Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archives: Januar 2015

2015 5 Jan.

2014 moment no. 2

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A day has 6,400,099,980 moments … (Dōgen/Ozeki) …
 
 
 

 
 
 
2014 MOMENT: no 1 [ ©FoBo_HenningBolte ]
 
 
SERIE – no. 1
 

2015 5 Jan.

Fuenf Eins Fuenfzehn

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Kurz aus den Fluten der Weihnachtszeit und deren Nachwirkungen auftauchend will ich kurz vermelden dass es nicht die schlechtesten Abende waren, die ich, heimgekehrt von des Tages Muehen, sanft auf den Klaengen vom Apollo Album von Brian und Roger Eno (mit Harald Budd) verbracht habe …

Der kleine Stapel mit von mir aufgenommenen DAT Cassetten wird auch immer hoeher: die „Lange Nacht“ fur Elfriede Mayroecker im Deutschlandfunk, das Studio LCB mit einer Sendung aus dem Archiv mit Jandl/Mayroecker, diverse Hoerspiele und die Radionacht Jazz vom ersten Weihnachtstag mit Musik aus den fruehen ECM Jahren warten noch auf das Anhoeren.

Zwei Filme die es bereits sei einiger Zeit auf DVD gibt und ich weiter empfehlen moechte: Die Wand mit Martina Gedeck nach dem Buch von Marlen Haushofer. Und Mr. Morgan’s Last Love, ein stiller, eindringlicher Film von Sandra Nettelbeck mit einem im Alter immer besser werdenden Michael Caine.

Gestern war Ballett am Rhein. b.17 heisst das Stueck von Martin Schlaepfer, einem Appenzeller Bub, der eigentlich Biobauer werden wollte und nu is er Chefchoreograph an der Oper in Duesseldorf. Schlaepfer ist phaenomenal. Er choreographierte die Queen of the spoken Word: ANNE CLARK.

Auf ihrem The Law is an Anagram of the Wealth bringt sie den Weltschmerz von Friedrich Rueckert: „Mein Leben ist mir abhanden gekommen.“ Nun, mir meins nicht, bin munter, wenn ich an das wunderbare Konzert von RICKIE LEE JONES in L.A. 1980 denke. Ich hatte die allerletzte Eintrittskarte ergattert, sass in der ersten Reihe und hoerte der zarten Losangelina zu.

Aber zurueck zu dem Choreographen. Ausser Rickie und Anne hat er auch MARIANNE FAITHFULL mit „City of Quartz“ und – wer weint da jetzt? – „The last sleep of the Virgin“ von JOHN TAVENER, dem britischen Komponisten,gespielt auf der Beerdigung von Diana, choreographiert. Und jetzt aktuell GUSTAV MAHLER, die 7. Sinfonie in dem Tanzstueck von gestern Abend.

Die Taenzer kamen aus schwarzen Loechern auf die Buehne. Vollkommen ermattet, gekruemmt und wankend, wie die Boatpeople, die mit letzter Kraft das rettende Ufer erreichen. Die musikalisch duester gehaltene Einleitung wird im Lied der Nacht nicht viel heller, Herdenglocken erinnern ans Irdische, Gitarre und Mandoline versuchen neben den vielen Streichern etwas an Zaertlichkeit hineinzusaiten, es gelingt nicht. Obwohl es Mahler so gewollt hatte.

Auch sein euphorischer Finalsatz ist schwer be/greifbar, das Tanzgerangel zwischen den Geschlechtern ist eher gewalttaetig als erhebend. Wieso das juedisch Unterdrueckte immer mit langen Maenteln und Stiefeln dargestellt werden muss, ist mir zu klischeehaft. Ueberhaupt war es nicht verkehrt, ab und an die Augen zu schliessen und auf die wunderbare von ganz weit herkommende Musik zu lauschen und davon geruehrt zu sein.

Hoffentlich bleibt Martin Schlaepfer noch lange am Rhein. Vielleicht choreographiert er einmal THE KINKS: „Don’t forget to dance.“ Das waere sympathisch.

Der Jazz ernährt sich von der eigenen Vergangenheit, aber nicht, weil es nichts Besseres zu tun gäbe. Es gibt dort immer noch Herausforderungen und Widersprüche, ein Dialog mit dem Vergangenen kann zu interessanten Ergebnissen führen.  Es sei denn, man verstrickt sich, und findet nicht mehr den Weg aus alten Paradiesen heraus. Und das wird womöglich ein Thema meiner „JazzFacts“ im Deutschlandfunk am 5. Februar sein. Eine Zeitreise kann für den Jazzliebhaber zu unverhofften Entdeckungen führen. Eine solche machte ich unlängst, nichts Weltbewegendes, eine schöne Kleinigkeit – und ich verwandle sie in eine Frage an Conoisseurs. Glaube nicht, dass hier eine rasche Antwort kommt, trotz Wikipedia und Co. Ich selbst hätte, wäre ich nicht darüber gestolpert, auch eher dumm geguckt. Und wer weiss, ob meine Erkenntnis nicht von einem Jazzfuchs als Irrtum entlarvt wird. Also. Wer spielte das erste Conga-Solo der Jazzgeschichte, wann wurde es aufgenommen, und auf welcher Schallplatte befindet es sich? Am leichtesten kann man das Jahrzehnt erraten, der Jazzkenner kann sich leicht vorstellen, wann frühestens ein solches Conga-Solo in einem Tonstudio denkbar und angesagt war.

 
 

 
 

an diesen surrealen Roman von Italo Calvino, dem der Schriftsteller David Mitchell attestierte, heitere Avantgarde zu sein, denke ich an die vielen Romananfänge, die sich in diesem Erzählwerk aneinander reihen, unterbrochen von der zarten Liebesgeschichte zwischen einer Leserin und einem Leser. Das Schöne war, wie oft man in diesem Buch mit dem Versprechen eines neuen Anfangs geködert wurde, der dann stets in neue Welten, aber zugleich nirgendwohin führte. Etliche Jahre später habe ich dann die Lektion angewendet, die ich bei Calvino unbewusst gelernt hatte. Wenn dich ein Roman in ein uninteressantes Nirgendwo führt, statt, wie Calvino, in verführerische Nirgendwos, klappe das Buch zu, rasch! Dann wird es nie wieder passieren, dass du dich selbst austrickst und einem hochdekorierten Autor durch hanebüchenen Quatsch folgst. Bis zum bitteren Ende. In dieser Hinsicht (ich war so doof und habe es, einst, ganz gelesen) wird mir nie wieder das langweiligste Buch meines Lebens begegnen, denn ich müsste ja das ganze bleierne Werk durchkauen, um ein solches Urteil zu fällen. Und so thront einsam im Olymp des kulturell aufgeladenen Hoch-Blödsinns, Peter Handkes “Der Chinese des Schmerzes”, ein ganz und gar tumbes, gewiss virtuoses Depressivum, ein Betroffenheisschinken sondergleichen, in dem ein großer Stilist pure Langeweile zelebriert (trotz Mord und Totschlag). Lieblingsbuch von PH in den 70ern: „Der kurze Brief zum langen Abschied“.  

Letztes Jahr landete mit Karacho der hochgehandelte Roman STONER im Müll, völlig runterziehende Geschichte über einen permanent unglückseligen Literaturliebhaber. Solch zähen Calvinismus halte ich nur schwer aus. Nun, auch Calvinos postmoderne Romanze wirkt nach all den Jahren ein wenig altmodisch, aber es ist dennoch ein gut gealtertes Kunstwerk. Zuweilen denke ich an die Zeit der Lektüre zurück, wenn ich mal wieder in einem Buch gelandet bin, das mich nicht, calvinoesk, mit einem Augenzwinkern und kurzem Genuss an die Luft setzt, bestens unerfüllt, sondern in einem, in das ich tiefer und tiefer eintauche, wie vor einiger Zeit, in die Zeit der Staubstürme und der großen Depression der frühen 30er Jahre. Home was anywhere you hung your hat, and family was often whoever sat around your campfire, heißt es im Klappentext eines der jüngsten Romane  Joe R. Lansdales, ALL THE EARTH, THROWN TO THE SKY. Und das klingt doch, oder nicht, nach einem verlockenden Nirgendwo?! Genauso wie der Anfang von ORDINARY GRACE:) – Kindheit, die ersten Begegnungen mit dem Bösen, Überlebensstrategien von Kindern in alter Zeit, was freue ich mich aufs zweite Parallellesen mit William Kent Kruegers neuem Roman, der „Johnny Cash Prime Time“ verspricht, laut Lajla!

2015 3 Jan.

Lenticularis

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Lenticulariswolken,
 
 
 

 
 
 
kommen reichlich vor
 
 
 

 
 
 
und vor allem in reicher
 
 
 

 
 
 
und erstaunlicher Formvielfalt
 
 
 

 
 

2015 2 Jan.

Hotel Tour d‘ Auvergne

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Im 9. Arrondissement von Paris gelegen, mit der Oper, Montmartre und Gare du Nord ganz in der Nähe, ruft jedes der 24 einzigartig designten Zimmer des schicken Boutique-Stadthauses „Hotel de la Tour D’Auvergne“ förmlich „je ne sais quoi“. Künstlerischer Spirit steckt in jedem Stein des Hauses aus dem 19. Jahrhundert – was wohl auch an den ehemaligen Nachbarn wie Victor Hugo und Auguste Rodin liegt. Dementsprechend groß ist die Zuwendung zu jedem der einzigartigen Zimmer: Ob bunt und verrückt oder traditionell-schick – jedes Design-Zimmer hat seinen eigenen Stil und Charakter. Nennt sich so etwas nicht „Bohemien Style“? Treffpunkt: 23. Januar 2015, Rezeption.

2015 2 Jan.

Eigensinn

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Ihre erste Single wurde von Jagger/Richards komponiert. Andrew Loog Oldham wollte, dass sie, blutjung, die notorisch unzuverlässige Marianne Faithful beim „Immediate“-Label ersetzt. Es wurden weitere Songs und Demos produziert, die aber unveröffentlicht blieben. Schließlich kaufte sie sich Pferd und Kutsche und machte sich auf in Richtung Neue Hebriden, wo Donovan eine Künstlerkolonie gründen wollte. Als sie dort eintraf, war Donovan schon wieder fort. Aber sie hatte jetzt genug Songs im Gepäck, um mit Joe Boyd und Musikern der Incredible String Band „Just Another Diamond Day“ einzuspielen. Ein Flop? Ein gut gehütetes Geheimnis? Ein obskurer Klassiker mit Langzeitwirkung? 2000 wiederveröffentlicht, wurde es zur Inspiration von u.a. Joanna Newsom oder Devendra Banhart. 2005 überraschte „Prospekt Hummer“, eine Kooperation mit den Jungs von Animal Collective. Jetzt galt sie als die „Grandmother of Freak Folk“, obschon sie stets daran festhielt, als Pop-Musikerin wahrgenommen werden zu wollen. 35 Jahre nach dem Debütalbum folgte „Lookaftering“ mit 35 Minuten Musik und Gästen wie Newsom, Banhart oder Max Richter. Tolles Timing, denn zum zweiten Mal in ihrem Leben war sie Teil einer künstlerisch produktiven und angesagten Hippie-Szene. Die Songs der frühen sechziger Jahre wurden dann noch nachgereicht; tolle Geschichten ausgegraben und erzählt; Konzerte folgten. 2008 erzählte sie, dass sie gerade an einem neuen Album arbeite. Dann wurde es wieder still. Im Oktober 2014 veröffentlichte Vashti Bunyan, die irgendwann 2015 70 werden wird, ihr drittes und sehr wahrscheinlich letztes Album: „Heartleap“, diesmal einfach nur so, fast business as usual und leider auch nicht sonderlich beachtet. Weitere 35 Minuten fragiler kammermusikalischer Preziosen mit Streichern, Flöten, Klavier, Gitarren und etwas Elektronik. Zwei Singles und drei Alben in 50 Jahren, dazu ein paar Gastauftritte bei Piano Magic, Devendra Banhart und Vetiver. Und ein paar Kinder und Enkel. Ein Leben. „Every day is every day / One foot in front of the other / Learn to fall with the grace of it all / As stones skip across the water.“

2015 2 Jan.

Nairn’s London

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Natürlich steht London auf meinen Reiseplänen des Jahres. Indisch essen mit Bob, einmal Arsenal spielen sehen, am liebsten gegen die „Saints“, Brian Enos geplante Installation mit Kompositionen für massiv beschädigte Lautsprecher, im Hyde Park auf einem Liegestuhl liegen, und am Ufer der Themse ein Interview mit Marianne Faithfull führen über die kleinen Lücken in ihrer Lebensgeschichte – natürlich kann es ganz anders kommen.

Im Überschwang meiner Londonpläne bestellte ich mir gleich mal zur Jahreswende einen Reiseführer, der in einem Jahresrückblick besonders angepriesen wurde. „Nairn’s London“. Sah schön altmodisch aus,  das Cover, und wurde angepriesen als „intensely subjective meditation on a city and its buildings“. Das gefiel mir, und erst, als ich das Buch in Händen hielt, bemerkte ich: ups, es erschien ein Jahr vor Sgt Peppers Lonely Hearts Club Band, anno 1966. Ein Zeitreisebuch. Ich schlug einen Ort nach, an dem ich vor kurzem war, nahe St.Pancras Station.

„Right again, and you’re in Midland Road. You might as well be round the backside of New Street at Birmingham or London Road at Leicester. It is one of the most astonishing transformations in London, a jump of a hundred miles in a few yards, achieved with the unemphatic red brick and hypnotic arcading at the Goods Station. London for a moment – and just for a moment – seems fussy und flurried, using two words, where one will do.“

Wenn Gedächtnis und Wunschdenken mir keinen Streich spielen, erinnere ich mich an die „hypnotischen Arkaden“ von Goods Station. Aber wieviele Orte werden sich so gewandelt haben, dass man sie nur noch mit der Phantasie von Nairn erleben kann? Gewiss, manches widersteht dem reissenden Zahn der Zeit: „The whole of this place at the back of St. Pancras is incredibly moving: tunnels, perspectives, trains on the skyline, roads going all ways. If you get nothing from it at first, stay there until something happens: it is really worth the effort.“ Like listening to Brian Eno’s „Neroli“ while entering Goods Station.


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