Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2013 7 Sep

The Kilowatt Hour

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , , , 3 Kommentare

Da kommen sie, schlicht gekleidet, auf die Bühne des Lichtspieltheaters. Ein Deutscher, ein Österreicher, ein Engländer. Stephan Mathieu liebt alte Grammophone, Christian Fennesz das elektrische Gitarrenspiel von Neil Young, und David Sylvian die Gedichte von Emily Dickinson. Kein Pappenstiel, die folgenden 70 Minuten. Wer solch fein gesponnene Kammermusik aus dem Geiste von Ambient, Drone und Sample schätzt, oder Zeiten kennt, in denen man sich vom strengen Morton Feldman eine dunkelblaue Stunde verordnen lässt (um die Sinne zu schärfen), kommt dem kühlen Mr. Sylvian und seiner „Kilowatt Hour“ leichter auf die Spur. In gewissen Abständen betritt eine geisterhafte Stimme das Rund, die in einem verwitterten, betagten Amerikanisch allerlei Unheiteres erzählt, was wahlweise auf Krankheit, Sinnverlust, Drogen, oder letzte Anstrengungen schliessen lässt, ein Beckett’sches Endspiel läuft da vor unseren Ohren ab, der Resthumor wird vom letzten Licht verschluckt. Die Stimme erinnert mich an William Burroughs, diese staubtrockene Beharrlichkeit in einem Laurie Anderson-Song. Sharkey’s Night? (Wie ich am nächsten Morgen herausfand, stammen Stimme und Texte von Franz Wright. David Sylvian hat ihn besucht, und die Aufnahme geleitet.)  Die Kilowattstunde mutiert zur Tranceinduktion, lieber läge ich lauschend auf einer Hängematte. Wo kommen die Klaviertöne her, die durchs Dunkel taumeln? Immerhin greift Fennesz manchmal zur Gitarre und verströmt einen dezenten Hauch aus der Ursuppe der Rockmusik. Mit seinem Set-up sorgt Stephan Mathieu für jene  Weite, die jeder Beklommenheit, jeder Enge entgegen arbeitet. Überschwang geht natürlich gar nicht, die Stimme aus dem Off ist zwar merklich angeschlagen, duldet jedoch weder Zuspruch, noch milde Gaben. Das Höchste der Gefühle ist eine kurze flackernde Reminiszenz an ein altes Lied, aus Frank Sinatras Schallplatte „Only The Lonely“. A dead bird is not a dead bird, wittert die Stimme mit den zahllosen Jahresringen, Einrissen und Erosionen. Im Hintergrund ist die Bildsprache beredt und raumgreifend im besten Sinn, die Ähren wiegen sich im Wind, und der tote Vogel zieht seine Kreise im Traum eines Anderen. Existenzieller Stoff. Dunkelspieltheater. Aus. Vorbei.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 7. September 2013 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Exzellent der Remix der Kilowatt Hour, mit Sidsel Endresen, Jan Bang und Erik Honore!

  2. Michael Engelbrecht:

    Writing in the New York Review of Books Helen Vendler said „Wright’s scale of experience, like Berryman’s, runs from the homicidal to the ecstatic … His best forms of or originality: deftness in patterning, startling metaphors, starkness of speech, compression of both pain and joy, and a stoic self-possession with the agonies and penalties of existence.“[6] Novelist Denis Johnson has said Wright’s poems „are like tiny jewels shaped by blunt, ruined fingers–miraculous gifts.“[citation needed] The Boston Review has called Wright’s poetry „among the most honest, haunting, and human being written today.[7] Critic Ernest Hilbert wrote for Random House’s magazine Bold Type that „Wright oscillates between direct and evasive dictions, between the barroom floor and the arts club podium, from aphoristic aside to icily poetic abstraction.“[8] Walking to Martha’s Vineyard (2003) in particular, was well received. According to Publishers Weekly, the collection features „[h]eartfelt but often cryptic poems…fans will find Wright’s self-diagnostics moving throughout.“[9] The New York Times noted that Wright promises, and can deliver, great depths of feeling, while observing that Wright depends very much on our sense of his tone, and on our belief not just that he means what he says but that he has said something new…[on this score] Walking to Martha’s Vineyard sometimes succeeds.“[10]

  3. Michael Engelbrecht:

    The Kilowatt Hour will be performing live:

    7th September 2013 – Punkt Festival, Kristiansand, Norway
    TICKETS: http://WWW.BILLETTSERVICE.NO

    18th September 2013 – MITO Festival – Officine Grandi Riparazioni, Torino, Torino
    TICKETS: http://WWW.VIVATICKET.IT

    19th September 2013 – MITO Festival – Alcatraz, Milano
    TICKETS: http://WWW.VIVATICKET.IT

    21st September 2013 – Teatro Massimo, Pescara
    TICKETS: http://WWW.CIAOTICKETS.COM

    22nd September 2013 – Auditorium Parco della Musica, Roma
    TICKETS: http://WWW.LISTICKET.IT

    24th September 2013 – Robot Festival – Teatro Comunale, Bologna
    TICKETS: http://WWW.VIVATICKET.IT


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