Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2018 14 Mrz

Der Dichter am Mikrofon

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 8 Kommentare

Ohne Gitarre
 
Ich spiele mit meinen Fingern

die Saiten an deinem Puls.

Die Schnecke aus deiner Hand.

Das ist der leiseste Blues.
 
(Von Arnfrid Astel 1933 – gestern)
 
 

Astel gehörte zu meinem saarländischen Innercircle. Wir trafen uns in den 70ern in der Kneipe Sogenanntes Theater, kurz „Sog“. Dort diskutierten wir aufgebracht über die fristlose Entlassung unseres Radiomachers. Unser Dichter war rausgeflogen, weil er politische Epigramme aus seiner Werkstatt über das Mikrofon des SR öffentlich werden ließ. Arnfrid war unser Sprachrohr im Südwesten, mit ihm hatten wir unseren „Allen Ginsberg“. Als er den Prozess gegen den saarländischen Rundfunk gewonnen hatte, feierten wir mit ihm im „Sog“. Er war ein Frauenheld, ähnlich charmant wie Peter Schneider. Das Vollweib Karin Struck setzte ihm in ihrem Roman Klassenliebe mit dem intellektuellen Protagonisten Z ein literarisches Denkmal.

Wer noch nie einen Text von Arnfrid Astel gelesen hat – unbedingt nachholen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 14. März 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

8 Kommentare

  1. Martina Weber:

    Ich kannte ihn auch, allerdings sehr flüchtig. Auf der Buchmesse im Herbst 2016 kam er an den Stand des Poetenladen Verlages, ich begrüßte ihn mit seinem Namen, da wir einander schon vorher vorgestellt worden waren, und er griff zielsicher ins Regal und holte das Buch „Der gelbe Akrobat 2“ heraus, eine Anthologie von Gegenwartsgedichten, herausgegeben von Michael Braun und Michael Buselmeier. Das Buch bzw. die Buchreihe enthält Gedichte mit Interpretationen. Arnfrid Astel las sehr konzentriert die Interpretation eines seiner Gedichte. Ich fragte ihn, ob er die Interpretation treffend fand, und er nickte. Als er weiter gegangen war, las auch ich das Gedicht und den Kommentar und erfuhr etwas von Arnfrid Astels dramatischer Lebensgeschichte.

  2. Lajla:

    Grabschrift auf einen Floh

    „Hier liegt der springende Punkt.“
     
    Nach dem Tod seines Sohnes nannte er sich Hans Arnfrid Astel. Welch Verinnerlichung.

  3. Lajla Nizinski:

    Martina, Astel hat über 30 Jahre Lyrik im SR gesendet. Phänomenal.

    Gibt es heutzutage einen Radiomacher der Gedichtsendungen anbietet?

  4. Martina Weber:

    Wie hat er diese Sendungen denn konzipiert?

    Ich habe viele Jahre lang diverse Sendungen zur Poesie aus dem Deutschlandfunk aufgenommen und habe ein wundervolles Archiv: umfangreiche Aufnahmen von Lyrik-Lesungen und featureartigen Sendungen mit verschiedensten Herangehensweisen und Themen.

    Regelmäßige Poesiesendungen wurden mittlerweile eher in die Nischen von Lokalradios abgedrängt, die Sendungen können von einem größeren Publikum nur noch übers Internet live mitgehört werden. Ich kenne zwei solcher Lyrik-Radioteams: Zum einen Geraldine Gutiérrez-Wienken mit ihrer deutsch-spanischen Lyriksendung Poesia im Bermudafunk in Mannheim und das Team um Armin und Christel Steigenberger und Kristian Kühn (letzterer hat das in Lyrikkreisen vielbeachtete Onlineportal signaturen-magazin.de gegründet) in München mit einer monatlichen Lyriksendung, die online live gehört werden kann.

    Das Publikum für diese Sendungen ist klein. Diejenigen, die Lyrik schreiben, erhalten ihre Nahrung woanders.

  5. Lajla Nizinski:

    Danke Martina, das sind ja immerhin einladende Tipps.

    Arnfrid Astel hatte alle möglichen berühmten und weniger bekannten Literaten eingeladen und begann einfach das Gespräch mit ihnen- ohne Vorlage. Das erinnert mich an Immendorff, der sich angstvoll vor die leere Leinwand setzte und zu malen begann. Lisa Eckhart raucht ein paar Zigaretten vor ihrem PC und dann haut sie ihre erstaunlichen Texte rein.

  6. Martina Weber:

    Hier ist der Link zu Geraldines Radiosendung beim Bermudafunk …

    Die Sendung Poesia kann auch auf der Website nachgehört werden. Wenn du bei dem Link nach unten scrollst, kannst du die Sendung vom 13.03.2018 hören.

    Was die Lyriksendung aus München angeht, erhalte ich regelmäßig per Mail eine Einladung mit dem Programm und der Website, auf der die Sendung live mitgehört werden kann. Wenn du möchtest, sende ich dir die Mail beim nächsten Mal weiter.

    Ich mag das Sendeformat mit dem ungeplanten Gespräch sehr! Es erinnert mich an die Zeit, als ich die Zwischentöne im Deutschlandfunk öfter hörte und erstaunliche Entdeckungen machte. Es ist auch nicht einfach, ein sendewürdiges ca. einstündiges Gespräch live hinzubekommen und es gehört eine gute Vorbereitung dazu, auf deren Grundlage dann eine Improvisation möglich ist. Ich hätte die Sendungen von Arnfrid Astel sehr gern gehört. Den Frauenheldaspekt kann ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen ;)

  7. Lajla Nizinski:

    Ja gerne. Ich werde im Mai mal in SB nachforschen, ob Künstlerfreunde von Astel Mitschnitte haben.

  8. Martina Weber:

    Cool :)


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