Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Gestern war ein trüber Tag. Nach meinem Spaziergang „über den Berg“ (ich wohne nicht am Alpenrand oder im Mittelgebirge, also war die Angelegenheit in einer knappen Stunde erledigt) machte ich mir eine grosse Tasse Assamtee, verdunkelte mein Musikzimmer, und hörte in der Folge zwei Platten, die jeweils von einem Künstler allein eingespielt wurden. Eine Kerze vertrieb das Restgrau, das durch Vorhangsspalten huschte. Das eine Album heisst „REFLECTION“, das andere „MY FOOLISH HEART“. Zuerst Ralph Towner, dann Brian Eno. In der Pause bereitete ich mir eine weitere Tasse Tee zu, diesmal grünen. Obwohl Towners Sologitarrenmusik die Aufmerksamkeit des Hörers unmittelbarer einfordert als „Reflection“, kann man sich dabei auch, mit geschärftem Bewusstsein, tief entspannen. Und es gäbe einiges zu sagen zum siebten puren Soloalbum des amerikanischen Musikers. Man merkt gar nicht, wie konzentriert die Kompositionen sind, es erscheint behändiger, schwebender, als das auf enorme Reduktion bedachte Solowerk „Timeline“, das Peter Ruedi einst, und völlig zurecht, zu einer seiner sachlichen Lobeshymnen animierte. Gedanken(splitter) zum „närrischen Herzen“ kamen kurz zu Bewusstsein, tauchten ab – in der stillen Freude unkommentierten Hörens. Später, bei Enos neuer CD, huschten alte Gedanken vorbei, solcher Art, und etwas abgerundeter (achten Sie auf die Abweichungen von Bekanntem, alte Hüte sitzen besser schräg): die Rezeption der Ambient Music von DISCREET MUSIC bis REFLECTION folgt einem Muster; des einen Langeweile ist des andern Erfüllung. Selten wird wahrgenommen, wie weit all diese „doors of perception“ von einander entfernt sind, der Handschrift des Komponisten oder „Algorithmikers“ zum Trotz. Eine Welt liegt zwischen dem lo-fi von DISCREET MUSIC und dem high-end von REFLECTION. Das eine Zufallsentdeckung, das andere Resultat langen Hörens und Verwandelns. Ich habe mich in diesen Räumen noch nie gelangweilt, aber das Wort Erfüllung trifft es auch nicht. Zu edel. Transzendenz kommt näher heran, ist für mich aber nichts Spirituelles, es ist das, was hinter den Türen auftaucht, wenn man Gewohnheiten, Kreisläufe durchbricht. A dark room. The silence of a candle. Stop making sense. „Do you realize?“. Was ist mein Lieblingssong – ever? „Sunny Afternoon“, von den Kinks. Hier könnte es spannend werden, bei den, nicht auf Aphorismen bedachten, Randnotizen. Was da so von ferne alles hereinschneit, beim Hören zweier wundervoller Platten, bis das eine und andere, stets fragmentierte, Sammelsurium, nach kurzem Quer- und Rumtreiben, entgleitet und forttrudelt!

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 10. Januar 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Noch ein bisschen Rumtreiben gefällig?

    http://thequietus.com/articles/21532-david-bowie-low-review-anniversary

    http://thequietus.com/articles/21533-kurt-wagner-lambchop-interview-favourite-albums

  2. Ingo J. Biermann:

    Reflecting on Ambient music – Jarvis Cocker’s Sunday Service: Jarvis is joined by Brian Eno to talk about his new Ambient album released today and the reasons he developed his ambient approach in the first place.

    http://www.bbc.co.uk/programmes/b0872pq4

  3. Michael Engelbrecht:

    Ahh, this Sunday Service rocks around the clock :)


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