Manafonistas

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2014 18 Jul

I will not be sad in this world / moon shines at night

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 10 Comments

Djivan Gasparyan is one of the world’s most distinctive, haunting instrumentalists. He’s a master of the oboe-like duduk, made of apricot wood and traditionally played by shepherds in his native Armenia, with which he creates surely the most plaintive and atmospheric noises on the planet, as heard on Ridley Scott’s Gladiator and Peter Gabriel’s soundtrack for Martin Scorsese’s The Last Temptation of Christ. Now comes the re-release of two of his classic recordings. On I Will Not Be Sad in This World, an instrumental set released in Russia in 1983, his pained, expressive playing is matched only against gentle drone effects. Brian Eno said it was „one of the most beautiful and soulful recordings I have ever heard“, and brought him to London to work with producer Michael Brook. The resulting Moon Shines At Night, released in 1993, is even more intense, with Gasparyan singing on two tracks. Exquisite. (R. Denselow, The Guardian)

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10 Comments

  1. Henning Bolte:

    “ … and traditionally played by shepherds in his native Armenia.“ Dies ist leider grosser Blödsinn und zeigt eine ziemlich unaufgeklärte Haltung. Es ist das Hauptinstrument einer sehr langen musikalischen Tradition, die von Komitas auf die gleiche Weise wie von Bartók und Kodaly in die Moderne überführt wurde. Die zitierten Werke sind ja gut und schön, aber gerade keine Aneignungen dieser Tradition!

    Es gibt eine ganze Reihe guter Aufnahmen von Gasparyan. Eine davon:

    Djivan Gasparyan Quartet (Libra Music, 1998)

    ein wunderbares Duduk-Quartett. Mehr dazu gibt’s in meinem Radio-Archiv.

  2. Michael Engelbrecht:

    Einspruch, Euer Ehren: es gibt hier eben tatsächlich eine ewig lange Traditionslinie, die der Folklore folgt und tatsächlich nicht zuletzt von Schafshirten praktiziert wurde.

    Komitas hat das Instrument ja nicht gebaut, und es nur in eine andere Strömung aufgenommen.

    Also, Folk, wem Folk gebührt, die Hirten und ihre Musik entspringen keiner westlichen Tourismusphantasie.

    „The roots of Armenian duduk music go back to the times of the Armenian king Tigran the Great (95-55 BC). The instrument is depicted in numerous Armenian manuscripts of the Middle Ages. The duduk accompanies popular Armenian traditional songs and dances of the various regions and is played at social events, such as weddings and funerals.“

  3. Henning Bolte:

    Was würden wir sagen, wenn jemand von weit her, die Musik hier als Musik von Kuhhirten beschreiben würde?

    Komitas hat genau wie Bartók oder (neueren Datums) Veljo Tormis
    REKONSTRUIERT.

    Schon mal eine Duduk angeblasen? Nicht so einfach, Doppelriet und Zirkuläratmung.

    Natürlich ruht alles in Folktraditionen. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass immer wieder nur das pastorale Hirtenbild bemüht wird!

    Was den König betrifft. Mein Sohn heisst Dikran Arto Parsegh B.. Es gibt die west- und die ostarmenische Schreibweise.

  4. Michael Engelbrecht:

    Und ich war in meinem vorletzten Erdendasein tatsächlich Schafehüter in Armenien. Und auch wenn ich nur mässig begabt war in der Handhabung der Duduk, um mich gab es wahre Hexenmeister auf dem Instrument. Die haben Bartok in diversen Parametern ihrer Kunst in die Tasche gesteckt.

    Und tatsächlch ist der PUNKT der, dass es keine genuine Überlegenheit der Klassik und der Rekonstruktionen gegenüber der alten Überlieferung gibt.

  5. Michael Engelbrecht:

    Und was das Alpenländische angeht, ist das mit den Kuhhirten nicht so falsch. Ich kenne diverse Zäuerli aus dem Appenzeller Hinterland, die einen aus den Schuhen hauen.

  6. Henning Bolte:

    ja, klar, alles geschenkt! Geht mir ganz und gar nicht um musikalische Hierarchien! Eher um „westliche“ Zueignungsweisen.
    Und noch ein Hinweis:

    http://www.youtube.com/watch?v=T-L4vlPb7xw

    http://www.youtube.com/watch?v=SzeN2H0Xk9o

  7. Michael Engelbrecht:

    Das aus meinem Blickwinkel Wenig-Hilfreiche aus dem Westen war die Banalisierung des Sounds der Duduk als Stimmungsverstärker in diversen Soundtracks.

    So kam der Klang nach Jahren so sattgehört daher wie einst die Panflöte. I WILL NOT BE SAD IN THIS WORLD erschien vor langer Zeit auf dem russischen Plattenlabel Melodia, und war eine ganz im Uralten verankerte Musik. Zufällig entdeckte Eno die Musik und veröffentlichte sie 1:1 im Westen.

  8. Wilfried:

    Okay, dann höre ich Banalitäten. Auch in meinem CD-Lager befindet sich die Djivan Gasparyan & Michel Brook, aber auch die Drummer von Burundi, auch Nusrat Fateh Ali Khan (mal mit Party in Paris, mal mit Massive Attack in London) + vieles, vieles mehr. Einiges hat mir Michael in seinen Klanhorizonten in den Neunzigern vorgespielt, und eines kann ich hier sagen/schreiben: Sattgehört an der Duduk, wie gehr das? Im deutschen Radio? Ein Witz!
    Mein Geschmack ist ja ziemlich einfach: Was gefällt, wird gekauft (auch in der Hoffnung, dass vielleicht zehn Cent beim Musiker landen). Hintergrundwissen (über Armenien, Pakistan, Burundi) ist das beim Hören der Musik erforderlich. Was soll denn diese Diskussion auf hohem Niveau?

  9. Michael Engelbrecht:

    Du hörst keine Banalitäten.
    Und die beiden reissues mit der Duduk sind einsame Klasse.
    Nur der Sound wird in Filmen zum Klischee, wenn es gerade mal besonders elegisch oder traurig zugeht – nicht aber, wenn ich abends zu einem Molly Dooker Two Left Feet diese beiden tollen Platten höre.

    Excellent music made by happy shepards in the Armenian hinterlands, for centuries….

  10. Henning Bolte:

    Hören ist Hören und die Vorstellungsphantasien spielen immer mit. Gehört dazu, ganz normal. Musik und bestimmte Bilder und Vorstellungsphantasien sind oft auch nicht mehr voneinander zu trennen. Man stelle sich nur vor, Albums würden in Butterbrots- tüten verkauft, und es würden keine Geschichten drumherum gerankt. Dass die ins Kraut schiessen, ist auch erwartbar. Der Mann aus Radebeul war einer der ersten, der sich da fleissig ins Zeug gelegt hat. Und manchmal ist die Fiktion ja auch einfach glaubwürdiger als alles andere. Wie das dann wieder kommt, ist eine Frage, der man nachgehen kann, aber nicht braucht.


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