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on life, music etc beyond mainstream

2013 29 Dez

„Laidlaw“ etc.

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , , , , 5 Kommentare

(still deeply impressed by the best British crime TV series of 2013, now out on BluRay and DVD, Broadchurch) 

 

I have a little private theory. One thesis is simple: a great crime/thriller story can have a more profound effect on your life than a lot of highly estimated pieces of so-called serious fiction. It’s a „can“-phrase, no general statement. I believe that a great thriller is no fast food, but a way to touch deep zones of your life, on a conscious and unconscious level. And I ‚m not simply referring to the classics a la Hammett, Chandler, Highsmith, Woolrich, Doyle et al.

I ‚m always careful about books everybody’s talking about. Uwe Tellkamp’s novel „Der Turm“ has been highly praised, and is pure bullshit in my modest opinion. „Die Asche meiner Mutter“, on the other hand, is brilliantly written, high literature in every sense, but boring to death (because you always know what will happen next). Or Peter Handkes „Die linkshändige Frau“, pure kitsch that seems to be proud of any lack of action. Its lack of imagination speaks volumes.  Or one of the most boring books of German post-war literature, „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, another Handke novel that is – without mercy – killing hours and hours of precious lifetime. But the highlight of depressive nonsense of highest order is Handke’s „Der Chinese des Schmerzes“, in comparison to this Günter Grass’s slightly exhaustung „Der Butt“ is a hell of a ride!  Or last year’s bestseller „Shades of Grey“ – read ten pages of this piece of crap and you must think the so-called  sexual revolution had never really happened.  Völlig verklemmter Quatsch. So many books that get a nearly hysteric attention!

But, under the radar, you’ll find lost treasures that give you so much more than normal „serious“ or „mainstream crime fiction“. So, at the end of this, I highly recommend three books, one thriller, one mystery book, one more or less contemporary novel that deserve much more than the exclusive praise by a few happy critics and then vanishing into a minority „cult status“. „The Ocean at the End of the Lane“ by Neil Gaiman (okay, not really a secret anymore, but ignored (with raised eyebrows) by a lot of people who regard mystery books as third class literature!), „Der amerikanische Traum“ by Ernst Augustin (a true masterpiece!!!), and „Laidlaw“ by William McIlvanney (a crime novel I had read within two days and nights, originally published in 1977, and reissued by Cannongate Books in 2013).

 
 
 

 

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5 Kommentare

  1. Uli Koch:

    Lieber Michael,

    da dein Statement nur eine „Kann-Phrase“ sein soll, mag ich von einer Berührung einer tiefen Zone meines Lebens erzählen, die vielleicht auch musikalisch ein paar Bezüge aufzeigt.

    Da gab es diesen Sommer Ende der siebziger Jahre, der mit Tangerine Dreams „Zeit“ atmete, mit Klaus Schulze, Fripp & Eno und einigen Obscure Records. Immer auf der Suche nach etwas Stille, nach der Musik im Raum, zu dem einzelnen Ereignis. Da fiel mir in einem kleinen Buchladen nicht unweit meiner Schule ein kleines Buch von Peter Handke in die Hände: „Das Gewicht der Welt“, ein Journal. Einfach nur Beobachtungen, kurz, manchmal nur zwei Zeilen lang, und dann eine andere, die irgendwie dazu passte. Irgendwo zwischen den Seiten wurde mir schlagartig klar: das war Ambient, das war wie Musik, die mehr ist als nur ein Hintergrundrauschen und nur vordergründig weniger als all das, was ich bis dahin kannte. Das war kein Drama, keine Tragödie. Da war kein Spannungsbogen, sondern einfache Gegenwärtigkeit. Jeder Moment bekam ein gewisses Gewicht und mit ihm eine schwer zu beschreibende Leichtigkeit. Kurze Passagen aus „Die Sinnlosigkeit und das Glück“ (aus: Als das Wünschen noch geholfen hat) erfassen dies so poetisch wie musikalisch:

    … es gab keinen Plan,
    auch nicht die Idee eines Plans …
    Wie die Ausdruckslosigkeit ausdrücken,
    wenn das Weitergehen,
    aber auch das Stehenbleiben,
    das Aufblicken,
    aber auch das Wegblicken,
    das Reden,
    aber auch das Nicht-mehr-Weiterreden
    ohne eigenes Zutun Leben vortäuschen? …
    Und womit kehrst du am Abend nach Haus zurück?
    Mit solchen Anblicken, antwortet der Anblicksammler stolz.
    Und wie ordnest du sie? –
    Weil die Angst vor dem Unsinn vorbei ist,
    brauchen sie keine Ordnung mehr.
    Und der eigene Eindruck? –
    Weil der Unsinn vorbei ist, ist der Anblick
    zugleich schon Eindruck geworden …

    So war Handke für mich eine Art literarisches Pendant zur Ambient-Music, in Worten flüchtig erfassend, was vielleicht am ehesten Brian Eno in Klängen andeuten konnte. Und dann kam da dieser Film „Der kurze Brief zum langen Abschied“, der mit einer Filmmusik von Brian Eno diese Analogie in faszinierender Tiefe für mich erfahrbar machte (http://www.imdb.com/title/tt0204439/fullcredits?ref_=tt_cl_sm#cast).

    So verstehe ich Deine Aversion gegen Handke nicht recht, denn hier findet sich ein Raum ohne Anspruch auf „Action“ und Deine Vergleiche muten neben packenden Thrillern etwas an, als wollte man den Ereignishorizont von Eno’s „Neroli“ oder Köner’s „Novaya Zemlya“ mit den Klanggwittern der letzten Metallica-Scheiben angemessen ausloten … es ist einfach nur eine andere Perspektive, die natürlich die Frage des persönlichen Geschmacks unberührt lassen soll.
    Sollte deine Aversion aber daher rühren, dass du die Werke Handkes unerschütterlich bis zum Ende gelesen hast, mag hier vielleicht ein Ausspruch Sri Aurobindos Linderung verschaffen:

  2. Uli Koch:

    „Als ich ein vollkommen langweiliges Buch zuende las, und zwar mit Vergnügen, wobei ich seine vollkommene Langweiligkeit dennoch wahrnahm, da wusste ich, dass mein Geist bezwungen war.“

    Sri Aurobindo

  3. Michael Engelbrecht:

    Es ist schon tiefe Nacht, drum eine kurze, hoffentlich nicht verschwommene Antwort. Ich halte Handke für einen Sprachmagier, und kann die Beziehung zu Ambient in den erwähnten Büchern nur unterstreichen.

    Habe das Gewicht der Welt, die Essays, die Geschichte des Bleistifts (?), Wunschloses Unglück, den langen Brief … mit Freude (auch an kleinsten Nichtigkeiten) gelesen. Politisch halte ich ihn spätestens seit seinem Besuch bei Milosevic‘ Beerdigung für einen Spinner, um es vornehm auszudrücken. Seitdem verweigere ich jede weitere Lektüre.

    Und die genannten Bücher halte ich weiterhin für seine schwächsten, mal abgesehen von dem Komplettunsinn Der Hausierer. Späteres kann ich nicht mehr beurteilen. Aber diese Sache mit Eno und Handke ist, was etliche bücher angeht, nur zu wahr, und zeigt, dass ich wenig ausgewogen in meiner Auswahl war.

    Um Gottes willen, ich brauche keine „Action“ in der Literatur, es gibt wundervolle Formen des Geschichtenerzählens und des Geschichtenverweigerns.

  4. Gregor:

    Zum Glück schreibt mal jemand anderes über Handke; sehr schön, bin ich nicht so allein …

  5. Sabine:

    Vielen Dank für den Tipp “Laidlaw” by William McIlvanney – Ich bin begeistert!!


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