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2018 15 Mrz

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (159)

von: Gregor Mundt Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

Wenn der Tempo mit dem Jukebox-Man kommt …
 

Es wird Frühjahr. Die Jukebox-Kneipen, die über die Wintermonate geschlossen hatten, erwachen zum Leben, die Wirte öffnen die Läden, lassen frische Luft herein, schalten schon einmal die Jukebox ein, bemerken, dass die Schallplatten nicht gleichmäßig laufen, wenn sie sich überhaupt bewegen. Das altbekannte Problem: die Schmierung der beweglichen Teile wird während der langen Ruhezeiten zäh und es dauert seine Zeit bis alles wieder rund läuft.

Ein Wirt schickte mir neben seinen Plattenwünschen auch noch einen kurzen literarischen Text, der ihm während des Lesens an langen Winterabenden besonders gefallen hat, es handelt sich um einen Ausschnitt aus einem Buch von Peter Handke „Versuch über die Jukebox“:
 

An einem Spätwinterabend saß er, in den Skripten das um so stärker anstreichend, was er um so weniger aufnahm, in einem seiner bewährten Jukebox-Cafès. Dieses lag an einem für dergleichen eher untypischen Ort, am Rand des Stadtparks, und auch die Kuchenvitrine und die Mamortischchen paßten nicht zu seinem Ding. Die Box spielte, aber er wartete wie immer auf die von ihm selbst gedrückten Nummern; dann erst war es richtig. Auf einmal, nach der Plattenwechselpause, die, mitsamt ihren Geräuschen – dem Klicken, dem Suchsurren, hinwärts und herwärts durch den Gerätebauch, dem Schnappen, dem Einrasten, dem Knistern vor dem ersten Takt-, gleichsam zum Wesen der Jukebox gehörte, scholl von dort aus der Tiefe eine Musik, bei der er zum ersten Mal im Leben, und später nur noch in den Augenblicken der Liebe, das erfuhr, was in der Fachsprache „Levitation“ heißt, und das er selber mehr als ein Vierteljahrundert später wie nennen sollte: „Auffahrt“? „Entgrenzung“? „Weltwerdung“? Oder so: „Das – dieses Lied, dieser Klang – bin jetzt ich; mit diesen Stimmen, diesen Harmonien bin ich, wie noch nie im Leben, der geworden, der ich bin; wie dieser Gesang ist, so bin ich, ganz!“? (Wie üblich gab es dazu eine Redensart, aber, wie üblich, entsprach sie nicht ganz: „Er ging in der Musik auf“.)

 
Ein wunderbarer Text!
 
Jetzt aber zu den Platten: natürlich bleiben die Klassiker in den Boxen. Zu ihnen gehören auch zwei Singles der Sparks: `This Town Ain´t Be Big Enough For Both Of Us´ und `Amateur Hour´, beide erschienen 1974. Ich erwähne hier besonders die Sparks, weil sie unlängst auf ARTE zu sehen waren und – ehrlich, man glaubt es kaum – sie spielten die beiden Lieder am Schluss des Konzerts in alter Frische.
 
 
 

 
 
 
Nun aber endlich zu einigen – ich nenne mal elf – eingegangen Jukebox-Plattenwünschen für dieses Frühjahr:
 
Twain: Solar Pilgram (The Sorcerer / Nov.2017)

Tristen: Glass Jar (Sneaker Waves / Febr.2018)

Van Morrison & Joey DeFrancesco: You´re Driving Me Crasy (You´re Driving me Crasy / April`18)

Aisha Bradu: Bridges (Bridges – Acoustic 2018)

Special Explosion: Fire (To Infinity Dez.2017)

Eels: Premonition (The Deconstruction / April 2018)

Eels: Today Is The Day  (The Deconstruction / April 2018)

Anna Burch: Tea-Soaked Letter (Quit The Curse / Febr.2018)

Collapsing Stars: The Storm (2012 / Aug.2017)

Dead Horses: Turntable (My Mother The Moon / April 2018)

Sparks: I Wish You Were Fun (Hippopotamus / Sept.2017)
 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 15. März 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

4 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Oh, man, I wish I would have your free space of time driving through the land, feeding jukeboxes, listening to new records, enjoying the Islands in the North. You‘re a lucky guy. Hard work 😓 is N O T your second name, isn‘t it?

  2. Gregor:

    YES, indeed!

  3. Michael Engelbrecht:

    I don‘t know o n e of these new songs:)

  4. Michael Engelbrecht:

    Der Song mit Van Morrison mag gutes Jukeboxfutter sein, wenn man vier Jever Pils intus hat, als Song ist er aber eher banalissimo.

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