Manafonistas

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Archiv: Mai 2014

2014 28 Mai

Tour du Faso

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Alles ist eitel. Dieser alte, in seiner Verallgemeinerung natürlich blödsinnige Spruch, kann leicht abgewandelt werden. Oft ist zuviel Eitelkeit im Spiel. Der Spruch ist dann nicht mehr so althergebracht, aber zutreffender. Eitelkeit entfaltet sich auch in den herrlichsten Naturräumen, der Blick für die Schönheit einer Landschaft behindert nicht das Pinseln des eigenen Bauchnabels. Gut zu sehen, in einer feinen Doku von Will Huygen, die vom grössten Radrennen Afrikas in Burkina Faso erzählt. Ein buntes Völkchen kommt da zusammen – Freaks, Altstars, Enthusiasten, Lokalhelden. Lauter Originale, die alle eine Besessenheit für ihren Sport antreibt. Europa trifft Afrika, auch das ist hier spannend erzählt, in unaufdringlichen Bildern. Alte Vorstellungen von Ehre und Fairness treffen auf Kleinkrämerei und Missgunst. Es gibt viel zu sehen in diesem Film, der nicht nur für den Radfahrmatador der Manafonistas, Joey, interessant sein dürfte.

 
Tour du Faso (Offizieller Trailer)

2014 27 Mai

Once upon a time in San Francisco

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San Francisco in the late 1960s was a place for lovers, poets, and peace-makers. Positivity and goodwill were as omnipresent as the fog, and people were greeted with open arms and rosie cheeks. Unless, of course, you were on the second story of Sam Wo Restaurant in the heart of Chinatown.

Past steaming woks and chopping blocks and up a narrow, creaky staircase, Edsel Ford Fong — the world’s most insulting waiter — greeted patrons with a “sit down and shut up!” Routinely, he cussed out his customers, sexually accosted female companions, and unapologetically spilled soup across laps. According to one diner, he was so malicious that he “made the Soup Nazi look like the Dalai Lama.”

Here is the whole story: 
 
„The Worst Waiter In History“

Parental advice: you can hear the word „pornography“ at the end of the album!

A few days ago I sat next to Eiléan Ni Chuilleanáin, who was described on Wikipedia or maybe somewhere else as one of the most famous Irish poets. As you would have expected it from a female irish poet, her hair reached at least to the seat of the chair she sat on. (By the way her hair was not red, just in case you would have expected also this feature from a female irish poet.) I remember one of her poetic pictures, children being thrown in language like in cold water. Later, in the discussion, one of the guests made a political comment about it. How the prohibition of speaking the own language was used as a weapon and – his voice became louder – could even kill people. I guess it had nothing to do with the poem, but some time ago I read somewhere, in every public lecture with following discussion there was this man who would talk und talk unless the organizer would stop him. The incessantly talking man was asked to translate his comment in italian language as most of the people were italians. A good idea: the man suddenly was quiet. The Greek poet Titos Patrikos is far more than 80 years old, but his eyes were shining bright, as he quoted another poet, who said, it was no problem to repeat one and the same thought in all the poems one writes as the poet thus would succeed in expressing more profoundly. Unfortunately I forgot the name of this intelligent poet, and I had no opportunity to ask Titos Patrikos later. So @ Titos Patrikos: if you read this, I would be pleased if you could make a comment and leave the name of that poet. Don´t worry: No one but Manafonistas will be able to read your e-mail-adress. I said I was grateful to Titos´remark as I had recognized all my poems circled around one theme: disappearance. (I never planned it and fortunalety it is not my job to analyze it.) And this, dear campfire friends, may be the main reason why I love the work of Labradford and the voice of Mark Nelson so much. Although very often it does not matter what someone says, but how, I especially love track No. 3 (PICO) from the album “Labradford” (1992) and the way Mark Nelson is whispering (not really singing) some words which sound like “somewhere alone / the light, street corners, city blocks, apartments abandoned to their drift“. And although I would love it to read the complete lyrics it is not really necessary as one can feel every single word.

 
 
 

 

2014 26 Mai

Everybody thinks this is a photo, but it‘s a story.

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This Guardian Film Show is some weeks old. Normally I don’t read or look at reviews before seeing a film, but this time it’s different. Peter Bradshaw sometimes loves movies I would leave after 15 minutes. Or it’s the other way round. I like to look, from time to time, at these shows after having been in one of the movies. Now, ladies and gentlemen, something that has never happened before: I really can’t wait to see each of these four movies, and I think every one of them will touch me quite deeply (though they are totally different from one another).

 
theguardian.com

Jason Williamson hat die Schnauze voll. Kann man mit so einer Wut, und den Mund voller Wörter, grossartige Lieder machen? Ja, kann man. Sogar fettarme Lieder. In dem Song „Fizzy“ schnappt er sich einfach dieses Wort, „Fizzy“, zerbeisst es, zerkaut es, zerlegt es. Und dann, am Ende, haut er noch ein unübersetzbares letztes verächtliches Stöhnen raus, pure unheitere Emotion. (An dieser Stelle gilt es, kurz Einhalt zu gebieten. Leute, die meinen Musikgeschmack nur relativ oberflächlich kennen, würden nie denken, dass ich ein Loblied auf solche Songs singen würde. Sich von meiner Begeisterung anstecken zu lassen, geschieht also auf eigene Gefahr. Ausserdem sample ich hier viele Stellen einer Rezension aus dem Netz, deren Lesen und teilweises Übersetzen mir so viel Spass bereiteten wie das Schreiben für sich allein.) Geräuschmusik, Noise, ist das nicht. Wieso erscheint es also auf einem Label, „Harbinger Sound“, in dem Lärm, zerbrechendes Glas, und rabiates Feedbackgedröhne zum guten Ton zählen?! Weil „noise“ Interferenz ist, und „noise“ eine Kraft darstellt, die existierende Systeme aufbrechen und Erwartungen verstören kann. in dieser Hinsicht ist das erbarmungslose Duo aus Nottingham eben auch geräuschig. Jason Williamson wurde in Grantham geboren, und auch ohne Reiseführer zu befragen, gilt dieses Städtchen als die langweiligste Stadt Englands. Die sogenannte „eiserne Lady“, Maggy Thatcher, kam auch dort auf die Welt, auch das noch! Jahrelang hat sich der junge Jason in Bands getummelt, ohne seinen Ton zu finden. Dann, irgendwann, in einem „fucking studio“ in Nottingham, hat er seine Sprechwutgesänge über einen Metalltrack gelegt. Mit diesem schmutzigen Dialekt, mit lauter seltsamen Wörtern und Codes, die einem Outsider noch fremder vorkommen müssten als der abgedrehteste Graffiti in einer leblosen Industrieanlage. Zynismus, Verachtung, Verzweiflung brechen sich Bahn in seinen Liedern. Warum sollte man sich das antun? Weil der Humor so gut ist! Nach einer Weile gesellte sich Andrew Fearn zu diesen gesammelten schwarzhumorigen Wutattacken und half, den Songs einen feinen groben Schliff zu verpassen: minimale Elektronik, eine Extraidee für jeden Song, zweite Gesangsspur, und andere Details. „Austerity Dogs“ ist eine unglaubliche Schallplatte. Die Stücke gehen in einander über ohne die kürzeste Atempause, die Lieder sind so hart und schmucklos wie „Pink Flag“ von Wire, so trockenbassorientiert wie „Bass Culture“ von Linton Kwesi Johnson, die Atmosphäre ist so dicht, das sich Bass und Tamburin wie der bedrohlichste Klang auf Erden anhören. „I worked my dreams off for two bits of ravioli and a warm bottle of Smirnoff under a manager that doesn’t have a fucking clue.” Wäre „Sozialer Realismus“ nicht so ein abgefackelter Ausdruck, man könnte ihn hier bestens verwenden. Aber das lässt man besser. „Austerity Dogs“ ist ein Meisterwerk aus den dunklen Winkeln Englands. Fizzzzzzyyyyy. Fizyyyyyy. Fizzzzyyyyy.

 
 
 

 
 

(Im letzten Jahr war ich schon sehr angetan von diesem Duo, das so jenseits meiner vertrauten Vorlieben die Säge auspackte und blanken Sarkasmus verströmte. Jetzt, in der Juni-Ausgabe von MOJO, ist ihr neues Werk, eher eine Compilation älterer Tracks, zur Platte des Monats gekürt worden. Aber wirklich doof, dass ich nicht mitgekriegt habe, dass sie einen Tag vor unserem „legendären“ Stuttgarter Klassentreffen im Aachener Musikbunker auftraten, wo ich zuletzt Lamchop sah. Ich hätte sie so gerne gesehen. Fu**!)

 
GOLDEN SEA
 
 
 


 
 
 
Manchmal gehe ich an meinem Plattenschrank, ziehe aus einer Abteilung einer bestimmten Musikrichtung, auf die ich gerade Lust habe, eine Platte heraus und denke, hey, wie gut ist die denn? So erging es mir kürzlich mit einer Langspielplatte aus dem Stall von Pedro de Freitas sound aspects. Leider existierte dieses ganz hier in der Nähe, quasi in der Nachbarschaft, in Backnang, angesiedelte Unternehmen nur neun Jahre, brachte aber 53 Platten in dieser Zeit heraus, und darunter sind zahlreiche Kostbarkeiten, zum Beispiel von Robin Holcomb, Wayne Horvitz, Bobby Previte, Butch Morris, Gerry Hemingway, Anthony Braxton oder Paul Smoker. Die Platte, die mir neulich zwischen die Finger kam, wurde aber von zwei ganz anderen Musikern aufgenommen, von David Murray und Kahil El´Zabar. David Murray, * 19.2.55 in Berkely Kalifornien, spielt hier Tenorsax und Bass Clarinet, während der am 11. November 1953 in Chicago, Illinois als Clifton Blackburn geborene Kahil El´Zabar an diversen Perkussionsinstrumenten und am Schlagzeug tätig ist.
 
 
 

 
 
 
Die Platte, um die es heute geht, heißt GOLDEN SEA, aufgenommen am 28. Januar 1989 in Chicago, abgemischt im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg. Das Titelstück hört sich wirklich an, wie es benannt ist, wie der Ozean bei sich neigender – nicht untergehender – Sonne, die See glitzert auf ganzer Fläche, es entstehen, je mehr sich die Sonne ihrem Horizont zuwendet mehr und mehr goldene Flächen, die glitzern und funkeln. Kahil El´Zabar entlockt seinen zahllosen Instrumenten tatsächlich die Golden Sea und David Murray scheint mit seinem Sax und seiner Bassklarinette dieses goldene Meer durchzupflügen.- Im zweiten Stück, Dreams, spielt Murray, man kennt das von ihm, einmal mehr recht frei, während im dritten Stück der ersten Plattenseite, Sunrise Serende, Kahil El´Zabar den Sonnenaufgang mit seiner Stimme und wiederum zahlreichen Perkussionsinstrumenten geradezu heraufbeschwört, David Murray schweigt hier. Auf Seite 2 erfreut das Duo den Hörer mit einer außergewöhnlichen Fassung des Miles Davis Klassikers All Blues. Die beiden spielen das Stück so zart, so zerbrechlich, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, Golden Sea, das Funkeln einzelner, kleiner, kurzer Wellen.- Die Platte endet mit einem engagiertem Lied für ein neues Südafrika, Song for a new South Africa.
Bei sound aspects erschienen noch zwei weitere Platten mit Kahil El´Zabar: The Ritual und Sacred Love, beide mit Lester Bowie u. a. und schließlich Another Kind of Groove mit Billy Bang und Malachi Favors.
Zu erwähnen sei noch, dass Kahil El´Zabar 1999 zwei CDs herausgebracht hat, die
eine mit Archie Shepp, die andere mit Pharoah Sanders.
 
 
 


 

2014 21 Mai

Long time waiting …

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