung.
 
 
SEELACHS IM SENFMANTEL
 
4 Seelachsfilets

8 Eier

8 EL Senf (ich nehme den von Uwe mitgebrachten aus Schwerte)

1 Teelöffel Honig

1 Prise Salz und Pfeffer

Etwas Mehl und Öl zum Braten
 
(FÜR 4 PERSONEN)
 
 
Und dann empfiehlt Herr Marx, nach dem Essen zu kritisieren.
 
Ich habe für Euch gelesen:
 
Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst
 
Ich habe die Bücher von Lanier gerne gelesen. Er war von Anfang an dabei, war Gründer und Insider im Silicon Valley. Er ist  Computerwissenschaftler und – bitte kritisch beachten – arbeitet für Microsoft. In seinem neuen Buch geht es um Datenmissbrauch und wie wir mit Social Media unser Verhalten modifizieren.
 
Ich zitiere:

In sozialen Medien ist die Manipulation sozialer Gefühle die einfachste Methode, um Bestrafung und Belohnung herbeizuführen (S.27…)

BUMMER (= Behaviors of Users Modified, and Made into an Empire for Rent) in etwa: Verhaltensweisen von Nutzern, die verändert und zu einem neuen Imperium gemacht wurden, das jedermann mieten kann. (S.43 …) Lanier unterteilt in 6 Komponenten:
 

Die Arschloch Herrschaft
 
– Totale Úberwachung

– Aufgezwungene Inhalte

– Verhaltensmodifikation

– Ein perverses Geschäftsmodell

– Fake People
 
 
Dazu ein Beispiel von Lanier selbst auf S.64:
 
Für eine Weile war ich Top Blogger der ‚Huffington Post‘, immer auf der Startseite. Aber dann stellte ich fest, dass ich wieder in die altbekannten Muster verfiel, wann immer ich die Kommentare las. Ich schaffte es nicht, sie einfach zu ignorieren. Bei solchen Gelegenheiten fühlte ich eine merkwürdige, verhaltene Wut in mir aufsteigen, manchmal auch einen absurden, glūhenden Stolz, wenn es den Leuten gefiel, was ich geschrieben hatte -selbst wenn das, was sie schrieben, eher verdeutlichte, dass sie sich nicht ernsthaft mit meinem Text beschäftigt hatten. Die Autoren solcher Kommentare suchten hauptsächlich Aufmerksamkeit für sich selbst …

S.77 Was wir brauchen, ist irgendetwas, das jenseits der sozialen Angeberei real ist. … Falls du auf Online-Plattformen aktiv bist und dabei etwas Unerfreuliches in dir selbst bemerkst – eine Unsicherheit, ein geringes Selbstwertgefühl, den Drang, jemanden zu attackieren: dann verschwinde von dieser Plattform.

S.94 Postings von Frauen werden häufig auf groteske Weise aus dem Zusammenhang gerissen, um sie zu demütigen, bloß zu stellen oder zu belästigen.

„Social Media tötet dein Mitgefühl “ S.107 …) Du kannst jdn. nicht verstehen, wenn du nicht zumindest ein bisschen was darüber weisst, was er erlebt hat.

S.124 BUMMER drängt mich in die Position eines Untergebenen. Schon seine Struktur ist eine Demütigung …

S.152 Ich werde also erst dann ein Nutzerkonto bei Facebook, Google oder Twitter anlegen, wenn ich dafür bezahlen darf -und wenn ich das eindeutige Recht an meinen eigenen Daten habe und den Preis für Sie SELBST FESTSETZEN kann …
 
Und zum Schluss die Frage an Karl Marx: Wann sollen wir Musik hören?

Ich höre seit zwei Tagen immer Ray Davies: Our Country, besonders The Getaway.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 3. Juli 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

9 Kommentare

  1. Jochen:

    Interessanter Buchtipp.

    Danke auch, dass du das Buch für mich / uns gelesen hast, Lajla. Der Philosoph Robert Pfaller nennt so etwas „deligiertes Geniessen“.

  2. Lajla:

    Danke Jochen. Ich bin davon ausgegangen, dass einige Manas wegen Fussball in ein „Realitätsloch“ fallen. So nennt der Philosoph Eilenberger die WM-Zeit. Ich nenne sie Summer in the City.

  3. Jan Reetze:

    Der Jaron Lanier gehört — ähnlich wie Marius Müller-Westernhagen, Joseph Weizenbaum oder seinerzeit Günter Grass — zu einer Gruppe von Leuten, die aus mir unerfindlichen Gründen immer wieder als „moralische Instanz“ durchgehen.

    Ich kenne Laniers Buch nicht, aber sein Geschäftsmodell ist es seit vielen Jahren, vor Dingen zu warnen, an deren Entwicklung er zehn Jahre zuvor maßgeblich selbst beteiligt war. Deswegen klingt seine Kritik immer sagenhaft kompetent, aber viel Substanz ist selten dahinter.

  4. Lajla:

    Jan, so scharf wie Constanze Kurz vom CCC warnt er wirklich nicht vor dem Datenmissbrauch.

    Beim Manatreffen in Münster sagte Jochen: Kommentare auf unserem Blog haben keine große Bedeutung. Das hatte mir gutgetan.

  5. Michael:

    „Keine grosse Bedeutung“ ist relativ und dehnbar. Im Sinne grosser internationaler netzwerkgestützter Beachtung ist das sicher richtig. Das mit der „grossen“ Bedeutung würde ich eh nicht in Anspruch nehmen. Erhellung, Klärung, Anekdote, sachliche Kontroverse: das schafft hilfreiche „Bedeutung“.

  6. Jochen:

    Hab „Lanier“ gegoogelt: aha, der ist das! Jans Vergleich mit Marius Moral-Westernhagen erscheint mir zutreffend. Und wiedermal zeigt sich das Glück im Nicht-so-genau-Wissen.

  7. uwe Meilchen:

    manafonistas.de / in-high-esteem-2 …

    Inwiefern und wieso und warum ist denn Westernhagen eine moralische Instanz? Durch seine auch im reifen Alter vorgetragenen, nur pubertär zu nennenden altbekannten (gähn) Frauenphantasien? Seinem diffamierenden Songtext über „Dicke“ ? Seine Nähe zu Gerhard Schröder? Irgendetwas habe ich da, glaube ich, nicht mit bekommen …

  8. Jochen:

    Neulich in der Talkshow: MM-W hebt an, sich kritisch über das Internet, die Digitalisierung etc zu äussern. Er sagt eigentlich inhaltlich nichts Relevantes, aber alle hängen an seinen Lippen, als würde der Papst persönlich eine Audienz halten.

    Der Begriff „Moral“ ist für mich auch eher negativ konnotiert („Moralapostel“, moralistisch, moralisierend) – im Gegensatz zu Ethik oder Ethos. Sloterdijk hat übrigens Geistreiches geschrieben über den Popanz so mancher Prominenz.

  9. Michael Engelbrecht:

    Ich würde auch sagen, dass der mir vollkommen sympathische „Theo“, als er im Kino „gegen den Rest der Welt“ antrat, keine moralische Instanz war. Aber sehr sympathisch. Ich mochte leider seine Lieder nicht, auch nicht die frühen. Seine späteren Auftritte (in Interviews) schienen mitunter schon moralinsauer und leblos.

    Das übelste moralinsauerste, pseudotiefsinngste Album deutscher Rocker ist allerdings MENSCH. Von diesem Bochum-Freak mit der verquälten Stimme.

    Da ist mir Udo L stets lieber gewesen.

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